Montag, 8.April 2013, 19 Uhr // Strategien antifaschistischer Interventionen, oder: Antifa zwischen Angriff und Ausschlafen

Veranstaltung von turn*left im Rahmen der Mobilisierung zum 1.Mai mit einem Referenten von Avanti – Projekt undogmatische Linke/IL

»Antifa heißt Angriff!« war eine der Parolen, mit der sich zu Beginn der 1990er Jahre viele autonome Zusammenhänge dem Kampf gegen Nazis widmeten. Das war dringend nötig, denn im nationalen Größenwahn nach der Einverleibung der DDR gingen der Rassismus des Staates und der Mehrheitsbevölkerung mit einer schnell wachsenden und selbstbewußten Naziszene Hand in Hand. Für viele, gerade migrantische und subkulturelle Menschen war antifaschistischer Selbstschutz damit unumgänglich geworden. Zugleich war die sich entwickelnde Antifa-Bewegung aber auch ein Versuch, die im Zusammenbruch befindlichen autonomen Zusammenhänge aufzufangen, an einem Thema zu einen und junge Leute wieder für undogmatische, radikal linke Politik zu begeistern. Seinen organisatorischen Ausdruck fand dies in der 1994 gegründeten Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisierung (AA/BO), den bedeutendsten Organsierungsansatz der Antifa Szene in den 1990er Jahren. Die Krise der Antifa-Bewegung zeigte sich ab 2000 in Folge des »Aufstands der Anständigen«, als die rot-grüne Regierung begann eine offensive Tabuisierung rechter Gewalt voranzutreiben. Damit geriet die Idee, Antifa sei »der Kampf ums Ganze« oder wenigstens ein Anfang dazu, in eine fundamentale Krise. Folgerichtig löste sich die AA/BO dann im Jahr 2001 auch auf. Die einsetzende Abwendung vom Kampf gegen Nazis trieb das BgR Leipzig im selben Jahr mit der Parole »Ausschlafen gegen rechts!« anlässlich eines Naziaufmarsches auf die Spitze. Die Antifa-Bewegung wurde dadurch nicht stärker, ganz im Gegenteil: in Dresden, Wunsiedel und Halbe entstanden jährlich wiederkehrende Großevents der Naziszene zu denen regelmäßig mehrere Tausend Nazis aus ganz Europa anreisten. Während Wunsiedel und Halbe nicht zu Letzt juristisch verhindert wurden, gelang dies in Dresden im Jahr 2010 zu ersten mal durch Massenblockaden, die in einem breiten Bündnis organisiert wurden. Das Konzept Massenblockaden in breiten Bündnissen ist zwar nicht neu, hat aber seither offensichtlich großen Aufschwung bekommen. Gemeinsam wollen wir die Herausbildung eines solchen Ansatzes nachvollziehen.

Welche Rolle kann oder muss der Kampf gegen Nazis für eine radikale Linke spielen? In welche Probleme und Widersprüche bringt uns die Zusammenarbeit in breiten Bündnissen und wie können wir mit diesen umgehen? Wie weit lässt sich das »Dresden-Konzept« auf andere Städte übertragen und an welchem Punkt nicht mehr? Laufen wir nicht Gefahr den »rechten Konsens« der Mehrheitsbevölkerung zu stärken, wenn wir uns an breiten Bündnissen gegen Naziaufmärsche beteiligen? Diese und viele weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit euch und einem Referenten von Avanti-Projekt undogmatische Linke/IL diskutieren.