Archiv für Oktober 2012

Ausstellung: India Essence&Details

Die Ausstellung India Essence&Details basiert auf einer Serie von Analogfarbfotografien die nach Entwicklung weiterverarbeitet wurden. Die Exponate sind eine Umsetzung von Eindrücken in Maharashtra, Gujarat und Madhya Pradesh während des Sommermonsuns 2012.

Die Arbeit versucht eine Sicht von Indien jenseits der gängigen Klischeevorstellungen zu vermitteln. Der indische Subkontinent bietet weitaus mehr als Stereotype von Bollywood, spiritueller Sinnsuche oder Darstellungen von Armut und Elend.

In der Ausstellung sind subjektiv wahrgenommene Objekte zu sehen, die weder aus einer politischen noch einer romantischen Absicht heraus fotografiert wurden. Es geht letztlich und allein um den Eindruck von Essenz und Detail.

Vernissage

Freitag, 16. November 2012, 23 Uhr
Soundscapes: Daniel/San (Berlin)

Öffnungszeiten

Samstag, 17. & Sonntag, 18. November 2012
15 bis 18 Uhr

Ermittlung im Polizeigewahrsam

Studenten der Goethe-Universität inszenieren Theaterstück über den Frankfurter Auschwitzprozess

Frankfurter Neue Presse, 25.10.2012


Regisseurin Fabienne Pauly (li.) liest bei der Generalprobe im Skript den Text mit.

Eine Studentengruppe macht den Frankfurter Auschwitzprozess erlebbar: Mit Unterstützung des Asta und der Initiative »Faites votre jeu« inszeniert sie Peter Weiss’ »Die Ermittlung« und wahrt eine beklemmende Distanz zu den Rollen.

Innenstadt/Westend. Meterhohe Stacheldrahtmauern umgeben den in fahles Licht getauchten Innenhof des Polizeigewahrsams. Monoton und entfremdet melden sich Stimmen zu Wort, die protokollarisch von Güterzügen mit Frachtbriefen und rauchenden Schornsteinen berichten. Dann fallen die grellen Scheinwerfer auf die neunköpfige Personengruppe, eine »Zeugin« meldet sich zu Wort: »Es war das Normale, dass die, die unter uns standen, auch beim Prügeln halfen…«

Natürlich spricht die Studentin Vera Emrich ihren Text laut, sicher und auswendig – doch ihre Zeugenaussage klingt wie teilnahmslos verlesen. Spielt Vera Opfer, Täter oder am Ende nur willenloses Instrument eines perfiden automatisierten Systems? Mit dieser Frage wird sich das Publikum auseinandersetzen müssen, wenn die Initiative »Die Ermittlung« ihr Stück jeweils um 20 Uhr morgen im IG-Farbenhaus und am Freitag, 26. Oktober, im Polizeigefängnis im Klapperfeld spielt. An die Aufführungen schließen sich Audio-Installationen an, zu denen die Zuschauer geführt werden, um Originalstimmen und -aussagen aus dem damaligen Gerichtssaal im Römer und im Haus Gallus zu hören.

Der 1963 begonnene Frankfurter Auschwitzprozess dauerte zwei Jahre, 22 Angeklagte und 350 Zeugen wurden damals vernommen, darunter 211 Überlebende. Der Beobachter und Schriftsteller Peter Weiss verdichtete das Geschehen auf sieben Stunden, der Dramaturg Johannes Bellermann und die Regisseurinnen Fabienne Pauly und Marie Wolters kürzten das Stück wiederum auf 85 Minuten: Nach ersten Vorstellungen im vergangenen Mai wurden die Fragen und Aussagen nochmals überarbeitet, der Schwerpunkt mehr auf rezitierende Sprechchöre gelegt. Vier Zeugen, je ein Ankläger, Richter und Verteidiger und zwei Angeklagte stehen von links nach rechts schematisch und mit minimaler Kostümierung auf der Freilichtbühne, die allein durch die Originalschauplätze wirkt: Das Polizeigefängnis war Durchgangslager auf dem Transport nach Auschwitz, im IG Farbenhaus (dem heutigen Unicampus Westend) wurde die Herstellung von Zyklon B verwaltet.

Wie die Ankläger und Angeklagten folgt auch die »Zeugin« Vera Emrich ihrem eigenen einsilbig klingenden Sprechrhythmus. Die Frage nach ihrer historischen Rolle ist hinfällig, da Weiss die Namen der Personen ebenso anonymisierte wie die des Konzentrationslagers. Zu den wenigen authentisch genannten Namen gehören Dr. Josef Mengele und sein zu neun Jahren Zuchthaus verurteilter Assistent Victor Capesius. Wen also verkörpern der »Zeuge« Markus Schuld und der »Staatsanwalt« Bernd Marquardt, die beide erstmals auf der Bühne stehen, oder der »Angeklagte« Wolf Gerhardt, der Auschwitz von der Rampe über die Erschießungswand bis ins Krematorium erklärt und behauptet, er habe »nur auf Befehl gehandelt und für Ordnung gesorgt«?

»Im Prinzip verkörpern die Schauspieler gar niemanden“, erklärt Marie Wolters. Den Grund dafür kennt Peter Weiss ebenso wie der Theaterwissenschaftler Nikolaus Müller-Schöll, der Marie und ihre Kommilitonen im Seminar »Fiktion der Realität« mit dem Stoff konfrontierte. »Kein Darsteller kann eine Rolle verkörpern, die er sich nicht einmal annähernd vorstellen oder gar erleben kann«, ergänzt Fabienne Pauly. »Die Sprache muss künstlich bleiben, wir können uns ›den Prozess‹ nicht aneignen.« »Die Darsteller wirken als Sprachrohre«, sagt Bellermann. Für den Zuschauer bleibt der bedrückende Klang von Worten, die von einer Maschinerie sprechen. Nachdem der »Verteidiger« das Geschehene herunterspielt, erweckt nur das Plädoyer des »Staatsanwalts« etwas Hoffnung: »Das ist wie eine bewusste und gewollte Missachtung und Kränkung der Toten des Lagers und der Überlebenden.«

Es wird draußen gespielt, der Eintritt ist kostenlos. Zu den Aufführung im IG Farbenhaus werden die Zuschauer vor dem Haupteingang des Universitätscampus Westend abgeholt. (got)

Das Grauen unter freiem Himmel

Auschwitzprozess als Theaterstück

Frankfurter Rundschau, 24.10.2012


Studenten der Goethe-Universität bei der Generalprobe im Hof des ehemaligen Gefängnisses Klapperfeld. (Foto: Andreas Arnold)

Von Jakob Blume

Eine Gruppe von Studenten der Goethe-Uni bringt den Auschwitzprozess auf die Bühne. Ausgesucht haben sie sich dafür zwei geschichtsträchtige Orte in Frankfurt: das IG-Farben-Haus und das ehemalige Polizeigefängnis im Klapperfeld.

»Es war normal, dass zu allen Seiten gestorben wurde«, sagt die tonlose Stimme von Markus Schuld. Er steht im Halbkreis mit acht Kommilitonen, in einem spärlich beleuchteten Innenhof, umringt von hohen, stacheldrahtbewehrten Mauern.

Die Studenten der Goethe-Universität führen das Theaterstück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld auf. Weiss hat den ersten Frankfurter Auschwitzprozess zu einem Theaterstück verarbeitet. Es ist in elf Gesänge eingeteilt und basiert auf Aussagen von Zeugen und Angeklagten sowie den Reden von Staatsanwälten, Verteidigern, Richtern. Der Autor selbst hat den Prozess beobachtet.

Vom Dezember 1963 bis August 1965 wurden im ersten Frankfurter Auschwitzprozess 22 Mitglieder der Lagermannschaft angeklagt. 211 Überlebende des Konzentrationslagers sagten in dem 20 Monate andauernden Gerichtsprozess aus.

»Das ist auch ein Stück Erinnerungsarbeit, der wir uns annehmen«, sagt Johannes Bellermann. Der 27-jährige Promovend der Politikwissenschaften ist für die Dramaturgie des Stückes verantwortlich. Fabienne Pauly pflichtet ihm bei: »Wir haben das Stück in einem Seminar behandelt. Was in diesem Text steht, habe ich sonst noch nirgendwo so gelesen«, sagt sie. Die 25-jährige Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaft führt Regie, zusammen mit ihrer Kommilitonin Marie Wolters. »Ich dachte: Das müssen wir öffentlich aufführen«, so Fabienne Pauly.

Den Aufführungsort wirken lassen

Auch Vera Emmerich ist begeistert von dem Theaterprojekt. Die 22-Jährige steht auf der Bühne. Sie studiert ebenfalls Theater-, Film- und Medienwissenschaft, zusammen mit Politik. »Schon in der Schule wird die NS-Zeit ausführlich behandelt. Auf Dauer kann das abstumpfen. Das Theaterstück eröffnet einen ganz neuen Zugang zu diesem Thema«, findet sie.

Die Aufführungen sind unter freiem Himmel. Das Bühnenbild besteht hauptsächlich aus Lautsprechern und Scheinwerfern. So lassen die Studierenden den Aufführungsort wirken. Der könnte kaum passender gewählt sein. Vom ehemaligen Gefängnis an der Konstablerwache wurden, nach Angaben der Initiative »Faites votre jeu!«, auch Menschen nach Auschwitz deportiert.

Zwei weitere Vorstellungen werden auf dem Campus Westend am IG-Farben-Haus aufgeführt. Auch dieser Ort ist eng mit Auschwitz verknüpft. „Das wird eine andere, aber ebenso eindrucksvolle Atmosphäre sein“, hofft Vera Emmerich. Im Anschluss an das etwa ein-stündige Theaterstück kommen auch die Zeugen selbst zu Wort: Eine Audioinstallation präsentiert Original-Aufnahmen aus dem Gerichtssaal.

Die Aufführungen finden am Mittwoch, 24., und Donnerstag, 25. Oktober, am Haupteingang des IG-Farben-Hauses, am Freitag, 26. Oktober, im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses Klapperfeld statt, jeweils 20 Uhr. Eintritt frei.

Freitag, 26. Oktober 2012, 19.30 Uhr // Projekt: Peter Weiss – Die Ermittlung

Alle, die das Stück im Juni verpasst haben, bekommen jetzt noch einmal die Gelegenheit, es im Klapperfeld zu sehen: Der erste Frankfurter Auschwitzprozess fand in den Jahren 1963-65 im Römer und im Haus Gallus statt. Peter Weiss nahm damals als Beobachter am Prozess teil. Er ordnete und verdichtete das Prozessgeschehen, Fragmente der Aussagen von Zeugen und Zeuginnen und Angeklagten sowie Fragen des Richters und der Anwälte, zu einem Theaterstück. Der »Ermittlung« folgte eine öffentliche Kontroverse über das von Weiss gewählte künstlerische Verfahren und die Frage, ob »Auschwitz« Stoff für ein Theaterstück sein sollte. Die Debatte hält bis heute an: Wie, und was genau, sollten wir erinnern? Zehn Darsteller_innen zeigen in einer stark reduzierten Inszenierung diesen Text im Innenhof des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld. In einer Audioinstallation aus Mitschnitten des Auschwitzprozesses kommen die Zeugen und Zeuginnen, die im Prozess ausgesagt haben, selber zu Wort.

Regie: Fabienne Pauly, Marie Wolters

Um Voranmeldung per E-Mail (projektermittlung[ät]gmail.com) wird gebeten.

Eingeschlossen

Frankfurter Rundschau, 10.10.2012 (downlaod pdf)


Ab vom Schuss: Bulling begibt sich in eine fremdeWelt. PR

Von Anne Lemhöfer

Im Klapperfeld öffnet die Schau zum gemalten Flüchtlingsdrama »Im Land der Frühaufsteher«

»Im Land der Frühaufsteher« heißt eine Graphic Novel der Berliner Autorin und Zeichnerin Paula Bulling. Die Comic-Reportage erzählt Geschichten von Flüchtlingen in Deutschland. Am Mittwoch, 10. Oktober, 19 Uhr stellt Bulling im Rahmen der GegenBuchMasse linker Autoren und Verlage ihr Debüt im ehemaligen Frankfurter Polizeigewahrsam, Klapperfeldstraße 5, auf Einladung der Kulturinitiative »Faites votre jeu!« vor.

Die bebilderte Lesung bestreitet sie mit dem Filmemacher Maman Salissou Oumarou. Oumarou ist sowohl Protagonist des Buches als auch kritischer Begleiter seiner Entstehung. Im Anschluss an die Lesung wird die neue Sonderausstellung eröffnet, die bis zum 28. Oktober die Original-Zeichnungen aus »Im Land der Frühaufsteher« zeigt.

Der Ausstellungsort Klapperfeld
war 20 Jahre lang Abschiebeknast

Graphic Novels sind anspruchsvolle Comics, die komplexe, oft autobiografisch inspirierte Geschichten erzählen und mit den ästhetischen Möglichkeiten des Mediums experimentieren. Geradezu prädestiniert scheint das Kulturzentrum Klapperfeld für die Vorstellung von Bullings Roman. Das Klapperfeld wurde von Beginn der 80er Jahre bis zur Schließung 2003 als Abschiebeknast genutzt.

Während ihrer Recherche musste Paula Bulling, wie sie berichtet, feststellen: Flüchtlingsheime sind blinde Flecken auf der Landkarte. Als die Comiczeichnerin alle Asylbewerberheime in Deutschland auf einer Übersicht verzeichnen wollte, konnte sie nirgendwo vollständige Daten finden. Zugang zur Welt der Asylheime bekam Paula Bulling durch die Flüchtlingsorganisation The Voice. Als sie sich das Heim Katzhütte in Thüringen ansah, lernte sie den Nigerianer Oumarou kennen, der damals selbst noch im Asylverfahren feststeckte.

Seine Geschichte ist die Basis für »Im Land der Frühaufsteher«. Maja Koster von »Faites votre jeu!« freut sich über die Kooperation mit der Künstlerin: »Ihre Arbeit gibt eindrücklichen Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen.«

Im Land der Frühaufsteher, Lesung und Vernissage, 10.10., 19 Uhr, Frankfurt, Kulturzentrum Klapperfeld, Klapperfeldstraße 5, Ausstellung bis zum 28.10., Infos: www.klapperfeld.de

Im Land der Frühaufsteher, Graphic Novel von Paula Bulling, Avant-Verlag, 125 Seiten, 17,95, ISBN-10: 3939080683
 
 
10.10. bis 28.10.2012: Ausstellung & Lesung »Im Land der Frühaufsteher« im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

Düstere Comics skizzieren die Lebenswelt von Flüchtlingen

Frankfurter Neue Presse, 10.10.2012 (download pdf)

Innenstadt. Kombiniert man ein altes Gefängnis mit einer frisch erschienen Graphic Novel, entsteht daraus eine Ausstellung. Daher dreht sich im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld von heute an alles um den Comic »Im Land der Frühaufsteher«. Zur heutigen Eröffnung der Ausstellung sind die Autorin Paula Bulling und ihr Protagonist Maman Salissou Oumarou für eine Lesung angereist. Denn das Thema der Ausstellung und des Buchs liegt ihnen am Herzen: Es geht um das Leben von Flüchtlingen in Deutschland.

Wer bei dem Stichwort Comic an bunte Bildchen denkt, ist für »Im Land der Frühaufsteher« auf der falschen Spur. Bunt ist hier nichts, und »Bildchen« sind die skizzenartigen Zeichnungen schon gar nicht. In düsteren Tönen halten sie die problematische Lebenswelt von Flüchtlingen in Halle fest – nicht nur die Probleme, sondern auch die einfachen Wünsche der Menschen, die beispielsweise einfach nur ihr Wohnheim verlassen und nicht unter der »Residenzpflicht« stehen wollen, die für Asylbewerber vorgeschrieben ist.

Paula Bulling näherte sich dem Thema künstlerisch erstmals, als sie Menschen in Halle für ein Projekt ihres Studiengangs Kommunikationsdesign porträtierte. Dabei traf sie auf die dort untergebrachten Flüchtlinge. »Erste Bilder, erste Stücke der Geschichte hatte ich. Daraus musste mehr werden.« Zwei Jahre recherchierte, zeichnete und konzipierte sie, bis »Im Land der Frühaufsteher« fertig war. Die Arbeit hat sich gelohnt. Für ihren Comic erhält sie den diesjährigen Sondermann-Preis für Newcomer, die renommierteste Auszeichnung für junge Comickünstler in Deutschland. Verlegt wurde der Titel im Berliner Avant-Verlag, der für seine anspruchsvollen Graphic Novels bekannt ist. Die erste Lesung aus ihrem Comic – und ihre erste Comic-Lesung überhaupt – wird die Autorin jetzt allerdings in Frankfurt geben.

Aufregung gehört zu dieser Premiere dazu. »Ein wenig nervös bin ich natürlich. Aber wir werden die Rollen verteilt lesen. Maman Salissou Oumarou liest die Geflüchteten, ich die Deutschen, und die einzelnen Panels projizieren wir an die Wand.« Eine Einführung in das Buch und im Anschluss eine Gelegenheit zur Diskussion gibt es ebenfalls. tos

Die Ausstellung »Im Land der Frühaufsteher« ist vom 11. Bis 15. Oktober von 17 bis 20 Uhr und vom 17. bis 28. Oktober dienstags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr und am Wochenende von 15 bis 18 Uhr im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld an der Klapperfeldstraße 5 zu sehen. Die Ausstellungseröffnung und Lesung beginnt heute um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

10.10. bis 28.10.2012: Ausstellung & Lesung »Im Land der Frühaufsteher« im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

Auch die Gegenbuchmasse beginnt

www.journal-frankfurt.de, 09.10.2012

Seit 2006 veranstaltet ein linkes Bündnis immer pünktlich zur Buchmesse die »Gegenbuchmasse«. Werke und Autoren, die auf der gehypten Veranstaltung keinen Platz finden, rücken hier in den Fokus.

Linke Verlage, linke Autoren, kritisches Gedankengut: Die Gegenbuchmasse setzt sich von 9. Bis 14. Oktober in einer Vielzahl von Lesungen und Diskussionsrunden mit dem Status Quo der linken Literaturszene in Deutschland auseinander. Und lässt den geschäftlichen Teil oder Verkaufszahlen dabei außer Acht.

So zeigt etwa die Iniative »Faites votre jeu« im ehemaligen Gefängnis im Klapperfeld die Comic-Reportage »Im Land der Frühaufsteher« von Paula Bulling, die sich mit dem Alltag von Flüchtlingen in Deutschland auseinandersetzt. In sieben Kapiteln erzählt sie vom Leben in Asylbewerberheimen, alltäglichem Rassismus und dem Tod eines Flüchtlings. Am Mittwoch, 10. Oktober, ist Paula Bulling ab 19 Uhr zu Gast, um ihr Comicdebüt in einer bebilderten Lesung gemeinsam mit Maman Salissou Oumarou vorstellen. Der Filmemacher ist sowohl Protagonist des Buches als auch kritischer Begleiter seiner Entstehung gewesen. Die Ausstellung zur Reportage ist anschließend bis 28. Oktober im Klapperfeld zu sehen.

Die erste Veranstaltungsreihe dieser Art wurde in Frankfurt bereits 1996 durchgeführt. Seit 2006 ist die Gegenbuchmasse zu einer festen, alternativen Größe der Buchmesse geworden. Ein Initiativkreis aus Autoren und Verlagen, der Infoladen aus dem Café Exzess und P.A.C.K., eine Gruppe aus dem Umfeld der Antifa Frankfurt zeichnen für das Programm verantwortlich. Veranstaltungsorte sind unter anderem der Club Voltaire, das Café Exzess, die Raumstation Rödelheim oder eben das ehemalige Gefängnis im Klapperfeld.

Im Club Voltaire wird unter anderem die NS-»Euthanasie« am Beispiel Sigrid Falkensteins »Annas Spuren« (Mittwoch, 20 Uhr) thematisiert und Texte von Christa Wolf gelesen (Sonntag, 11.30 Uhr). Im Eintracht-Fanhaus Louisa sprechen die Droogs ’99 über politisch verfolgte Sportler im 20. Jahrhundert (ebenfalls Mittwoch, 20 Uhr), in der Au wird ein Film über Repressionen im Partnerland der Buchmesse, in Neuseeland, gezeigt (Donnerstag, 20 Uhr)
Das komplette Programm der Gegenbuchmasse finden Sie hier.

10.10. bis 28.10.2012: Ausstellung & Lesung »Im Land der Frühaufsteher« im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld