Archiv der Kategorie 'Pressespiegel'

Radiobeitrag: Radio Z, 23.12.2011, Stoffwechsel

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Radio Z, 23.12.2011 (16.00 Uhr bis 18.00 Uhr)
Sendung: Stoffwechsel

Hier der Mitschnitt eines Interviews zur Arbeit der Initiative »Faites votre jeu!« und dem ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld in der Sendung »Stoffwechsel« beim freien Radiosender »Radio Z« aus Nürnberg (Die Musik zwischen den Interview wurde entfernt):

Teil 1:

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Teil 2:

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Unterstützung für »Faites votre jeu!«

Neuer Förderverein setzt sich für den Erhalt des ehemaligen Polizeigefängnisses im Klapperfeld ein

Frankfurter Neue Presse, 16.12.2011 (download pdf)


Im Keller sind Interviews mit ehemaligen Häftlingen des Polizeigefängnisses zu sehen. Foto: Martin Weis

Der Verein zur »Förderung geschichtspolitischer Auseinandersetzung« unterstützt ab sofort die Initiative »Faites votre jeu!«.

Innenstadt. Die Zukunft des ehemaligen Polizeigefängnisses in der Klappergasse ist ungewiss. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Gebäude abgerissen und das Areal neu bebaut werden soll, wenn sich ein Investor findet. Das will der neu gegründete Verein zur »Förderung geschichtspolitischer Auseinandersetzungen« verhindern. Die Gründungsmitglieder wollen ihren Zusammenschluss als Förderverein für die Initiative »Faites votre jeu!« verstanden wissen.

Vorsitzender ist der Sozialarbeiter Walter Schmidt. Er habe seit Mitte 2009 mit Interesse die Aktivitäten der Initiative »Faites votre jeu!« verfolgt, die das ehemalige Polizeigefängnis als selbstverwaltetes Zentrum führt und eine Dokumentation zur Geschichte des Klapperfelds in der Zeit des Faschismus erarbeitet hat. Diese wird als Dauerausstellung gezeigt, außerdem werden Konzerte, Lesungen und diverse andere Veranstaltung geboten.

»Die Befragung der letzten noch lebenden Zeitzeugen und die Forschung zu den aus dem Klapperfeld Deportierten in Verbindung mit der Etablierung eines sozialen Raums haben mich davon überzeugt, dass die Mitglieder der Initiative ihr Projekt mit großem Engagement und Potenzial verfolgen«, lobt Schmidt. Sie bearbeiteten einen bisher vernachlässigten Teil der lokalen Geschichte. Darüber hinaus hätten die Mitglieder der Initiative mit der derzeitigen Nutzung einen Raum für Menschen geschaffen, die sich selbstbestimmt treffen, organisieren oder politische und kulturelle Initiativen entwickeln. »Dies mit dem Förderverein zu unterstützen erscheint mir eine sinnvolle und notwendige Aufgabe zu sein«, betont Schmidt.

Ende November haben er und seine Mitstreiter den Verein gegründet. Der Verein will eine möglichst große Zahl von Fördermitgliedern gewinnen, durch Spenden und Beiträge sollen die Ziele des Vereins realisiert werden. Die Anerkennung des gemeinnützigen Charakters des Vereins ist beim Finanzamt Frankfurt beantragt.

Ziele des Vereins sind die Förderung der Forschung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld sowie die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit diesem Themengebiet. Unterstützt werden soll ferner die antifaschistische Erinnerungsarbeit, vor allem zum ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld, die Auseinandersetzung mit Strukturen, die zur Verfolgung und Repression aufgrund von politisch, »rassischen«, religiösen, nationalen oder sonstigen sozialen Gründen oder Zuschreibungen führen und geführt haben. Und natürlich setzt sich der Verein für den Erhalt des ehemaligen Polizeigefängnisses ein.

Maja Koster von »Faites votre jeu!« freut sich über den Förderverein. »Mit dessen Gründung ist ein weiterer Schritt gemacht, um die Arbeit unserer Initiative zu verstetigen und sicherzustellen, dass diese auch in Zukunft unabhängig weitergeführt werden kann.« Die langfristige Nutzung durch die Initative und der damit verbundene Erhalt des Klapperfelds als Ort kritischer historisch-politischer Auseinandersetzung sei einzig durch Abriss- oder Umnutzungspläne bedroht, die immer wieder ins Spiel gebracht würden.

Die Website des Fördervereins ist unter http://www.geschichtspolitischeauseinandersetzung.org erreichbar. Dort gibt es weitere Informationen zum Verein und die Möglichkeit, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen. (red)

Franco-Ausstellung im Klapperfeld

Im ehemaligen Polizeigefängnis wird in zwei Schauen an die Zeit des Faschismus in Spanien erinnert

Frankfurter Neue Presse, 19.09.2011 (download pdf)

Der Beginn des spanischen Bürgerkriegs ist ziemlich genau 75 Jahre her. Im Klapperfeld wird nun darauf und auf die Zeit des Franquismus zurückgeblickt. In der Fotoschau steht passend zum Ausstellungsort ein Gefängnis im Mittelpunkt.


Das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld hat sich mittlerweile zur Kulturstätte gemausert.

Innenstadt. Als Ergebnis einer zweiwöchigen Reise ins spanische und französische Baskenland sowie nach Katalonien hat die AG Geschichtspolitik des Vereins Grenzenlos eine Ausstellung zur Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs und des Franquismus entwickelt. Auf insgesamt 17 Tafeln wird zudem kurz die Geschichte einzelner Regionen (Baskenland, Katalonien und Südfrankreich) im Bürgerkrieg und danach vorgestellt und dann auf spezifische Erinnerungsorte und -projekte eingegangen. Der Fokus liegt auf der Darstellung unterschiedlicher erinnerungspolitischer Zugänge.

Mit der Ausstellung wird neben dem Bürgerkrieg vor allem die umkämpfte Erinnerung im spanischen Staat thematisiert, deren unterschiedliche Akteure beleuchtet werden. Der Beginn des Bürgerkriegs jährte sich im Juli 2011 zum 75. Mal. Mit dem letztlich siegreichen Putsch der Militärs um General Francisco Franco fand die Spanische Republik ihr Ende. Als weltweites Symbol des Aufbruchs und als vorweggenommener Kampf gegen den Faschismus ging mit der Republik auch ein Stück Hoffnung unter.

Heftige Repressionen

Dem Sieg der Franco-Truppen im Frühjahr 1939 folgte Repression, die in den Gebieten besonders heftig war, in denen die Arbeiterbewegung und die sich vom groß-spanischen Nationalismus distanzierenden Unabhängigkeitsbewegungen am stärksten waren. Erst nach dem Tod Francos fand die Diktatur 1977 ihr Ende und ging in eine parlamentarische Monarchie über.

Doch der Übergang zur Demokratie wurde mit der Straffreiheit der franquistischen Täter und einem staatlich gepflegten Vergessen erkauft. Dieses Schweigen dauerte bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, als mehr und mehr Menschen nach dem Schicksal ihrer Verwandten fragten.

Parallel zu „Umkämpfte Vergangenheit. Die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg und den Franquismus“ ist, neben einem Begleitprogramm, das aus einem Vortrag und zwei Dokumentarfilmen besteht, auch eine Fotoausstellung zu sehen. Sie erinnert an das franquistische Gefängnis Carabanchel.

Gefangene bauen selbst

Kurz nach Ende des Krieges entschied Franco, im Madrider Stadtteil Carabanchel ein neues Gefängnis für 2000 politische Häftlinge bauen zu lassen. Als Zwangsarbeiter mussten die Gefangenen ihr Gefängnis selbst bauen, das im Juni 1944 fertiggestellt wurde. Während der fast 40 Jahre dauernden Diktatur wurde Carabanchel zum Symbol der Repression, die all diejenigen traf, die für die Republik oder die soziale Revolution gekämpft hatten. Viele zum Tode Verurteilte verbrachten hier ihre letzten Stunden. Doch die Haftbedingungen waren für alle miserabel.

Auch nach Ende des Faschismus wurde das Gefängnis weiter genutzt. Erst am 11. September 1998 wurde es geschlossen. Kurz vor dem Abriss 2008 ist Arantxa Ramos noch einmal in das Gefängnis gelangt und hat die Reste einer Periode fotografiert, die dem Vergessen preisgegeben wird. Ihre von Hand entwickelten Fotografien sprechen trotz der Geschichte, die sie verkörpern, eine eigene Sprache.

Geöffnet haben die Ausstellungen im ehemaligen Polizeigefängnis, Klapperfeldstraße 5, bis zum 6. Oktober dienstags und donnerstags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Gruppen und Schulklassen können auch außerhalb der Öffnungszeiten einen Termin erhalten. Weitere Infos auch zum Begleitprogramm gibt es unter http://www.klapperfeld.de im Internet. (red)

Wie aus dem Klapperfeld deportiert wurde

Initiative macht Listen ausfindig, die belegen, was mit 3300 Inhaftierten des Nazi-Polizeigefängnisses passiert ist

Frankfurter Neue Presse, 26.07.2011 (download pdf)


Ort von Deportationen: Das ehemalige Polizeigefängnis an der Klapperfeldstraße. (Foto: Weis)

Das Polizeigefängnis Klapperfeld spielte in der Nazi-Zeit eine noch zentralere Rolle, als bisher angenommen. Davon ist »Faites votre jeu!« dank neuer Dokumente überzeugt.

Frankfurt. Der Initiative »Faites votre jeu!« hat verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig gemacht. Mehr als 3300 Menschen waren allein im Zeitraum von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie im August 1942 betroffen. Es lässt sich damit nachweisen, dass viele Menschen vom Polizeigefängnis Klapperfeld an der Konstabler Wache aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat »Faites votre jeu!« bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung des Hauses, Klapperfeldstraße 5, durch die Initiative unbekannt war. Die nun entdeckten Dokumente, die etwa die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Imke Kurz, Sprecherin der Initiative, sagt: »Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.«

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Juden wurden nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie etwa das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden, finden sich auf den Listen.

»Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben etwa herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde«, erläutert Kurz. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als »Edelweißpirat« im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von »Faites votre jeu!« in dem ehemaligen Polizeigefängnis zu erleben. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung noch in Frankfurt war. »Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.«, betont Imke Kurz. (red)

Von der Konstablerwache in den Tod

www.journal-frankfurt.de, 25.07.2011

Von Jasmin Takim

Die Initiative »Faites votre jeu!« hat vor zwei Jahren das Klapperfeld-Gefängnis besetzt. Jetzt sind Listen tausender jüdischer Frankfurter aufgetaucht, die dort einst inhaftiert waren. Ein Gespräch mit Sprecherin Imke Kurz.

Journal Frankfurt: Sie haben in einem Archiv in Bad Arolsen die Listen von 3300 jüdischen und politischen Häftlingen entdeckt. Diese Menschen sollen zwischen Februar 1943 und Juli 1944 vom Klapperfeldgefängnis aus in Vernichtungslager wie Auschwitz deportiert worden sein. Wie haben sie die Dokumente ausfindig gemacht?

Imke Kurz: Wir haben in allen Archiven gesucht, die Dokumente über diese Zeit aufbewahren. Arolsen ist bekannt dafür, dass hier viele Unterlagen noch nicht gesichtet wurden, das Archiv ist auch erst seit ein paar Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben eine Anfrage gestellt und festgestellt, das dort die Akten des Klapperfeld-Gefängnisses lagern.

Warum kommt dieser dunkle Punkt der Frankfurter Stadtgeschichte erst jetzt ans Licht?

Im Zuge unserer Dauerausstellung über die Geschichte des Gefängnisses haben wir von Anfang an gesagt, dass wir die gesamte Historie des Gebäudes rekonstruieren und nichts auslassen wollen. Warum sich die Stadt oder andere Institutionen darum bisher nicht gekümmert haben, kann ich auch nicht genau sagen. Da hätte viel mehr Engagement gezeigt werden müssen, denn das ist ein Thema, das alle angeht, auch heute noch. Etwa wenn man bedenkt, dass es in Bergen-Enkheim wieder Probleme mit Neonazis gibt. Dieses Thema ist auch heute längst nicht vom Tisch.

Die Listen sind Zeugen tausender von Einzelschicksalen verfolgter Frankfurter, eine davon war die Jüdin Cäcilie Breckheimer. Ihr Sohn Wolfgang wollte Zeit seines Lebens wissen, wann seine Mutter deportiert wurde und wie lange sie im Gefängnis an der Konstablerwache war. Jetzt ist er vor wenigen Wochen gestorben.

Das ist wirklich sehr schade, denn Wolfgang Breckheimer, ein ehemaliger »Edelweißpirat«, war ein Freund von uns, wir kannten ihn schon sehr lange. Die Listen geben ja Auskunft über persönliche Daten der Häftlinge und Ziel und Zeitpunkt ihrer Deportation. Wir hätten ihm das gerne alles mitgeteilt, denn diese Fragen standen für ihn immer im Raum.

Wären die verschollen geglaubten Listen ohne ihr Engagement jemals ans Licht der Öffentlichkeit gekommen?

Sicher nicht zu diesem Zeitpunkt. Wenn es uns nicht gäbe, dann würde sich wahrscheinlich niemand um das Klapperfeld kümmern, es sollte ja eigentlich auch schon abgerissen werden.

Was passiert jetzt mit den Listen?

Wir denken über ein großes Forschungsprojekt nach, in dem wir den unterschiedlichen Biografien der Gefangenen nachgehen wollen, deren Wegen und Haftgründen. Auch die Rolle der Frankfurter Polizei soll untersucht werden. Die Ergebnisse stellen wir dann in unserer Dauerausstellung dar.

Ab wann werden sie ihre Ergebnisse den Besuchern präsentieren können?

Das wird nicht lange dauern, wir arbeiten ja sowieso in einem Work-in-Progress-Verfahren, und so werden wir die Ergebnisse nach und nach auf unserer Homepage und in der Ausstellung öffentlich machen.

»Deportationen von Polizeigefängnis aus«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2011 (download pdf)

Das frühere Polizeigefängnis Klapperfeld hatte nach Auffassung der Initiative »Faites votre jeu« im Nationalsozialismus eine »noch viel zentralere Rolle als bisher angenommen«. Das zeigten verschwunden geglaubte Deportationslisten, die die Initiative beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen ausfindig gemacht habe. Die Listen belegten Deportationen von mehr als 3300 Menschen von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie für den August 1942. Viele Juden, politische Gefangene und Zwangsarbeiter seien von dem Gefängnis aus deportiert worden. Imke Kurz von »Faites votre jeu« sagte, die Tatsache, dass die mehr als 3300 Inhaftierten in nur 19 Monaten direkt aus der Innenstadt in Lager und Gefängnisse deportiert worden seien, »eröffnet einen bisher noch weitestgehend unbekannten Blick auf die Frankfurter NS-Geschichte im Allgemeinen und die Funktion der Polizei während des Nationalsozialismus im Besonderen«.

Michael Lenarz vom Jüdischen Museum äußerte auf Anfrage Zweifel, dass die Deportation von mehr als 3300 Menschen bisher tatsächlich unbekannt geblieben sei. Allerdings könnten nun noch mehr Einzelschicksale aufgeklärt werden, von denen nichts oder nur wenig bekannt gewesen sei. Das Anliegen der Initiative, das Gefängnis als Teil des nationalsozialistischen Verfolgungsapparats bekannter zu machen, sei wichtig. toe.

Späte Aufklärung

Initiative findet verloren geglaubte Listen von Deportationen aus dem Gestapo-Gefängnis Klapperfeld

Frankfurter Rundschau, 23.07.2011 (download pdf)

Das ehemalige Frankfurter Gestapo-Gefängnis
Das ehemalige Frankfurter Gestapo-Gefängnis. (Foto: Andreas Arnold)

Von Danijel Majic und Claudia Michels

Wolfgang Breckheimer war 17 Jahre alt, als seine Mutter, Cäcilie Breckheimer, am 8. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und ins Polizeigefängnis Klapperfeld in der Frankfurter Innenstadt gebracht wurde. Was ihr zur Last gelegt wurde, war allein, dass sie Jüdin war. Der Name von Cäcilie Breckheimer steht auf Deportationslisten, die jetzt im Suchdienst-Archiv in Bad Arolsen gefunden wurden. Es könnte sich um einen Sensationsfund handeln.

Schon am 26. Juli 1943 wurde für Cäcilie Breckheimer im Vernichtungslager Auschwitz der Totenschein ausgestellt. Todesursache: »allgemeine Körperschwäche«. Wie lange seine Mutter bis zur Deportation im Polizeigewahrsam Klapperfeld gefangen gehalten wurde, beschäftigte ihren Sohn Wolfgang, der zur Widerstandsgruppe »Edelweißpiraten« gehörte, sein Leben lang. Er starb am 12. Juni 2011, ohne eine Antwort erhalten zu haben.

Heute könnte seine Frage beantwortet werden. Der Initiative »Faites votre jeu«, die seit zweieinhalb Jahren das ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld nutzt und dessen Geschichte erforscht, ist es gelungen, verloren geglaubte Listen von Deportationen aus dem damals der Gestapo unterstellten Gefängnis ausfindig zu machen. Laut der Initiative befanden sich die Listen, die mehr als 3300 Namen deportierter Frauen und Männer umfasst, in den Archiven des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen.

Großes Interesse an der Entdeckung

Dieses Archiv ist nach Auskunft des Instituts für Stadtgeschichte wissenschaftlichen Recherchen erst seit kurzem zugänglich. Expertin Jutta Zwilling, die die Datenbank der ermordeten jüdischen Frankfurter Opfer mit aufgebaut hat, reagierte mit großem Interesse auf die Entdeckung. Auch Michael Lenarz im Jüdischen Museum schließt nicht aus, »dass unbekannte Schicksale dabei sind. Das wäre sensationell«. Der Fund kommt unerwartet, denn gegen Kriegsende vernichtete die Gestapo (Geheime Staatspolizei) Akten im großen Stil.

»Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen«, stellt Imke Kurz fest, Sprecherin von »Faites votre jeu«. Jutta Zwilling im Institut für Stadtgeschichte glaubt das auch: »Da ist noch viel zu erforschen.« Historiker vermuten, dass es sich bei den Opfern um Menschen handelt, die nach den großen Massen-Deportationen, die ab Herbst 1941 organisiert wurden, denunziert oder aufgespürt worden waren.

Lenarz erwähnt Fälle, wo jemand angezeigt und festgenommen wurde, weil er den „Judenstern“ nicht getragen hat. Solche Menschen seien dann auf dem Weg in die Lager »mit Polizeibegleitung ins Zugabteil gesetzt worden«. Dies sei bisher wegen der Akten-Vernichtung »schwer rekonstruierbar gewesen«.

Die Dokumente in Bad Arolsen hatten Mitglieder der Initiative zwei Monate lang geprüft und festgestellt, »dass es sich tatsächlich um die verschollenen Listen handelt«, berichtet Imke Kurz. Man ahne, dass »noch viele Unterlagen aus dieser Zeit liegengeblieben sind und in Archiven lagern«.

Die Namenslisten geben Auskunft über Gefangene, die im August 1942 und von Februar 1943 bis Juli 1944 das Polizeigewahrsam an der Konstablerwache durchlaufen haben, darunter Juden, politische Häftlinge und Zwangsarbeiter. Neben persönlichen Daten finden sich Zeitpunkt und Ziel der Deportationen.

Cäcilie Breckheimer wurde am 26. April 1943 um 10.05 Uhr nach Auschwitz deportiert. »Solche Schicksale nachzuvollziehen, ist Sinn unserer Nachforschungen«, sagt Imke Kurz. Jetzt sollen die Daten mit der Gestapo-Datei in Wiesbaden und Hausstandsbüchern im Institut für Stadtgeschichte abgeglichen werden. Langfristig wollen die Klapperfeld-Nutzer mit wissenschaftlicher Hilfe ein Forschungsprojekt zur Geschichte des Polizeigewahrsams in Gang bringen.

Wo die Trostlosigkeit zu Hause ist

Blick ins Gefängnis Klapperfeld

Aus dem ehemaligen Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße sollte eigentlich ein Wohn- und Geschäftshaus werden. Dann zogen Studenten in den Knast und arbeiteten die Geschichte des Ortes auf.

Frankfurter Neue Presse, 21.05.2011 (download pdf)

Von Sylvia A. Menzdorf

Heruntergekommenes Baudenkmal: das ehemalige Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße. (Fotos: Weis)
Heruntergekommenes Baudenkmal: das ehemalige Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße. (Fotos: Weis)

Frankfurt. Schon diese Fassade, schmutzig gelb, mit verrosteten Fenstergittern. Alles signalisiert Verwahrlosung, beklemmende Öde, herzergreifende Trostlosigkeit. Der langgestreckte Kasten, vier Stockwerke hoch und von einer Mauer umgeben, ist ein heruntergekommenes Knastgebäude. Mitten in der Innenstadt, zwischen Konstablerwache und Zeil, im Windschatten der Justizpaläste, liegt das alte Polizeigefängnis Klapperfeld. Man kann hinein in den düsteren Bau, in dem niemals Strafgefangene, vielmehr Untersuchungshäftlinge und vorübergehend Festgesetzte untergebracht wurden. Man kann sich ansehen, in welch finsteren Löchern die Gefangenen schmorten. Man kann ihre verzweifelten Botschaften lesen, die sie auf den dreckigen Wänden und den schweren Türen hinterlassen haben. Alles Düstere drückt sich in wenigen Worten, Symbolen, kleinen Zeichnungen aus: Wut, Verzweiflung, Hoffnunglosigkeit.

Düstere Löcher

Seit 2001 muss hier niemand mehr sein Dasein fristen, keine Untersuchungshäftlinge und keine vorübergehend Sistierten. Hinein kommt man heute nur aus freien Stücken, etwa wenn man die Ausstellungen besichtigen möchte, die ein Studentenverein mit der angesichts des dafür gewählten Ortes eigenwillig anmutenden Bezeichnung »Faites votre jeu« (»Machen Sie Ihr Spiel«) organisiert. Dass die Studenten sich des Knasts durch Besetzung bemächtigt haben und dies nicht überall auf Freude stößt, wird später noch zu beleuchten sein.

Die ehemalige Wachtmeisterei des Gefängnisses ist jetzt Ausstellungsraum für Kunstpräsentationen, die die Studentengruppe von Zeit zu Zeit veranstalten.
Die ehemalige Wachtmeisterei des Gefängnisses ist jetzt Ausstellungsraum für Kunstpräsentationen, die die Studentengruppe von Zeit zu Zeit veranstalten.

Diesen Weg muss man einmal ganz bewusst gehen: Durch die schwere Eisentür an der zur Seilerstraße zeigenden Stirnseite des unwirtlichen Gebäudes geht es hinein ins Innere, zunächst in die frühere Wachstube. Eine undurchdringliche, wohl seit der Erbauung des Knast-Klotzes im Jahr 1886 währende Muffigkeit liegt in der Luft, legt sich auf die Nasenschleimhäute wie erstickender Mehltau auf Rosenblätter. Es riecht nach Schwermut, Pein und Pisse. Schon hier, in der Wachtmeisterstube im Erdgeschoss und erst recht auf den nicht enden wollenden Fluren der vier Stockwerke, zu deren beiden Seiten die Hafträume angeordnet sind. In den Zellen, in den beklemmend kleinen, düsteren Löchern mit Stuhl, Tisch, Klappliege und Kloschüssel, verdichtet sich der Gestank zu einem unerträglichen Konzentrat.

Beunruhigende Notiz

Die Ausdünstungen müssen zu Zeiten, als der Knast noch als sogenanntes Polizeigefängnis genutzt wurde, besorgniserregend gewesen sein. In seinem Bericht schreibt ein Polizeiarzt an den »Leitenden Polizeiarzt« folgende beunruhigende Notiz über eine ärztliche Inspektion am 21. 1. 44: »Das Schlimmste ist das völlige Fehlen einer Lüftung und der daraus resultierende Geruch, ein Wort viel zu milde, sondern wahrhaft pestilenzartige Gestank, der ohne jede Übertreibung direkt Übelkeit erzeugt… So etwas im Kulturzentrum einer Stadt wie Frankfurt, an einem Ort, den sehr viel Ausländer passieren.«

Zelle mit Klappliege, Klapptisch, Stuhl. Zur Ausstattung gehören auch Waschbecken und Kloschüssel.
Zelle mit Klappliege, Klapptisch, Stuhl. Zur Ausstattung gehören auch Waschbecken und Kloschüssel.

Im Gefängnis Klapperfeld waren Männer wie Frauen untergebracht, getrennt voneinander, auch beim Hofgang, den die Häftlinge jeweils auf dem »Männerhof« oder dem »Weiberhof« absolvierten. Hofgang war vorgeschrieben und zeitlich reglementiert, fand täglich zwischen 10 und 11 Uhr statt. Jedenfalls für die Frauen, so hat es die frühere Gefange Elsie Kühn-Leitz überliefert: »Die Inhaftierten wurden für 20 Minuten in den Innenhof geführt. Der Hofgang der Männer fand meist zwischen 5 und 7 Uhr statt und war durch gleichmäßige Exerzierschritte hörbar… Beim Hofgang war das Sprechen streng verboten.« Streng untersagt war der Beschreibung von Frau Kühn-Leitz auch, »sich tagsüber aufs Bett zu setzen oder sich hinzulegen. Jede Zelle ist mit einem Guckloch ausgestattet, durch das das Wachpersonal jederzeit das Geschehen in den Zellen kontrollieren konnte.«

Ihre Verzweifelung in die Wand geritzt haben einsitzende Häftlinge.
Ihre Verzweifelung in die Wand geritzt haben einsitzende Häftlinge.

Auch ein Frankfurter Pastor hat seine Eindrücke aus dem Gefängnis Klapperfeld der Nachwelt hinterlassen. Karl Veidt war Pfarrer der Paulskirche, wurde zweimal von der Gestapo verhaftet und ins Polizeigefängnis Klapperfeld gebracht. Das erste Mal für vier Tage im Jahr 1937, das zweite Mal im Februar 1941 für vier Wochen. »In der Zelle …, 3,50 Meter in der Länge, etwa zwei Meter breit, links die Pritsche, bei Tag hochgekippt, bei Nacht herunter. Rechts an der Wand eingelassen ein Tisch, ein Stuhl, beide bei Nacht hochgeschlagen, weil bei heruntergelassenem Bett sonst kein Raum gewesen wäre. Das kleine Fenster in unerreichbarer Höhe. Die schwere Holzpritsche hatte als Unterlage nur eine stark durchgelegene Matratze.«

Geschichte aufgearbeitet

Zusammengetragen haben diese und weitere Dokumente die Mitglieder des Geschichtsarbeitskreises von »Faites votre jeu«. »Die Studenten haben sich verdient gemacht um die Aufarbeitung der Geschichte dieses Ortes«, sagt Martin Müller-Bialon, Sprecher von Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Dies allein sei schon Grund genug, dass man einer Verlängerung des Mietvertrages mit dem Verein »äußerst wohlwollend«, so Müller-Bialon, gegenüber stehe.

Im Liegenschaftsamt ist die Wertschätzung für die aktuellen Nutzer des heruntergekommenen Knastes zurückhaltender. Davon gleich mehr.

Nichts hat sich verändert an und in dem verkommenen Gebäude. Es ist, als sei die Zeit stehen geblieben seit der Beschreibung des Frankfurter Pastors.

Gespenstisch anmutende Umgebung in den Katakomben des alten Polizeigefängnisses.
Gespenstisch anmutende Umgebung in den Katakomben des alten Polizeigefängnisses.

Dass sich nichts verändert, dass der schmutzig gelbe Kasten Jahr um Jahr vor sich hinrottet und einen beklagenswerten Anblick bietet, ist für Alfred Gangel, Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, ein gewisses Ärgernis. Der Knast auf der städtischen Liegenschaft in schönster City-Lage scheint auf merkwürdige Weise Klotz am Bein städtebaulichen Fortschritts zu sein. Vor etwa sieben Jahren, sagt Gangel, habe es einen ernsthaften Kaufinteressenten gegeben für die städtische Liegenschaft. Wohnungen habe dieser an die Stelle des ehemaligen Gefängnisses setzen wollen. Daraus sei am Ende nichts geworden. Dann habe die Justiz Erweiterungsbedarf und in diesem Zusammenhang Interessen an der Liegenschaft signalisiert. Bevor es zu konkreten Planungen kam, war plötzlich der Justizstandort an der Konstablerwache für eine Weile ernsthaft in Gefahr, weil die Landesregierung Pläne hatte, die Frankfurter Justizbehörden peripher in einem Neubau unterzubringen. Präsidenten und Personal der von diesen Plänen betroffenen Gerichte wehrten sich tapfer, unterstützt von Interessengruppen und vielen Bürgern. Die Nachricht, dass die Frankfurter Justiz bleibt, wo sie seit Jahrzehnten ist, nämlich nahe der Konstablerwache, ist noch einigermaßen frisch.

Das alte Polizeigefängnis Klapperfeld ist hinsichtlich seiner Lage für Investoren ein Sahnestück, indessen nicht in puncto Architektur und Bausubstanz. Beides aber muss im Prinzip erhalten bleiben, denn das Zweckgebäude stehe unter Denkmalschutz, sagt Alfred Gangel. Das macht die Immobilie gewiss schwerer vermittelbar.

Läden im Erdgeschoss

Gleichwohl hatte Gangel erneut einen Investitionswilligen fürs Klapperfeld gefunden. 25 bis 30 ausdrücklich nicht hochpreisige Wohnungen habe dieser in dem viergeschossigen Gebäude unterbringen wollen und im Erdgeschoss eine Ladenzeile. Wenn Alfred Gangel von diesen Plänen berichtet, gerät er zwar nicht gerade ins Schwärmen. Das wäre zu viel gesagt. Aber man erlebt eine wohltemperierte Beschreibungsfreude, die signalisiert: Diese Pläne haben den Liegenschaftsamtschef offenbar überzeugt. Die Erörterungen zwischen Gangel und dem Investor müssen schon einen gewissen Fortschritt erreicht haben. Gangel sagt, man habe bereits über den Erbbauzins verhandelt. Weiter aber kam man nicht.

Immer noch steht der ehemalige Knast, wo er 1886 hingesetzt wurde, vernachlässigt, unansehnlich, mit Grafitti beschmiert. Seit zwei Jahren ist das Gebäude in der Hand der erwähnten Studenten. Genauer gesagt: Der Initiative mit der Bezeichnung »Faites votre jeu«, die sich als Kulturinitiative begreift und bezeichnet. 2008 hatte die offene Gruppe ein ehemaliges leerstehendes Jugendzentrum in der Varrentrappstraße (Bockenheim) besetzt. »Um ein selbstverwaltetes, unkommerzielles Zentrum zu schaffen«, erklärt eine Sprecherin der Gruppe. Die Stadt Frankfurt indessen hätte das Jugendzentrum vorgesehen als Verwaltungsgebäude für eine angrenzende Schule – und deshalb den Studenten kurzerhand das Gefängnis als Ausweichquartier angeboten. Die Studenten zogen dort ein, mit einem befristeten Mietvertrag und dem Bildungsdezernat als Vertragspartner. Im August läuft die Vereinbarung aus. Eine Verlängerung ist, wie bereits erwähnt, nicht unwahrscheinlich.

Seitdem sei die städtische Liegenschaft seiner Zuständigkeit, was Zukunftsplanungen angeht, entzogen, sagt Alfred Gangel, und diesmal klingt er überhaupt nicht begeistert. Im Gegenteil. Es schwingt eine gewisse Süffisanz mit, wenn er solch wohlgesetzte Worte wie diese wählt: »Liegenschaften haben die Eigenschaft und den Vorteil, nicht wegzurennen. Und jede Generation hat das Recht, eigene Vorstellungen über die Nutzung städtischer Liegenschaften darzustellen.« (enz)