»GEGEN BUCH MASSE«-Veranstaltungen 2010

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die sogenannte »GEGEN BUCH MASSE« statt. Das Ziel dieser alternativen Veranstaltung, ist wie folgt formuliert: »Jedes Jahr werden zur Frankfurter Buchmesse tonnenweise Papier bedruckt. Wir wollen linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten«

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt, die kritischen, emanzipatorischen Gedanken ein Forum bieten sollen. Wie in den letzten beiden Jahren – erst im ehemaligen Jugendzentrum in Bockenheim und dann im Klapperfeld – ist die Initiative »Faites votre jeu!« natürlich auch dieses Jahr im Klapperfeld mit von der Partie.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im Klapperfeld (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):

Dienstag, 5. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Studentenverbindungen in Deutschland

Ein kritischer Überblick aus antifaschistischer Sicht

Felix Krebs, Jörg Kronauer; unrast transparent – rechter Rand

Für Außenstehende ist die Vielfalt der Studentenverbindungen verwirrend. Dabei gibt es neben Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten, auf die sich alle Verbindungen berufen. Sie pflegen das Lebensbundprinzip, das die Bildung von Seilschaften ermöglicht. Fast alle Verbindungen schließen Frauen aus. Auch teilen sie ihre verhängnisvolle Geschichte, die durch Nationalismus, Militarismus und Antisemitismus geprägt ist. Dem entspricht eine lokal wie überregional institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Verbänden. Verschiedene Studentenverbindungen berufen sich auf völkische Grundsätze. Insbesondere bei der Deutschen Burschenschaft sind personelle Überschneidungen mit neofaschistischen Organisationen anzutreffen. Großdeutsche Politik findet sich jedoch auch in anderen Dachverbänden. Und mittlerweile hat der extreme Flügel der studentischen Verbindungen auch ein entsprechend organisiertes Pendant unter den Schülerverbindungen.

Jörg Kronauer ist Sozialwissenschaftler und freier Journalist.

Mittwoch, 6. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Rechte Diskurspiraterien

Regina Wamper; Unrast Verlag

In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, bei linken Bewegungen zu adaptieren und deren Parolen, Symboliken, kulturelle Praktiken und Ästhetiken für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie umzudeuten. Auch wird sich an linken Inhalten ‚abgearbeitet‘, beispielsweise wenn es um ‚Nationalfeminismus‘ oder ‚völkischen Antikapitalismus‘ geht. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner/innen und versuchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten.

Diese Buchvorstellung wird einen Überblick geben über die Ebenen, auf denen Adaptionen stattfinden und sich möglichen Gegenstrategien widmen. Auch wenn es keine Patentrezepte gegen Adaptionen von rechts gibt, stellt sich die Frage, wie offensiv in Deutungskämpfe eingetreten werden kann, statt etwa Copyright-Diskurse zu führen oder in politischer Hilflosigkeit zu verharren.

Regina Wamper ist wiss. Mitarbeiterin des DISS., u. a. Autorin des Buches: Das Kreuz mit der Nation, edition DISS.

Donnerstag, 7. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Den Hitler jag ich in die Luft

Der Attentäter Georg Elser

Hellmut G. Haasis; Edition Nautilus

Die große Elser-Biografie des Schwaben Hellmut G. Haasis war seit langem nicht mehr im Handel zu haben. Nur Nautilus riskierte eine totale Überarbeitung, aus 280 Seiten wurden 400. Inzwischen heißt es überall herablassend, Elser sei nur „ein einfacher Schreiner“ gewesen. Der Autor arbeitet deshalb erstmals Elsers Persönlichkeit heraus. Dabei stützt er sich auf bisher in der wissenschaftlichen Beschäftigung nicht beachtete Aussagen seiner Geschwister.

Der Autor rekonstruiert Elsers souveräne Strategie bei den Gestapo-Verhören. Die besondere Leistung von Elser macht ihn dem Militärkreis um Stauffenberg unendlich überlegen: Er war schon jahrelang Hitlers Gegner und fiel 1933 nicht um. Während Hitler die Erfüllung nationalistischer Wahnideen vieler Deutscher war, repräsentierte Elser die absolute Gegenlinie: die Friedenssehnsucht. Bereits 1936 war Elser sich absolut sicher, dass Hitler wieder einen Weltkrieg will – während die Militär-Opposition noch jahrelang Hitlers Kriegspolitik begrüßen wird, bis 1943.

Der Autor stützt sich bei seiner Buch-Vorstellung auf seltene Fotos. Was wäre der Menschheit nicht alles erspart geblieben, wenn Hitler und seine führende Clique am 8. November 1939 ein Fall für den Friedhof geworden wären? Es fehlten nur 13 Minuten.

Freitag, 8. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Südafrika

Nach der Apartheid: Die Grenzen der Befreiung

Jens Ambacher, Romin Khan (Hrsg.); Verlag Assoziation A

Nachdem lange Zeit wenig über Südafrika berichtet wurde, ist das Land mit der Fußball-Weltmeisterschaft in den internationalen Fokus gerückt. Südafrika präsentierte sich als engagierter Gastgeber, der die Schatten der Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Doch die WM bot den Menschen nur eine kurzweilige Abwechslung vom schwierigen Alltag. Die positive Stimmung während des Mega-Events kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesellschaftlichen Spaltungen und Rassismen aus der Apartheid-Zeit noch immer ihre Wirkung entfalten. Die Politik des regierenden ANC hat daran bislang wenig zu ändern vermocht. Denn die ehemalige Befreiungsbewegung setzte nicht auf eine deutliche Umverteilungspolitik, um das Erbe der Apartheid zu überwinden, sondern folgte zunehmend neoliberalen Politikkonzepten, die die soziale Krise verschärft haben. In dieser Situation haben sich in den letzten Jahren soziale Widerstandsformen der Armen entwickelt, die an die politischen Traditionen der Anti-Apartheid-Kämpfe anknüpfen. Diese Basisbewegungen halten an dem Versprechen fest, dass das neue Südafrika zuallererst den gesellschaftlichen Bedürfnissen der ausgegrenzten Mehrheit Rechnung tragen müsse.

Der Sammelband beleuchtet die alten und neuen Konflikte in Südafrika und lässt Aktivist/innen aus den Bewegungen über ihre Erwartungen an das Ende der Apartheid, ihr Verhältnis zum ANC und die politische Perspektive der Linken in Südafrika zu Wort kommen.