Hausbesetzung in Mainz!

Heute, am 23. Juni 2012 haben Aktivist_innen ein leerstehendes Gebäude in Mainz besetzt um dort ein soziales und politisches Zentrum einzurichten. Wir finden das super und veröffentlichen deshalb hier die Erklärung der Besetzer_innen:


Foto: dev null auf flickr.com

Ehemaliges Büro Wahlich zum kulturellen, sozialen und politischen Zentrum erklärt.

Heute, am 23.6.’12 haben wir das leerstehende Gebäude »Büro Wahlich« (Mainz, Rheinallee 104) wieder in Betrieb genommen. Wir – das ist ein freier Zusammenschluß von Menschen mit dem Wunsch, für eine lebenswerte und gerechte Welt einzutreten. Im ehemaligen Büro Wahlich wollen wir einen Raum schaffen, der Menschen als Ort des freien Lebens, der kritischen und künstlerischen Arbeit, des Lernens und der Kultur dienen, aber auch den dynamischen Austausch und die Vernetzung von Menschen ermöglichen soll. Dieser Raum wird offen zur Mitgestaltung sein – und aus diesem Grund unkommerziell und frei von Diskriminierung, sowie gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Städtischer Raum ist teuer

Räume, in denen Menschen sich begegnen können, ohne dort Geld ausgeben zu müssen, sind in unserer Stadt an den Fingern einer Hand schnell abgezählt. Gleichzeitig ist bezahlbarer Wohnraum knapp in Mainz – und wird immer knapper. Die Mietpreise sind seit 2003 im Durchschnitt um 14,3 Prozent angestiegen (bis zu 29 Prozent, siehe Mietspiegel 2003 bis 2011), das Lohnniveau stagniert. Die Politik löst diese Probleme jedoch nicht, sondern trägt zu einer weiteren Entsolidarisierung der Betroffenen bei.

Die Folge ist Verdrängung

Die Folge dieser Entwicklung ist die stückweise Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten aus dem innerstädtischen Raum in prekäre Wohn- und Lebensverhältnisse. Diese Menschen werden gleich auf zweifache Weise aus dem Leben in der Stadt ausgeschlossen: Der Mangel an unkommerziellen Räumen des Miteinanders schließt sie von der Teilnahme am öffentlichen Leben aus. Die hohen Mietpreise zwingen viele, in ausgegrenzte, stätdtische Randbezirke zu ziehen. Durch die resultierende räumliche Trennung und den Mangel an Begegnung werden Menschen vereinzelt und von einem gemeinsamen Leben ausgeschlossen.

Deshalb: Leerstand nutzen!

In Anbetracht dieser Tatsachen sind wir über jeden Leerstand in der Stadt empört! Aus diesem Grunde verwandeln wir das Büro Wahlich in einen öffentlichen Raum: Einen Raum des gemeinsamen Arbeitens und Lebens jenseits von kommerziellen Interessen, in dem sich Menschen verständigen und zusammentreffen können; einen Raum für soziales, kulturelles und politisches Handeln, den wir bis jetzt in Mainz vermisst haben; einen Raum zum Lernen, zum Teilen, für Kunst und Kreativität; und einen Raum, in dem Menschen nicht verdrängt, sondern einbezogen werden.

Für alle da

In diesem Sinne wollen wir, dass der im Büro Wahlich geschaffene Freiraum allen Menschen offen steht. Daher soll unser Projekt frei sein von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Wir wollen verhindern, dass wie leider an vielen anderen Orten Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters, ihrer Herkunft, ihres sozialen Status und noch aus vielen anderen Gründen mehr ausgeschlossen werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn Menschen sich respektieren und nicht versuchen, sich gegenseitig zu unterdrücken oder übereinander bestimmen wollen.

Ab sofort geöffnet!

Das ehemalige Büro Wahlich ist ab sofort geöffnet. Wir hoffen, dass wir viele Menschen finden, die unsere Vision von einer besseren Stadt und einer besseren Welt teilen, und laden alle Visionäre ein, bei uns vorbeizuschauen.

Beste Grüße
Die Leute im Büro Wahlich