Archiv für Juli 2011

Heute Sommerlounge im Klapperfeld!

Sommer, Sonne, Schonnenschein!

Dem lausigen Sommer zum Trotz findet die Sommerlounge heute – am Samstag, den 30.Juli – im Hof des Klapperfelds statt. Los geht es um 15 Uhr. Auf die Ohren gibt es dieses Mal Jazz und HipHop – alles von Vinyl. Im Anschluss wird ab 21 Uhr der legendäre Film »Wild Style« gezeigt.

ACHTUNG: Der Eingang zur Sommerlounge befindet sich diesmal auf der anderen Seite des Gebäudes (Klingerstraße)!

Wem gehört die Stadt? – Diskussion zum »Recht auf Stadt«

Mittwoch 17. August, 20.00 Uhr (pünktlich)
ExZess, Leipziger Straße 91, Frankfurt


Anknüpfend an den Aktionstag, des »Wem gehört die Stadt?«-Netzwerks laden wir im Rahmen der 6. Internationalen Konferenz »Kritische Geographie«, die vom 16. bis 20. August 2011 in Frankfurt stattfindet, zu einer Diskussionsveranstaltung zum »Recht auf Stadt« ein. Ein besonderes Augenmerk möchten wir auf entsprechende Netzwerke legen, die in immer mehr Städten entstehen. Welche Chancen stecken in dieser Vernetzung? Aber auch: Welche Schwierigkeiten und Probleme sind mit der oft sehr heterogenen Zusammensetzung verbunden?

Zu Beginn wird es kurze Inputs geben: Sybille Bauriedl lehrt am Institut für Geographie der Universität Hamburg und ist mit dem Arbeitsschwerpunkt StadtRaum (ASSR) beim Bundeskongress Internationalismus (BUKO) aktiv. Andrej Holm forscht an der Humboldt-Universität Berlin zu den Themen Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik im internationalen Vergleich. Anne Vogelpohl ist Mitarbeiterin am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und arbeitet dort im Forschungsprojekt »Die Neuordnung des Städtischen im neoliberalen Zeitalter« mit. 



Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von der Initiative »Faites votre jeu!« und der Krisengruppe. Beide sind im Frankfurter Netzwerk »Wem gehört die Stadt?« aktiv: www.wemgehoertdiestadt.net

Wie aus dem Klapperfeld deportiert wurde

Initiative macht Listen ausfindig, die belegen, was mit 3300 Inhaftierten des Nazi-Polizeigefängnisses passiert ist

Frankfurter Neue Presse, 26.07.2011 (download pdf)


Ort von Deportationen: Das ehemalige Polizeigefängnis an der Klapperfeldstraße. (Foto: Weis)

Das Polizeigefängnis Klapperfeld spielte in der Nazi-Zeit eine noch zentralere Rolle, als bisher angenommen. Davon ist »Faites votre jeu!« dank neuer Dokumente überzeugt.

Frankfurt. Der Initiative »Faites votre jeu!« hat verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig gemacht. Mehr als 3300 Menschen waren allein im Zeitraum von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie im August 1942 betroffen. Es lässt sich damit nachweisen, dass viele Menschen vom Polizeigefängnis Klapperfeld an der Konstabler Wache aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat »Faites votre jeu!« bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung des Hauses, Klapperfeldstraße 5, durch die Initiative unbekannt war. Die nun entdeckten Dokumente, die etwa die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Imke Kurz, Sprecherin der Initiative, sagt: »Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.«

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Juden wurden nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie etwa das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden, finden sich auf den Listen.

»Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben etwa herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde«, erläutert Kurz. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als »Edelweißpirat« im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von »Faites votre jeu!« in dem ehemaligen Polizeigefängnis zu erleben. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung noch in Frankfurt war. »Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.«, betont Imke Kurz. (red)

Von der Konstablerwache in den Tod

www.journal-frankfurt.de, 25.07.2011

Von Jasmin Takim

Die Initiative »Faites votre jeu!« hat vor zwei Jahren das Klapperfeld-Gefängnis besetzt. Jetzt sind Listen tausender jüdischer Frankfurter aufgetaucht, die dort einst inhaftiert waren. Ein Gespräch mit Sprecherin Imke Kurz.

Journal Frankfurt: Sie haben in einem Archiv in Bad Arolsen die Listen von 3300 jüdischen und politischen Häftlingen entdeckt. Diese Menschen sollen zwischen Februar 1943 und Juli 1944 vom Klapperfeldgefängnis aus in Vernichtungslager wie Auschwitz deportiert worden sein. Wie haben sie die Dokumente ausfindig gemacht?

Imke Kurz: Wir haben in allen Archiven gesucht, die Dokumente über diese Zeit aufbewahren. Arolsen ist bekannt dafür, dass hier viele Unterlagen noch nicht gesichtet wurden, das Archiv ist auch erst seit ein paar Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben eine Anfrage gestellt und festgestellt, das dort die Akten des Klapperfeld-Gefängnisses lagern.

Warum kommt dieser dunkle Punkt der Frankfurter Stadtgeschichte erst jetzt ans Licht?

Im Zuge unserer Dauerausstellung über die Geschichte des Gefängnisses haben wir von Anfang an gesagt, dass wir die gesamte Historie des Gebäudes rekonstruieren und nichts auslassen wollen. Warum sich die Stadt oder andere Institutionen darum bisher nicht gekümmert haben, kann ich auch nicht genau sagen. Da hätte viel mehr Engagement gezeigt werden müssen, denn das ist ein Thema, das alle angeht, auch heute noch. Etwa wenn man bedenkt, dass es in Bergen-Enkheim wieder Probleme mit Neonazis gibt. Dieses Thema ist auch heute längst nicht vom Tisch.

Die Listen sind Zeugen tausender von Einzelschicksalen verfolgter Frankfurter, eine davon war die Jüdin Cäcilie Breckheimer. Ihr Sohn Wolfgang wollte Zeit seines Lebens wissen, wann seine Mutter deportiert wurde und wie lange sie im Gefängnis an der Konstablerwache war. Jetzt ist er vor wenigen Wochen gestorben.

Das ist wirklich sehr schade, denn Wolfgang Breckheimer, ein ehemaliger »Edelweißpirat«, war ein Freund von uns, wir kannten ihn schon sehr lange. Die Listen geben ja Auskunft über persönliche Daten der Häftlinge und Ziel und Zeitpunkt ihrer Deportation. Wir hätten ihm das gerne alles mitgeteilt, denn diese Fragen standen für ihn immer im Raum.

Wären die verschollen geglaubten Listen ohne ihr Engagement jemals ans Licht der Öffentlichkeit gekommen?

Sicher nicht zu diesem Zeitpunkt. Wenn es uns nicht gäbe, dann würde sich wahrscheinlich niemand um das Klapperfeld kümmern, es sollte ja eigentlich auch schon abgerissen werden.

Was passiert jetzt mit den Listen?

Wir denken über ein großes Forschungsprojekt nach, in dem wir den unterschiedlichen Biografien der Gefangenen nachgehen wollen, deren Wegen und Haftgründen. Auch die Rolle der Frankfurter Polizei soll untersucht werden. Die Ergebnisse stellen wir dann in unserer Dauerausstellung dar.

Ab wann werden sie ihre Ergebnisse den Besuchern präsentieren können?

Das wird nicht lange dauern, wir arbeiten ja sowieso in einem Work-in-Progress-Verfahren, und so werden wir die Ergebnisse nach und nach auf unserer Homepage und in der Ausstellung öffentlich machen.

»Deportationen von Polizeigefängnis aus«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2011 (download pdf)

Das frühere Polizeigefängnis Klapperfeld hatte nach Auffassung der Initiative »Faites votre jeu« im Nationalsozialismus eine »noch viel zentralere Rolle als bisher angenommen«. Das zeigten verschwunden geglaubte Deportationslisten, die die Initiative beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen ausfindig gemacht habe. Die Listen belegten Deportationen von mehr als 3300 Menschen von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie für den August 1942. Viele Juden, politische Gefangene und Zwangsarbeiter seien von dem Gefängnis aus deportiert worden. Imke Kurz von »Faites votre jeu« sagte, die Tatsache, dass die mehr als 3300 Inhaftierten in nur 19 Monaten direkt aus der Innenstadt in Lager und Gefängnisse deportiert worden seien, »eröffnet einen bisher noch weitestgehend unbekannten Blick auf die Frankfurter NS-Geschichte im Allgemeinen und die Funktion der Polizei während des Nationalsozialismus im Besonderen«.

Michael Lenarz vom Jüdischen Museum äußerte auf Anfrage Zweifel, dass die Deportation von mehr als 3300 Menschen bisher tatsächlich unbekannt geblieben sei. Allerdings könnten nun noch mehr Einzelschicksale aufgeklärt werden, von denen nichts oder nur wenig bekannt gewesen sei. Das Anliegen der Initiative, das Gefängnis als Teil des nationalsozialistischen Verfolgungsapparats bekannter zu machen, sei wichtig. toe.

Späte Aufklärung

Initiative findet verloren geglaubte Listen von Deportationen aus dem Gestapo-Gefängnis Klapperfeld

Frankfurter Rundschau, 23.07.2011 (download pdf)

Das ehemalige Frankfurter Gestapo-Gefängnis
Das ehemalige Frankfurter Gestapo-Gefängnis. (Foto: Andreas Arnold)

Von Danijel Majic und Claudia Michels

Wolfgang Breckheimer war 17 Jahre alt, als seine Mutter, Cäcilie Breckheimer, am 8. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und ins Polizeigefängnis Klapperfeld in der Frankfurter Innenstadt gebracht wurde. Was ihr zur Last gelegt wurde, war allein, dass sie Jüdin war. Der Name von Cäcilie Breckheimer steht auf Deportationslisten, die jetzt im Suchdienst-Archiv in Bad Arolsen gefunden wurden. Es könnte sich um einen Sensationsfund handeln.

Schon am 26. Juli 1943 wurde für Cäcilie Breckheimer im Vernichtungslager Auschwitz der Totenschein ausgestellt. Todesursache: »allgemeine Körperschwäche«. Wie lange seine Mutter bis zur Deportation im Polizeigewahrsam Klapperfeld gefangen gehalten wurde, beschäftigte ihren Sohn Wolfgang, der zur Widerstandsgruppe »Edelweißpiraten« gehörte, sein Leben lang. Er starb am 12. Juni 2011, ohne eine Antwort erhalten zu haben.

Heute könnte seine Frage beantwortet werden. Der Initiative »Faites votre jeu«, die seit zweieinhalb Jahren das ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld nutzt und dessen Geschichte erforscht, ist es gelungen, verloren geglaubte Listen von Deportationen aus dem damals der Gestapo unterstellten Gefängnis ausfindig zu machen. Laut der Initiative befanden sich die Listen, die mehr als 3300 Namen deportierter Frauen und Männer umfasst, in den Archiven des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen.

Großes Interesse an der Entdeckung

Dieses Archiv ist nach Auskunft des Instituts für Stadtgeschichte wissenschaftlichen Recherchen erst seit kurzem zugänglich. Expertin Jutta Zwilling, die die Datenbank der ermordeten jüdischen Frankfurter Opfer mit aufgebaut hat, reagierte mit großem Interesse auf die Entdeckung. Auch Michael Lenarz im Jüdischen Museum schließt nicht aus, »dass unbekannte Schicksale dabei sind. Das wäre sensationell«. Der Fund kommt unerwartet, denn gegen Kriegsende vernichtete die Gestapo (Geheime Staatspolizei) Akten im großen Stil.

»Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen«, stellt Imke Kurz fest, Sprecherin von »Faites votre jeu«. Jutta Zwilling im Institut für Stadtgeschichte glaubt das auch: »Da ist noch viel zu erforschen.« Historiker vermuten, dass es sich bei den Opfern um Menschen handelt, die nach den großen Massen-Deportationen, die ab Herbst 1941 organisiert wurden, denunziert oder aufgespürt worden waren.

Lenarz erwähnt Fälle, wo jemand angezeigt und festgenommen wurde, weil er den „Judenstern“ nicht getragen hat. Solche Menschen seien dann auf dem Weg in die Lager »mit Polizeibegleitung ins Zugabteil gesetzt worden«. Dies sei bisher wegen der Akten-Vernichtung »schwer rekonstruierbar gewesen«.

Die Dokumente in Bad Arolsen hatten Mitglieder der Initiative zwei Monate lang geprüft und festgestellt, »dass es sich tatsächlich um die verschollenen Listen handelt«, berichtet Imke Kurz. Man ahne, dass »noch viele Unterlagen aus dieser Zeit liegengeblieben sind und in Archiven lagern«.

Die Namenslisten geben Auskunft über Gefangene, die im August 1942 und von Februar 1943 bis Juli 1944 das Polizeigewahrsam an der Konstablerwache durchlaufen haben, darunter Juden, politische Häftlinge und Zwangsarbeiter. Neben persönlichen Daten finden sich Zeitpunkt und Ziel der Deportationen.

Cäcilie Breckheimer wurde am 26. April 1943 um 10.05 Uhr nach Auschwitz deportiert. »Solche Schicksale nachzuvollziehen, ist Sinn unserer Nachforschungen«, sagt Imke Kurz. Jetzt sollen die Daten mit der Gestapo-Datei in Wiesbaden und Hausstandsbüchern im Institut für Stadtgeschichte abgeglichen werden. Langfristig wollen die Klapperfeld-Nutzer mit wissenschaftlicher Hilfe ein Forschungsprojekt zur Geschichte des Polizeigewahrsams in Gang bringen.

Pressemitteilung 21.07.2011 ­– Verschollen geglaubte Deportationslisten entdeckt: Polizeigefängnis Klapperfeld hatte zentrale Funktion für Deportationen aus Frankfurt

Korrektur: In unserer Mitteilung ist uns gestern Abend leider ein Schreibfehler unterlaufen. Die Deportationslisten umfassen nicht Zeitraum von Februar 1943 bis Mai 1944 sowie für August 1942, sondern den Zeitraum Februar 1943 bis Juli 1944 sowie für August 1942. Die Summe von 19 Monaten ist somit richtig. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Der Initiative »Faites votre jeu!« ist es gelungen, verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig zu machen. Die Listen belegen Deportationen von über 3.300 Menschen allein für den Zeitraum von Februar 1943 bis Mai 1944 Juli 1944 sowie für August 1942. Diese Dokumente, die unter anderem die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Anhand ihrer lässt sich nachweisen, dass viele Personen vom Klapperfeld aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald, Ravensbrück oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat »Faites votre jeu!« bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung durch die Initiative noch vollkommen unbekannt war. Mit den neu entdeckten Quellen liegen nun noch weitaus umfassendere Informationen vor. Imke Kurz, eine Vertreterin der Initiative, kommentierte den Fund wie folgt: »Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.«

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Jüdinnen und Juden wurden unter anderem nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie zum Beispiel das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter_innen finden sich auf den Listen, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden. »Die unterschiedlichen Haftgründe der später Deportierten, die Zusammensetzung der Transporte und die Tatsache, dass die über 3.300 Inhaftierten in nur 19 Monaten direkt aus der Frankfurter Innenstadt in die unterschiedlichen Lager und Gefängnisse deportiert wurden, eröffnet einen bisher noch weitestgehend unbekannten Blick auf die Frankfurter NS-Geschichte im Allgemeinen und die Funktion der Polizei während des Nationalsozialismus im Besonderen«, so Imke Kurz.

»Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde«, erläuterte die Vertreterin der Initiative weiter. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet. Bevor sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, war sie im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als ›Edelweißpirat‹ im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von »Faites votre jeu!« zu sehen. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter, bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung, noch in Frankfurt war. »Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.«, so Imke Kurz abschließend.

Ahlrich Meyer (Historiker, emeritierter Prof. der Universität Oldenburg) bezeichnete die von der Initiative wieder aufgefundenen Namenslisten ebenfalls als wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente: »Die Dokumente werfen ein neues Licht auf die Beteiligung von Polizeistellen an der Deportation in die Vernichtungslager. Die Auswertung dieser Listen wird manche Einzelschicksale deportierter Juden aus Frankfurt klären helfen. Außerdem können nunmehr viele Angaben zu Personen, die in dem vom Bundesarchiv herausgegebenen ›Gedenkbuch‹ (Opfer der Verfolgung der Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945) und dessen aktueller Online-Version verzeichnet sind, ergänzt beziehungsweise korrigiert werden.«

Pressemitteilung als pdf: download

Weg mit dem Abschiebeknast! Demo und Festival am 3. September 2011 in Ingelheim (bei Mainz)

Die Initiative »Faites votre jeu!« unterstützt das Aktionsbündnis »Abschiebehaft abschaffen!« bei ihren Aufruf zu einer Demonstration gegen das Abschiebegefängnis in Ingelheim am Samstag, den 3. September 2011. Im Anschluss an die Demo findet außerdem ein antirassistisches Festival vor den Mauern des Knastes statt.

Weitere Infos auf: wegmitdemknast.blogsport.de

Im folgenden Dokumentieren wir den Aufruf zur Demo und dem Festival:
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