Rechtsverletzer mit Vertrag

Die Junge Union der Mainmetropole greift die Grünen und »Faites votre jeu« an. Grundlos, vehement und weitgehend an den rechtlichen wie historischen Fakten vorbei.

Frankfurter Rundschau, 26.11.2010 (download pdf)


Der ehemalige Klapperfeld-Knast. (Foto: FR/Müller)

In der Welt von Ulf Homeyer gibt es noch Gut und Böse. Gut ist die Junge Union Frankfurt, deren Vorsitzender er ist. Und böse sind die Kulturschaffenden der Initiative »Faites votre jeu«. Die nämlich, so teilt Homeyer forsch mit, hielten »immer noch das ehemalige Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße besetzt«. Somit seien sie »Rechtsverletzer«, mit denen man nicht zusammenarbeiten dürfe. Genau das hat die Stadtverordnetenfraktion der Grünen aber vor. Bei der Veranstaltung der Grünen zum Thema »Erinnerung wach halten – Gedenkorte gestalten« am 1. Dezember soll ein Vertreter von »Faites votre jeu« auf dem Podium sitzen. Unverantwortlich, findet Homeyer: »Die Grünen wären gut beraten, sich von solchen Chaoten zu distanzieren, anstatt ihnen eine öffentliche Bühne zu bieten.«

Starke Worte, doch die ganze Sache hat einen Schönheitsfehler. »Faites votre jeu« hält das ehemalige Gefängnis gar nicht besetzt. Die Mitglieder haben mit der Stadt, der das Gebäude gehört, einen Überlassungsvertrag geschlossen. Somit sind sie auch keine »Rechtsverletzer«.

Was Homeyer offenbar nicht mitbekommen hat, stand vor knapp zwei Jahren in allen Frankfurter Tageszeitungen. In der Tat hatten die Kulturschaffenden im Spätsommer 2008 ein Gebäude besetzt – aber nicht das Klapperfeld, sondern das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim. Da die Stadt dieses Haus aber als Erweiterungsbau für eine benachbarte Berufsschule vorgesehen hatte, bemühte sich Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne) um eine Lösung. Die sah schließlich vor, dass die Gruppe ins Klapperfeld ziehen kann. Dort gestaltet sie regelmäßig Ausstellungen.

Zwar wurde zuletzt immer wieder über eine andere Nutzung des ehemaligen Gefängnisses debattiert. Derzeit aber sei der Vertrag »selbstverständlich gültig«, heißt es aus dem Schuldezernat.