Düstere Comics skizzieren die Lebenswelt von Flüchtlingen

Frankfurter Neue Presse, 10.10.2012 (download pdf)

Innenstadt. Kombiniert man ein altes Gefängnis mit einer frisch erschienen Graphic Novel, entsteht daraus eine Ausstellung. Daher dreht sich im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld von heute an alles um den Comic »Im Land der Frühaufsteher«. Zur heutigen Eröffnung der Ausstellung sind die Autorin Paula Bulling und ihr Protagonist Maman Salissou Oumarou für eine Lesung angereist. Denn das Thema der Ausstellung und des Buchs liegt ihnen am Herzen: Es geht um das Leben von Flüchtlingen in Deutschland.

Wer bei dem Stichwort Comic an bunte Bildchen denkt, ist für »Im Land der Frühaufsteher« auf der falschen Spur. Bunt ist hier nichts, und »Bildchen« sind die skizzenartigen Zeichnungen schon gar nicht. In düsteren Tönen halten sie die problematische Lebenswelt von Flüchtlingen in Halle fest – nicht nur die Probleme, sondern auch die einfachen Wünsche der Menschen, die beispielsweise einfach nur ihr Wohnheim verlassen und nicht unter der »Residenzpflicht« stehen wollen, die für Asylbewerber vorgeschrieben ist.

Paula Bulling näherte sich dem Thema künstlerisch erstmals, als sie Menschen in Halle für ein Projekt ihres Studiengangs Kommunikationsdesign porträtierte. Dabei traf sie auf die dort untergebrachten Flüchtlinge. »Erste Bilder, erste Stücke der Geschichte hatte ich. Daraus musste mehr werden.« Zwei Jahre recherchierte, zeichnete und konzipierte sie, bis »Im Land der Frühaufsteher« fertig war. Die Arbeit hat sich gelohnt. Für ihren Comic erhält sie den diesjährigen Sondermann-Preis für Newcomer, die renommierteste Auszeichnung für junge Comickünstler in Deutschland. Verlegt wurde der Titel im Berliner Avant-Verlag, der für seine anspruchsvollen Graphic Novels bekannt ist. Die erste Lesung aus ihrem Comic – und ihre erste Comic-Lesung überhaupt – wird die Autorin jetzt allerdings in Frankfurt geben.

Aufregung gehört zu dieser Premiere dazu. »Ein wenig nervös bin ich natürlich. Aber wir werden die Rollen verteilt lesen. Maman Salissou Oumarou liest die Geflüchteten, ich die Deutschen, und die einzelnen Panels projizieren wir an die Wand.« Eine Einführung in das Buch und im Anschluss eine Gelegenheit zur Diskussion gibt es ebenfalls. tos

Die Ausstellung »Im Land der Frühaufsteher« ist vom 11. Bis 15. Oktober von 17 bis 20 Uhr und vom 17. bis 28. Oktober dienstags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr und am Wochenende von 15 bis 18 Uhr im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld an der Klapperfeldstraße 5 zu sehen. Die Ausstellungseröffnung und Lesung beginnt heute um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

10.10. bis 28.10.2012: Ausstellung & Lesung »Im Land der Frühaufsteher« im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld