Archiv für Juli 2012

Montag, 20. August 2012, 20 Uhr // Das bisschen Totschlag. Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen und die Folgen

ACHTUNG!
Da parallel zur Veranstaltung im Klapperfeld die zentrale Mobilisierungsveranstaltung zur antirassistischen Großdemo am 25./26. August in Rostock im Café ExZess (Leipziger Straße 91) stattfindet, haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung bei uns abzusagen und ins ExZess zu mobilisieren. Dort beginnt die Veranstaltung um 19 Uhr.

Weitere Infos zur Mobilisierungsveranstaltung findet ihr hier: siempreffm.blogsport.de

Infos zur Großdemo in Rostock und der Kampagne »Rassismus tötet findet ihr auf: rassismus-toetet.de

Vor 20 Jahren – im August 1992 – kam es zu den größten rassistischen Pogromen der deutschen Nachkriegsgeschichte. In Rostock-Lichtenhagen griff ein rassistischer Mob über Tage hinweg die »Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber« sowie ein Wohnheim für ehemalige VertragsarbeiterInnen aus Vietnam an. Tausende Umstehende klatschten bei Bier und Wurst Beifall, als die Häuser in Brand gesteckt wurden. Die Polizei schaute zu, viele der Opfer wurden später abgeschoben. Während Medien und Öffentlichkeit gegen »Überfremdung« und »Asylantenflut« hetzten, wurden überall im frisch vereinten Deutschland rassistische Mord- und Brandanschläge verübt. Die Politik nutzte und befriedete die Lage, indem sie 1993 das Asylrecht faktisch abschaffte.

Zum zwanzigsten Jahrestag des Pogroms Von Rostock-Lichtenhagen werden Filmaufnahmen von den damaligen Ereignissen gezeigt. Wir rufen zudem die Situation des Jahres 1992 in Erinnerung und lassen den Wandel der deutschen Zustände in den letzten zwanzig Jahren Revue passieren. Dabei fragen wir uns, wie aus dem damaligen Pogrom-Nationalismus der vordergründig geläuterte Partynationalismus von heute werden konnte, und wie es trotz des entspannten schwarz-rot-geil-Patriotismus dazu kam, dass im Krisenjahr 2012 »jetzt auf einmal in Europa Deutsch gesprochen« wird (Volker Kauder).

Veranstaltet von top b3rlin (top-berlin.net) und der autonomen antifa [f] (frankfurt.umsganze.de)

Flyer als pdf: download | A4-Kopiervorlage

Donnerstag, 26. Juli ab 15 Uhr // »Sommerlounge«


Bei der verführerischen Wetterlage dann einfach spontan! Schließlich ist dem Sommer dieses Jahr nicht über den Weg zu trauen und auf ein längeres Anhalten der schönen Periode zu setzen wäre mehr als nur grob fahrlässig.

Kalte Getränke, exquisite Vinylmusik mit repetitivem Charakter und entspannte Atmospähre – genießt den Sommer im Hof des Klapperfelds! (bis 22.00 Uhr)

Ausstellung: Aus Resten eine Welt

Eine Ausstellung von Rabea und Stephan Kaczor

»Es ist wie das Wahrnehmen von Gestalten in Wolken oder Felsformationen oder an verfallenen Hauswänden. Man hat etwas ausgeschnitten, um, einer Idee folgend, ein Bild zu machen. Und auf einmal beweist ein flüchtiger Blick auf das, was nicht gelten sollte, dass gerade diese zufällige Ansammlung von Schnipseln, Abschnitten – Resten also – das bessere Bild ergibt. Das Gehirn scheint dann zu funktionieren wie eine Sofortbildkamera ohne Auslöser. Es überfällt mich mit seinen Bildern, weil es weiß, dass ich sie sehen kann.«
(Stephan Kaczor)

Zur Ausstellung

»Aus Resten eine Welt« zeigt das Lebenswerk Stephan Kaczors (19.05.1954 – 17.04.2009). Zu Beginn der 70er Jahre waren seine Bilder deutlich von Surrealismus und Pop beeinflusst. In den 80ern machte sich Skizzenhaftes, Karikaturistisches breit; Zusammenhänge und Umrisse lösen sich auf. In den letzten 6 Jahren vor seinem Tod dominierten Assemblagen, Objekte und Collagen.

Die Besonderheit der Ausstellung besteht darin, dass sich die Besucher Ausstellungsstücke zur Mitnahme aussuchen können. Im Laufe der Woche gibt es die Möglichkeit, Objekte und Bilder zu wählen und diese schließlich am 12.08.2012 ab 15:00 abzuholen.

Um Spende wird gebeten.

Vernissage

Sonntag 5.8.2012, 17:00 – 20:00

Öffnungszeiten

vom 5.8.2012 – 12.8.2012: täglich 17:00 – 20:00,
Sonntag 15:00-20:00
 
 
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11. August 2012, ab 16 Uhr // »Faites votre jeu!«-Sommerfest

Gerade einmal 4 Jahre sind seit der Besetzung des JUZ Bockenheim verstrichen. Schon ein Dreivierteljahr nach der Besetzung ist die Initiative »Faites votre jeu!« eher unfreiwillig ins alte Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße umgezogen.

Es ging uns darum, unser selbstverwaltetes Projekt fortzuführen. Doch wir standen vor der großen Frage, ob und wie wir das in einem Raum tun können, der über 100 Jahre lang ein Ort der Repression war. Hier wurden von 1886 bis 2003 Menschen von der Polizei inhaftiert. Auch die Gestapo nutzte diesen Ort zwischen 1933 und 1945. Das Klapperfeld bedeutete für viele lange Zeit Unter­drückung, Folter und Mord.

Für uns war klar, dass wir unser Projekt nur fortsetzen können, wenn wir uns mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen; was offizielle Stellen wohl am liebsten hätten vergessen lassen.

Das Blatt jedoch hat sich gewendet, die Kugel rollt wieder. Bevor es wieder heißen könnte: »Rien ne va plus«, möchten wir gerne, gerade wegen der Ambivalenz des Ortes, hier unser vierjähriges bestehen mit euch feiern. Wir freuen uns auf auf viele weitere Jahre mit Ausstellungen, Konzerten, Diskussionen und politischen Aktionen.

Wir bleiben unbequem und wollen im gentrifizierungsbedrohten Gerichtsviertel an der Frankfurter Ostzeil weiter einen Ort bieten, der versucht, sich den herrschenden Verhältnissen zu widersetzen. Wir wollen einen Raum fern von kapitalistischer Verwertungslogik, (Alltags-)Rassimus, Antisemitismus, Heteronormativität und anderen Unterdrückungsmechanismen.

Faites votre jeu! Wir setzen alles. Solidarität mit dem räumungsbedrohten IVI im Kettenhofweg und autonomen Zentren in Frankfurt in anderswo!

Mit Livemusiken von DiskoCrunch, The Stars’ Tennis­balls und #4, sowie frischen Drinks und leckeren Snacks

Flyer als pdf: download

Fahrradwerkstatt im Klapperfeld

Diese Woche ist in der Frankfurter Rundschau ein Artikel über die Fahrradwerkstatt erschienen, die von der Haftentlassenenhilfe (www.haftentlassenenhilfe-ev.de) im Klapperfeld organisiert wird. Wer Lust hat, auch mal mit zu schrauben, kann gerne Montags um 14 Uhr vorbeikommen.

Hier der Artikel aus der FR:

Fahrradwerkstatt
Zurück im Knast

Nicht nur Haftentlassene nutzen das ehemalige Gefängnis als Fahrradwerkstatt. Auch Männer, die nie ein Gefängnis von innen gesehen haben, arbeiten in Klapperfeld.

Frankfurter Rundschau, 17.07.2012
(Print-Ausgabe als pdf)


Gespendete Fahrradwracks werden fahrtüchtig gemacht. Foto: Morgenstern/FR

Von Lukas Gedziorowski

Hohe Backsteinmauern mit Stacheldrahtkrone umgeben den Hof, indem der Wildwuchs wuchert. Eine überdachte Bar ist hier zu finden, Biergartenmobiliar und Reifenstapel. Auf eine Wand sind Marx-Porträts gemalt, auf eine andere eine schwarz vermummte Gestalt, die die Faust in die Luft streckt. In direkter Nachbarschaft stehen die Gebäude der Justiz. Noch vor elf Jahren wurden hier Urteile vollzogen – im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld.

In dieser Kulisse werkelt eine kleine Gruppe von Männern an Fahrrädern. Die Gefährte sind nicht im besten Zustand, viele sind schrottreif. Und dennoch gelingt es den Männern, sich aus den Ersatzteilen brauchbare Velos zusammenzubasteln. Das Besondere daran: Die Männer sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten, manche haben dafür eine Freiheitsstrafe verbüßt. Mit dem Projekt der Haftentlassenenhilfe bauen sie sich, immer montags, selbst ihren fahrbaren Untersatz – im ehemaligen Knast.

Niemand wollte einen ehemaligen Häftling

»Für die Teilnehmer ist die Werkstatt eine gute Möglichkeit Geld zu sparen«, sagt Joachim Brehm von der Haftentlassenenhilfe. »Mit einem Fahrrad müssen sie nicht mehr schwarzfahren. Außerdem haben sie eine Beschäftigung und eine Tagesstruktur.« Die Räder sind gespendet, der Landeswohlfahrtsverband hat 1500 Euro für Werkzeug dazugegeben. Nur die Suche nach einem Raum für die Werkstatt gestaltete sich schwierig. Niemand wollte die ehemaligen Häftlinge aufnehmen, die auch nach dem Verbüßen ihrer Strafe als Kriminelle gelten.

Ein Problem, mit dem sich auch die Betreiber des ehemaligen Polizeigefängnisses in der Klapperfeldstraße beschäftigen. Die Initiative »Faites votre jeu!« verwaltet das Klapperfeld nicht nur als Autonomes Zentrum, sondern auch als Ausstellungsraum, in dem die Geschichte des Gebäudes seit 1886 aufgearbeitet wird. „Wir haben kein Problem mit den ehemaligen Häftlingen«, sagt Maja Koster von »Faites votre jeu« und fügt hinzu: »Solange die anderen mit dem Ort klarkommen.«

Die Männer schrauben, weil sie es wollen

»Die Teilnehmer finden die Idee gut und witzig«, sagt Brehm. »Sie sehen das entspannt.« Einer von ihnen ist Sven. Der 41-Jährige hat sich an vier Arbeitstagen ein Fahrrad zusammengebaut. Für ihn sei das Basteln eine Freizeitbeschäftigung. Kleinlaut gibt er zu, dass er auch Probleme mit dem Schwarzfahren gehabt habe. »Für mich ist das ehemalige Gefängnis wie jedes andere«, sagt er.

Chris hat schon mit sechs Jahren angefangen, an Fahrrädern herumzuschrauben. Mittlerweile bastelt der 21-Jährige lieber an Rollern herum. Er hat sich sogar schon einen Golf zusammengebaut. Doch wegen schlechter Angewohnheiten hatte er auch mit der Polizei zu tun: Mit 15 klaute er Fahrräder, auf seinem frisierten Roller fuhr er zu schnell, ohne Führerschein und entgegen der Fahrtrichtung, einmal hat er betrunken Stühle auf einen Demonstrationszug geworfen. Im Gefängnis ist er bisher nicht gewesen. Da aber ein Gerichtsverfahren läuft, wolle er mit seiner Teilnahme an der Fahrradwerkstatt zeigen, dass er etwas Sinnvolles macht.

Vier Stunden pro Woche als Aushilfe

Mario ist der einzige Fahrrad-Profi. Neben einer Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur hat er auch eine als Radmechaniker gemacht. Weil der 43-Jährige körperliche Leiden hat, fällt es ihm schwer, Arbeit zu finden. Vier Stunden in der Woche in der Werkstatt der Haftentlassenen auszuhelfen, mache er gerne. »Ich habe nie einen Knast von innen gesehen«, sagt er.

Einmal hatte er mit Jugendlichen zu tun, die zum Fahrradmontieren gezwungen worden waren, aber hier wollen tatsächlich alle schrauben. »Es macht Spaß, mit diesen Leuten zu arbeiten«, sagt er. »Es ist der beste Job, den ich je hatte.«

Sonntag, 8. Juli 2012, 17 Uhr // »Hardcore Matinee« mit Loma Prieta und Sending Lights

An diesem Sonntag werden die großartigen »Loma Prieta« (San Francisco, www.myspace.com/lomaprieta) bei uns in Frankfurt sein. Wer ein Fan von dem Label »Deathwish« ist, wird sie spätestens jetzt kennen. Denn mit dem Wechsel vor Kurzem, sind sie nun in aller Munde. Begonnen hat das Ganze jedoch in 2005. Benannt nach dem großen Erdbeben 1989 in San Francisco erwartet einem Post-Hardcore/Screamo vom aller Feinsten und erinnert an den Screamo der 90ziger. Mit Bands wie Four Hundred Years, City of Catapillar oder auch Page 99 zu vergleichen.

»Sendung Lights« (Würzburg, www.facebook.com/sendinglights) ist eine moderne, melodische Hardcore Band. Erst im Juni 2011 gegründet, können sie schon einige Bühnenerfahrung nachweisen. In der kurzen Zeit haben sie bereits zisch Shows in Deutschland gespielt sowie eine komplette Europa Tour mit den Freunden von »Back at Sea« hingelegt. Am 1.Juni haben sie Ihre erste EP »StO Away« veröffentlicht. Einzuordnen sind diese jungen Herren in Bands wie Defeater, Modern Life is Was, Break Even oder auch Landscapes.

Beginn spätestens um 19Uhr.

Philosophikum

Gestern Abend, am 30. Juni wurde das seit 10 Jahren leerstehende Philosophicum auf dem Campus Bockenheim besetzt. Dort soll langfristig ein selbstverwaltetes Wohn- und Kulturzentrum entstehen. Wir finden das super und veröffentlichen deshalb hier die Pressemitteilung der Besetzer_innen:

Leerstand beendet – öffentlicher Raum zurückgewonnen!

Heute, am 30. Juni 2012, haben wir – Studierende, Kulturschaffende, Prekarisierte und Bürger_innen Frankfurts – das Philosophicum auf dem Campus Bockenheim der Öffentlichkeit zurückgegeben. Damit beenden wir den skandalösen, 10 Jahre andauernden Leerstand eines öffentlichen Raumes und stellen uns gegen den drohenden Abriss eines der zentralen Orte Kritischer Theorie zugunsten privaten Profits. Wir laden alle Frankfurter_innen ein, diesen vergessenen Teil ihrer Stadt wiederzuentdecken und sich anzueignen.

Mit unserer Intervention machen wir auf die drastischen Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse in Bockenheim, Innenstadt, Ostend, Gallus und anderswo aufmerksam. Wir verweisen auf den Widerspruch zwischen dem derzeit bestehenden Mangel an verfügbaren Lebens- und Freiräumen und dem hohen Leerstand von Gebäuden in Frankfurt. Durch die Vergemeinschaftung des Philosophikums hinterfragen wir Eigentumsverhältnisse und schaffen einen Ort, der über die bestehenden Verhältnisse hinausweist.

Der »Kulturcampus« als städtisches Großprojekt in Bockenheim gilt als Exempel für die Stadtentwicklung in Frankfurt. Nach dem Umzug der Universität vom Campus Bockenheim auf den IG-Farben-Campus wird der Stadtteil Bockenheim einen massiven Umstrukturierungsprozess erleben. Mit dem Plan, hochpreisige Eigentumswohnungen und Büros im Schatten eines prestigeträchtiges Leuchtturmprojekts entstehen zu lassen, droht das Gelände zu einem exklusiven Konsum- und Erlebnisraum zu werden, der den Gentrifizierungsprozess im Stadtteil auf die Spitze treibt. Dem wollen wir einen Ort entgegen setzen, der das bestehende kapitalistische kulturindustrielle Amüsement in Frage stellt und Möglichkeiten unkommerzieller Lebens- und Freiräume schafft.

Im Philosophicum soll langfristig ein selbstverwaltetes Wohn- und Kulturzentrum entstehen. Dafür laden wir zu öffentlichen Plena in das Gebäude ein. In den nächsten Tagen wird es ein vielfältiges kulturelles Programm geben, welches auf der Internetseite kulturcampus-frankfurt.de abrufbar ist. Kommt zahlreich und bringt euch ein! Für mehr Freiräume und ein Leben jenseits von Lohnarbeit und Unterhaltungsshow!