Archiv für September 2012

Samstag, 6. Oktober 2012, 16 Uhr // Siempre Antifa-Barabend

Ab 16 Uhr im Klapperfeld gibt es DIY Kaffee und Kuchen in gemütlicher Atmosphäre. Später gibt es Musik aus der Dose, Auflegerei, kühle Getränke sowie einen Chillout-Raum, in dem wir politische bis amüsante Kurzfilme zeigen werden. Check it out. (bis 0.00 Uhr)

Veranstaltende: siempreffm.blogsport.de

»GEGEN BUCH MASSE«-Veranstaltungen 2012

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die »GEGEN BUCH MASSE« statt. Das Ziel dieser Veranstaltung ist, linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten.

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt, die kritischen, emanzipatorischen Gedanken ein Forum bieten sollen. Wie in den letzten vier Jahren – erst im ehemaligen Jugendzentrum in Bockenheim und dann im Klapperfeld – ist die Initiative »Faites votre jeu!« natürlich auch dieses Jahr mit von der Partie.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im Klapperfeld (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 19.00 Uhr

Im Land der Frühaufsteher

Paula Bulling und Maman Salissou Oumarou; Avant-Verlag

»Im Land der Frühaufsteher« ist eines der meist beachteten deutschen Graphic-Novel-Debüts des Jahres 2012. Die Comic-Reportage von Paula Bulling erzählt in einprägsamen und kunstvollen Bildern über die Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen in Deutschland. Die Berliner Künstlerin hat im Laufe mehrerer Jahre die Flüchtlingspolitik in Sachsen-Anhalt in etlichen Gesprächen und Begegnungen mit Asylbewerber_innen in Halle, Halberstadt und Möhlau (Wittenberg) dokumentiert. In sieben Kapiteln erzählt sie vom Leben in Asylbewerber_innenheimen, alltäglichem Rassismus, dem Tod eines Flüchtlings wie auch von der Suche nach einer angemessenen erzählerischen Haltung als weiße Künstlerin.

Paula Bulling wird ihr Comicdebüt gemeinsam mit Maman Salissou Oumarou vorstellen und die Ausstellung zum Buch eröffnen. Der Filmemacher Oumarou ist sowohl Protagonist des Buches, als auch kritischer Begleiter seiner Entstehung gewesen.

Weitere Infos unter landderfruehaufsteher.klapperfeld.de
 
 
Freitag, 12. Oktober 2012, 19.00 Uhr

Dublin II in der Krise?

Möglichkeiten und Grenzen politischer und juridischer Intervention
Buch-Preview

Die Dublin II-Verordnung regelt, dass immer der EU-Staat für den Asylantrag eines Flüchtlings zuständig ist, über welchen die Einreise in die EU stattgefunden hat. Durch diese Zuständigkeitsbestimmung entziehen sich die nordeuropäischen Länder ihrer Verantwortung, was zu dramatischen Verhältnissen in den Ländern an den EU-Außengrenzen führt. Doch inzwischen lässt sich von einer Krise der Dublin II-Praxis sprechen. Im Vortrag werden diese Krise erläutert, sowie Möglichkeiten widerständiger politischer und juridischer Intervention gegen diese Praxis dargestellt. Anhand des Prozesses der gesellschaftlichen und juridischen Auseinandersetzung werden wir zeigen, wie eine Veränderung der Dublin II-Praxis im Sinne einer Stärkung des Flüchtlingsschutzes möglich wurde und wo die Grenzen solcher Strategien liegen. Ein den Vortrag vertiefender Artikel wird in der Abschlusspublikation des Forschungsprojekts »Staatsprojekt Europa« (www.staatsprojekt-europa.eu) Anfang 2013 veröffentlicht.

Pressemitteilung 27.09.2012: »Im Land der Frühaufsteher« – Lesung und Ausstellungseröffnung am 10. Oktober 2012 im Klapperfeld

Die Comic-Reportage »Im Land der Frühaufsteher« der Berliner Künstlerin Paula Bulling erzählt in einprägsamen und kunstvollen Bildern über die Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen in Deutschland. Am Mittwoch, den 10. Oktober um 19 Uhr wird Paula Bulling im Rahmen der GegenBuchMasse ihr Comicdebüt in einer bebilderten Lesung gemeinsam mit dem Filmemacher Maman Salissou Oumarou vorstellen. Oumarou ist sowohl Protagonist des Buches als auch kritischer Begleiter seiner Entstehung gewesen. Im Anschluss an die Lesung wird die neue Sonderausstellung im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld eröffnet, die bis zum 28. Oktober die Original-Zeichnungen aus im »Land der Frühaufsteher« zeigt.

»Im Land der Frühaufsteher« ist eines der meist beachteten deutschen Graphic-Novel-Debüts des Jahres 2012. Paula Bulling hat im Laufe mehrerer Jahre die Flüchtlingspolitik in Sachsen-Anhalt in etlichen Gesprächen und ­Begegnungen mit Asyl­bewerber_innen in Halle, Halberstadt und Möhlau (Wittenberg) dokumentiert. In sieben Kapiteln erzählt sie vom Leben in Asylbewerber_innenheimen, alltäglichem Rassismus, dem Tod eines Flüchtlings und auch von der Suche nach einer ­angemessenen erzählerischen Haltung als weiße Künstlerin. Um bewusst mit der Sprache der Geflüchteten umzugehen, überarbeitete sie den gesprochenen Text im Buch gemeinsam mit Noel Kaboré, der selbst als Figur vorkommt.

Zu ihrem Interesse befragt, sich mit Flüchtlingspolitik auseinanderzusetzen und dies in einem Comic umzusetzen sagte Paula Bulling: »Mich interessiert das Naheliegende. Flüchtlingspolitik wird direkt vor unserer Tür gemacht und gleichzeitig zeigt sich darin die ganze Verstricktheit und Brutalität der globalisierten Welt. Ich bin durch eine Reise nach Syrien und den Kontakt zu syrischen Menschen­rechtsaktivist_innen, die in Deutschland Asyl suchen, mit dem Thema in Berührung gekommen. Das erste Flüchtlingsheim, das ich durch eine Initiative von The Voice Refugee Forum besucht habe, war Katzhütte in Thüringen. Die Zustände dort sind erschreckend, danach hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Dass aus der Beschäftigung damit ein Comic wird, hat sich erst nach und nach herauskristallisiert.«

Neben den Originalen werden in der Ausstellung einige von Paula Bullings Zeichnungen als großformatige Projektionen zu sehen sein. Darüber hinaus informieren Texttafeln über Hintergründe und die Künstlerin. Maja Koster von der Initiative »Faites votre jeu!«, die das Klapperfeld seit 2009 als selbstverwaltetes Zentrum betreibt, äußerte sich erfreut über die kommende Ausstellung mit Paula Bulling: »Wir freuen uns, dass die Originale aus ›Im Land der Frühaufsteher‹ im Klapperfeld erstmals öffentlich ausgestellt werden. Paulas Arbeit gibt einen ebenso eindrücklichen wie bedrückenden Einblick in die Lebenswirklichkeit von Asylbewerber_innen.«

Ergänzend zur Sonderausstellung haben die Besucher_innen außerdem die Möglichkeit, sich im zweiten Stock des Klapperfelds ein Bild von einem weiteren Aspekt der deutschen Asylpolitik zu machen: Das Klapperfeld wurde ab den 1980er Jahren bis zur Schließung 2003 auch als Abschiebeknast genutzt. Dazu Maja Koster: »Die durch den Staat illegalisierten Menschen waren jedoch – im Gegensatz zur sonstigen Nutzung als Gewahrsam in den letzten Jahrzehnten – nicht nur mehrere Stunden oder wenige Tage im Klapperfeld inhaftiert, sondern mitunter wesentlich länger. Sie mussten ihre Zeit unter miserablen Bedingungen in den viel zu kleinen und dunklen Zellen verbringen. Für die Betroffenen bedeutet die Abschiebung in der Regel den Weg in Armut, Verfolgung, Folter, Krieg oder gar den Tod.«

Sie warnte jedoch davor, die Zustände im Klapperfeld für einen Einzelfall zu halten: »In Flüchtlingslagern und Abschiebeknästen herrschen nach wie vor miserabelste Bedingungen. Diskriminierung, Illegalisierung, Kriminalisierung und Arbeitsverbote, die Ein­schränkung der Bewegungsfreiheit und die damit verbundene Isolation und nicht zuletzt die unmenschliche Abschiebepraxis sorgen in Deutschland für die systematische und konsequente Ausgrenzung der Flüchtlinge aus allen Lebensbereichen.«

Öffnungszeiten der Ausstellung »Im Land der Frühaufsteher:

11. bis 15. Oktober 2012 (während der Buchmesse)
täglich von 17 bis 20 Uhr

17. bis 28. Oktober 2012
Di.: 17 – 20 Uhr | Mi.: 10 – 13 Uhr | Sa. & So.: 15 – 18 Uhr

Eintritt frei, Spenden erwünscht!

Weitere Informationen zur Lesung und zur Ausstellung:
landderfruehaufsteher.klapperfeld.de

Weitere Informationen zum Comic:
www.avant-verlag.de/comic/im_land_der_fruehaufsteher

Kontakt: 0163 9401683 | faitesvotrejeu@yahoo.com

Anhang:

Pressemitteilung als pdf: download

10.10. bis 28.10.2012: Ausstellung & Lesung »Im Land der Frühaufsteher« im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld

Wir nehmen uns was wir brauchen – Selbstorganisierte Zentren verteidigen – Soziales Wohnen möglich machen

Aufruf zur Demnostration am 13. Oktober 2012 in Frankfurt am Main, 15 Uhr am Hbf

Wem gehört die Stadt?

Der neoliberale Umbau des öffentlichen Raumes der letzten 20 Jahre sorgt nicht zum ersten mal für Unmut. Nicht desto weniger hat das Thema nichts an seiner Brisanz verloren – bestimmt es doch ganz maßgeblich unseren Alltag.

Jüngste Ereignisse im Rhein-Main-Gebiet zeigen, dass Stadtpolitiken immer mehr unter unternehmerischen Gesichtspunkten arbeiten. Das bedeutet faktisch, dass die Gestaltung des öffentlichen Raumes immer weniger im Sinne eines – schon immer diffus konstruierten – »Allgemeinwohls« von statten geht, sondern sich an einer lukrativeren Verwertung des öffentlichen Raumes orientiert. Das zeigt sich an der teils massiven Aufwertung verschiedener Stadtteile, die von einer Stadtplanung möglich gemacht und von privaten Investor_innen mit in die Tat umgesetzt wird. Für Geringverdiener_innen bedeutet dies konkret, dass sie sich die steigenden Mieten in der Innenstadt schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können und kontinuierlich aus dem Stadtkern vertrieben werden.

Ganz klassisch zeigt sich hier, dass eben nicht alle Interessen gleichermaßen in einer kapitalistischen Politik berücksichtigt werden. Vor allem auch linke Kulturprojekte, die unter dem Anspruch arbeiten Alternativen zum kapitalistischen Normalbetrieb zu entwickeln, und entgegen verschiedener sozialer Zwänge und Konsumzwang sich zu betätigen suchen, sollen aus dem Stadtbild verdrängt werden. Hier wird nochmals deutlich, dass neoliberale Stadtpolitiken auf ökonomische Interessen, statt auf menschennahe Stadtgestaltung setzen:

Deshalb gehen wir am 13. Oktober auf die Strasse, um gemeinsam ein Zeichen gegen die sich verschärfende Situation im städtischen Raum zu setzen!

Stadt als sozialer Raum

Das sozialer Wohnungsbau unter diesen Entwicklungen leidet bzw. rückläufig ist, verwundert da nicht weiter. Beispielsweise ist doch der Umbau von Mietshäusern zu teilweise luxuriösen Eigentumswohnungen ein Prozess, welcher der Förderung sozialer Wohnbauprojekte und alternativer Wohnprojekte vorgezogen wird! Diese sogenannte »Aufwertung« vermeintlicher Problemviertel und aus Sicht der Stadtpolitik unattraktiver Viertel, hat die Verdrängung von erschwinglichem Wohnraum im Allgemeinen aus dem Stadtkern zur Folge. Zum einen verstärkt dieser Prozess die Verdrängung von einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten aus dem Stadtkern in Richtung der Randbezirke.

Darüber hinaus finden sich auch alle anderen unliebsamen sozial marginalisierten Gruppen, die einem von der Stadt forcierten »sauberen« und »attraktiven« Stadtbild nicht entsprechen – seien es Obdachlose, Arbeitslose, Drogenuser_innen oder andere sozial Deklassierte – als Objekte einer repressiven Ordnungspolitik wieder. So lässt sich eine zunehmende Prekärisierung und soziale Ausgrenzung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens beobachten.

Dies hat sich zum Beispiel in der aufgeheizten Debatte um das Occupy Camp in Frankfurt gezeigt, als mit dem Verweis auf »Sinti und Roma« die vor der EZB campiert haben, eine medial aufbereitete, rassistische Hetze quer durch die Presselandschaft lief. Ein Ordnungsamt, dass mittlerweile zur Stadtpolizei aufgewertet wurde, und die kontinuierliche Aufrüstung der Polizei zeichnen ein deutliches Bild wie sich Stadtpolitik, nicht nur im Rhein-Main-Gebiet, derzeitig entwickelt.

Die sowieso schon Marginalisierten sollen unsichtbar gemacht werden! Eine Stadtpolitik, die soziale Problemlagen vor allem repressiv zu lösen gedenkt und in der ganzen BRD Schule macht.

Selbstverwaltete soziokulturelle Zentren

Gleichzeitig schreibt sich eine neoliberale Stadtpolitik den Ausbau eines Kulturbetriebes auf die Fahnen. Damit eine Stadt ökonomisch attraktiv ist, geht es auch immer um eine großangelegte »Kulturförderung« im städtischen Raum. Das Verständnis, das die Stadt hierbei von Kultur hoch hält, sieht diese vor allem als Freizeitangebot, das konsumiert werden soll, an. Auch hier ist die Teilhabe am kulturellen Freizeitspaß an die eigene soziale Lage gebunden und alles was sich nicht unter den förderungswerten Begriff von Kulturproduktion fassen lässt, bleibt ohnehin Außen vor.

Deshalb überrascht es auch nicht dass linke selbstorganisierte Zentren verschiedenster Ausprägungen im gesamten Bundesgebiet, die mit einer Kulturproduktion, die sich vor allem an ihrer Verwertbarkeit für ökonomische und stadtpolitische Kriterien messen soll, nichts zu tun haben will, immer häufiger in Bedrängnis geraten und in vielen Fällen kurz vor dem Aus stehen. Beispiele hierfür gibt es deutschlandweit viele! Im Rhein-Main-Gebiet sind aktuell unter anderem einige Projekte davon betroffen: Das IVI (Insitut für vergleichende Irrelevanz – FFM) ist derzeitig akut von Räumung bedroht, dem Haus Mainusch (MZ) wurde zum Dezember diesen Jahres der Mietvertrag gekündigt und die OA7 (Obere Austraße 7 – MZ) wurde im Zuge der Räumung der Zerstörung durch ein stadtnahes Unternehmen überlassen.

Vor dem Hintergrund eines für uns unerträglichen kapitalistischen Alltags und den nicht tragbaren sozialen Verhältnissen, die vielfach von Zwängen durchzogen sind, ist es umso wichtiger Räume zu schaffen, die versuchen diesen Unzumutbarkeiten etwas entgegen zu setzen: Orte an denen Raum zum Experimentieren, Entwickeln und Nachdenken über andere soziale Verhältnisse und Lebenskonzepte möglich sind und werden, Orte an denen Kultur neu erfunden und unter sozialen Aspekten definiert wird, Orte an denen jede_r ungeachtet von sozialem Status und persönlicher Herkunft teilhaben kann, Orte an denen kein Platz für Diskriminierungen jeglicher Art ist, Orte die Rückzug von sozialen Zwängen möglich machen – in denen Utopien jenseits einer repressiven Ordnung der Dinge neu gedacht und erfahrbar gemacht werden können.

Deshalb rufen wir dazu auf die bedrohten linken Zentren und Projekte zu verteidigen und sich ganz pragmatisch das zu nehmen, was uns eine Politik nicht freiwillig geben wird!

Für die Schaffung und die Erhaltung von ein, zwei, drei – vielen besetzten Häusern und selbstverwalteten Zentren!

Ivi und Mainusch bleiben, eine Obere Austraße 7 gibt es überall!

Freitag, 5. Oktober 2012, 21 Uhr // Konzert mit Test und Von Drakus

Test (Hardcore Punk aus Sao Paulo, Brasilien, testdeath.wordpress.com)
Von Drakus (Hardcore Punk aus Gießen, vondrakus.bandcamp.com)

Veranstaltende: hardrockner.com

Die gerade Linie – ganz links

Frankfurter Rundschau, 17.09.2012

Von Natalie Kiehl


Hans Schwert erklärt. (Foto: Martin Weis)

Der Gewerkschafter Hans Schwert wird an diesem Montag, 17. September, 105 Jahre alt. Seit er politisch aktiv ist, hat der Kommunist sich immer an seinen Idealen orientiert. Bis heute.

Hans Schwert hat nie bloß zugeschaut. Um gesellschaftliches Unrecht zu beseitigen, war ihm der Preis für sein Engagement egal. Und als Kommunist und Gewerkschafter in der Weimarer Republik war dieser Preis sehr hoch. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 kann er nur noch illegal tätig sein. »Ich habe kaum eine Nacht geschlafen,« erzählt er, zu viel gab es zu tun: heimlich Flugblätter drucken, Fabrikarbeiter organisieren, sich mit anderen Widerständlern vernetzen.

Er ist sich des Risikos bewusst, das er eingeht. Als er 1936 von der Gestapo verhaftet wird, »habe ich mit allem abgeschlossen,« sagt er in einem Interview, dass er 2009 der Initiative »Faites votre jeu« gab. »Ich wusste: Ich bin in der Hand von Mördern.«

In 14 Gefängnissen eingesessen

Ein Jahr hält ihn die Gestapo fest, er wird immer wieder verhört und misshandelt. Aber: »Ich habe keinen belastet. Es war die Richtlinie meiner Partei, vor dem Feind keine Aussage zu machen. Das war für mich eine heilige Sache.« Viele seiner Mitstreiter halten sich daran nicht: Im Prozess belasten ihn 25 Zeugen schwer. Hans Schwert wird zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Doch auch das Zuchthaus kann ihn nicht von seinen Überzeugungen abbringen. Als er von der Hinrichtung eines Hamburger KPD-Funktionärs erfährt, organisiert er eine heimliche Gedenkminute. »Wenn die Wärter das mitbekommen hätten.. « schüttelt Schwert heute den Kopf über sich. »Aber ich habe Glück gehabt.« Erst 1945, nach einer Odyssee durch 14 Gefängnisse wird er befreit und geht zurück nach Frankfurt.

Zeitzeuge für »Faites votre jeu«

Seitdem hat er sich immer für andere eingesetzt. Er engagiert sich 20 Jahre lang im Personalrat für die städtischen Angestellten. Als Kommunist muss er immer wieder berufliche Einschränkungen hinnehmen, doch das hält ihn nicht auf. »Man kann nur einen Weg gehen, ganz gerade,« sagt er. »Ich habe mich für ganz links entschieden.« Diese Integrität und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass er von seinen Kollegen sehr geschätzt wurde.

Bis heute tritt er auf Veranstaltungen gegen Rechts auf. Als »Faites votre jeu« in das ehemalige Polizeigefängnis am Klapperfeld einzog, stellte er sich für Zeitzeugeninterviews zur Verfügung. Aber noch einmal in das Gebäude hineinzugehen, in dem ihm so viel Leid zugefügt wurde, hat er bis heute nicht über sich bringen können. »Ich habe das alles noch genau vor Augen,« sagt er. Manche Erinnerungen hören nie auf, weh zu tun.

Sein politisches Engagement hat er mit großer Konsequenz durchgezogen. Das gibt ihm Trost, wenn er an die heutige Finanzkrise denkt: »Dann sage ich mir: Reg’ Dich nicht mehr auf. Du hast in Deinem Leben alles getan, was Du konntest.«
 
 
Das Interview mit Hans Schwert kann auf der Website zur Geschichte des Klapperfelds und in unserer Ausstellung angesehen werden: www.klapperfeld.de/de/ausstellung/zeitzeuge-hans-schwert.html

Lieber Hans, alles Gute zu deinem 105. Geburtstag!

Lieber Hans,

zu Deinem Geburtstag möchten wir Dir ganz herzlich gratulieren! Außerdem möchten wir uns bedanken: für Deinen bis heute andauernden antifaschisten Kampf und Dein Engagement als Zeitzeuge.

Wir wünschen dir alles Gute, viel Glück und Gesundheit. Wir hoffen, dass Du heute einen wunderschönen Tag mit Deiner Tochter und den Dir nahestehenden Menschen verbringen kannst.

In Solidarität und voller Anerkennung Deiner Lebensleistung,
Faites votre jeu!

Hans Schwert

Heute, am 17. Septmember 2012 wird Hans Schwert 105 Jahre alt.

Als Antifaschist, Gewerkschafter und Kommunist kämpfte er gegen die Nazis. Nach dem Machtantritt der NSDAP im Jahre 1933 setzte er seinen Widerstand im Untergrund fort. Im August 1936 wurde er verhaftet und saß bis zur Befreiung durch die Alliierten in verschiedenen Gefängnissen, davon ein Jahr im Klapperfeld.

Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte er sein politisches Engagement fort. Als Zeitzeuge berichtete er über seine Erfahrungen als Gewerkschafter und Kommunist in den 20er und 30er Jahren und von der Verfolgung durch die Nationialsozialist_innen.

Auch als Antifaschist ist er bis heute aktiv. Noch im Alter von 99 Jahren hielt er am 7. Juli 2007 auf dem Römerberg eine Rede, um gegen einen an diesem Tag stattfindenden Aufmarsch von Neonazis im Stadtgebiet zu demonstrieren. 2009 nahm er am 8. Mai an einer Gedenkfeier vor dem Nieder Friedhof anlässlich des Jahrestags der Befreiung vom Faschismus teil.

Wir durften die unschätzbar wertvolle Erfahrung machen, mit Hans über seine teils schrecklichen Erlebnisse sprechen zu dürfen. Es ist von unschätzbarem Wert, dass er als Zeitzeuge mit uns, aber auch mit vielen anderen Menschen seine Erfahrungen und Erlebnisse geteilt hat.

Mit seiner Offenheit, seiner Arbeit und seinem bis heute andauernden Kampf gegen den Faschismus und Rassismus hat er einen unvergleichlichen Beitrag geleistet.
 
 
Das Interview mit Hans Schwert kann auf der Website zur Geschichte des Klapperfelds und in unserer Ausstellung angesehen werden: www.klapperfeld.de/de/ausstellung/zeitzeuge-hans-schwert.html

Sonntag, 16. September 2012, 14:30 Uhr // Einladung zum erweiterten »Wem gehört die Stadt?«-Netzwerktreffen

Wem gehört die Stadt?

Wir laden alle Frankfurter Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen zu einem erweiterten Treffen ein, bei dem wir die bisherige Struktur und Praxis des Netzwerkes zusammen mit den aktuellen stadtpolitischen Entwicklungen und möglichen Gegenstrategien diskutieren wollen.

Wir würden uns freuen, wenn ihr möglichst zahlreich erscheint, denn die zunehmende Sichtbarkeit der Ausrichtung der Stadt an Verwertungsinteressen ist nicht nur politisch ein Problem, sondern tangiert auch unmittelbar unser aller Lebens- und Arbeitsumfeld. Zudem gehen einige Auseinandersetzungen, etwa um die Zukunft des Campus Bockenheim, bald in eine entscheidende Phase – und wenn sich die Frankfurt (radikale) Linke hier nicht einmischt, ist ja ziemlich klar, wer und was sich hier durchsetzen wird.

Das Treffen wird am 16. September um 14.30 Uhr im Klapperfeld stattfinden.

Zum Hintergrund des Treffens:

Seit der Gründung des Netzwerkes hat es bereits diverse Aktionen (bspw. den Aktionstag im Mai 2011, den aktionistischen Kongress Ende 2011, diverse Spaziergänge, Demonstrationen, Partys und Besetzungen) gegeben, die die kapitalistische Stadtentwicklungen und Gentrifizierungsprozesse in Frankfurt thematisiert und kritisiert haben. Nicht zuletzt durch diese kontinuierlichen Aktionen ist das Netzwerk mittlerweile einer größeren Frankfurter (Medien-)Öffentlichkeit bekannt und wird dort als Stichwortgeber wahrgenommen. Dies kann durchaus als Erfolg in einem Politikfeld gewertet werden, das in anderen Städten (international und bundesweit) schon länger Bestandteil der Praxis linker Zusammenhänge ist.

In Frankfurt wird das bisher jedoch nur vereinzelt von der Szene wahrgenommen. Das verwundert ein wenig, da es – egal ob ständige Mieterhöhungen, fehlender Raum für unkommerzielle Kunst- und Kultur, die Umstrukturierung zur (Green) Global City oder auch die systematischen Nervereien von Ordnungsamt und Polizei – zahlreiche Konfliktpunkte und Interventionsmöglichkeiten gibt.

Nicht erst in der letzten Zeit zeigen sich zudem immer wieder Probleme im Netzwerk (z.B. die geringe und/oder stark fluktuierende Beteiligung), die dessen Arbeit stark beeinträchtigen und mit denen wir uns deshalb gerne auch in einen größeren Rahmen auseinandersetzen möchten.

Zur Vorbereitung der gemeinsamen Diskussion wird es einen kurzen Input geben, der die aktuelle Stadtentwicklung in Frankfurt aufzeigt und die Probleme des Netzwerkes aus der Perspektive einiger Aktiver benennt. Auf dieser Grundlage möchten wir dann über mögliche notwendige strukturelle Veränderungen im Netzwerk und zukünftige gemeinsame Projekte diskutieren. Eine möglichst große Beteiligung aller Frankfurter Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen wäre für diese Diskussion mehr als wünschenswert. Denn die Stadt gehört uns allen nur, wenn wir sie uns nehmen. Auf geht’s!

Logo: Wem gehört die Stadt?
Weitere Infos zum Netzwerk »Wem gehört die Stadt?«: www.wemgehoertdiestadt.net