Archiv für März 2010

Ehemaliger Knast in Frankfurt geht online

linksunten.indymedia.org, 20.03.2010

Von siebenschlaefer

Die geschichtspolitische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des seit 2009 autonom genutzten, ehemaligen Knasts steht seit dieser Woche im Netz. Zuvor war das Gebäude über 115 Jahre ein kontinuirlich genutzter Ort für Repression und Überwachung. Daher bildetet eine historische Aufarbeitung und Analyse durch den Arbeitskreis Geschichte von Anfang an eine zentrale Grundlage für die gegenhegemoniale Nutzung des Gebäudes.

Seit Februar 2009 wurde der Initiative faites votre jeu das ehemalige Gefängnis und Gewahrsam mitten in der Frankfurter Innenstadt von der Stadt überlassen. Als kulturelles und autonomes Zentrum bietet das weitläufige Gebäude in vielen umgebauten Zellen Raum für emanzipative (Gegen)Kultur und Politik. Die Entscheidung der Initiative auf das Angebot der Stadt einzugehen und das fast ein Jahr besetzte ehem. JUZ Bockenheim zu verlassen war durchweg mit der Diskussion verbunden wie mit dem Knast als geschichtsträchtiger Ort und Synonym für Herrschaftsverhältnisse umgegangen werden kann. Aus diesem Diskurs entstand der AK Geschichte, der neben der Dauerausttellung zur Nazivergangenheit des Knasts jetzt eigene Recherchen und Analysen online gestellt hat.
www.klapperfeld.de

[Ffm] Altes Gefängnis »Klapperfeld« online!

de.indymedia.org, 19.03.2010

Von Kim Fröhlich

[Frankfurt/Main] Ehemaliges Polizeigefängnis »Klapperfeld« geht online! Im August 2008 machte die Initiative »Faites votre jeu!« erstmals mit der Besetzung eines ehemaligen Jugendzentrums im Frankfurter Stadtteil Bockenheim von sich reden. Als Mitte Januar 2009 dann die Duldung der Besetzung auslief, weigerten sich die Initiative und ihre Unterstützer_innen, das Haus freiwillig zu verlassen. Statt das Gebäude gewaltsam räumen zu lassen, sahen sich die städtischen Vertreter_innen – wohl auf Grund der breiten Unterstützung und der bisherigen Arbeit der Initiative – gezwungen, den Besetzer_innen ein Ersatzgebäude anzubieten. Neue Räume sollte der Initiative, so der Wille der Stadt, das ehemalige Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße 5 in der Frankfurter Innenstadt bieten.

Ehemaliges Polizeigefängnis »Klapperfeld« in Frankfurt am Main
Ehemaliges Polizeigefängnis »Klapperfeld« in Frankfurt am Main

Während die städtischen Vertreter_innen kein Problem darin sahen, dass die Besetzer_innen ihr bisheriges Programm statt in einem ehemaligen Jugendzentrum jetzt in einem Knast fortführen sollten – der über 115 Jahre einzig dazu gedient hatte, Menschen einzusperren und zu unterdrücken – gab es darüber auf Seiten von »Faites votre jeu!« von Beginn an heftige Diskussionen. Nach nächtelangen Plena entschloss sich die Initiative schließlich, das Ersatzobjekt für die Fortführung ihres Projekts anzunehmen. Allerdings geschah dies mit dem Bewusstsein, dass daraus eine grundlegende Veränderung ihres Konzepts resultieren würde und nur unter der Voraussetzung, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gefängnisses zu führen.

Flur im 3. Stock des »Klapperfelds«
Flur im 3. Stock des »Klapperfelds«

Um dem eigenen Anspruch an eine kontinuierliche geschichtspolitische Auseinandersetzung gerecht zu werden, die ein allgegenwärtiger Teil des Projekts werden sollte, gründete sich bereits Ende Januar – weit vor dem eigentlichen Umzug Ende April – der »Arbeitskreis Geschichte« als Teil der Initiative. Erste Zeitzeug_innen wurden interviewt, Archive durchforstet und in Bibliotheken recherchiert. Vorläufige Ergebnisse dieser Arbeit stellte der Arbeitskreis bei der ersten öffentlichen Veranstaltung in der Klapperfeldstraße am 1. Juli 2009 vor. Am 9. August folgte die Eröffnung der Dauerausstellung zur Knasthistorie, die im Keller des »Klapperfelds« besucht werden kann. Schwerpunkt dieser Ausstellung ist die Nutzung des »Klapperfelds« durch die Gestapo in der Zeit des Nationalsozialismus.

Eröffnung der Dauerausstellung am 9. August 2009
Eröffnung der Dauerausstellung am 9. August 2009

Seit gestern präsentiert der »Arbeitskreis Geschichte« seine Arbeit auch auf der Website klapperfeld.de. Hier steht die gesamte Dauerausstellung inklusive der Zeitzeug_innengespräche online. So besteht auch für diejenigen die Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit der Gefängnisgeschichte zu verfolgen, die die Ausstellung vor Ort nicht besuchen können. Das gleiche gilt für Audio-Mitschitte von Veranstaltungen, die im »Klapperfeld« stattgefunden haben, die ebenso wie Presseberichte über »Faites votre jeu!« im Archiv der Seite zu finden sind. Zusätzlich gibt es jetzt auch die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren, der über Neuigkeiten rund um das »Klapperfeld« informiert. Zur Zeit arbeitet die Initiative noch an der Übersetzung der Internetseite ins Englische.

Maja Koster aus dem AK-Geschichte sagte zur neuen Website: »Genauso wie wir unsere geschichtspolitische Auseinandersetzung als kontinuierlichen, nicht endenden Prozess begreifen, soll auch klapperfeld.de kontinuierlich erweitert werden.«

Alle, die die Ausstellung vor Ort besuchen möchten, sind beispielsweise diesen Sonntag, am 21. März, von 15 bis 18 Uhr ganz herzlich eingeladen. Aktive des Arbeitskreises beantworten dort gerne Fragen und informieren über ihre aktuelle Arbeit. Weitere Öffnungszeiten stehen auf der Website.

Banner – klapperfeld.de

Weitere Informationen zur Initiative »Faites votre jeu!«, der Besetzung des ehemaligen Jugendzentrums und dem Umzug und der Nutzung des »Klapperfelds«:

Website der Initiative »Faites votre jeu!« mit Programm und aktuellen Infos: faitesvotrejeu.blogsport.de

Website zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«: www.klapperfeld.de

Sehr ausführlicher Indymedia-Artikel vom 20.12.2008 zur Besetzung des ehemaligen Jugendzentrum und der damaligen Situation: Ffm: Duldung für ehemaliges JUZ läuft aus

Pressemitteilung 18.03.2010 ­– Ehemaliges Polizeigefängnis »Klapperfeld« geht online

Im Rahmen des Umzugs der Initiative »Faites votre jeu!« Ende April in ihre neue Räume in der Klapperfeldstraße 5 gründete sich der »Arbeitskreis Geschichte« als Teil der Initiative. Dieser setzt sich seitdem mit der Vergangenheit des ehemaligen Polizei­gefängnisses auseinander. Im August 2009 eröffnete der erste Teil der Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes. Der Schwerpunkt dieses Teils liegt auf der Nutzung des Baus durch die Gestapo während des Nationalsozialismus.

Am Donnerstag, den 18. März 2010, veröffentlichten die Initiative und der »Arbeitskreis Geschichte« die Website klapperfeld.de. Auf dieser kann die gesamte Dauerausstellung besucht werden – auch die Zeitzeug_innengespräche mit Ria und Wolfgang Breckheimer und Hans Schwert können online angesehen werden. Darüber hinaus ist auf der Internetseite ein Archiv angelegt, in dem Presseberichte über »Faites votre jeu!« zu finden sind sowie Audio-Mitschitte von Veranstaltungen, die im »Klapperfeld« stattgefunden haben. Zusätzlich gibt es jetzt auch die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren, der über Neuigkeiten rund um das »Klapperfeld« informiert. Zur Zeit arbeitet die Initiative noch an der Übersetzung der Internetseite ins Englische.

Maja Koster aus dem AK-Geschichte sagte zur neuen Website: »Wir freuen uns, dass jetzt auch Menschen, die uns nicht vor Ort besuchen können, an der Auseinandersetzung mit der über 115-jährigen Gefängnisgeschichte teilhaben können.« Koster betonte: »Genauso wie wir unsere geschichtspolitischen Auseinandersetzung als kontinuierlichen nicht endenden Prozess begreifen, soll auch klapperfeld.de kontinuierlich erweitert werden.«

Alle, die die Ausstellung vor Ort besuchen möchten, sind beispielsweise am Sonntag, den 21. März, von 15 bis 18 Uhr ganz herzlich eingeladen. Aktive des Arbeitskreises beantworten dort gerne Fragen und informieren über ihre aktuelle Arbeit. Weitere Öffnungszeiten stehen auf der Website.

Weitere Informationen zur Website klapperfeld.de und zur geschichtspolitischen Auseinandersetzung bekommen Sie beim »Arbeitskreis Geschichte« (Tel.: 0163 9401683 / E-Mail: info [ät] klapperfeld.de).

Pressemitteilung als pdf: download

Anonymes Verhör mit »Faites votre jeu«

Kunst im Knast

Frankfurter Rundschau, 01.02.2010 (Online)


Graffiti-Kunst im ehemaligen Gefängnis Klapperfeld. (Bild: Julia Blume)

»Faites votre jeu« ist eine Initiative von jungen politisch und künstlerisch Aktiven. Im Jahr 2008 haben sie ein ehemaliges Jugendzentrum in Bockenheim besetzt. Das Haus stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit sieben Jahren leer. Hier veranstalteten sie Ausstellungen, politische Diskussionsrunden, Lesungen und kulturelle Treffen. Nach wenigen Monaten wurde die Stadt Frankfurt auf das besetzte Haus aufmerksam und wollte dieses als Raumerweiterung der daneben liegenden Modeschule nutzen. Die Mitglieder von »Faites votre jeu« mussten das Gebäude verlassen. Als Alternative wurde ihnen das ehemalige Gefängnis im Klapperfeld angeboten, in das sie im April letzten Jahres einzogen. In winzigen Zellen, in denen früher Gefangene des NS-Regimes eingesperrt waren, finden nun Kunst, Politik und Kultur ihren Raum.

Dieses »Soundslides Projekt« von Jenny Otto und Julia Blume entstand im Rahmen eines studentischen Projekts unter dem Titel »Kreative im Schatten der Banken« im dritten Semester (Jahrgang WS ’08/’09) des Studiengangs Online-Journalismus der Hochschule Darmstadt. Das gesamte Projekt ist auf der Webite der Frankfurter Rundschau veröffentlicht worden: www.fr-online.de/kreative/