Archiv der Kategorie 'Pressemitteilungen'

Pressemitteilung 13.09.2011 ­– Ausstellung »Umkämpfte Vergangenheit. Die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg und den Franquismus« und Fotoausstellung »Carabanchel: Ein franquistisches Gefängnis« vom 18. September bis zum 6. Oktober im Klapperfeld

Im Juli diesen Jahres jährte sich der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs zum 75. Mal. Aus diesem Anlass eröffnet die Initiative »Faites votre jeu!« am Sonntag, 18. September 2011 um 14 Uhr zwei Gastausstellungen die sich mit der Erinnerung an den spanischen Bürgerkrieg und dem Franquismus beschäftigen.

Als Ergebnis einer zweiwöchigen Reise ins spanische und französische Baskenland sowie Katalonien hat die AG Geschichtspolitik des Vereins Grenzenlos e.V. (www.verein-grenzenlos.net) die Ausstellung »Umkämpfte Vergangenheit. Die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg und den Franquismus« entwickelt. Auf insgesamt 17 Tafeln wird neben der Geschichte des Bürgerkriegs im Allgemeinen kurz die Geschichte einzelner Regionen (Baskenland, Katalonien und Südfrankreich) im Bürgerkrieg und danach vorgestellt und auf spezifische Erinnerungsorte und -projekte eingegangen. Der Fokus liegt auf der Darstellung unterschiedlicher erinnerungspolitischer Zugänge, die je nach politischem Kräftegewicht und regionaler Geschichte variieren. Mit der Ausstellung wird neben dem Bürgerkrieg vor allem die umkämpfte Erinnerung im spanischen Staat thematisiert, deren unterschiedliche Akteur_innen beleuchtet werden.

Die Fotoausstellung »Carabanchel: Ein franquistisches Gefängnis« zeigt die Fotografien die Arantxa Ramos von einem Gefängnis gemacht hat, dessen Bau Generalísimo Franco kurz nach Ende des Krieges im Madrider Stadtteil Carabanchel angeordnet hatte. Als Zwangsarbeiter mussten die Gefangenen ihr Gefängnis, das für 2000 politische Häftlinge ausgelegt war, selbst bauen. Im Juni 1944 wurde es fertiggestellt. Während der fast vierzig Jahre dauernden Diktatur wurde das Männergefängnis zum Symbol der Repression, die all diejenigen traf, die für die Republik oder die soziale Revolution gekämpft hatten. Viele zum Tode Verurteilte verbrachten dort ihre letzten Stunden. Die Haftbedingungen waren miserabel – zur Folter und den Misshandlungen durch die Wärter kamen Epidemien, die sich aufgrund der schlechten hygienischen Zustände rasch ausbreiteten. In den letzten Jahren des franquistischen Regimes und während des Übergangs zur bürgerlichen Demokratie war Carabanchel Ort zahlreicher Häftlingsaufstände. Beschlossen auf offenen Versammlungen, forderten die Gefangenen unter anderem Amnestie, eine Reform des Strafrechts und die Entlassung faschistischer Gefängnisfunktionäre.

Auch nach Ende des Faschismus wurde das Gefängnis weiter genutzt. Erst nachdem der Direktor öffentlich eingestanden hatte, dass die Zustände in Carabanchel untragbar seien, wurde das Gefängnis am 11. September 1998 geschlossen – 54 Jahre nach seiner Eröffnung. Trotz der Proteste ehemaliger Häftlinge und verschiedener Organisationen, die im ehemaligen Gefängnis ein »Zentrum der Erinnerung« einrichten wollten, wurde Carabanchel 2008 abgerissen. Kurz zuvor ist Arantxa Ramos noch einmal in das Gefängnis gelangt und hat die Reste einer Periode fotografiert, die dem Vergessen preisgegeben wird. Ihre von Hand entwickelten Fotografien tragen keine Erklärungen, sondern stehen für sich, geben Raum für die »Erinnerung« an die Repression unter dem franquistischen Regime. Nachdem die Ausstellung zuvor in Paris zu sehen war, ist sie jetzt im Klapperfeld zu Gast. Die Fotografin wird bei der Eröffnung anwesend sein.

Maja Koster von »Faites votre jeu!« erklärte: »Der Übergang zur bürgerlichen Demokratie in Spanien wurde mit der Straffreiheit der franquistischen Täterinnen und Täter und einem staatlich gepflegten Vergessen erkauft. Dieses Schweigen hatte zwar von Anfang an Risse, aber es dauerte bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, bis sich die Unzufriedenheit steigerte, mehr und mehr Menschen nach dem Schicksal ihrer Verwandten fragten und überall im Land erinnerungspolitische Gruppen entstanden, die Massengräber exhumieren und den Kampf gegen das Vergessen antreten. Wir hoffen mit den beiden Ausstellungen einen kleinen Beitrag zu diesem Kampf zu leisten.«

Die beiden Ausstellungen können vom 18. September bis zum 6. Oktober 2011 zu den folgenden Öffnungszeiten besucht werden:

Dienstag, Donnerstag: 17 – 20 Uhr
Mittwoch: 10 –13 Uhr
Samstag, Sonntag: 15 – 18 Uhr

Während der Öffnungszeiten kann auch die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfelds besucht werden. Gruppen oder Schulklassen, die die Ausstellungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten besuchen möchten, können gerne einen Termin vereinbaren (0163 9401683 oder info[ät]klapperfeld.de). Das Begleitprogramm und weitere Infos zu beiden Ausstellungen findet Sie hier: www.klapperfeld.de/spanienausstellung

Anhang:
Flyer zur Ausstellung

Pressemitteilung als pdf: download

Pressemitteilung 21.07.2011 ­– Verschollen geglaubte Deportationslisten entdeckt: Polizeigefängnis Klapperfeld hatte zentrale Funktion für Deportationen aus Frankfurt

Korrektur: In unserer Mitteilung ist uns gestern Abend leider ein Schreibfehler unterlaufen. Die Deportationslisten umfassen nicht Zeitraum von Februar 1943 bis Mai 1944 sowie für August 1942, sondern den Zeitraum Februar 1943 bis Juli 1944 sowie für August 1942. Die Summe von 19 Monaten ist somit richtig. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Der Initiative »Faites votre jeu!« ist es gelungen, verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig zu machen. Die Listen belegen Deportationen von über 3.300 Menschen allein für den Zeitraum von Februar 1943 bis Mai 1944 Juli 1944 sowie für August 1942. Diese Dokumente, die unter anderem die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Anhand ihrer lässt sich nachweisen, dass viele Personen vom Klapperfeld aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald, Ravensbrück oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat »Faites votre jeu!« bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung durch die Initiative noch vollkommen unbekannt war. Mit den neu entdeckten Quellen liegen nun noch weitaus umfassendere Informationen vor. Imke Kurz, eine Vertreterin der Initiative, kommentierte den Fund wie folgt: »Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.«

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Jüdinnen und Juden wurden unter anderem nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie zum Beispiel das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter_innen finden sich auf den Listen, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden. »Die unterschiedlichen Haftgründe der später Deportierten, die Zusammensetzung der Transporte und die Tatsache, dass die über 3.300 Inhaftierten in nur 19 Monaten direkt aus der Frankfurter Innenstadt in die unterschiedlichen Lager und Gefängnisse deportiert wurden, eröffnet einen bisher noch weitestgehend unbekannten Blick auf die Frankfurter NS-Geschichte im Allgemeinen und die Funktion der Polizei während des Nationalsozialismus im Besonderen«, so Imke Kurz.

»Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde«, erläuterte die Vertreterin der Initiative weiter. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet. Bevor sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, war sie im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als ›Edelweißpirat‹ im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von »Faites votre jeu!« zu sehen. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter, bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung, noch in Frankfurt war. »Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.«, so Imke Kurz abschließend.

Ahlrich Meyer (Historiker, emeritierter Prof. der Universität Oldenburg) bezeichnete die von der Initiative wieder aufgefundenen Namenslisten ebenfalls als wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente: »Die Dokumente werfen ein neues Licht auf die Beteiligung von Polizeistellen an der Deportation in die Vernichtungslager. Die Auswertung dieser Listen wird manche Einzelschicksale deportierter Juden aus Frankfurt klären helfen. Außerdem können nunmehr viele Angaben zu Personen, die in dem vom Bundesarchiv herausgegebenen ›Gedenkbuch‹ (Opfer der Verfolgung der Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945) und dessen aktueller Online-Version verzeichnet sind, ergänzt beziehungsweise korrigiert werden.«

Pressemitteilung als pdf: download

Presseerklärung: Erneut brutale und überzogene Polizeiaktion von Beamten des 17. Reviers gegenüber Roma (17.5.2010)

Aus Solidarität mit den Betroffenen und aufgrund der Tatsache, dass die Öffentlichkeit und die bürgerliche Presse das in der folgenden Pressemitteilung dokumentierte, wiederholt gewaltätige Verhalten von Frankfurter Polizist_innen gegenüber Roma – wenn überhaupt – nur als Randnotiz wahrnehmen wird, dokumentieren wir hier eine Presseerklärung des Förderverein Roma e.V.:

Am 8.5.2011, gegen 7.00 Uhr, wurden drei junge Erwachsene von Beamten des 17. Reviers bei einer Personenüberprüfung misshandelt. Die Betroffenen mussten sich aufgrund der erheblichen Verletzungen in ärztliche Behandlung begeben.

Fünf Erwachsenen zwischen Anfang zwanzig und dreißig Jahren kamen nach einem Disco-Besuch in die Toni-Sender-Straße und warteten auf dem Parkplatz auf einen Freund, um die Heimfahrt zu organisieren. Laute Musik aus dem Auto veranlasste Nachbarn dazu, die Polizei zu benachrichtigen. Diese kam mit drei Wagen, einem Bus und mindestens acht bis zehn Beamten ohne Namensschilder. Die Musik wurde sofort leiser gemacht und die Türen des Autos geschlossen.

Ohne ersichtlichen Grund oder bedrohlichem Verhalten der Roma wurden drei Personen mit den Wörtern »Ach, wieder mal Zigeuner« von den Beamten zu Boden geworfen, an Händen und Füßen gefesselt, massiv getreten und geschlagen. Tritte auf alle Körperteile, Fixierung des Gesichts mit Füßen, Schläge auf Kopf, Gesicht und der Hinweis, »das Maul zu halten« waren die Reaktion der Polizisten auf die Beschwerde der Betroffenen. Beim Versuch eines weiteren Beteiligten, die Vorgehensweise per Handy zu dokumentieren, wurde die Aufnahme durch die Beamten gelöscht. Die Personen sind zur weiteren erkennungsdienstlichen Behandlung und Blutprobe mit auf die Wache genommen worden, wobei ein junger Mann auch im Bus und in der Zelle weiter verprügelt und beleidigt wurde. Gründe für die vorläufige Inhaftierung wurden nicht genannt, ebenso wenig wurden die Namen der Polizeibeamten bekannt gegeben.

Gegen 15.00 Uhr kamen die Roma aus dem Gewahrsam frei. Die anschließende ärztliche Testierung des Klinikums Höchst ergab folgenden Befund: Fraktur und Riss im Mittelfuß, Handverletzungen, Schwellungen, Prellungen im Becken, an Brust und Hals, Wunden am Oberkörper sowie Kopf-, Gesichts- und Handverletzungen. Die Fußverletzungen sind so erheblich, dass eine der Personen bis auf weiteres arbeitsunfähig ist.

Das 17. Revier fiel bereits wiederholt durch unverhältnismäßige Vorgehensweisen und diskriminierendes Verhalten gegenüber Roma auf. So wurde der Schwiegermutter eines Involvierten bei einem früheren Einsatz die Hand gebrochen. Der Förderverein Roma hat in den letzten Jahren immer wieder ähnliche, völlig überzogene Polizeiaktionen kritisiert sowie die straf- und dienstrechtliche Verfolgung von Beamten mit massiven Fehlverhalten und rassistischen Einstellungen verlangt. Auch in dem geschilderten Fall wurde Strafanzeige wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung erstattet sowie die staatsanwaltlichen Ermittlungen beantragt. Der Verein fordert die rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge und die strafrechtliche Ahndung der verantwortlichen Polizeibeamten.

Förderverein Roma e.V., Ffm., den 17.5.2011

Quelle: http://www.foerdervereinroma.de/archiv/2011/20110517.htm

Pressemitteilung 07.02.2011 ­– Erfolgreiche Eröffnung der Ausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders« / Begleitprogramm hat begonnen

Am Samstag, dem 5. Februar 2010 eröffneten »Faites votre jeu!« und die Gruppe »No Border Ffm« im Klapperfeld in Frankfurt am Main die Wanderausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders«. Die Ausstellung widmet sich auf anschauliche Weise der restriktiven deutschen Asylpolitik. Vor allem die Auswirkungen der im Hinblick auf Bewegungsfreiheit und Menschenwürde höchst fragwürdigen Residenzpflicht werden hier nachvollziehbar. Die Ausstellung wird bis zum 24. Februar zu sehen sein.

Über 80 Besucher_innen verschafften sich in einer begehbaren Installation aus Infowänden, Architekturmodellen, Audio- und Video­features einen Eindruck vom beklemmenden Alltag von Flüchtlingen in Deutschland. Die Ausstellung beschreibt die abstrakten Techniken zur Überwachung von Raum und Bewegung, wie etwa der Beschränkung des Aufenthalts für Menschen im Asylverfahren oder mit Duldung auf den jeweiligen Landkreis oder das Bundesland – die sogenannte Residenzpflicht. Ausführlich kommen auch die Betroffenen selbst zu Wort. Sie berichten, was es bedeutet, der deutschen »Ausländerpolitik« ausgesetzt zu sein, aber auch wo im Alltag Widerstand geleistet werden kann und muss. Dieser doppelte Zugang ermöglicht es auch Menschen, die nicht selbst von der Residenzpflicht betroffen sind, deren Auswirkungen nachzuvollziehen und das Ausmaß der Ausgrenzung zu begreifen. Während der Öffnungs­zeiten der Wanderausstellung, die in den Ausstellungsräumen im ersten Stock zu sehen ist, ist auch der unverändert erhaltene zweite Stock erstmals geöffnet. Da dass Klapperfeld ab den 1980er Jahren bis zur Schließung 2003 auch zur Inhaftierung von Abschiebehäftlingen genutzt wurde, können sich die Besucher_innen dort ein Bild von den Bedingungen der Abschiebehaft machen.

Eine Besucherin sagte anlässlich der Eröffnung: »Die deutsche Asylpraxis dient in erster Linie dazu, die Asylsuchenden systematisch aus der Deutschen Mehrheitsgesellschaft auszuschließen. Die Ausstellung und die Zellen des auch als Abschiebeknast genutzten ehemaligen Gefängnisses machen auch für nicht Betroffene sichtbar, welchem System der Ausgrenzung und Stigmatisierung die Betroffenen ausgesetzt sind.«

Auch am zweiten Ausstellungstag war das Interesse groß. Mehr als 50 besuchten am Sonntagnachmittag die Wanderausstellung. Am Sonntagabend begann außerdem das Begleitprogramm zur Wanderausstellung, das sich kritisch mit dem Themenkomplex ›Asylpolitik‹ beschäftigt. Bei dieser ersten von insgesamt sechs Begleitveranstaltungen sprach Rex Osa, ein Aktivist von The Voice Refugee Forum, über die Repression gegen Flüchtlinge und Asylsuchende in der BRD und die Notwendigkeit von Widerstand bis zur Abschaffung von rassistischen Sondergesetzen wie der Residenzpflicht.

Die weiteren Begleitveranstaltungen finden an den folgenden Terminen statt (weitere Infos: www.klapperfeld.de/invisibleborders/):

Mittwoch, 9. Februar 2011,
19.30 Uhr // »Die Residenzpflicht – Innerdeutsche Grenzen im europäischen Kontext«
Vortrag von Kasm Cesmedi zu Residenzpflicht und zur Abschiebung von Roma aus Deutschland in die Staaten des ehemaligen Jugoslawien.

Mittwoch, 16. Februar 2011,
19.30 Uhr // »Asylsuchende auf der Weiterflucht in Europa – aktuelle Entwicklungen zur Dublin-II-Verordnung«
Vortrag und Diskussion von und mit Maria Bethke und Dominik Bender. Beide sind hauptberuflich mit der Beratung von Flüchtlingen befasst.

Samstag, 19. Februar 2011
20.00 Uhr // »Reise ohne Rückkehr – Endstation Frankfurter Flughafen«
Ein Film über den sudanesischen Flüchtling Aamir Ageeb, der 1999 an Bord einer Lufthansa Maschine abgeschoben werden sollte, sich wehrte,und dabei von BGS Beamten erstickt wurde. Der Regisseur Güclü Yaman wird bei der Vorführung anwesend sein. Infos zum Film auf: www.journeyofnoreturn.com

Mittwoch, 23. Februar 2011,
20.00 Uhr // »Residenzpflicht und Bleiberecht aus Perspektive eines Betroffenen« Hassan Khateeb
, aktiv bei Jugendliche ohne Grenzen (www.jogspace.net), berichtet über den Irrsinn deutscher Bleiberechtsregelungen. Er und seine Familie waren 17 Jahre lang geduldet und permanent von Abschiebung bedroht, erst im Oktober 2010 haben sie Aufenthaltsrecht bekommen.

Donnerstag, 24. Februar 2011,
20.00 Uhr // »Die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX und die südlichen Außengrenzen der EU«
Vortrag von Sebastian Schaurer & Fabian Wagner. In Kooperation mit dem Forschungsprojekt »Staatsprojekt Europa« (www.staatsprojekt-europa.eu).

»Residenzpflicht – Invisible Borders« – 5. Februar – 24. Februar 2011
Öffnungszeiten:
Di & Do: 17 – 20 Uhr; Mi: 10 – 13 Uhr; Sa & So: 15 – 18 Uhr (Eintritt frei, Spenden erwünscht!)

Anhang:
Fotos der Ausstellungseröffnung zur freien Verwendung
(wenn Sie weiteres Bildmaterial benötigen, können Sie uns gerne kontaktieren)

Pressemitteilung als pdf: download

Pressemitteilung 26.01.2011 – Wanderausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders« vom 5. bis zum 24. Februar im Klapperfeld

Am 5. Februar 2010 eröffnen »Faites votre jeu!« und die Gruppe »No Border Ffm« im Klapperfeld in Frankfurt am Main die Wanderausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders«. Die Ausstellung widmet sich auf anschauliche Weise der restriktiven deutschen Asylpolitik. Vor allem die Auswirkungen der im Hinblick auf Bewegungsfreiheit und Menschenwürde höchst fragwürdigen Residenzpflicht werden hier erfahrbar. Die Ausstellung wird bis zum 24. Februar zu sehen sein.

In einer begehbaren Installation aus Infowänden, Architekturmodellen, Audio- und Videofeatures vermittelt die Ausstellung einen Eindruck vom beklemmenden Alltag von Flüchtlingen in Deutschland. Sie beschreibt die abstrakten Techniken zur Überwachung von Raum und Bewegung, wie etwa der Beschränkung des Aufenthalts für Menschen im Asylverfahren oder mit Duldung auf den jeweiligen Landkreis oder das Bundesland – die sogenannte Residenzpflicht. Ausführlich kommen auch die Betroffenen selbst zu Wort. Sie berichten, was es bedeutet, der deutschen »Ausländerpolitik« ausgesetzt zu sein, aber auch wo im Alltag Widerstand geleistet werden kann und muss. Dieser doppelte Zugang ermöglicht es auch Menschen, die nicht selbst von der Residenzpflicht betroffen sind, deren Auswirkungen nachzuvollziehen und das Ausmaß der Ausgrenzung zu begreifen.

Die Wanderausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders«, ursprünglich 2009 konzipiert, sorgte bereits damals deutschlandweit für Aufmerksamkeit. In der Nacht zum 23. Januar 2010 wurde sie jedoch durch einen von Neonazis verübten Brandanschlag auf das »Haus der Demokratie« in Zossen vollständig zerstört. Statt wegen dieses feigen Anschlags zu resignieren, fanden sich schnell wieder engagierte Menschen für die Neukonzeption und den Wiederaufbau der Ausstellung zusammen. Inhaltlich erweitert und unter Einbeziehung weiterer Arbeiten wurde die Ausstellung in neuer Form bereits im Juni 2010 in Berlin wiedereröffnet. Seit dem war sie in Potsdam, Hannover, Frankfurt an der Oder, Cottbus und Köln zu Gast und wird jetzt für knapp drei Wochen im Klapperfeld zu sehen sein.

Maja Koster vom Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« erklärte: »Wir sind froh, dass wir mit ›Residenzpflicht – Invisible Borders‹ nun auch eine Ausstellung bei uns zu Gast haben, die einen Bezug zum jüngeren Teil der Geschichte des Klapperfelds herstellt.« Das Klapperfeld wurde ab den 1980er Jahren nicht mehr nur als Gewahrsam sondern bis zu seiner Schließung 2003 auch als Abschiebeknast genutzt. Dazu Maja Koster »Die durch den Staat illegalisierten Menschen waren jedoch – im Gegensatz zur sonstigen Nutzung als Gewahrsam in den letzten Jahrzehnten – nicht nur mehrere Stunden oder wenige Tage im Klapperfeld inhaftiert, sondern mitunter wesentlich länger. Sie mussten ihre Zeit unter miserablen Bedingungen in den viel zu kleinen und dunklen Zellen verbringen. Für die Betroffenen bedeutet die Abschiebung in der Regel den Weg in Armut, Verfolgung, Folter, Krieg oder gar den Tod.«

Damit sich die Besucher_innen auch ein Bild von den Bedingungen in Abschiebehaft machen können, ist während der Öffnungs­zeiten der Wanderausstellung, die in den Ausstellungsräumen im ersten Stock zu sehen ist, auch der zur Inhaftierung der Abschiebehäftlinge genutzte zweite Stock erstmals geöffnet. Der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« wird in diesem Rahmen auch die Ergebnisse seiner Recherchen zur Nutzung des Klapperfelds als Abschiebeknast öffentlich machen. Steffen Pflüger von der Gruppe »No Border Ffm« die gemeinsam mit »Faites votre jeu!« die Wanderausstellung und das Begleitprogramm organisieren, erklärte: »Der Besuch der Wanderausstellung an dem authentischen Ort des ehemaligen Abschiebeknastes ermöglicht einen bedrückenden Blick auf die repressive auf Ausgrenzung basierende deutsche Asylpolitik.«

Er warnte jedoch davor, die Zustände im Klapperfeld als »bedauernswerten Einzelfall« abzutun, der mit der Schließung 2003 behoben sei: »In Flüchtlingslagern und Abschiebeknästen herrschen nach wie vor miserabelste Bedingungen. Diskriminierung, Illegalisierung, Kriminalisierung und Arbeitsverbote, die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und die damit verbundenen Isolation und nicht zuletzt die unmenschliche Abschiebepraxis sorgen in Deutschland für die systematische und konsequente Ausgrenzung der Flüchtlinge aus allen Lebensbereichen. Der aktuelle Diskurs um Migrationspolitik zeigt unverblümt, wie Migrant_innen heute noch strikter nach wirtschaftlichen Nützlichkeitskriterien für die Nation selektiert werden. Wer in Deutschland Zuflucht sucht, kann sich kaum auf humanitäre Gründe berufen. Menschen, die vor Hunger, Krieg und Armut fliehen haben auch im Rhein-Main Gebiet unter den in der Ausstellung eindrücklich illustrierten unmenschlichen und systematischen Diskriminierungsformen zu leiden.«
 
 
Ergänzend zur Wanderausstellung wird es im Klapperfeld außerdem verschiedene Veranstaltungen geben, welche sich kritisch mit dem Themenkomplex ›Asylpolitik‹ beschäftigen. So präsentiert zum Beispiel am 19. Februar der Regisseur Güclü Yaman seinen Film »Reise ohne Rückkehr – Endstation Frankfurter Flughafen« über den sudanesischen Flüchtling Aamir Ageeb, der 1999 an Bord einer Lufthansa Maschine abgeschoben werden sollte, sich wehrte und dabei von Beamten des Bundesgrenzschutz erstickt wurde. »Die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX und die südlichen Außengrenzen der EU« werden am 24. Februar von Sebastian Schaurer und Fabian Wagner vom Forschungsprojekt »Staatsprojekt Europa« des Frankfurter Instituts für Sozialforschung in einem Vortrag thematisiert. Die Termine und Themen aller weiteren Begleitveranstaltungen werden unter www.klapperfeld.de/invisibleborders/ veröffentlicht.
 
 
Vertreter_innen der Presse haben die Möglichkeit die Ausstellung vorab, am Dienstag, den 1. Februar um 11 Uhr zu besuchen. Bitte melden Sie sich dafür bis Montag, den 31. Januar um 22 Uhr unter folgender Telefonnummer 0163 9401683 oder per Mail (faitesvotrejeu [ät] yahoo.de) an.
 
 
Anhang:
Flyer zur Wanderausstellung »Residenzpflicht – Invisible Borders«
Fotos der Ausstellung zur freien Verwendung
(wenn Sie weiteres Bildmaterial benötigen, können Sie uns gerne kontaktieren)
 
 
»Residenzpflicht – Invisible Borders«
5. Februar – 24. Februar 2011
Ehemaliges Polizeigefängnis Klapperfeld
Klapperfeldstraße 5
60313 Frankfurt

Eröffnung: 5. Februar 2011, 15 Uhr
Abschluss: 24. Februar 2011, 17 Uhr (im Anschluss [20 Uhr]: Vortrag vom »Staatsprojekt Europa«)
Öffnungszeiten: Dienstag & Donnerstag: 17 – 20 Uhr; Mittwoch: 10 – 13 Uhr; Samstag & Sonntag: 15 – 18 Uhr

Eintritt frei, Spenden erwünscht!
 
 
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter 0163 9401683 und faitesvotrejeu@yahoo.de zur Verfügung.
 
 
Website zur Geschichte des Klapperfelds: www.klapperfeld.de
Website der Initiative »Faites votre jeu!«: faitesvotrejeu.blogsport.de
Website der Gruppe »No Border Ffm«: noborderffm.blogsport.de
Website des »Staatsprojekts Europa«: www.staatsprojekt-europa.eu
Website zum Film »Reise ohne Rückkehr – Endstation Frankfurter Flughafen«: www.journeyofnoreturn.com/de/

 
 
Pressemitteilung als pdf: downlaod

Pressemitteilung 02.11.2010 – Ausstellungen im Klapperfeld finden großen Anklang

Am 31. Oktober endete die Gastausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück« im Klapperfeld. Die Wanderausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933 – 1945, die die Biografien von Frauen nachzeichnet, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren, war für sechs Wochen in den neuen Ausstellungsräumen im ersten Stock des ehemaligen Polizeigefängnisses zu sehen.

Gemeinsam mit der Wanderausstellung eröffnete der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« am 19. September auch seine erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfelds, die im Keller und Erdgeschoss zu sehen ist.

Bereits am Tag der Eröffnung kamen fast 200 Besucher_innen ins Klapperfeld und auch in den folgenden Wochen nahm das Interesse nicht ab. Insgesamt besuchten zwischen dem 19. September und dem 31. Oktober fast 1.000 Personen die beiden Ausstellungen.

Helga Cremer-Schäfer, Professorin an der Frankfurter Goethe-Universität im Fachbereich Erziehungswissenschaften, sagte im Anschluss an einen Besuch mit den Teilnehmer_innen eines ihrer Seminare: »Die Biographien der Gastausstellung dokumentieren das politische Leben der Frauen. Sie zeigen nachdrücklich, dass die Deportationswege in die Lager auch durch die Gefängnisse führten, was die Dauerausstellung der Initiative noch einmal verdeutlicht. Die Ausstellungen im ehemaligen Gefängnis eröffnen einen besonderen Erfahrungsraum. Der Besuch des bis ins 21. Jahrhundert genutzten Gefängnisses Klapperfeld schärft den Blick für das, was durch Bestrafung und Internierung in Gefängnissen geschieht. Dieser Ort als Raum für vielfältige Erfahrungen sollte unbedingt erhalten bleiben.«

Gottfried Kößler, stellvertretender Direktor des Fritz Bauer Instituts, kommentierte die erweiterte Dauerausstellung und die Arbeit von »Faites votre jeu!«: »Wenn es einen ›authentischen Ort‹ gibt, dann ist es dieses ehemalige Gefängnis. Die feuchte, kalte Luft, die schäbigen Wände, die uralten Zellentüren und der lange Flur vermitteln ein Gefühl des Menschenfeindlichen. In dieses Relikt der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Polizeigefängnis seit 1886 bis 2003, hat die Initiative ›Faites votre jeu!‹ einen gegenwärtigen Ort gebaut. Das ist gelungen durch Grundlagenrecherchen über die Häftlinge und die Wachmannschaften auf der einen Seite, die Etablierung eines funktionierenden selbstverwalteten Zentrums auf der anderen. Das sind die Grundlagen für Publikumsbindung. Es ist beeindruckend, dass es gelingt, über den Betrieb eines selbstverwalteten Zentrums das historische Interesse von Jugendlichen zu wecken, die dann ihre Lehrerinnen und Lehrer überzeugen, die Ausstellung über die Geschichte des Gefängnisses zu besuchen. Die Ausstellung selbst ist auf die Erzählungen von Zeugen bzw. auf die Dokumentation von Biografien zentriert, es geht also um Erfahrungsgeschichte, um die Handelnden in der Geschichte.«

Maja Koster vom Arbeitskreis Geschichte zeigte sich zufrieden und zog nach den sechs Wochen ein positives Resümee: »Das breite Interesse an unserer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Klapperfelds freut uns und ist zusätzliche Motivation, diese weiter voran zu treiben.«

Außerdem gab sie einen ersten Ausblick auf die weitergehende Arbeit zur Geschichte des Klapperfelds: »In den nächsten Monaten wollen wir verschiedene Themenfelder bearbeiten: Zum einen geht es uns um die Nutzung des Klapperfelds als Abschiebeknast ab den 1980er Jahren, zum andern um Repression und Kriminalisierung außerparlamentarischer, linker Bewegungen, von den Studierendenprotesten der späten 1960er Jahre bis heute. Natürlich werden wir auch unsere Forschungen zur nationalsozialistischen Vergangenheit des Gefängnisses weiterführen. Darüber hinaus stehen wir bereits wieder mit verschiedenen Gruppen und Institutionen in Kontakt, um weitere Wanderausstellungen ins Klapperfeld zu holen.«

Abschließend dankte Maja Koster noch einmal allen, die »Faites votre jeu!« und den Arbeitskreis Geschichte unterstützen: »Seit unserem Umzug haben uns die verschiedensten Menschen, aber auch einige Institutionen bei unserer Arbeit zur Geschichte des Klapperfelds auf vielfältige Weise unterstützt. An dieser Stelle möchten wir noch einmal Danke sagen.«

Seit dem 1. November kann die erweiterte Dauerausstellung übrigens auch online auf der Website zur Geschichte des Klapperfelds (www.klapperfeld.de) besucht werden. Die Texte aller Tafeln, die videografischen Interviews und ein Großteil der in der Ausstellung gezeigten Dokumente können auf der vom Arbeitskreis Geschichte erstellten Website abgerufen werden.

Für alle, die die Dauerausstellung vor Ort besuchen möchten, ist die Ausstellung ab November jeden Samstag von 15 bis 18 Uhr geöffnet sowie während allen anderen öffentlichen Veranstaltungen. Gruppen und Schulkassen die die Ausstellung außerhalb der regulären Öffnungszeiten besuchen möchten, können gerne einen Termin für eine Führung vereinbaren (telefonisch: 0163 9401683 | via E-Mail: info[ät]klapperfeld.de).

Pressemitteilung als pdf: download

Pressemitteilung 19.09.2010 – Erfolgreiche Eröffnung von zwei Ausstellungen im Klapperfeld

Erweiterung der Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfeldes und Gastausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück«

Heute, am Sonntag den 19. September 2010, eröffnete der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld. Den Kern der Ausstellung stellt weiterhin die Rolle des Polizeigefängnisses während des Nationalsozialismus dar. Neu entstandene Ausstellungsteile richten den Blick zudem auf die Entstehung des Klapperfelds im 19.Jahrhundert, die Funktion des Gefängnisses in der Weimarer Republik und die Nutzung des Klapperfelds durch die US-Army während der Entnazifizierung.

Parallel dazu ist für sechs Wochen auch die Wanderausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück« vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945 und der Lagergemeinschaft Ravensbrück zu sehen. Diese zeichnet die Biografien von Frauen nach, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren und legt einen besonderen Schwerpunkt auf den Widerstand der Gefangenen.

Schon am Tag der Eröffnung der beiden Ausstellungen waren fast 200 Menschen im Klapperfeld zu Gast. Maja Koster vom Arbeitskreis Geschichte resümierte: »Der heutige Tag war für uns ein voller Erfolg und die Zahl der Besucher_innen hat selbst unsere Erwartungen übertroffen. Dieses breite Interesse an unserer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Klapperfelds freut uns und ist zusätzliche Motivation, diese weiter voran zu treiben.«

Die Äußerungen der Besucher_innen gestalteten sich durchweg positiv. Überrascht waren sie davon, dass es soviel neues über die Geschichte des Klapperfelds zu erfahren gab. Besonders die Fülle an zeitgenössischen Zeugnissen, die einen ganz neuen Zugang zur Historie des Gebäudes ermöglichen, beeindruckte die Gäste.

Im Rahmen der Berichterstattung über die Eröffnung der Ausstellungen kam auch Bewegung in die Auseinandersetzung um eine längerfristige Nutzung des Klapperfelds durch »Faites votre jeu!«. So gab es auf Seiten der Stadt durchaus Positionen, welche eine längerfristige Nutzung in Aussicht zu stellen scheinen (siehe »Das Spiel geht weiter«, Frankfurter Rundschau vom 14.09.2010, http://www.fr-online.de/frankfurt/das-spiel-geht-weiter/-/1472798/4641758/-/index.html). Kris Johanson von »Faites votre jeu!« dazu: »Natürlich begrüßen wir zunächst, dass wir mittlerweile eine Vertragssverlängerung in Aussicht gestellt bekommen und damit unser Verbleib im Klapperfeld über den August 2011 hinaus möglich zu sein scheint.«

In Bezug auf die im »Innenstadtkonzept« des Stadtplanungsamtes formulierten Pläne, das ehemalige Polizeigefängniss abzureißen, setzte er nach: »Allerdings ändern vereinzelte Stimmen innerhalb der Stadtverwaltung wenig am aktuellen Status des Gebäudes und seiner Nutzer_innen. Die Pläne, das Klapperfeld abzureißen, sind im sogenannten ›Innenstadtkonzept‹ schon seit September 2009 formuliert.«

Ende des Jahres, so der Wunsch des Stadtplanungsamtes, soll aus dem »Innenstadtkonzept« eine Magistratsvorlage entstehen. Aktuell sieht dieses auf dem Areal des Klapperfelds den Bau eines Wohnhochhauses und eines Parks »zur Verbesserung des Mikroklimas« vor. Maja Koster kommentierte dies wie folgt: »Es zeugt schon von einer merkwürdigen Geschichtsauffassung, dass die Vertreter_innen der Stadt gerade dann mit der Planung zum Abriss des Klapperfelds beginnen, wenn endlich die längst überfällige Auseinandersetzung mit der über hundertjährigen Gewalt- und Repressionsgeschichte des Baus begonnen wurde. Dem Magistrat sei an dieser Stelle angeraten, den Abrissplänen eine klare Absage zu erteilen.«

Abschließend fasste Kris Johanson noch einmal die Stimmung innerhalb der Initiative »Faites votre jeu!« und unter ihren Unterstützer_innen zusammen: »Der Stadt muss klar sein, dass nicht nur wir einen Abriss des Klapperfelds nicht tatenlos geschehen lassen werden. Das Interesse und die Unterstützung, die unser Projekt und unsere geschichtspolitische Auseinandersetzung erfahren, ist immens und sie reichen mittlerweile weit über die Grenzen Frankfurts hinaus. Das Klapperfeld ist für uns zu einem wichtigen Ort geworden, als selbstverwaltetes Zentrum und als ›Ort der Erinnerung‹. Ein Ersatzobjekt – wie damals in Bockenheim – kommt für uns nicht mehr in Frage. Es ist wohl an der Zeit, dass sich auf Seiten der Stadt endlich Gedanken über eine langfristige Lösung für den Erhalt des Klapperfelds und unseren Verbleib in diesem gemacht werden.«

Öffnungszeiten der Ausstellungen:
19. September bis 31. Oktober 2010:
Dienstag: 16 bis 19 Uhr | Samstag: 15 bis 18 Uhr | Sonntag: 15 bis 18 Uhr
Eintritt frei! Spenden erwünscht!

Anhang:
Fotografien der Ausstellungseröffnung (http://www.klapperfeld.de/Ausstellungseroeffnung_20100919_Presse.zip)

Pressemitteilung als pdf: download

Pressemitteilung 07.09.2010 – Ausstellungseröffnungen im Klapperfeld

Erweiterung der Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfeldes und Gastausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück«

Ende April letzten Jahres zog die Initiative »Faites votre jeu!« in das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld. Bereits im Juli 2009 präsentierte der Arbeitskreis Geschichte der Initiative erste Ergebnisse ihrer geschichtspolitischen Auseinandersetzung. Im August fand die Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfelds statt. Darüber hinaus waren immer wieder Referent_innen zu geschichtspolitischen Themen und Zeitzeug_innen in den Räumen von »Faites votre jeu!« zu Gast.

Neben einem »Ort der Erinnerung« ist das Klapperfeld auch zu einem wichtigen Zentrum für viele Menschen geworden. Die Räume werden für kritische politische, künstlerische und kulturelle Arbeit genutzt. Das Programm ist vielfältig und so besuchten im letzten Jahr nicht nur jüngere Menschen das ehemaligen Polizeigefängnis. Selbstverwaltet organisiert finden verschiedenste Veranstaltungen von Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen über Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen bis hin zu Barabenden und Konzerten statt.

Jetzt eröffnet der Arbeitskreis Geschichte am Sonntag, den 19. September 2010 um 15 Uhr die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes. Den Kern stellt weiterhin die Rolle des Polizeigefängnisses während des Nationalsozialismus dar. Neu entstandene Ausstellungsteile richten den Blick zudem auf die Entstehung des Klapperfelds im 19.Jahrhundert, die Funktion des Gefängnisses in der Weimarer Republik und die Nutzung des Klapperfelds durch die US-Army während der Entnazifizierung.

Parallel dazu eröffnet für sechs Wochen auch die Wanderausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück« vom Studienkreis Deutscher Widerstand und der Lagergemeinschaft Ravensbrück. Diese zeichnet die Biografien von Frauen nach, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren und legt einen besonderen Schwerpunkt auf den Widerstand der Gefangenen.

Maja Koster vom Arbeitskreis Geschichte dazu: »Bereits vor unserem Einzug haben wir betont, wie wichtig uns die Auseinander­setzung mit der über 100-jährigen Geschichte des Gefängnisses ist. Diese haben wir seit unserem Einzug kontinuierlich fortgeführt und freuen uns nun endlich die erste Erweiterung der Ausstellung präsentieren zu können.«

Im Hinblick auf die im Innenstadtkonzept des Stadtplanungsamtes formulierten Pläne, das Klapperfeld abreißen zu wollen, ergänzte sie: »In diesem Jahr machte sich ein Großteil des Frankfurter Stadtparlaments die Initiative des Rechtspopulisten Wolfgang Hübner zu eigen und beteiligte sich erstmals offiziell am sogenannten ›Bombengedenken‹ anlässlich der Bombardierung Frankfurts am 22. März 1944. Während die städtischen Verantwortlichen sich an nationalen Inszenierung der deutschen Geschichte beteiligen, beginnt im Rahmen des Innenstadtkonzepts die Planung zum Abriss des Klapperfelds. Es sind zwei Seiten der selben Medaille, die verdeutlichen, dass eine angemessene Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen auf städtischer Seite nicht zu finden ist.«

An die Adresse des Magistrats der Stadt Frankfurt gerichtet, der Ende des Jahres über das Innenstadtkonzept und damit über die Abrisspläne entscheiden soll, sagte sie abschließend: »Nachdem sich lange kaum ein Mensch für die Historie des Klapperfelds interessiert hatte, haben wir mit unserem Einzug in das Gebäude diese längst überfällige, kritische Auseinandersetzung begonnen. Unsere bereits über ein Jahr andauerten umfassenden Recherchen zeigen schon jetzt, dass das Klapperfeld während des NS für hunderte von Menschen Verfolgung, Folter und Mord bedeutete. Wir erwarten, dass der Magistrat den Abrissplänen eine klare Absage erteilt und sich für einen dauerhaften Erhalt des ehemaligen Polizeigefängnisses sowie für den Verbleib unserer Initiative in diesem ausspricht.«

Öffnungszeiten der Ausstellungen:
19. September bis 31. Oktober 2010:
Dienstag: 16 bis 19 Uhr | Samstag: 15 bis 18 Uhr | Sonntag: 15 bis 18 Uhr
Eintritt frei! Spenden erwünscht!

Anhang:
Faltblatt zu den Ausstellungen im Klapperfeld

Pressemitteilung als pdf: download