GegenBuchMasse-Veranstaltungen 2013

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die GegenBuchMasse statt. Das Ziel dieser Veranstaltung ist, linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten.

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt. Wie in den letzten fünf Jahren – erst im ehemaligen Jugendzentrum in Bockenheim und dann im Klapperfeld – ist die Initiative »Faites votre jeu!« auch dieses Jahr mit von der Partie.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im Klapperfeld (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):


 
 
Montag, 7. Oktober 2013, 20.00 Uhr

Antiziganistische Zustände 2

Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse
Alexandra Bartels, Markus End, Tobias von Borcke, Anna Friedrich (Hg.), Unrast Verlag

In den letzten Jahren haben sich Medien, Wissenschaft und Politik vermehrt mit dem Thema Antiziganismus beschäftigt. Die Auseinandersetzung bleibt jedoch häufig oberflächlich und ist nicht selten durch stereotype Wahrnehmungen geprägt. Gerade Letzteres führt immer wieder dazu, dass die Verantwortung für die in vielen Fällen äußerst schwierige Lage der von Antiziganismus betroffenen Menschen bei diesen selbst gesucht wird, statt bei der Mehrheitsgesellschaft, von der Diskriminierung und Verfolgung ausgehen.

Demgegenüber greifen die in diesem Band versammelten Beiträge bisherige Debatten ausgehend von einer Kritik an der Mehrheitsgesellschaft auf und leisten dabei eine Verknüpfung von theoretischer Begriffsbildung, historischer Darstellung und empirischer Analyse. Die inhaltliche Breite der Beiträge soll dabei als Stärke verstanden werden, die Reflexionen des Antiziganismus aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht und Ansatzpunkte für Interventionen aufzeigt.
 
 
Donnerstag, 10. Oktober 2013, 20.00 Uhr

Mythos Partizan

(Dis)Kontinuitäten der jugoslawischen Linken:
Geschichte // Erinnerungen // Perspektiven
Roland Zschächner, Mara Puskarevic & Dorde Tomic, Unrast Verlag

Jugoslawien kann ohne seine Linke nicht verstanden werden. Auf den Spuren der Geschichte Jugoslawiens beleuchtet das Buch die Brüche und Kontinuitäten der Linken von den frühen Anfängen bis in die Gegenwart. Gleichzeitig ist das Buch auch ein Zeugnis der Linken selbst. Dadurch steckt es einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Rahmen ab, aus dem sich Fragen nach Alternativen zum Bestehenden ergeben.

Ausgehend vom jugoslawischen Partisan_innenwiderstand gegen den Faschismus setzte sich das stipendiatische Projekt der Hans-Böckler-Stiftung mit dem »Mythos Partizan« auseinander: der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, ihren Deutungen und Erinnerungen sowie mit der daraus hervorgegangenen Gesellschaft einschließlich ihrer Widersprüche und sozialen Bewegungen. Diese Themen bildeten die Schwerpunkte einer Exkursion in die Region.

Als Produkt kollektiver Erfahrung vereint das Buch unterschiedliche Perspektiven. So beinhaltet es neben wissenschaftlichen Beiträgen von Autor_innen aus Deutschland sowie dem postjugoslawischen Raum auch Interviews, Reportagen und Fotos.
 
 
Freitag, 11. Oktober 2013, 20.00 Uhr

Anarchismusreflexionen.

Zur kritischen Sichtung des anarchistischen Erbes. Gespräche
Phillipe Kellermann, Verlag Edition AV

Der niederländische Anarchist Bart de Ligt hat 1922 in einem Bericht über den internationalen Anarchistenkongress in Berlin lobend hervorgehoben, »daß die Anarchisten überall anfangen, eigene Schwächen und Fehler zu erkennen und öffentlich zu erörtern«. Dies, so de Ligt weiter, beweise »die unzerstörbare Lebenskraft des Anarchismus«. In diesem Sinne beschäftigt sich der von Philippe Kellermann herausgegebene Interviewband Anarchismusreflexionen mit Problemen und Defiziten des (historischen) Anarchismus, als Bewegung und Theorie.

Ausgangspunkt ist: In seiner Fähigkeit zur Selbstreflexion sollte der Anarchismus sich und damit jene »unzerstörbare Lebenskraft« unter Beweis stellen, von der de Ligt sprach. Denn es macht keinen Sinn, sich stets nur als Opfer zu sehen. Ob die Sozialdemokratie, der Bolschewismus, der Staat, das Bürgertum usw. – nicht nur sie sind für die Schwäche des Anarchismus verantwortlich, sondern auch, und vielleicht vor allem, wir selbst.
 
 
Samstag, 12. Oktober 2013, 20.00 Uhr

Diktatorpuppe zerstört, Schaden gering

Kunst und Geschichtspolitik im Postnazismus
Lisa Bolyos und Katharina Morawek, Mandelbaum Verlag

In der Berliner Filiale von Madame Tussauds sitzt ein Wachshitler. Genügt es, dieser »Diktatorpuppe« den Kopf abzureißen – wie 2008 geschehen – um zu einer geschichtspolitischen Kultur beizutragen, die sich den Nachwirkungen des Nationalsozialismus in den Weg stellt?

In »Diktatorpuppe zerstört, Schaden gering.« wird in rund 90 Text- und Bildbeiträgen nach künstlerischen und kulturellen Strategien geforscht, die den postnazistischen Einklang zu stören vermögen. Kunst wird auf das analytische und praktische Potential hin abgeklopft, das sie geschichtspolitisch entfalten kann. Dabei gehen die Herausgeberinnen keineswegs davon aus, dass Kunst unumgänglich ist, um kritisch in den Postnazismus zu intervenieren. Jedes Mittel ist recht, so lange es nachhaltig wirkt – behaupten sie – und sehen nach, was die Kunst beizutragen hat.