Archiv der Kategorie 'Pressespiegel'

FR-Fotostrecke: Ausstellung im Frankfurter Klapperfeld

Frankfurter Rundschau, 04.05.2012

Der Modellbau-Künstler Matthias Schmeier zeigt im Frankfurter Klapperfeld unter dem Ausstellungstitel »Ästhetik des Widerstands« bis zum 19. Mai seine 3D-Panoramen von Hausbesetzungen in Kreuzberg, Flüchtlingsdramen in Südostasien, Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg oder Straßenkämpfe in Beirut.

Fotos: Michael Schick


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Revolution 1:35 | Wie ein Modellbauer mit Kunst Geschichte schreibt

Hessischer Rundfunk (HR), Hauptsache Kultur, Donnerstag, 3. Mai 2012

Vietnamesen flüchten aus ihrer umkämpften Stadt, ein Mann steht mit aufgerissenem Hemd vor den sowjetischen Panzern im Prager Frühling 1968. Es sind Szenen vergangener Krisen, die vielen ins Gedächtnis gebrannt sind. Matthias Schmeier baut sie nach – im Maßstab 1:35.

Entstanden sind detaillierte und naturgetreue Darstellungen der Wirklichkeit von Revolution und Bürgerkrieg. Dafür wird Matthias Schmeier von der klassischen Modellbauszene, die normalerweise ein Idyll abbildet, nicht gerade geliebt. Doch er ist ein Mann mit Überzeugungen, war früher selbst auf Demonstrationen und in den achtziger Jahren in der Hausbesetzerszene aktiv.

Er macht das, was ihm wichtig ist. Die Modellbauten sieht er als Erinnerung an Ereignisse, in denen um Gerechtigkeit gekämpft wird. In seinen sogenannten Dioramen wird der Spanische Bürgerkrieg genauso lebendig wie der Prager Frühling. Im ehemaligen Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße in Frankfurt werden neun seiner Bauten jetzt gezeigt.

Bericht: Christine Romann

Information
Ästhetik des Widerstands – Klassenkampf und Revolution im Maßstab 1:35
Vom 28. April bis zum 19. Mai im ehemaligen Polizeigefängnis, Klapperfeldstr. 5, Frankfurt

Banner | Ausstellung im Klapperfeld | 28. April – 19. Mai 2012: Ästhetik des Widerstands. Revolution und Klassenkampf im Maßstab 1:35

Weitere Infos zur Ausstellung unter:
asthetikdeswiderstands.klapperfeld.de

Revolution 1:35 – Wie ein Modellbauer mit Kunst Geschichte schreibt

Hier der Sendehinweis zu einem Beitrag über die Ausstellung »Ästhetik des Widerstands – Klassenkampf und Revolution im Maßstab 1:35«, der am Donnerstag, den 3. Mai 2012 um 22:45 Uhr im Hessischen Rundfunk in der Sendung »Hauptsache Kulutur« ausgestrahlt wird:

Matthias Schmeier mit HR-Team

Vietnamesen flüchten aus ihrer umkämpften Stadt, ein Mann steht mit aufgerissenem Hemd vor den sowjetischen Panzern im Prager Frühling 1968. Es sind Szenen vergangener Krisen, die vielen ins Gedächtnis gebrannt sind. Matthias Schmeier baut sie nach – im Maßstab 1:35.

Entstanden sind detaillierte und naturgetreue Darstellungen der Wirklichkeit von Revolution und Bürgerkrieg. Dafür wird Matthias Schmeier von der klassischen Modellbauszene, die normalerweise ein Idyll abbildet, nicht gerade geliebt. Doch er ist ein Mann mit Überzeugungen, war früher selbst auf Demonstrationen und in den achtziger Jahren in der Hausbesetzerszene aktiv.

Er macht das, was ihm wichtig ist. Die Modellbauten sieht er als Erinnerung an Ereignisse, in denen um Gerechtigkeit gekämpft wird. In seinen sogenannten Dioramen wird der Spanische Bürgerkrieg genauso lebendig wie der Prager Frühling. Im ehemaligen Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße in Frankfurt werden neun seiner Bauten jetzt gezeigt.

Bericht: Christine Romann

Information

Ästhetik des Widerstands – Klassenkampf und Revolution im Maßstab 1:35
Vom 28. April bis zum 19. Mai im ehemaligen Polizeigefängnis, Klapperfeldstr. 5, Frankfurt

Banner | Ausstellung im Klapperfeld | 28. April – 19. Mai 2012: Ästhetik des Widerstands. Revolution und Klassenkampf im Maßstab 1:35

Weitere Infos zur Ausstellung unter:
asthetikdeswiderstands.klapperfeld.de

Radiobeitrag: Radio Z, 23.12.2011, Stoffwechsel

Logo Radio Z

Radio Z, 23.12.2011 (16.00 Uhr bis 18.00 Uhr)
Sendung: Stoffwechsel

Hier der Mitschnitt eines Interviews zur Arbeit der Initiative »Faites votre jeu!« und dem ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld in der Sendung »Stoffwechsel« beim freien Radiosender »Radio Z« aus Nürnberg (Die Musik zwischen den Interview wurde entfernt):

Teil 1:

download (8:07 Minuten; 6,1Mb)

Teil 2:

download (5:35 Minuten; 4,2Mb)

Unterstützung für »Faites votre jeu!«

Neuer Förderverein setzt sich für den Erhalt des ehemaligen Polizeigefängnisses im Klapperfeld ein

Frankfurter Neue Presse, 16.12.2011 (download pdf)


Im Keller sind Interviews mit ehemaligen Häftlingen des Polizeigefängnisses zu sehen. Foto: Martin Weis

Der Verein zur »Förderung geschichtspolitischer Auseinandersetzung« unterstützt ab sofort die Initiative »Faites votre jeu!«.

Innenstadt. Die Zukunft des ehemaligen Polizeigefängnisses in der Klappergasse ist ungewiss. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Gebäude abgerissen und das Areal neu bebaut werden soll, wenn sich ein Investor findet. Das will der neu gegründete Verein zur »Förderung geschichtspolitischer Auseinandersetzungen« verhindern. Die Gründungsmitglieder wollen ihren Zusammenschluss als Förderverein für die Initiative »Faites votre jeu!« verstanden wissen.

Vorsitzender ist der Sozialarbeiter Walter Schmidt. Er habe seit Mitte 2009 mit Interesse die Aktivitäten der Initiative »Faites votre jeu!« verfolgt, die das ehemalige Polizeigefängnis als selbstverwaltetes Zentrum führt und eine Dokumentation zur Geschichte des Klapperfelds in der Zeit des Faschismus erarbeitet hat. Diese wird als Dauerausstellung gezeigt, außerdem werden Konzerte, Lesungen und diverse andere Veranstaltung geboten.

»Die Befragung der letzten noch lebenden Zeitzeugen und die Forschung zu den aus dem Klapperfeld Deportierten in Verbindung mit der Etablierung eines sozialen Raums haben mich davon überzeugt, dass die Mitglieder der Initiative ihr Projekt mit großem Engagement und Potenzial verfolgen«, lobt Schmidt. Sie bearbeiteten einen bisher vernachlässigten Teil der lokalen Geschichte. Darüber hinaus hätten die Mitglieder der Initiative mit der derzeitigen Nutzung einen Raum für Menschen geschaffen, die sich selbstbestimmt treffen, organisieren oder politische und kulturelle Initiativen entwickeln. »Dies mit dem Förderverein zu unterstützen erscheint mir eine sinnvolle und notwendige Aufgabe zu sein«, betont Schmidt.

Ende November haben er und seine Mitstreiter den Verein gegründet. Der Verein will eine möglichst große Zahl von Fördermitgliedern gewinnen, durch Spenden und Beiträge sollen die Ziele des Vereins realisiert werden. Die Anerkennung des gemeinnützigen Charakters des Vereins ist beim Finanzamt Frankfurt beantragt.

Ziele des Vereins sind die Förderung der Forschung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld sowie die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit diesem Themengebiet. Unterstützt werden soll ferner die antifaschistische Erinnerungsarbeit, vor allem zum ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld, die Auseinandersetzung mit Strukturen, die zur Verfolgung und Repression aufgrund von politisch, »rassischen«, religiösen, nationalen oder sonstigen sozialen Gründen oder Zuschreibungen führen und geführt haben. Und natürlich setzt sich der Verein für den Erhalt des ehemaligen Polizeigefängnisses ein.

Maja Koster von »Faites votre jeu!« freut sich über den Förderverein. »Mit dessen Gründung ist ein weiterer Schritt gemacht, um die Arbeit unserer Initiative zu verstetigen und sicherzustellen, dass diese auch in Zukunft unabhängig weitergeführt werden kann.« Die langfristige Nutzung durch die Initative und der damit verbundene Erhalt des Klapperfelds als Ort kritischer historisch-politischer Auseinandersetzung sei einzig durch Abriss- oder Umnutzungspläne bedroht, die immer wieder ins Spiel gebracht würden.

Die Website des Fördervereins ist unter http://www.geschichtspolitischeauseinandersetzung.org erreichbar. Dort gibt es weitere Informationen zum Verein und die Möglichkeit, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen. (red)

Franco-Ausstellung im Klapperfeld

Im ehemaligen Polizeigefängnis wird in zwei Schauen an die Zeit des Faschismus in Spanien erinnert

Frankfurter Neue Presse, 19.09.2011 (download pdf)

Der Beginn des spanischen Bürgerkriegs ist ziemlich genau 75 Jahre her. Im Klapperfeld wird nun darauf und auf die Zeit des Franquismus zurückgeblickt. In der Fotoschau steht passend zum Ausstellungsort ein Gefängnis im Mittelpunkt.


Das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld hat sich mittlerweile zur Kulturstätte gemausert.

Innenstadt. Als Ergebnis einer zweiwöchigen Reise ins spanische und französische Baskenland sowie nach Katalonien hat die AG Geschichtspolitik des Vereins Grenzenlos eine Ausstellung zur Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs und des Franquismus entwickelt. Auf insgesamt 17 Tafeln wird zudem kurz die Geschichte einzelner Regionen (Baskenland, Katalonien und Südfrankreich) im Bürgerkrieg und danach vorgestellt und dann auf spezifische Erinnerungsorte und -projekte eingegangen. Der Fokus liegt auf der Darstellung unterschiedlicher erinnerungspolitischer Zugänge.

Mit der Ausstellung wird neben dem Bürgerkrieg vor allem die umkämpfte Erinnerung im spanischen Staat thematisiert, deren unterschiedliche Akteure beleuchtet werden. Der Beginn des Bürgerkriegs jährte sich im Juli 2011 zum 75. Mal. Mit dem letztlich siegreichen Putsch der Militärs um General Francisco Franco fand die Spanische Republik ihr Ende. Als weltweites Symbol des Aufbruchs und als vorweggenommener Kampf gegen den Faschismus ging mit der Republik auch ein Stück Hoffnung unter.

Heftige Repressionen

Dem Sieg der Franco-Truppen im Frühjahr 1939 folgte Repression, die in den Gebieten besonders heftig war, in denen die Arbeiterbewegung und die sich vom groß-spanischen Nationalismus distanzierenden Unabhängigkeitsbewegungen am stärksten waren. Erst nach dem Tod Francos fand die Diktatur 1977 ihr Ende und ging in eine parlamentarische Monarchie über.

Doch der Übergang zur Demokratie wurde mit der Straffreiheit der franquistischen Täter und einem staatlich gepflegten Vergessen erkauft. Dieses Schweigen dauerte bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, als mehr und mehr Menschen nach dem Schicksal ihrer Verwandten fragten.

Parallel zu „Umkämpfte Vergangenheit. Die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg und den Franquismus“ ist, neben einem Begleitprogramm, das aus einem Vortrag und zwei Dokumentarfilmen besteht, auch eine Fotoausstellung zu sehen. Sie erinnert an das franquistische Gefängnis Carabanchel.

Gefangene bauen selbst

Kurz nach Ende des Krieges entschied Franco, im Madrider Stadtteil Carabanchel ein neues Gefängnis für 2000 politische Häftlinge bauen zu lassen. Als Zwangsarbeiter mussten die Gefangenen ihr Gefängnis selbst bauen, das im Juni 1944 fertiggestellt wurde. Während der fast 40 Jahre dauernden Diktatur wurde Carabanchel zum Symbol der Repression, die all diejenigen traf, die für die Republik oder die soziale Revolution gekämpft hatten. Viele zum Tode Verurteilte verbrachten hier ihre letzten Stunden. Doch die Haftbedingungen waren für alle miserabel.

Auch nach Ende des Faschismus wurde das Gefängnis weiter genutzt. Erst am 11. September 1998 wurde es geschlossen. Kurz vor dem Abriss 2008 ist Arantxa Ramos noch einmal in das Gefängnis gelangt und hat die Reste einer Periode fotografiert, die dem Vergessen preisgegeben wird. Ihre von Hand entwickelten Fotografien sprechen trotz der Geschichte, die sie verkörpern, eine eigene Sprache.

Geöffnet haben die Ausstellungen im ehemaligen Polizeigefängnis, Klapperfeldstraße 5, bis zum 6. Oktober dienstags und donnerstags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Gruppen und Schulklassen können auch außerhalb der Öffnungszeiten einen Termin erhalten. Weitere Infos auch zum Begleitprogramm gibt es unter http://www.klapperfeld.de im Internet. (red)

Wie aus dem Klapperfeld deportiert wurde

Initiative macht Listen ausfindig, die belegen, was mit 3300 Inhaftierten des Nazi-Polizeigefängnisses passiert ist

Frankfurter Neue Presse, 26.07.2011 (download pdf)


Ort von Deportationen: Das ehemalige Polizeigefängnis an der Klapperfeldstraße. (Foto: Weis)

Das Polizeigefängnis Klapperfeld spielte in der Nazi-Zeit eine noch zentralere Rolle, als bisher angenommen. Davon ist »Faites votre jeu!« dank neuer Dokumente überzeugt.

Frankfurt. Der Initiative »Faites votre jeu!« hat verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig gemacht. Mehr als 3300 Menschen waren allein im Zeitraum von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie im August 1942 betroffen. Es lässt sich damit nachweisen, dass viele Menschen vom Polizeigefängnis Klapperfeld an der Konstabler Wache aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat »Faites votre jeu!« bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung des Hauses, Klapperfeldstraße 5, durch die Initiative unbekannt war. Die nun entdeckten Dokumente, die etwa die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Imke Kurz, Sprecherin der Initiative, sagt: »Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.«

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Juden wurden nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie etwa das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden, finden sich auf den Listen.

»Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben etwa herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde«, erläutert Kurz. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als »Edelweißpirat« im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von »Faites votre jeu!« in dem ehemaligen Polizeigefängnis zu erleben. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung noch in Frankfurt war. »Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.«, betont Imke Kurz. (red)

Von der Konstablerwache in den Tod

www.journal-frankfurt.de, 25.07.2011

Von Jasmin Takim

Die Initiative »Faites votre jeu!« hat vor zwei Jahren das Klapperfeld-Gefängnis besetzt. Jetzt sind Listen tausender jüdischer Frankfurter aufgetaucht, die dort einst inhaftiert waren. Ein Gespräch mit Sprecherin Imke Kurz.

Journal Frankfurt: Sie haben in einem Archiv in Bad Arolsen die Listen von 3300 jüdischen und politischen Häftlingen entdeckt. Diese Menschen sollen zwischen Februar 1943 und Juli 1944 vom Klapperfeldgefängnis aus in Vernichtungslager wie Auschwitz deportiert worden sein. Wie haben sie die Dokumente ausfindig gemacht?

Imke Kurz: Wir haben in allen Archiven gesucht, die Dokumente über diese Zeit aufbewahren. Arolsen ist bekannt dafür, dass hier viele Unterlagen noch nicht gesichtet wurden, das Archiv ist auch erst seit ein paar Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben eine Anfrage gestellt und festgestellt, das dort die Akten des Klapperfeld-Gefängnisses lagern.

Warum kommt dieser dunkle Punkt der Frankfurter Stadtgeschichte erst jetzt ans Licht?

Im Zuge unserer Dauerausstellung über die Geschichte des Gefängnisses haben wir von Anfang an gesagt, dass wir die gesamte Historie des Gebäudes rekonstruieren und nichts auslassen wollen. Warum sich die Stadt oder andere Institutionen darum bisher nicht gekümmert haben, kann ich auch nicht genau sagen. Da hätte viel mehr Engagement gezeigt werden müssen, denn das ist ein Thema, das alle angeht, auch heute noch. Etwa wenn man bedenkt, dass es in Bergen-Enkheim wieder Probleme mit Neonazis gibt. Dieses Thema ist auch heute längst nicht vom Tisch.

Die Listen sind Zeugen tausender von Einzelschicksalen verfolgter Frankfurter, eine davon war die Jüdin Cäcilie Breckheimer. Ihr Sohn Wolfgang wollte Zeit seines Lebens wissen, wann seine Mutter deportiert wurde und wie lange sie im Gefängnis an der Konstablerwache war. Jetzt ist er vor wenigen Wochen gestorben.

Das ist wirklich sehr schade, denn Wolfgang Breckheimer, ein ehemaliger »Edelweißpirat«, war ein Freund von uns, wir kannten ihn schon sehr lange. Die Listen geben ja Auskunft über persönliche Daten der Häftlinge und Ziel und Zeitpunkt ihrer Deportation. Wir hätten ihm das gerne alles mitgeteilt, denn diese Fragen standen für ihn immer im Raum.

Wären die verschollen geglaubten Listen ohne ihr Engagement jemals ans Licht der Öffentlichkeit gekommen?

Sicher nicht zu diesem Zeitpunkt. Wenn es uns nicht gäbe, dann würde sich wahrscheinlich niemand um das Klapperfeld kümmern, es sollte ja eigentlich auch schon abgerissen werden.

Was passiert jetzt mit den Listen?

Wir denken über ein großes Forschungsprojekt nach, in dem wir den unterschiedlichen Biografien der Gefangenen nachgehen wollen, deren Wegen und Haftgründen. Auch die Rolle der Frankfurter Polizei soll untersucht werden. Die Ergebnisse stellen wir dann in unserer Dauerausstellung dar.

Ab wann werden sie ihre Ergebnisse den Besuchern präsentieren können?

Das wird nicht lange dauern, wir arbeiten ja sowieso in einem Work-in-Progress-Verfahren, und so werden wir die Ergebnisse nach und nach auf unserer Homepage und in der Ausstellung öffentlich machen.