Archiv der Kategorie 'Pressemitteilungen'

Pressemitteilung, 09.12.2018: »Faites votre jeu!« erklärt sich solidarisch mit den von Brandanschlägen betroffenen Wohnprojekten und verurteilt die seit Monaten andauernde Hetze gegen linke Projekte und Strukturen

Zwischen September und Dezember diesen Jahres kam es zu nicht weniger als fünf Brand­anschlägen auf linke Projekte im Rhein-Main-Gebiet. Dabei brannte im September das Wohn­projekt Knotenpunkt in Schwalbach im Taunus vollständig aus. Von weiteren Brandstiftungen waren im November das seit über 35 Jahren besetzte Haus In der AU und das ebenfalls im Frankfurter Stadtteil Rödelheim gelegene Wohnprojekt Assenland betroffen. Zum bislang letzten Brandanschlag kam es am 3. Dezember in der Schwarzen 79 in Hanau, bei dem ein als Garten­laube genutzter Bauwagen durch ein gelegtes Feuer schwer beschädigt wurde (siehe auch: fr.de/rhein-main/kriminalitaet/anschlaege-in-hessen-brandserie-bei-linken-projekten-a-1632931).

Matthias Schneider von »Faites votre jeu!« zeigt sich in Anbetracht der Anschläge entsetzt: »Wir sind erschrocken und bestürzt über die Brutalität mit der sich die Täter*innen seit September offensichtlich gezielt Wohnprojekte für ihre Anschläge ausgesucht haben. Dabei grenzt es an ein Wunder, dass bisher keine ­Menschen verletzt wurden.«

Bisher konnten keine Täter*innen ermittelt werden. Maja Koster, ebenfalls aktiv bei »Faites ­votre jeu!«, ordnet die Ereignisse ein: »Auch ohne die Täter*innen zu kennen, ist eines nicht zu bestreiten: Alle Anschläge richten sich ganz offensichtlich gegen Wohnprojekte, die Alternativen zum ­kapitalistischen Mietwahnsinn aufzeigen und für eine dezidiert linke Praxis stehen.«

Für die Initiative »Faites votre jeu!« ist es deshalb wichtig, die Brandanschläge in einen sich ­zuspitzenden gesellschaftlichen Rechtsruck einzuordnen. Rechte und ­menschenfeindliche ­Ideologie sind elementarer Bestandteil der sogenannten Mitte geworden. In Frankfurt und ­Hessen lässt eine Koalition aus FPD, CDU und AfD keinen Moment unversucht, linke Projekte und Strukturen zu diffamieren und zu kriminalisieren: Anlässlich der Veröffentlichung des hessischen Verfassungsschutzberichtes 2017 im Juli 2018 forderte der hessische Innenminister Peter Beuth, der zwischen der Stadt Frankfurt und den Klapperfeld-Nutzer*innen geschlossene und seit Jahren gültige Nutzungsvertrag solle »nicht einfach hingenommen werden«. Die Frankfurter AfD machte derweil mobil gegen die AU und forderte die Besetzung »­unverzüglich zu beenden«. Die Frankfurter CDU stimmte in den Kanon ein und rief lautstark dazu auf, den ­angeblich »rechtlosen Zustand« in der AU zu beenden. Auch die FDP und ihre Law-and-Order-­Fachkraft Uwe Schulz – der im Magistrat ganz im Sinne neuer und alter Rechter gerne von sogenannten »Gutmenschen« fabuliert – wollte die Manege nicht anderen Hetzer*innen überlassen. So forderte er unter anderem, dass sowohl »das Mietverhältnis mit den Betreibern des Café Exzess schnellstmöglich gekündigt und zum anderen das ehemalige Polizeigefängnis geräumt wird«. Und während die ­Hessen-FDP im Landtagswahlkampf das »Gesetz des Staats« auf ihren Plakaten beschwor, nahmen Schulz und seine Parteikolleg*innen das Gesetz lieber selbst in die Hand und schritten zur Tat: Am Klapperfeld übermalten sie ein ihnen nicht genehmes polizeikritisches Graffito.

Im Kontext der Kampagne gegen linke Zentren und Strukturen bezieht Maja Koster Stellung zu den Anschlägen: »Uns ist klar, dass Nazis keine Gründe brauchen, um alles, was nicht in ihr Weltbild passt, ­anzugreifen. Trotzdem sind wir uns sicher, dass die jüngsten Anschläge auf linke Wohnprojekte im Rhein-Main-Gebiet nicht vom Himmel fallen. Die Täter*innen, die mit Brandanschlägen auf Wohnprojekte auch den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen, fühlen sich mit Sicherheit davon ermutigt, wenn sie vernehmen, der Vertrag für unser Zentrum solle nicht einfach hingenommen werden‹ oder die Besetzung der AU sei unverzüglich zu beenden‹. Auch die ganz praktische Intervention der FDP ist in diesem Kontext als Handlungsaufforderung an Nachahmer*innen zu verstehen, die vielleicht statt Pinsel eben mal einen Brandsatz zur Hand nehmen. Die Hetzer*innen aus FDP, CDU und AfD machen sich jedenfalls mit den zündelnden Nazis gemein und sind als geistige Brandstifter*innen ebenso verantwortlich für die Taten und ihre Folgen wie die Täter*innen selbst.«

Abschließend stellt Matthias Schneider klar: »Wir erklären uns uneingeschränkt solidarisch mit allen ­betroffenen Menschen und den angegriffenen linken Projekten. Wir werden uns von rechter Hetze und Gewalt nicht einschüchtern lassen. Alle Menschen, die für eine befreite Gesellschaft kämpfen, rufen wir dazu auf, sich Nazis und ihren – vermeintlich bürgerlichen – Unterstützer*innen aktiv entgegenzustellen.«
 
 
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Offener Brief an Sylvia Weber: Einladung ins ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld

Offener Brief an Sylvia Weber, Stadträtin und Dezernentin für Integration und Bildung, zur Kenntnisnahme an die Stadtverordneten und Pressevertreter*innen

Sehr geehrte Frau Weber,

einem Artikel der Frankfurter Rundschau konnten wir entnehmen, dass der Präsident des Landesamtes für ­Verfassungsschutz Robert Schäfer vorhabe, sich mit Ihnen und dem Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill zu treffen, um über unsere Initiative und die Nutzung des Klapperfelds zu sprechen.

Selbstverständlich wollen wir Ihnen nicht in Ihre Terminplanung hineinreden – trotzdem fragen wir uns, welchen substanziellen Beitrag diese beiden Herren leisten sollen, wenn es um unsere Arbeit im Klapperfeld geht. Allein der Blick in den jüngsten hessischen Verfassungsschutzbericht genügt, um zu erkennen, dass es den beiden bei einem solchen Termin mitnichten um eine objektive Betrachtung unserer Initiative gehen kann. So maßt sich der hessische Verfassungsschutz unter anderem an zu behaupten, das Klapperfeld stehe »im kritischen Spannungsverhältnis kultureller Angebote als Deckmantel für dahinterliegende linksextremistische Aktivitäten«. Belege für diese absurde Verschwörungstheorie – wie auch für alle anderen Unterstellungen im Verfassungsschutzbericht – bleibt diese Behörde selbstverständlich schuldig. Würden mit derlei Diffamierungen keine politischen Ziele verfolgt und hätten diese keine Folgen – wir könnten fast darüber lachen. Wir begreifen sowohl die Behauptungen im Bericht als auch den öffentlichkeitswirksam verkündeten Termin des hessischen Verfassungsschutzpräsidenten als Teil einer ­Delegitimationskampagne gegen uns und unser Projekt im Klapperfeld, die schon seit einigen Monaten andauert und von verschiedenen rechten Kräften gegen uns geführt wird.

Wie Sie wissen, nutzen wir das Klapperfeld mittlerweile bald zehn Jahre. In dieser Zeit haben wir zwei Dauer­ausstellungen zur ­Geschichte des Gebäudes erarbeitet – eine zur nationalsozialistischen Vergangenheit und eine zur Abschiebehaft. Allein die ­beiden Dauerausstellungen konnten im letzten Jahr über 1.000 Einzelbesucher*innen zählen – nicht eingerechnet sind die vielen Führungen mit Schulklassen, Seminaren von Studierenden und anderen Gruppen. Weiterhin wurden in mehr als einem Dutzend Gastausstellungen unterschiedlichste Themen bearbeitet, darunter: die Vernichtung von Sinti und Roma in Auschwitz, Frauen in Konzentrationslagern, der Spanische Bürgerkrieg, die ­Residenzpflicht, das europäische Grenzregime, Widerstand im National­sozialismus und die Taten sowie der Kontext des Nationalsozialistischen Untergrunds. Neben den Ausstellungen eröffnet unser Zentrum ­unterschiedlichsten Menschen vielfältige Möglichkeiten, welche sie an anderen Orten in Frankfurt durch zu hohe Mieten und den damit verbundenen Raummangel nicht hätten. So erfreuen sich unter anderem Proberäume, der Sportraum, die Fahrrad- und Holzwerkstätten, der Siebdruckraum und verschiedene Ateliers unzähliger Nutzer*innen. Auch Lesungen, Diskussions­veranstaltungen, Theateraufführungen, Konzerte und Partys füllen unsere Veranstaltungsräume ­regelmäßig bis auf den letzten Platz. Nicht zuletzt lernen und leben alle, die sich auf unterschiedlichste Weise im Klapperfeld einbringen und daran beteiligen, Aushandlungsprozesse in Gruppen zu führen, Arbeiten in selbstorganisierten Strukturen und Kommunikation auf Augenhöhe – auch Räume in denen das möglich ist, sind in einer Stadt wie Frankfurt Mangelware.

Und ja, im Klapper­feld kommen auch Menschen und Gruppen zusammen, die für eine emanzipatorische Gesellschaft streiten und ­gegen kapitalistische Zumutungen auf die Straße gehen: Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir uns gegen Nazis und einen ­gesellschaftlichen Rechtsruck wehren, Hetze und Gewalt angehen, die sich gegen Geflüchtete richtet und rasant ­voranschreitende ­Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, Armut, ­Verdrängung und Gentrifizierung nicht tatenlos hinnehmen. ­Unsere historische, ­kulturelle und künstlerische Arbeit ist dabei kein »Deckmantel« – vielmehr ist sie, ebenso wie die genannten Kämpfe, elementarer Bestandteil unserer politischen Arbeit und untrennbar mit unserem linken Selbstverständnis verknüpft.

Damit sie nicht auf Hörensagen und gefährliches Halbwissen von Schäfer und Bereswill zurückgreifen müssen, möchten wir Sie gerne einladen, sich vor Ort ein Bild von uns und unserer Arbeit zu machen. Gerne berichten wir Ihnen aus erster Hand, wieviel Energie und Engagement wir in den letzten Jahren in unser Projekt gesteckt haben.

Wir freuen uns auf Ihre Terminvorschläge und Ihren Besuch!

Herzliche Grüße
Maja Koster und Matthias Schneider
für die Initiative »Faites votre jeu!«
 
 
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Pressemitteilung, 01.08.2018: Initiative »Faites votre jeu!« feiert zehnten Geburtstag – Sommerfest am 4. August ab 15 Uhr im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

Am kommenden Samstag, den 4. August lädt »Faites votre jeu!« anlässlich ihres zehnten Geburtstags Freund*innen, Unterstützer*innen und alle ­Interessierten zum Sommerfest ins ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld ein. Die Initiative nutzt das Gebäude seit über neun Jahren als Autonomes Zentrum und hat dort zwei Dauerausstellungen zur Geschichte des ­Gefängnisses eingerichtet. »Wir feiern das Klapperfeld als selbstverwalteten Raum für emanzipatorische Politik, ­Kultur und ­Geschichtsarbeit.«, sagt Maja Koster, aktiv bei »Faites votre jeu!«.

Das Sommerfest nimmt die Initiative mit einem vielfältigen Programm – Ausstellungen, Führungen, Workshops, Musik, ­leckeres Essen und Getränke, Tanz und Party – auch in diesem Jahr zum Anlass, sowohl das schwierige Erbe des Hauses als auch die ­Gegenwart linker Politik in Frankfurt sichtbar zu machen. Seit dem Einzug von »Faites votre jeu!« vor neun Jahren ist das ­Klapperfeld zu einem wichtigen Zentrum in Frankfurt geworden: Die Räume werden für kritische, politische, künstlerische und kulturelle Arbeit genutzt. Besucher*innen können regelmäßig die Dauerausstellungen zur Geschichte des Ortes besuchen – eine mit dem Schwerpunkt auf der nationalsozialistischen Vergangenheit und eine weitere zur Abschiebehaft. Selbstverwaltet und unkommerziell organisieren im Klapperfeld außerdem Menschen in unterschiedlichsten Zusammenhängen regelmäßig ein breites Spektrum an Veranstaltungen: von Zeitzeug*innengesprächen, Vorträgen und Diskussions­veranstaltungen über ­Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen bis hin zu Barabenden, Konzerten und Partys.

Matthias Schneider, ebenfalls aktiv bei »Faites votre jeu!«, freut sich über den großen Zuspruch und das breite Interesse, den das Projekt erfährt: »Seit wir das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld als selbstverwaltetes Zentrum nutzen, ist viel passiert: Allein die beiden Dauerausstellungen konnten im letzten Jahr über 1.000 Einzelbesucher*innen zählen – nicht eingerechnet sind die vielen Führungen mit Schulklassen, Seminaren von Studierenden und anderen Gruppen. Neben den Ausstellungen erfreuen sich Proberäume, der Sportraum, die Fahrrad- und Holzwerkstätten, der Siebdruckraum und verschiedene Ateliers unzähliger Nutzer*innen und auch Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, Konzerte und Partys füllen die Veranstaltungsräume regelmäßig bis auf den letzten Platz. Wenn das kein Grund zur Freude ist.«

Angriffe auf linke Strukturen und das Klapperfeld

Trotz der vielfältigen, seit zehn Jahren andauernden, professionellen Arbeit von »Faites votre jeu!« häuften sich in den letzten Monaten die Angriffe auf das Autonome Zentrum in der Frankfurter Innenstadt. Maja Koster ordnet diese ein: »Die Angriffe auf uns und andere linke Strukturen begreifen wir als Teil des um sich greifenden Rechtsrucks in Deutschland und Europa. In Frankfurt und Hessen scheinen sich FDP und CDU ein Wettrennen darum zu liefern, die AfD rechts zu überholen und im Wahlkampftheater rund um die anstehende Hessenwahl haben sie sich eben auch linke Strukturen ausgesucht, um sich ins ›rechte Licht‹ zu rücken.«

Davon, was im Klapperfeld passiert, haben die rechten Hetzer*innen von FDP bis AfD offensichtlich keinen Schimmer und auch Christoph Schmitt, Law-and-Order-Fachkraft der Frankfurter CDU, der seit Wochen gegen »Faites votre jeu!« mobilmacht, musste im Interview mit der Frankfurter Rundschau zugeben, dass es keinerlei Erkenntnisse über Straftaten gäbe, die im Klapperfeld begangen oder geplant worden seien. In ihren Diffamierungen stützen sie sich die Angreifer*innen einzig auf die Behauptungen des hessischen Verfassungsschutzes. Matthias Schneider kommentiert: »Einzige Quelle für all die haltlosen Unterstellungen gegen uns und unsere Initiative ist eine Behörde, von der spätestens seit der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds 2011 bekannt ist, dass sie knietief in rechtsterroristischen Neonazistrukturen steckt. So lange die Rolle und Verstrickung des Verfassungsschutzes im ­NSU-Komplex nicht im Ansatz aufgeklärt ist, sollte dies die letzte Institution sein, auf deren Grundlage argumentiert wird.«

Maja Koster ergänzt: »Die Unterstellung, unsere ›kulturellen Angebote‹ seien bloß ›Deckmantel für dahinterliegende links­extremistische Aktivitäten‹, wie der Verfassungschutz in seinem jüngst erschienenen Bericht behauptet, ist eine durch nichts belegte Anmaßung. Wenn die ›Arbeit‹ dieser Behörde keine reale Folgen hätte und sie nicht die Munition für Angriffe auf uns und andere liefern würde, könnten wir fast darüber lachen.«

Sie stellt klar: »Die plumpe Stimmungsmache gegen linke Zentren werden wir nicht weiter ­kommentarlos ­hinnehmen. Rechte Populist*innen aus FDP, CDU, AfD ­und VS treiben die gesellschaftliche ­Spaltung weiter voran und lenken von wirklich ­wichtigen Themen ab: Hetze und Gewalt gegen Geflüchtete, rasant voranschreitende ­Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, Armut, ­Verdrängung und Gentrifizierung… Um nur einige Themen zu nennen, die für diese Leute keine Rolle zu spielen scheinen, mit denen sich aber an Orten wie dem Klapperfeld auseinandergesetzt wird.«

Haus mit Geschichte

Im zehnten Jahr des Bestehens ruft sich »Faites votre jeu!« auch die Anfänge in Erinnerung: Im August 2008 besetzte »Faites votre jeu!« ein ehemaliges Jugendzentrum und betrieb dort über ein Drei­vier­tel­jahr ein selbstverwaltetes Zentrum. Allerdings hatte die Stadt Frankfurt andere Pläne für das Gebäude und drohte mit Räumung. Dank breiter Unterstützung, der sich die Initiative bis heute erfreut, sah sich die Stadt dazu gezwungen, das Klapperfeld als Ersatzobjekt anzubieten.

In dem ehemaligen Polizeigefängnis wurden von 1886 bis 2002 Menschen inhaftiert. Auch die Gestapo nutzte diesen Ort ­zwischen 1933 und 1945. Das Klapperfeld bedeutete für viele Menschen lange Zeit Unterdrückung, Folter und Mord. Maja ­Koster hat die intensiven Diskussionen noch vor Augen, ob man das Angebot annehmen solle: »Die Entscheidung ins Klapperfeld ­umzuziehen, fiel uns alles andere als leicht. Uns stellte sich die Frage, ob das ehemalige Polizeigefängnis als Raum der Repression und Gewalt der richtige Ort sein könnte, um unsere Ideen von einem ­selbstverwalteten Raum für emanzipatorische Politik und Kultur zu verwirklichen.«

Letztlich entschied sich »Faites votre jeu!«, die Herausforderung anzunehmen. Dem voraus gingen Gespräche mit ehemaligen Inhaftierten wie Hans Schwert (1907 – 2013) und Wolfgang Breckheimer (1926 – 2011), die in Auszügen auch in der Dauerausstellung zu sehen sind. Matthias Schneider erinnert sich: »Sie haben uns neben ihren bewegenden Erzählungen auch ganz viel Mut mit auf den Weg gegeben, unseren Plan zu verwirklichen: die Selbstverwaltung mit der Geschichtsarbeit über das Haus zu verknüpfen.«

Geöffnet wurde das Klapperfeld im August 2009 mit der Eröffnung der Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses im National­sozialismus. Im Herbst 2015 konnte auch die zweite Dauerausstellung zur Abschiebehaft eröffnet werden. In jahrelanger Arbeit, die immer noch andauert, wurde mühselig und mit viel Unterstützung begonnen, die Inschriften der im Original erhaltenen Zellen zu übersetzen und für Besucher*innen lesbar und hörbar zu machen. Die Dauerausstellungen können jeden Samstag zwischen 15 und 18 Uhr kostenfrei besucht werden. Gruppen und Schulklassen können darüber hinaus individuelle Termine vereinbaren.

Abschließend stellte Maja Koster die historischen Forschung in den Kontext der jüngsten Angriffe: »Uns angesichts der vielen Arbeit und des unermüdlichen Engagements dafür, die Geschichte des Gebäudes und der ­Menschen, die hier inhaftiert waren, zu ­erforschen und sichtbar zu machen, vorzuwerfen, es handele sich um einen ›Deckmantel‹ für ­andere Aktivitäten, dient offensichtlich einzig der Diffamierung unserer Initiative und des gesamten Projektes. Gegen solche ­Anfeindungen verwehren wir uns aufs Stärkste!«

Wichtige Hinweise für Pressevertreter*innen

Weitere Informationen & Pressekontakt
Website der Initiative »Faites votre jeu!«: faitesvotrejeu.blogsport.de
Website zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld: www.klapperfeld.de
Pressekontakt: 0157 83644064 | faitesvotrejeu[ät]yahoo[punkt]com

Bitte beachten:
Wenn Sie vor Ort über unser Sommerfest berichten wollen, freuen wir uns, wenn sie uns darüber im Vorfeld telefonisch oder via E-Mail informieren. Wenn Sie kommen, geben Sie bitte am Eingang Bescheid. Gespräche mit Verantwortlichen von »Faites votre jeu!« können Sie zwischen 15 und 20 Uhr führen. Alle O-Töne und Fotos sind genehmigungspflichtig.
 
 
Anlagen:

 
 
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Pressemitteilung, 18.07.2018: Initiative »Faites votre jeu!« bezieht Stellung zu jüngsten Angriffen auf ihr autonomes Zentrum

In den letzten Wochen und Monaten war »Faites votre jeu!« immer wieder Gegenstand medialer und politischer Auseinander­setzung in Frankfurt. Die Initiative nutzt seit über neun Jahren das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld als ­autonomes Zentrum und hat dort zwei Dauerausstellungen zu dessen Geschichte eingerichtet. Die jüngste Debatte entzündete sich wegen eines Wandbildes, das die Comic-Figur eines Polizisten zeigt, der sich eine mit Donuts beladene Pistole in den Mund steckt. ­Daneben war bis vor kurzem der Spruch »Niemand muss Bulle sein« zu lesen.

Matthias Schneider, seit vielen Jahren bei »Faites votre jeu!« aktiv, zeigte sich amüsiert: »Eigentlich hatten wir nicht vor, uns zu dem groben Unfug verschiedener Frankfurter ›Law-and-Order-Fachkräfte‹ zu äußern, mit dem versucht wird das Sommerloch zu stopfen und Wahlkampf zu betreiben. In der Debatte wurde jedoch deutlich, dass es mitnichten nur um das Wandbild geht: Anscheinend ­befinden sich Reaktionäre von FNP, FDP und CDU auch in Frankfurt in einem Wettrennen darum, die AfD rechts zu überholen und so haben sie sich unter anderem das Klapperfeld und unsere Initiative ausgesucht, um sich ins ›rechte Licht‹ zu rücken.«

Während Christoph Schmitt (CDU) den Plan aus der Mottenkiste holte, das Klapperfeld zur Erweiterung des Justizviertels zu nutzen, stellte die in die neoliberale Bedeutungslosigkeit verbannte FDP fest, dass das »Grundstück aufgrund der zentralen Lage immobilien­wirtschaftlich ein sehr großes Potential hat«. Maja Koster, die sich ebenfalls bei »Faites votre jeu!« engagiert, erteilte beiden Plänen eine klare Absage: »In der Forderung, das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld mit seiner über 115-jährigen ­Gewalt- und Repressions­geschichte wieder zu einem Ort deutscher Justiz zu machen, zeigt sich eine unsägliche Geschichtsvergessenheit. Es ist besonders ein Hohn für all jene, die dort zwischen 1933 und 1945 von Gestapo und Polizei inhaftiert, gefoltert, deportiert und ermordet worden sind. Das ­Klapperfeld einfach nur in Wert setzen zu wollen, steht für eine Form der Politik, in der alles hinter Kapitalinteressen zurückstehen muss und ist kein Stück weniger geschichtsvergessen.«

Auch behauptete Schmitt wiederholt, das Klapperfeld stelle einen »Affront für den Rechtsstaat« dar. Matthias Schneider entgegnete: »Die Behauptung, es sei im Besonderen Richter*innen und Polizist*innen nicht zuzumuten am Klapperfeld vorbeizugehen, ist absurd. Eine kritische Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, für die das Klapperfeld und unsere Nutzung stehen, ist für diese Berufsgruppen ­bestimmt kein Schaden; Zeigt doch grade die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses, zu was der ›Rechtsstaat‹ fähig war und ist. Darüber informieren können sich Besucher*innen in den von uns erarbeiteten Dauerausstellungen – eine mit Schwerpunkt auf der nationalsozialistischen Vergangenheit und eine zur Abschiebehaft. Die weit über 1.000 Gäste, die allein im Jahr 2017 die Ausstellungen zu den regulären Öffnungszeiten besuchten, scheinen Schmitts Sorge nicht zu teilen. Und auch die vielen Schulklassen und andere Gruppen, die immer wieder Termine zu außerordentlichen Führungen vereinbaren, machen deutlich, wie notwendig unsere Arbeit und der Erhalt des Klapperfelds sind.«

Darüber hinaus forderte Schmitt, die Stadtverwaltung solle Einfluss auf Art und Inhalt von Veranstaltungen im Klapperfeld ­nehmen. Maja Koster dazu: »Mit dieser abwegigen Forderung offenbart Schmitt mehr über sein eigenes als über unser politisches Verständnis. Wir jedenfalls werden Veranstaltungen weiter so gestalten, wie wir es wichtig und richtig finden: Alles was im Klapperfeld stattfindet, besprechen wir auf unserem wöchentlichen, öffentlichen Plenum. Teilnehmen können alle, die das Klapperfeld mitgestalten wollen. Grundlage für das, was läuft und nicht läuft ist unser Selbstverständnis – kurz gesagt wollen wir bei allen Veranstaltungen möglichst einen Schutzraum ohne ausschließende oder diskriminierende Verhaltensweisen für alle Teilnehmenden bieten.«

Am 4. August 2018 feiert die Initiative »Faites votre jeu!« ihr zehnjähriges Bestehen. Im Zuge des anstehenden Jubiläums zeigte sich Maja Koster selbstbewusst: »Es sollte allen klar sein, dass es in jeder Hinsicht ein schwieriges Unterfangen wäre uns aus dem Klapperfeld zu schmeißen. Auch das werden wir bei unserem Sommerfest feiern. Im kommenden Jahrzehnt werden wir gerne weiter ein Stachel im Frankfurter Justizviertel sein. In Zeiten eines deutlichen Rechtsrucks in Deutschland und Europa werden wir erst recht ein Ort kritischer linksradikaler Auseinandersetzung bleiben.«

Anlagen:

Über das Klapperfeld und die Arbeit der Initiative »Faites votre jeu!«

Im August 2008 besetzte »Faites votre jeu!« ein ehemaliges Jugendzentrum und betrieb dort über ein Drei­vier­tel­jahr ein ­selbstverwaltetes Zentrum. Allerdings hatte die Stadt Frankfurt andere Pläne für das Gebäude und drohte mit Räumung. Dank breiter Unterstützung, der sich die Initiative bis heute erfreut, sah sich die Stadt dazu gezwungen, das Klapperfeld als Ersatzobjekt anzubieten.

Die Entscheidung, in das ehemalige Polizeigefängnis als Raum der Repression und Gewalt umzuziehen, fiel der Initiative alles andere als leicht. Letztlich entschied sich »Faites votre jeu!«, die Herausforderung anzunehmen. Dem voraus gingen Gespräche mit ehemaligen Inhaftierten wie Hans Schwert (1907 – 2013) und Wolfgang Breckheimer (1926 – 2011), die in Auszügen auch in der Dauerausstellung zu sehen sind.

Geöffnet wurde das Klapperfeld im August 2009 mit der Eröffnung der Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses im ­Nationalsozialismus. Im Herbst 2015 konnte auch die zweite Dauerausstellung zum Abschiebehaft eröffnet werden. In ­jahrelanger Arbeit, die immer noch andauert, wurde mühselig und mit viel Unterstützung begonnen, die Inschriften der im Original erhaltenen Zellen zu übersetzen und für Besucher*innen lesbar und hörbar zu machen. Die Dauerausstellungen können jeden Samstag zwischen 15 und 18 Uhr kostenfrei besucht werden. Gruppen und Schulklassen können darüber hinaus ­individuelle Termine vereinbaren.

Selbstverwaltet und unkommerziell organisieren im Klapperfeld außerdem Menschen in unterschiedlichsten Zusammenhängen regelmäßig ein breites Spektrum an Veranstaltungen: von Zeitzeug*innengesprächen, Vorträgen und Diskussions­veranstaltungen über Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen bis hin zu Barabenden, Konzerten und Partys. ­Unzählige Nutzer*innen erfreuen sich an den im Klapperfeld eingerichteten Proberäumen, Sporträumen, Ateliers, Fahrrad-, Holz- und Siebdruckwerkstätten. Nicht zuletzt dienen die Räume verschiedensten Gruppen für ihre politische und kulturelle Arbeit.

Informationen & Kontakt

Website der Initiative »Faites votre jeu!«: faitesvotrejeu.blogsport.de
Website zur Geschichte des Polizeigefängnisses Klapperfeld: www.klapperfeld.de
Kontakt: 0177 3982718 | faitesvotrejeu[ät]yahoo[punkt]com
 
 
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Pressemitteilung, 15.03.2018: Ehemaliges Polizeigefängnis Klapperfeld ist Endpunkt der »Tour de Révolte et Répression« am 18. März 2018

Wie jedes Jahr findet am 18. März der Tag der politischen Gefangenen statt. Anlässlich diesen ­Tages ruft ein Bündnis linker Gruppen in Frankfurt am Main um 14 Uhr zu einem ­Aktionstag unter dem Motto »Tour de Révolte et Répression« auf. Statt zu Fuß bewegen sich die Teilnehmer*innen mit Fahrrad, Roller oder Auto von der Auftakt­kundgebung am Gefängnis in Preungesheim über verschiedene Stationen zur Abschlusskundgebung vor dem ­ehemaligen ­Polizeigefängnis Klapperfeld. Im Anschluss können dort alle den Tag bei einem Barabend mit Essen und Getränken ausklingen lassen. Die Initiative »Faites votre jeu!« ruft ebenfalls zur ­Demonstration auf und sieht eine Beteiligung an der Demonstration als ein wichtiges Zeichen, gemeinsam an politisch Verfolgte zu erinnern.

»Das Klapperfeld war von 1886 bis zu seiner Schließung 2002 ein Ort der Verfolgung, Repression und Unterdrückung und die Auseinandersetzung mit seiner Geschichte ist elementarer Bestandteil unserer Arbeit. Deshalb ist es für uns nur folgerichtig, sich an den Protesten gegen ­gegenwärtige politische Verfolgung zu beteiligen«, sagt Maja Koster, langjährige Aktive im ehemaligen ­Polizeigefängnis Klapperfeld. »Darüber hinaus hat unsere Positionierung als linksradikales ­Projekt auch unsere ­Initiative ins Blickfeld staatlicher Repression gerückt, wie die jüngsten Debatten im ­Innenausschuss des hessischen Landtag und die vollkommen absurden Räumungsforderungen ­rechter Populist*innen zeigen«, ergänzt Koster. »Aber nicht nur wir sind Angriffen ausgesetzt: Die ­Repression und Verfolgung während und nach dem G20-Gipfel, die Angriffe auf linke Zentren ­bundesweit, das 129b-Verfahren gegen ATIK-Mitglieder und die Verfolgung kurdischer Genoss*innen begreifen wir als Teil eines sich verschärfenden gesellschaftlichen Klimas und eines spürbaren Rechtsrucks. Auch ­deshalb rufen wir dazu auf, sich an der Demonstration zu beteiligen. Angeklagt sind einige, gemeint sind wir alle!«, erklärt Koster abschließend.

Weitere Infos zu den einzelnen Stationen der Tour, weiteren Veranstaltungen und ­Aktionen anlässlich des Tags der politischen Gefangenen: solidays.noblogs.org

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Pressemitteilung, 20.10.2017: Hessischer CDU-Wissenschaftsminister Boris Rhein bedrängt und nötigt mit Saufkumpanen Nutzer*innen des Klapperfelds

Wie verschiedene, zu diesem Zeitpunkt noch anwesende Nutzer*innen des Klapperfelds übereinstimmend berichteten, kam es am Montagabend, den 16. Oktober 2017 zu einem Vorfall, an dem auch der hessische CDU-Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein beteiligt war.

Einer der Anwesenden beschrieb den Vorfall wie folgt: »Gegen 22:40 Uhr klopfte und klingelte es an der Tür. Wir hatten das massive Auftreten von Neurechten und Neonazis auf der Buchmesse und ihre teils gewalttätigen Angriffe noch sehr präsent. Deshalb schauten wir zunächst durch ein Fenster und sahen eine Gruppe von etwa 10 Männern im Alter zwischen Ende 20 und etwa 70 Jahren. Ihrem Kleidungsstil nach zu urteilen, schienen sie einem eher konservativen Milieu zu entstammen. Da die Männer bemerkt hatten, dass wir uns im Gebäude aufhielten, forderten sie lautstark Einlass, hämmerten gegen die Tür und klingelten Sturm. Dies hielt etwa 20 Minuten an. Als einer der Männer durch die Scheibe schaute, war ich mir sicher, dass es sich um den ehemaligen Innenminister Boris Rhein handelte.«

Eine weitere Anwesende ergänzte: »Da wir zunächst annehmen konnten, dass es sich nicht um gewalttätige Neonazis handelte, sondern ›nur‹ um eine Gruppe betrunkener CDUler, beschlossen wir, die Tür zu öffnen und mit der Gruppe zu reden. Sofort schrien mehrere der offensichtlich teils stark alkoholisierten Männer gleichzeitig auf uns ein: Was wir hier machen würden? Wieso sie nicht rein dürften? Dass dies ein öffentlicher Ort sei und sie das Recht hätten, sich umzuschauen und die Ausstellung zu sehen. Da nur Boris Rhein uns namentlich bekannt war, sprachen wir hauptsächlich ihn an. Der uns bedrängenden und pöbelnden Gruppe erklärten wir, wir könnten nur dann auf Fragen antworten, wenn nur eine Person redet. Die Situation beruhigte sich etwas aber Boris Rhein forderte weiterhin vehement Einlass. Immer wieder riefen seine Begleiter lautstark dazwischen. Wir verwiesen auf die Öffnungszeiten und machten auf unser Hausrecht aufmerksam. Als Law-and-Order-Politiker müsste er doch verstehen, dass es auch hier gewisse Regeln gebe und er um diese Uhrzeit und in diesem Zustand auch im MMK oder an anderen Ausstellungsorten in Frankfurt keinen Einlass erhalte. Da die Diskussion sich im Kreis zu drehen schien, boten wir der Gruppe Flyer mit Informationen zum Projekt, den Ausstellungen und den Öffnungszeiten an und schlossen die Tür, um diese zu holen. Offensichtlich bestand daran kein ernsthaftes Interesse, denn als wir nach wenigen Minuten zurückkamen, hatte sich die Gruppe – abgesehen von zwei älteren Männern – aufgelöst. Diese verlangten jetzt Zugang zur Toilette. Wir verwiesen sie an die Restaurants in der Umgebung, die zu dieser Zeit noch geöffnet haben, drückten ihnen die Flyer in die Hand und schlossen die Tür. Erst dann hatte der Spuk ein Ende.«

Maja Koster, eine Vertreterin der Initiative »Faites votre jeu!«, die im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld seit 2009 ein selbstverwaltetes Zentrum betreibt, ordnete diesen Vorfall im Sinne einer nach rechts rückenden Gesellschaft ein, in der Orte alternativer und linker Politik und Kultur zunehmend bedrängt und angegriffen werden: »Nicht erst seit den Ergebnissen der Bundestagswahl und den Vorfällen auf der Buchmesse ist ein deutlicher Rechtsruck zu spüren. Zuletzt wurden während der Proteste gegen den G20 Gipfel in Hamburg die Pressefreiheit eingeschränkt, das Demonstrationsrecht teilweise außer Kraft gesetzt und die legitimen Proteste gegen den Gipfel kriminalisiert und im Nachgang genutzt, um eine bundesweite Angriffswelle auf linke Strukturen starten, die sich auch in Frankfurt in der Bedrohung linker Zentren wie dem Klapperfeld äußerte. Während CDU-Innenminister De Maiziere die linke Medienplattform linksunten.indymedia.org verbieten ließ, äußert sich diese gesellschaftliche Stimmung auf der Straße in der Zunahme von Angriffen auf alles, was nicht ins rechte Weltbild passt. In diesem Kontext sehen wir auch, dass der hessische CDU-Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein mit seinen Saufkumpanen im Klapperfeld Anwesende Nutzer*innen bedrängt und nötigt.«

Christopher Schneider, ebenfalls im Klapperfeld aktiv, ging auf einen anderen Aspekt des ungebetenen Besuches ein: »Innenminister Peter Beuth und sein Verfassungsschutz werden ja nicht müde gegen linke Zentren zu hetzen und zu behaupten, das Klapperfeld sei ein ›Rückzugsraum für politisch motivierte Gewalttäter‹. Mit seinem nächtlichen Besuch hat Beuths Parteifreund und Vorgänger Rhein offengelegt, dass diese öffentlich gebetsmühlenartig wiederholte ›Gefahrenprognose‹ nicht mal von der hessischen CDU-Spitze ernst genommen wird. Es entlarvt das Geschwätz von VS, Beuth und Co. als das, was es ist: Rechte Hetze und Diffamierung von linken und emanzipatorischen Strukturen.«

Abschließend erklärte Maja Koster: »Dieser zunächst humoristisch erscheinende Vorfall offenbart, wie fließend die Grenzen zwischen den vermeintlichen Biedermännern wie Rhein und Co. und dem rechten Mob auf der Straße sind. Einmal mehr wird deutlich, dass linke Zentren in Zeiten einer neurechten reaktionären Formierung und der deutlich spürbaren Zunahme von Menschenfeindlichkeit und rechter Gewalt als Gegenpol und Orte der Organisierung gebraucht und verteidigt werden müssen.«

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Pressemitteilung, 08.09.2017 – Jugendorganisation der Frankfurter FDP will Erstwählerparty im von »Faites votre jeu!« ­betriebenen, autonomen Zentrum ­Klapperfeld veranstalten

Am Sonntag, den 3. September hat die Initiative »Faites votre jeu!« eine Anfrage von Julia Aicher, der amtierenden ­Kreisvorsitzenden der Jungen Liberalen Frankfurts (JuLis Frankfurt), erhalten. In ihrer E-Mail heißt es, die JuLis ­Frankfurt seien eine »politische Jugendorganisation und würde sehr gerne eine Erstwählerparty veranstalten«. Als Veranstaltungsort wollen sie das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld nutzen, in dem die Initiative »Faites votre jeu!« ein autonomes Zentrum betreibt. Maja Koster, eine Vertreterin der Initiative zeigte sich verwundert über die Anfrage: »Während die Frankfurter FDP um den Stadtverordneten Uwe Schulz seit Wochen gegen linke Zentren in Frankfurt hetzt, scheint die Jugendorganisation der Partei weniger Berührungsängste zu haben.«

Nach den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg hatte die FDP mit Anträgen in Ortsbeiräten und der Stadt­verordneten­versammlung versucht, Stimmung gegen die seit mehr als drei Jahrzehnten besetzte Au in Rödelheim, das Café ExZess in Bockenheim und das Klapperfeld in der Frankfurter Innenstadt zu machen. Unter anderem fordert die FDP die schnellstmögliche Räumung des Klapperfelds. »Offensichtlich versucht die Frankfurter FDP am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen, macht sich mit ihrem Pauschalangriff auf Linke die Argumentation von Rechtspopulist*innen und Nazis zu eigen und spielt damit genau diesen in die Hände.«, konterte Maja Koster.

»Schön, dass Julia Aicher und die JuLis den Angriff ihrer Partei auf linke Strukturen nicht mitmachen ­wollen. Sonst würden sie wohl kaum auf die Idee kommen, die Räume ­unseres ­Zentrums für eine ihrer Veranstaltungen nutzen zu wollen.«, ergänzte Jens Radenbach, der sich wie Koster schon lange im ­Klapperfeld engagiert. »Allerdings würden wir erwarten, die ­JuLis nicht nur bei uns feiern wollen, sondern ihren Genoss*innen in der FDP eine klare Absage erteilen und sich auch öffentlich von deren rechter Stimmungsmache distanzieren.«

Maja Koster ging noch auf einen anderen Aspekt ein der JuLis-Anfrage ein: »Wie absurd der Räumungsforderungen der ­Frankfurter FDP sind, wird durch die Anfrage ihrer Jugendorganisation einmal mehr deutlich: Ganz offensichtlich gibt es in Frankfurt einen ­eklatanten Mangel am Räumen, die von Gruppen oder Einzelpersonen ohne bürokratischen und/oder finanziellen Aufwand genutzt werden können. Seit unserem Einzug vor acht Jahren ist das Klapperfeld zu einem der wenigen Orte in Frankfurt geworden, in denen genau das möglich ist: Unsere Räume werden für kritische, politische, künstlerische und kulturelle Arbeit genutzt. Selbstverwaltet und unkommerziell organisiert wurden mittlerweile zwei Dauer­ausstellungen zur Geschichte des Ortes eingerichtet – eine mit dem ­Schwerpunkt auf die NS-Vergangenheit und eine weitere zur Abschiebehaft. Außerdem finden hier verschiedenste Veranstaltungen statt: von Zeitzeug*innengesprächen, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen über Ausstellungen, Lesungen und Theater­aufführungen bis hin zu Bar­abenden und Konzerten. Augenscheinlich braucht es nicht weniger, sondern mehr autonome Zentren.«

Abschließend stellte Jens Radenbach klar: »Die plumpe Stimmungsmache gegen linke Zentren werden wir nicht weiter ­hinnehmen und die Anträge der FDP gehören endlich auf den Müllhaufen. Rechte Populist*innen wie Uwe Schulz ­treiben die gesellschaftliche ­Spaltung weiter voran und lenken von wirklich wichtigen Themen ab: Hetze und Gewalt gegen Geflüchtete, rasant voranschreitende ­Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, Armut, Verdrängung und Gentrifizierung… Um nur einige zu nennen die für die FDP kein ­Thema zu sein scheinen aber an Orten wie dem Klapperfeld, der Au und dem ExZess diskutiert werden können.«

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Pressemitteilung, 04.08.2016 – Initiative »Faites votre jeu!« feiert achten Geburtstag – Sommerfest am 6. August ab 15 Uhr

Mittlerweile sind acht Jahre vergangen, seit die Initiative »Faites votre jeu!« das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim ­besetzte und dort ein selbstverwaltetes Zentrum einrichtete. Allerdings hatte die Stadt Frankfurt andere Pläne für das Gebäude. Nach Räumungsdrohungen und Strafanzeigen kam es nach zähen Verhandlungen zum Angebot eines Ersatzobjekts: dem ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld. Maja Koster, aktiv bei »Faites votre jeu!«, erinnert sich: »Während die Stadt ihr Angebot feierte und die regionale Presse bereits vermeldete ›Hausbesetzer müssen in den Knast‹, begannen innerhalb unserer Initiative nächtelange Diskussionen. Für uns stellte sich die Frage, ob man ein selbstverwaltetes Zentrum und unseren damit verbundenen Anspruch an eine emanzipatorische Politik und Kultur an einem Ort fortführen kann, der über 100 Jahre ein Ort der Repression war.«

Im Klapperfeld wurden von 1886 bis 2002 Menschen inhaftiert. Auch die Gestapo nutzte diesen Ort zwischen 1933 und 1945. Das Klapperfeld bedeutete für viele Menschen lange Zeit Unterdrückung, Folter und Mord. Koster ergänzt: »Ernst genommen ­wurden wir mit unseren Bedenken damals nur von Wenigen. Während unsere Zweifel in der Presse auf ein ›Hausbesetzern ist Gefängnis zu klein‹ herunter gespielt wurden, zeigten die Vertreter_innen der Stadt, kein Verständnis für derartige Bedenken. Letztendlich einigten wir uns auf den Umzug. Für uns jedoch war klar, dass wir unser Projekt nur fortsetzen können, wenn wir uns mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen.«

In den letzten sieben Jahren ist das Klapperfeld zu einem wichtigen Zentrum geworden. Die Räume werden für kritische, ­politische, künstlerische und kulturelle Arbeit genutzt. Selbstverwaltet und unkommerziell organisiert wurden mittlerweile zwei Dauerausstellungen zur Geschichte des Ortes eingerichtet – eine mit dem Schwerpunkt auf die NS-Vergangenheit und eine ­weitere zur Abschiebehaft. Außerdem finden verschiedenste Veranstaltungen statt: von Zeitzeug_innengesprächen, ­Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen über Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen bis hin zu Barabenden und Konzerten. Anlässlich des achten Geburtstags und der mittlerweile sieben Jahre im Klapperfeld resümiert Koster: »Trotz aller Bedenken sind wir ­mittlerweile gerne im Klapperfeld. Neben der Gestaltung eines selbstverwalteten, sozialen Raums wird auch die ­Auseinandersetzung mit der Geschichte kontinuierlich fortgeführt.«

Großes Sommerfest am Samstag, den 6. August 2016 ab 15 Uhr im Klapperfeld

Um das nunmehr achtjährige Bestehen von »Faites votre jeu!« gebührend zu feiern, lädt die Initiative ­Freund_­innen, ­Unterstützer_­innen und Interessierte am Samstag, den 6. August ab 15 Uhr zu ihrem Sommerfest ein. Im Hof wird es ­verschiedene ­Essensstände mit Gegrilltem, Snacks, Kuchen und Getränken geben. Gegen ­Nachmittag wird ­Lenki Balboa (Berlin) Hip-Hop, Rap, Dancehall & Future Bass im Hof auflegen. Um 17 Uhr lässt das Rattern einer ­Bingo-Trommel die Herzen höher schlagen. Zu gewinnen gibt es nur großartiges und weil queer mehr als pink & glitzer ist, spielen wir nicht mit Zahlen sondern mit 90 (un)möglichen Begriffen aus den Bereichen queerer Geschichte, Theorie und ­Subkultur. Das Jazzpunk-Trio Hendrique-­Dieter Johannson begibt sich anschließend in neue Gefilde der Unterhaltungsmusik – dabei reduzieren sie die auf dem ­Speedway von Pop und Punk liegen gebliebenen Stücke auf ihren Warenkern.

Um 16, 17, 18, 19 und 20 Uhr können Interessierte an Füh­rungen durch die ­Dauerausstellungen und das Gebäude ­teilnehmen und sich über die Geschichte des Klapperfelds und die Arbeit von »Faites votre jeu!« informieren. Darüber hinaus werden verschiedene Workshops angeboten: Bei einem Übersetzungsworkshop um 16 Uhr gibt der AK 2. Stock eine kurze ­Einführung, wie bisher bei den Übersetzungen für die Ausstellung »Raus von hier. Inschriften von Gefangenen in ­Abschiebehaft und Polizeigewahrsam im Klapperfeld 1955–2002« vorgegangen wurde – anschließend sind alle ­Interessierten ­aufgerufen, selbst mit Dokumentationslisten, Kugelschreiber und Klebepunkten auf die Suche nach noch unübersetzten ­Inschriften zu ­gehen. Die Frankfurter Gruppe des transnationalen Netzwerks »Rhythms of Resistance« nutzen trommeln als ­politische ­Aktionsform – beim Trommelworkshop um 17 Uhr geben sie Einblicke in das Netzwerk und laden euch ein, mit ihnen zu trommeln. ­Informationen rund um die Verschlüsselung von Computer, Handy und Co. gibt es beim Crypto-Stand.

Später am Abend, gegen 21 Uhr, beginnt das Konzert im Keller. Dulac (dulacdulacdulac.bandcamp.com), das Berliner Post-Punk-Trio kommt mal wieder zurück in hiesige Gefilde und bringt den Keller mit ihren Pop-Sommer-Hymnen und ­hipshaking Gitarrenriffs zum Tanzen. Gloom Sleeper (gloomsleeper.bandcamp.com) aus Bielefeld spielen auch Post-Punk, aber mit ­deutlichem New-Wave/Goth-Einschlag. Holt den Rotwein raus, es wird melodisch-melancholisch. Und direkt aus einem der hauseigenen Proberäume des Klapperfelds verdrehen euch schließlich Ufosekte (ufosekte.wordpress.com) Kopf und Beine. Something with Punk and a synthesizer.

Website der Initiative »Faites votre jeu!«: faitesvotrejeu.blogsport.de
Website zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld: www.klapperfeld.de
Pressekontakt: 0157 83644064 | faitesvotrejeu[ät]yahoo[punkt]com

Download:
Flyer zum Sommerfest

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