Archiv für September 2010

»GEGEN BUCH MASSE«-Veranstaltungen 2010

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die sogenannte »GEGEN BUCH MASSE« statt. Das Ziel dieser alternativen Veranstaltung, ist wie folgt formuliert: »Jedes Jahr werden zur Frankfurter Buchmesse tonnenweise Papier bedruckt. Wir wollen linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten«

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt, die kritischen, emanzipatorischen Gedanken ein Forum bieten sollen. Wie in den letzten beiden Jahren – erst im ehemaligen Jugendzentrum in Bockenheim und dann im Klapperfeld – ist die Initiative »Faites votre jeu!« natürlich auch dieses Jahr im Klapperfeld mit von der Partie.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im Klapperfeld (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):

Dienstag, 5. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Studentenverbindungen in Deutschland

Ein kritischer Überblick aus antifaschistischer Sicht

Felix Krebs, Jörg Kronauer; unrast transparent – rechter Rand

Für Außenstehende ist die Vielfalt der Studentenverbindungen verwirrend. Dabei gibt es neben Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten, auf die sich alle Verbindungen berufen. Sie pflegen das Lebensbundprinzip, das die Bildung von Seilschaften ermöglicht. Fast alle Verbindungen schließen Frauen aus. Auch teilen sie ihre verhängnisvolle Geschichte, die durch Nationalismus, Militarismus und Antisemitismus geprägt ist. Dem entspricht eine lokal wie überregional institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Verbänden. Verschiedene Studentenverbindungen berufen sich auf völkische Grundsätze. Insbesondere bei der Deutschen Burschenschaft sind personelle Überschneidungen mit neofaschistischen Organisationen anzutreffen. Großdeutsche Politik findet sich jedoch auch in anderen Dachverbänden. Und mittlerweile hat der extreme Flügel der studentischen Verbindungen auch ein entsprechend organisiertes Pendant unter den Schülerverbindungen.

Jörg Kronauer ist Sozialwissenschaftler und freier Journalist.

Mittwoch, 6. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Rechte Diskurspiraterien

Regina Wamper; Unrast Verlag

In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, bei linken Bewegungen zu adaptieren und deren Parolen, Symboliken, kulturelle Praktiken und Ästhetiken für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie umzudeuten. Auch wird sich an linken Inhalten ‚abgearbeitet‘, beispielsweise wenn es um ‚Nationalfeminismus‘ oder ‚völkischen Antikapitalismus‘ geht. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner/innen und versuchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten.

Diese Buchvorstellung wird einen Überblick geben über die Ebenen, auf denen Adaptionen stattfinden und sich möglichen Gegenstrategien widmen. Auch wenn es keine Patentrezepte gegen Adaptionen von rechts gibt, stellt sich die Frage, wie offensiv in Deutungskämpfe eingetreten werden kann, statt etwa Copyright-Diskurse zu führen oder in politischer Hilflosigkeit zu verharren.

Regina Wamper ist wiss. Mitarbeiterin des DISS., u. a. Autorin des Buches: Das Kreuz mit der Nation, edition DISS.

Donnerstag, 7. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Den Hitler jag ich in die Luft

Der Attentäter Georg Elser

Hellmut G. Haasis; Edition Nautilus

Die große Elser-Biografie des Schwaben Hellmut G. Haasis war seit langem nicht mehr im Handel zu haben. Nur Nautilus riskierte eine totale Überarbeitung, aus 280 Seiten wurden 400. Inzwischen heißt es überall herablassend, Elser sei nur „ein einfacher Schreiner“ gewesen. Der Autor arbeitet deshalb erstmals Elsers Persönlichkeit heraus. Dabei stützt er sich auf bisher in der wissenschaftlichen Beschäftigung nicht beachtete Aussagen seiner Geschwister.

Der Autor rekonstruiert Elsers souveräne Strategie bei den Gestapo-Verhören. Die besondere Leistung von Elser macht ihn dem Militärkreis um Stauffenberg unendlich überlegen: Er war schon jahrelang Hitlers Gegner und fiel 1933 nicht um. Während Hitler die Erfüllung nationalistischer Wahnideen vieler Deutscher war, repräsentierte Elser die absolute Gegenlinie: die Friedenssehnsucht. Bereits 1936 war Elser sich absolut sicher, dass Hitler wieder einen Weltkrieg will – während die Militär-Opposition noch jahrelang Hitlers Kriegspolitik begrüßen wird, bis 1943.

Der Autor stützt sich bei seiner Buch-Vorstellung auf seltene Fotos. Was wäre der Menschheit nicht alles erspart geblieben, wenn Hitler und seine führende Clique am 8. November 1939 ein Fall für den Friedhof geworden wären? Es fehlten nur 13 Minuten.

Freitag, 8. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Südafrika

Nach der Apartheid: Die Grenzen der Befreiung

Jens Ambacher, Romin Khan (Hrsg.); Verlag Assoziation A

Nachdem lange Zeit wenig über Südafrika berichtet wurde, ist das Land mit der Fußball-Weltmeisterschaft in den internationalen Fokus gerückt. Südafrika präsentierte sich als engagierter Gastgeber, der die Schatten der Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Doch die WM bot den Menschen nur eine kurzweilige Abwechslung vom schwierigen Alltag. Die positive Stimmung während des Mega-Events kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesellschaftlichen Spaltungen und Rassismen aus der Apartheid-Zeit noch immer ihre Wirkung entfalten. Die Politik des regierenden ANC hat daran bislang wenig zu ändern vermocht. Denn die ehemalige Befreiungsbewegung setzte nicht auf eine deutliche Umverteilungspolitik, um das Erbe der Apartheid zu überwinden, sondern folgte zunehmend neoliberalen Politikkonzepten, die die soziale Krise verschärft haben. In dieser Situation haben sich in den letzten Jahren soziale Widerstandsformen der Armen entwickelt, die an die politischen Traditionen der Anti-Apartheid-Kämpfe anknüpfen. Diese Basisbewegungen halten an dem Versprechen fest, dass das neue Südafrika zuallererst den gesellschaftlichen Bedürfnissen der ausgegrenzten Mehrheit Rechnung tragen müsse.

Der Sammelband beleuchtet die alten und neuen Konflikte in Südafrika und lässt Aktivist/innen aus den Bewegungen über ihre Erwartungen an das Ende der Apartheid, ihr Verhältnis zum ANC und die politische Perspektive der Linken in Südafrika zu Wort kommen.

Sonntag, 26. September’10 ab 15 Uhr: »Saugemütlicher auskater_innen Nachmittag«

Und es geht weiter: Der saugemütliche auskater_innen Sonntag geht in die nächste Runde. Mit wie immer superlecker selbstgemachtem Kuchen, Live-Musik und Gemütlichkeitsgarantie.
Dieses Mal mit:
Micarus (Akustisches mit Gitarre und Gesang)
www.myspace.com/micarus

Dienstag, 28. September 2010, 19 Uhr // Veranstaltung zum 25. Todestag von Günter Sare

Frankfurt, den 28. September 1985, 20.54 Uhr. Ein Mann liegt auf der Straße, überfahren von einem Wasserwerfer. Es ist der 36-jährige Günter Sare, Arbeiter und Vorstandsmitglied im ältesten Frankfurter Jugendzentrum, dem JUZ Bockenheim. Über seinem Körper schlagen Polizisten auf einen zu Hilfe eilenden Jugendlichen ein. Günter Sare hatte gegen eine Veranstaltung der NPD demonstriert. Wenige Stunden später, erlag er seinen Verletzungen.

Veranstaltung zum 25. Todestag von Günter Sare:
Dienstag, 28. September 2010 um 19 Uhr im Klapperfeld

Eine umfassende Dokumentation zum Tode von Günter Sare findet ihr hier:
http://www.antifa-frankfurt.org/Sare/sare-dokumentation.html

Radiobeitrag: Radio-X, 19.09.2010, Resistenz-Radio

Radio-X (UKW 91.8 Mhz), 19.09.2010 (15.00 Uhr bis 16.00 Uhr)
Sendung: Resistenz-Radio

Parallel zur Eröffnung der beiden Ausstellungen im Klapperfeld waren zwei Menschen der Initiative »Faites votre jeu!« zu Gast bei der Sendung »Resistenz-Radio« auf Radio-X. Zur Sprache kamen die Entstehung von »Faites votre jeu!« im Rahmen der Besetzung des ehemaligen Jugendzentrums in Bockenheim, der Umzug ins Klapperfeld, die aktuellen Veranstaltungen und die Arbeit von »Faites votre jeu!«, das Innenstadtkonzept des Stadtplanungsamtes und natürlich die Ausstellungseröffnungen und die Auseinandersetzung mit der Gebäudegeschichte.

Hier der Audiomitschnitt der einstündigen Sendung als Stream und zum Download (Die Musik zwischen den Interviews wurde entfernt):

Teil 1:

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Teil 2:

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Teil 3:

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Teil 4:

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Teil 5:

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Teil 6:

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Impressionen der Ausstellungseröffnungen

Am Sonntag den 19. September 2010, eröffnete der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld. Den Kern der Ausstellung stellt weiterhin die Rolle des Polizeigefängnisses während des Nationalsozialismus dar. Neu entstandene Ausstellungsteile richten den Blick zudem auf die Entstehung des Klapperfelds im 19.Jahrhundert, die Funktion des Gefängnisses in der Weimarer Republik und die Nutzung des Klapperfelds durch die US-Army während der Entnazifizierung.

Parallel dazu ist für sechs Wochen auch die Wanderausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück« vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945 und der Lagergemeinschaft Ravensbrück zu sehen. Diese zeichnet die Biografien von Frauen nach, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren und legt einen besonderen Schwerpunkt auf den Widerstand der Gefangenen.

Hier einige Fotos vom Tag der Eröffnung:

Öffnungszeiten der Ausstellungen:
19. September bis 31. Oktober 2010:
Dienstag: 16 bis 19 Uhr | Samstag: 15 bis 18 Uhr | Sonntag: 15 bis 18 Uhr
Eintritt frei! Spenden erwünscht!

Die Pressemitteilung zur Ausstellungseröffnung findet ihr hier.

Pressemitteilung 19.09.2010 – Erfolgreiche Eröffnung von zwei Ausstellungen im Klapperfeld

Erweiterung der Dauerausstellung zur Geschichte des Klapperfeldes und Gastausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück«

Heute, am Sonntag den 19. September 2010, eröffnete der Arbeitskreis Geschichte der Initiative »Faites votre jeu!« die erweiterte Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld. Den Kern der Ausstellung stellt weiterhin die Rolle des Polizeigefängnisses während des Nationalsozialismus dar. Neu entstandene Ausstellungsteile richten den Blick zudem auf die Entstehung des Klapperfelds im 19.Jahrhundert, die Funktion des Gefängnisses in der Weimarer Republik und die Nutzung des Klapperfelds durch die US-Army während der Entnazifizierung.

Parallel dazu ist für sechs Wochen auch die Wanderausstellung »Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück« vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945 und der Lagergemeinschaft Ravensbrück zu sehen. Diese zeichnet die Biografien von Frauen nach, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren und legt einen besonderen Schwerpunkt auf den Widerstand der Gefangenen.

Schon am Tag der Eröffnung der beiden Ausstellungen waren fast 200 Menschen im Klapperfeld zu Gast. Maja Koster vom Arbeitskreis Geschichte resümierte: »Der heutige Tag war für uns ein voller Erfolg und die Zahl der Besucher_innen hat selbst unsere Erwartungen übertroffen. Dieses breite Interesse an unserer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Klapperfelds freut uns und ist zusätzliche Motivation, diese weiter voran zu treiben.«

Die Äußerungen der Besucher_innen gestalteten sich durchweg positiv. Überrascht waren sie davon, dass es soviel neues über die Geschichte des Klapperfelds zu erfahren gab. Besonders die Fülle an zeitgenössischen Zeugnissen, die einen ganz neuen Zugang zur Historie des Gebäudes ermöglichen, beeindruckte die Gäste.

Im Rahmen der Berichterstattung über die Eröffnung der Ausstellungen kam auch Bewegung in die Auseinandersetzung um eine längerfristige Nutzung des Klapperfelds durch »Faites votre jeu!«. So gab es auf Seiten der Stadt durchaus Positionen, welche eine längerfristige Nutzung in Aussicht zu stellen scheinen (siehe »Das Spiel geht weiter«, Frankfurter Rundschau vom 14.09.2010, http://www.fr-online.de/frankfurt/das-spiel-geht-weiter/-/1472798/4641758/-/index.html). Kris Johanson von »Faites votre jeu!« dazu: »Natürlich begrüßen wir zunächst, dass wir mittlerweile eine Vertragssverlängerung in Aussicht gestellt bekommen und damit unser Verbleib im Klapperfeld über den August 2011 hinaus möglich zu sein scheint.«

In Bezug auf die im »Innenstadtkonzept« des Stadtplanungsamtes formulierten Pläne, das ehemalige Polizeigefängniss abzureißen, setzte er nach: »Allerdings ändern vereinzelte Stimmen innerhalb der Stadtverwaltung wenig am aktuellen Status des Gebäudes und seiner Nutzer_innen. Die Pläne, das Klapperfeld abzureißen, sind im sogenannten ›Innenstadtkonzept‹ schon seit September 2009 formuliert.«

Ende des Jahres, so der Wunsch des Stadtplanungsamtes, soll aus dem »Innenstadtkonzept« eine Magistratsvorlage entstehen. Aktuell sieht dieses auf dem Areal des Klapperfelds den Bau eines Wohnhochhauses und eines Parks »zur Verbesserung des Mikroklimas« vor. Maja Koster kommentierte dies wie folgt: »Es zeugt schon von einer merkwürdigen Geschichtsauffassung, dass die Vertreter_innen der Stadt gerade dann mit der Planung zum Abriss des Klapperfelds beginnen, wenn endlich die längst überfällige Auseinandersetzung mit der über hundertjährigen Gewalt- und Repressionsgeschichte des Baus begonnen wurde. Dem Magistrat sei an dieser Stelle angeraten, den Abrissplänen eine klare Absage zu erteilen.«

Abschließend fasste Kris Johanson noch einmal die Stimmung innerhalb der Initiative »Faites votre jeu!« und unter ihren Unterstützer_innen zusammen: »Der Stadt muss klar sein, dass nicht nur wir einen Abriss des Klapperfelds nicht tatenlos geschehen lassen werden. Das Interesse und die Unterstützung, die unser Projekt und unsere geschichtspolitische Auseinandersetzung erfahren, ist immens und sie reichen mittlerweile weit über die Grenzen Frankfurts hinaus. Das Klapperfeld ist für uns zu einem wichtigen Ort geworden, als selbstverwaltetes Zentrum und als ›Ort der Erinnerung‹. Ein Ersatzobjekt – wie damals in Bockenheim – kommt für uns nicht mehr in Frage. Es ist wohl an der Zeit, dass sich auf Seiten der Stadt endlich Gedanken über eine langfristige Lösung für den Erhalt des Klapperfelds und unseren Verbleib in diesem gemacht werden.«

Öffnungszeiten der Ausstellungen:
19. September bis 31. Oktober 2010:
Dienstag: 16 bis 19 Uhr | Samstag: 15 bis 18 Uhr | Sonntag: 15 bis 18 Uhr
Eintritt frei! Spenden erwünscht!

Anhang:
Fotografien der Ausstellungseröffnung (http://www.klapperfeld.de/Ausstellungseroeffnung_20100919_Presse.zip)

Pressemitteilung als pdf: download

Wir gratulieren Hans Schwert zu seinem 103. Geburtstag!


Hans Schwert, 2009 (Foto: Arbeitskreis Geschichte)

Heute wird Hans Schwert 103 Jahre alt. An dieser Stelle möchten wir ihm gratulieren und danken! Hans Schwert kämpfte als Antifaschist, Gewerkschafter und Kommunist gegen die Nazis. Nach dem Machtantritt der NSDAP im Jahre 1933 setzte er seinen Widerstand im Untergrund fort. Im August 1936 wurde er verhaftet. Bis zur Befreiung durch die Alliierten saß Hans Schwert in verschiedenen Gefängnissen, davon ein Jahr im Klapperfeld.

Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte er sein politisches Engagement fort. Als Zeitzeuge berichtete er über seine Erfahrung als Gewerkschafter und Kommunist in den 20er und 30er Jahren und von der Verfolgung durch die Nationialsozialist_innen. Noch im Alter von 99 Jahren hielt er am 7. Juli 2007 auf dem Römerberg eine Rede, um gegen einen an diesem Tag stattfindenden Aufmarsch von Neonazis im Stadtgebiet zu demonstrieren. Im vergangenen Jahr nahm er am 8. Mai an einer Gedenkfeier vor dem Nieder Friedhof anlässlich des Jahrestags der Befreiung vom Faschismus teil. 

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Lieber Hans,

zu Deinem 103. Geburtstag wünschen wir Dir alles Gute, viel Glück und Gesundheit. Wir hoffen, dass Du heute einen wunderschönen Tag mit Deiner Tochter und den Dir nahestehenden Menschen verbringen kannst.

Erst vor einigen Tagen erhielten wir eine E-Mail von einem Menschen, der uns dafür danken wollte, dass er bei uns die Möglichkeit hatte, das mit Dir im Februar letzten Jahres entstandene Interview zu sehen. In der selben E-Mail schrieb er: »Menschen wie Dich muss man ehren«. Der Dank für das Interview gebührt Dir. Es ist von unschätzbarem Wert, dass Du als Zeitzeuge mit uns, aber auch mit vielen anderen Menschen Deine Teils schrecklichen Erfahrungen und Erlebnisse geteilt hast. Mit dieser Offenheit, Deiner Arbeit und Deinem bis heute andauernden Kampf gegen den Faschismus und Rassismus hast Du einen unvergleichlichen Beitrag geleistet.

Wir danken dir von Ganzem Herzen und hoffen, das Du noch viele gesunde und auch glückliche Jahre vor Dir hast. Menschen wie Du sind unersetzlich!

In Solidarität und voller Anerkennung Deiner Lebensleistung,
Faites votre jeu! und der Arbeitskreis zur Geschichte des Klapperfelds

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Das Interview mit Hans Schwert kann auf der Website zur Geschichte des Klapperfelds und in unserer Ausstellung angesehen werden: http://www.klapperfeld.de/de/ausstellung/zeitzeuge-hans-schwert.html

Das Spiel geht weiter

Die Künstlerinitiative »Faites votre jeu« darf auf eine Zukunft im Klapperfeld hoffen. So mancher will die aktiven Antifaschisten aus dem alten Bau in der Frankfurter Innenstadt raushaben. Die Gründe dafür aber vertragen kaum das Tageslicht.


Frankfurter Rundschau, 14.09.2010
(download pdf)


Im Klapperfeld (Foto: FR/Müller)

Von Jochen Pioch und Georg Leppert

Maja Koster hat viel zu tun in diesen Tagen. Die Mitarbeiterin der Künstlerinitiative im Klapperfeld wirbt für die Vernissage am Sonntag, während das Team letzte Hand an die Exponate legt. Gleichzeitig muss sich die Gruppe, die sich »Faites votre jeu« nennt, schon auf Verhandlungen mit ihrem Vermieter vorbereiten.

Die Künstler haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte ihres Domizils, des einstigen Gestapo-Knasts an der Klapperfeldstraße zu erforschen. Sie interviewten Hinterbliebene der Häftlinge, die während der NS-Zeit dort einsaßen. Die daraus entstandene Ausstellung klärt auf über die Entstehung des Baus, die Geschichte der Inhaftierten und den Tagesablauf im Gefängnis. Daneben zeigt der Studienkreis Deutscher Widerstand seine Wanderausstellung über die Haftbedingungen von Frauen in Konzentrationslagern.

Unterdessen zeichnet sich im Streit um die Zukunft des Gebäudes eine Lösung zugunsten der Kulturinitiative ab. Das Bildungsdezernat gibt grünes Licht für eine Vertragsverlängerung im nächsten Jahr. »Ich sehe überhaupt keinen Anlass, die Nutzung des Gebäudes neu zu verhandeln«, sagte Irene Katheeb, Referentin von Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Da bisher keinerlei Beschlüsse und Pläne für eine anderweitige Nutzung vorlägen, könne der Bau weiterhin durch »Faites votre jeu« genutzt werden.

Keine andere Nutzung

In den vergangenen Monaten war immer wieder über einen Auszug von »Faites votre jeu« spekuliert worden. Der Überlassungsvertrag mit der Stadt muss im März neu verhandelt werden, es gab Forderungen, das Gebäude anderweitig zu nutzen. So hatte die SPD im Ortsbeirat 1 angeregt, dort ein Kriminalmuseum einzurichten. Die Freien Wähler indes kritisierten, dass eine Initiative »aus dem linksextremen Milieu« ein öffentliches Gebäude nutze.

Dagegen hatten die jungen Leute sich deutlich geäußert. »Die Stadt muss akzeptieren, dass die historisch-politische Auseinandersetzung weitergehen wird«, sagte Maja Koster. Die Geschichte des Hauses sei zu vielschichtig für ein Kriminalmuseum. Außerdem stehe das Gebäude seit Jahren leer, so dass es genug Zeit für andere Pläne gegeben habe.

Erstmals hatte »Faites votre jeu« vor zwei Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Nach einer Party besetzten die jungen Leute das ehemalige Jugendzentrum Bockenheim an der Varrentrappstraße. Es folgten harte Verhandlungen mit der Stadt – das Gebäude war einer benachbarten Berufsschule als Erweiterungsbau versprochen worden. Schließlich machte Bildungsdezernentin Ebeling den Vorschlag, die Initiative könne das ehemalige Gefängnis am Klapperfeld nutzen.

Ausstellung

Gestapo-Gefängnis, Kerker für inhaftierte Nazigrößen, Abschiebeknast – das Haus am Klapperfeld hat eine wechselvolle Geschichte, die bisher wenig erforscht ist. Wie der Bau entstand, wer hier inhaftiert war und wie der Gefängnisalltag aussah, davon berichtet von Sonntag, 19. September, um 15 Uhr an ein neuer Abschnitt der Ausstellung, die „Faites votre jeu“ erstellt hat. Ein Team von Schülern, Studenten und Künstlern recherchierte in den Archiven der Stadt und sprach mit Zeitzeugen und Hinterbliebenen.

Die Sonderausstellung erzählt von politisch verfolgten Frauen, die in den Konzentrationslagern der Nazis Widerstand leisteten. Der Studienkreis Widerstand und die Lagergemeinschaft Ravensbrück zeigen spektakuläre Exponate: von Waren aus den Lagerfabriken bis zu Alltagsgegenständen, die sich die Häftlinge heimlich herstellten.

Zu sehen
ist die Ausstellung im Klapperfeld, Klapperfeldstraße 5, bis 31. Oktober: dienstags von 16 bis 19, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. (prjp)