Archiv für Juni 2012

Montag, 9. Juni 2012, 20 Uhr // There is an alternative! Selbstorganisierung in Griechenland

Veranstaltungstour mit Genoss_innen von Alpha Kappa (Antiautoritäre Bewegung) aus Thessaloniki

Die Situation im »Krisenlabor« Griechenland spitzt sich weiter zu. Während der vorletzte Wahlakt in Griechenland das einzig annehmbare Ergebnis einer bürgerlichen Wahl, die Unregierbarkeit, brachte, fühlte sich ganz Europa berufen den Griechen die »parlamentarische Weisheit« nahezulegen, den »Anderen etwas vorzumachen und sich dabei selbst etwas vorzumachen«. Längst ist aber klar, dass kein Programm im Parlament aufgestellt werden kann, dass den eingeschlagenen Weg der sozialen Zertrümmerung nicht weiter treibt.

Das bisherige kapitalistische Krisenmanagement zeigt in Griechenland seine Folgen: Eine Jugendarbeitslosigkeit von über 50%, der Zusammenbruch des Gesundheitssystem, eine wachsende, sich offen zum Faschismus bekennende Partei (Goldene Morgendämmerung) im Parlament und immer mehr Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung das Leben nehmen. Wieder ist Rassismus ein Begleiter des krisenhaften Verwertungsprozesses des Kapitals. So starten Stadtverwaltungen, Polizei und Bürger sogenannte »Säuberungen« der Innenstädte. Zugleich kommt der griechische Staat seiner europäischen Rolle in der Migrationsabwehr nach und baut seine Abschiebelager aus.

Doch andere Nachrichten aus Griechenland machen Hoffnung. Neben zahlreichen Generalstreiks und sozialen Kämpfen gegen die Sparprogramme entwickeln sich verschiedene Selbstorganisierungsprozesse der Arbeitslosen, Entwürdigten und Ausgeschlossenen. Vielerorts gründen sich Kollektive, soziale Zentren, selbstverwaltete Arztpraxen und Stadtteilversammlungen. Die Suche nach basisdemokratischer Selbstverwaltung und kollektiver Organisierung der Lebensmittelsicherheit zeugen beispielsweise von dem Versuch einer Negation der Staatsmacht und die Möglichkeit einer sozialen Revolution im 21. Jahrhundert.

Die emanzipatorischen und reaktionären Entwicklungen in Griechenland wollen wir gemeinsam mit unseren Genoss_innen von der anarchistischen Gruppe A.K. Thessaloniki diskutieren.

Veranstaltende: autonome antifa [f]

Hausbesetzung in Kassel

Es ist einiges los an diesem Wochenende: Neben der Besetzung in Mainz gab es auch noch eine Besetzung in Kassel. Auch hierfür alle Daumen hoch. Die besetzte Villa in Kassel wird übrigens vom Hessischen Immobilienmanagent verwaltet, dass die Räumung der Schumnannstraße 60 am 20. Oktober letzen Jahres zu verantworten hatte. Hoffentlich schaffen es die Genoss_innen in Kassel, das Haus länger zu halten. Wir jedenfalls wünschen viel Erfolg! Hier ein erster Text von Blog der Besetzer_innen:

Hausbesetzung im Vorderen Westen

Im Laufe des 22. Juni 2012 wurde von mehreren Aktivist_innen ein Haus im Stadtteil Vorderer Westen in Kassel besetzt. Die Aktion in der Querallee wurde am Nachmittag bekannt gegeben und mit Flyern für die Eröffnungsparty am Abend geworben.


Besetztes Haus in der Querallee

In einer Erklärung der Gruppe, die sich selbst das dokumenta (13 ½) Team nennt, heißt es, das denkmalgeschützte Gebäude soll durch die Besetzung vor Leerstand und damit verbundenem, drohenden Verfall geschützt werden. Gleichzeitig biete es den Raum zur kulturellen Entfaltung, der in Kassel fehlt. Es soll ein Ort entstehen, in dem sich kulturelles und politisches Leben jenseits ökonomischer Zwänge entfalten kann, heißt es weiter.

Bereits vor 10 Jahren wurde zur Eröffnung der documenta, einer weltbekannten Kunstausstellung, die alle 5 Jahre in Kassel stattfindet, von Aktivist_innen ein Haus in der Kasseler Nordstadt besetzt. Das Projekt, das damals unter dem Namen Document A bekannt wurde, bot schon damals unterschiedlichsten Personen einen offenen Raum zur freien Entfaltung. »Der Zeitraum, in dem die documenta stattfindet, hat mit der kulturellen Alltagsrealität der Stadt nicht viel gemeinsam. Abgesehen von dem überschaulichen kommerziellen Kulturangebot und einiger Initiativen und Jugendprojekte, die aufgrund zu hoher Mieten oder mangelnder Unterstüzung sich nur schwer von ihren finanziellen Sachzwängen lösen können, hat Kassel kulturpolitisch die meiste Zeit über wenig zu bieten. Gerade die documenta 13 macht durch das Bespielen dieser vielen ungenutzten Räume deutlich, wie viel Potential es in Kassel gibt. Mit dieser Besetzung wollen wir eben dieses Potential nutzen und damit neue Perspektiven eröffnen, sich ein Stückchen abseits der reinen Marktlogik zu bewegen.«, heißt es abschließend in der Erklärung.

Das Haus in der Querallee steht bereits seit über einem Jahr leer, was für kasseler Verhältnisse eine recht kurze Zeit ist, und ist in einem denkbar schlechten Zustand. Der Balkon ist notdürftig abgestützt worden und auf der Terrasse wuchert Unkraut. Schon der HNA fiel im Februar 2011 auf, dass die Stadt das Gebäude verfallen lässt. Zwar hieß es damals schon, das Gebäude solle an einen möglichen Investor verkauft werden, derartiges ist aber bisher nicht bekannt.

Errichtet wurde die Villa 1896 und wird seit 2001 vom Hessischen Immobilienmanagement verwaltet. In ihrem Inneren befanden sich bis vor einiger Zeit die Büros des Hessischen Baumanagements, was in Anbetracht der Baustellenoptik der Frontseite des Hauses durchaus ein wenig Ironie in sich birgt.


Besetztes Haus in der Querallee

Die Eröffnungsparty in der Querallee 19-21, für die ein paar Stunden zuvor mit Flyern und auf Facebook geworben wurde, lockte wesentlich mehr Gäste an, als von den Aktivist_innen erwartet und der neu eingerichtete Partykeller des alten Gebäudes war brechend voll. Auch wenn mehrere Polizeistreifen im Laufe des Abends am Ort des Geschehens vorbei fuhren, schienen sie sich zunächst nicht sonderlich für das Treiben dort zu interessieren. Erst gegen 3 Uhr morgens, als Beschwerden wegen Ruhestörung, verursacht durch die vielen Menschen, die sich vor dem Haus aufhielten, bei der Polizei eingingen, stattete eine Streifenwagenbesatzung der Party einen Besuch ab. Die drei Polizist_innen verschafften sich Zutritt zu dem Gebäude und versuchten – scheinbar etwas überfordert mit der Situation – einen Verantwortlichen zu finden. Als ihnen dies jedoch nicht gelang und ihnen versichert wurde, dass auf den weiteren Lärmpegel geachtet werden würde, verließen sie das Gebäude recht zügig wieder, versuchten allerdings willkürlich von Menschen auf dem Vorplatz die Personalien aufzunehmen. Da sie keinen Veranstalter der Party ausfindig machen konnten, wollten sie die Sachlage auf der Wache weiter überprüfen und ggf. zurück kommen, was bisher jedoch nicht der Fall war.

Die Besetzer_innen haben sich erstmal ins Haus zurück gezogen und freuen sich über Unterstützung im Laufe des Wochenendes.

Weitere Infos auf: betonwueste.wordpress.com

Hausbesetzung in Mainz!

Heute, am 23. Juni 2012 haben Aktivist_innen ein leerstehendes Gebäude in Mainz besetzt um dort ein soziales und politisches Zentrum einzurichten. Wir finden das super und veröffentlichen deshalb hier die Erklärung der Besetzer_innen:


Foto: dev null auf flickr.com

Ehemaliges Büro Wahlich zum kulturellen, sozialen und politischen Zentrum erklärt.

Heute, am 23.6.’12 haben wir das leerstehende Gebäude »Büro Wahlich« (Mainz, Rheinallee 104) wieder in Betrieb genommen. Wir – das ist ein freier Zusammenschluß von Menschen mit dem Wunsch, für eine lebenswerte und gerechte Welt einzutreten. Im ehemaligen Büro Wahlich wollen wir einen Raum schaffen, der Menschen als Ort des freien Lebens, der kritischen und künstlerischen Arbeit, des Lernens und der Kultur dienen, aber auch den dynamischen Austausch und die Vernetzung von Menschen ermöglichen soll. Dieser Raum wird offen zur Mitgestaltung sein – und aus diesem Grund unkommerziell und frei von Diskriminierung, sowie gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Städtischer Raum ist teuer

Räume, in denen Menschen sich begegnen können, ohne dort Geld ausgeben zu müssen, sind in unserer Stadt an den Fingern einer Hand schnell abgezählt. Gleichzeitig ist bezahlbarer Wohnraum knapp in Mainz – und wird immer knapper. Die Mietpreise sind seit 2003 im Durchschnitt um 14,3 Prozent angestiegen (bis zu 29 Prozent, siehe Mietspiegel 2003 bis 2011), das Lohnniveau stagniert. Die Politik löst diese Probleme jedoch nicht, sondern trägt zu einer weiteren Entsolidarisierung der Betroffenen bei.

Die Folge ist Verdrängung

Die Folge dieser Entwicklung ist die stückweise Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten aus dem innerstädtischen Raum in prekäre Wohn- und Lebensverhältnisse. Diese Menschen werden gleich auf zweifache Weise aus dem Leben in der Stadt ausgeschlossen: Der Mangel an unkommerziellen Räumen des Miteinanders schließt sie von der Teilnahme am öffentlichen Leben aus. Die hohen Mietpreise zwingen viele, in ausgegrenzte, stätdtische Randbezirke zu ziehen. Durch die resultierende räumliche Trennung und den Mangel an Begegnung werden Menschen vereinzelt und von einem gemeinsamen Leben ausgeschlossen.

Deshalb: Leerstand nutzen!

In Anbetracht dieser Tatsachen sind wir über jeden Leerstand in der Stadt empört! Aus diesem Grunde verwandeln wir das Büro Wahlich in einen öffentlichen Raum: Einen Raum des gemeinsamen Arbeitens und Lebens jenseits von kommerziellen Interessen, in dem sich Menschen verständigen und zusammentreffen können; einen Raum für soziales, kulturelles und politisches Handeln, den wir bis jetzt in Mainz vermisst haben; einen Raum zum Lernen, zum Teilen, für Kunst und Kreativität; und einen Raum, in dem Menschen nicht verdrängt, sondern einbezogen werden.

Für alle da

In diesem Sinne wollen wir, dass der im Büro Wahlich geschaffene Freiraum allen Menschen offen steht. Daher soll unser Projekt frei sein von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Wir wollen verhindern, dass wie leider an vielen anderen Orten Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters, ihrer Herkunft, ihres sozialen Status und noch aus vielen anderen Gründen mehr ausgeschlossen werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn Menschen sich respektieren und nicht versuchen, sich gegenseitig zu unterdrücken oder übereinander bestimmen wollen.

Ab sofort geöffnet!

Das ehemalige Büro Wahlich ist ab sofort geöffnet. Wir hoffen, dass wir viele Menschen finden, die unsere Vision von einer besseren Stadt und einer besseren Welt teilen, und laden alle Visionäre ein, bei uns vorbeizuschauen.

Beste Grüße
Die Leute im Büro Wahlich

Samstag, 23. Juni 2012, 19 Uhr // Der exotisierende Blick? Die Parade der Kulturen in Frankfurt am Main

Die Parade der Kulturen wird seit 2003 vom Frankfurter Jugendring organisiert und unter anderem von der Stadt Frankfurt und dem „Amt für multikulturelle Angelegenheiten“ unterstützt. Vereine und Projekte von (Post-)Migrant_innen werden dazu aufgerufen, „ihre“ Kultur in den Straßen Frankfurts zu präsentieren. Dabei möchten Veranstalter und Stadt eine möglichst breite kulturelle Vielfalt sichtbar in der Parade vereinigen.

Wir möchten zu einer Debatte einladen, um die Rolle von (Post-)Migrant_innen in Frankfurt zu diskutieren. Welche Ziele verfolgen Veranstalter, Stadt und Teilnehmende bei dieser Veranstaltung? Wie wird mit kultureller Vielfalt abseits der Parade umgegangen? Ist es überhaupt sinnvoll, von kultureller Vielfalt zu sprechen?

Diese und viele weitere Fragen möchten wir am 23. Juni ab 19 Uhr im Hof des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld in lockerer Atmosphäre diskutieren und laden herzlich dazu ein.

Veranstaltet von frankfurt postkolonial (frankfurt.postkolonial.net) und Afrika Kulturprojekte e. V. (www.afrika-kulturprojekte.de)

Flyer als pdf: download

Dienstag, 19. Juni 2012, 20.00 Uhr // Barabend & Konzert

Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und fahren dieses Mal zwei Bands auf: Aus Finnland sind 1981 zu Gast (i98i.bandcamp.com/album/decay-3-track-ep). Mit ihren eingängigen Melodien, den dreifachen anarchopunk Gesängen und dem markanten quietschen der Gitarren kreieren sie einen ganz eigenen Sound. Als Support spielen Dulac aus Wiesbaden – die gerade frisch aus dem Studio kommen – wütenden Punk mit leichtem Emoeinschlag. Dazu gibt es ab 20 Uhr auch noch Soja-Medallions vom Grill und wie gewohnt kalte Getränke und Musik aus der Dose!

Up the Punx!

Ausstellung: ZEKHER

Eine Ausstellung von Holger Wüst (holgerwuest.tumblr.com): Teil Eins, Das gemeinsame Werk der Warenwelt. Teil Zwei, Die Ware Arbeitskraft. Beide Bilder als Filme.

Eröffnung am Freitag, 15. Juni 2012 von 17.00 bis 21.00 Uhr.

Öffnungszeiten vom 16. Juni bis 15. Juli 2012: immer Samstags von 15.00 bis 18.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung: 0177 3437957

Montag, 11. Juni 2012, 19:30 Uhr // Mobilisierungsveranstaltung für das No Border Camp in Köln/Düsseldorf 2012

Antirassistisch Campen und Kämpfen!

Endlich gibt’s nach mehreren Jahren mal wieder ein Noborder-Camp in der Region! Kommt mit zum No Border Camp in Köln vom 13. bis 22. Juli 2012!

Ziel der Campwoche ist es, den Zusammenhang zwischen Alltagsrassismus und institutionellem Rassismus aufzuzeigen sowie den Bogen zu anderen Feldern und Diskriminierungsformen zu schlagen. Die Mobi-Veranstaltung im Klapperfeld gibt einen Überblick über die inhaltlichen Themen des Camps und Infos zum Aktions-Schwerpunkt Düsseldorfer Flughafen, einem der Spitzenreiter bei Charterabschiebungen in der BRD.
Außerdem heißt es im Camp-Aufruf: Bringt Workshops, Aktionen, Ideen mit! Das Camp ist das, was wir daraus machen!!

Also nix wie hin!

Veranstalterin: Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main

Weitere Infos zum No Border Camp: noborder.antira.info

Projekt: Peter Weiss – Die Ermittlung

Der erste Frankfurter Auschwitzprozess fand in den Jahren 1963-65 im Römer und im Haus Gallus statt. Peter Weiss nahm damals als Beobachter am Prozess teil. Er ordnete und verdichtete das Prozessgeschehen, Fragmente der Aussagen von Zeugen und Zeuginnen und Angeklagten sowie Fragen des Richters und der Anwälte, zu einem Theaterstück. Der »Ermittlung« folgte eine öffentliche Kontroverse über das von Weiss gewählte künstlerische Verfahren und die Frage, ob »Auschwitz« Stoff für ein Theaterstück sein sollte. Die Debatte hält bis heute an: Wie, und was genau, sollten wir erinnern? Zehn Darsteller_innen zeigen in einer stark reduzierten Inszenierung diesen Text im Innenhof des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld. In einer Audioinstallation aus Mitschnitten des Auschwitzprozesses kommen die Zeugen und Zeuginnen, die im Prozess ausgesagt haben, selber zu Wort.

Mittwoch, 6. Juni 2012 und Donnerstag, 7. Juni 2012
jeweils um 20.30 Uhr

Regie: Fabienne Pauly, Marie Wolters

Um Voranmeldung per E-Mail (projektermittlung[ät]gmail.com) wird gebeten.

Flyer als pdf: download