Montag, 12. April 2010, 20.00 Uhr // »Frauen-Antifa-Bar«

Nationalfeministische Strömungen im deutschen Faschismus

Referentin: Anne Jung

Die Verknüpfung von nationalsozialistischen und feministischen Positionen schien lange Zeit undenkbar. Lediglich über die Nähe eines polaren Geschlechterverständnisses zur offiziellen NS-Frauenpolitik wurde kritisch debattiert und geforscht.

Eine Gruppe akademisch gebildeter Frauen forderte jedoch in den 1930er Jahren in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift »Die Deutsche Kämpferin. Stimmen zur Gestaltung der wahrhaftigen Volksgemeinschaft« eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben: Die Hälfte aller Ministerposten für Frauen, die staatliche Verpflichtung von Männern zur Kindererziehung, um geschlechtsspezifischen Konstruktionen entgegen zu wirken sowie die Möglichkeit, auch als kinderlose deutsche Frau gesellschaftliche Anerkennung zu finden. All dies nur für »Arierinnen« versteht sich, handelte es sich bei den Nationalfeministinnen doch um Frauen, die der antisemitischen Verfolgung von Jüdinnen und Juden und aller weiteren »nicht-arischen« Frauen und Männern zustimmend gegenüber standen.
Die NS-Führung entscheid sich 1937 »Die Deutsche Kämpferin« zu verbieten, während das offizielle Organ der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung, die Zeitschrift »Die Frau« weiter erscheinen durfte, bis sie aus Papiermangel eingestellt wurde.

Über die Aktualität dieses Ansatzes in der neofaschistischen Frauenszene und die Notwendigkeit eines feministischen Verständnisses, das diese Verbindung auch auf theoretischer Ebene ausschließt, soll an diesem Abend diskutiert werden.

Zur »Frauen-Antifa-Bar«
Die »Frauen-Antifa-Bar« lädt (nicht nur) Antifa-Frauen einmal im Monat zu Vorträgen, Diskussionen oder Filmabenden ein. Bei nettem Gespräch und Drinks wollen wir uns Themen rund um Antifa-Politik und Geschlechterfrage (wieder) nähern.