»GEGEN BUCH MASSE«-Veranstaltungen

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die sogenannte »GEGEN BUCH MASSE« statt. Das Ziel dieser alternativen Veranstaltung, ist wie folgt formuliert: »Jedes Jahr werden zur Frankfurter Buchmesse tonnenweise Papier bedruckt. Wir wollen linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten«

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt, die kritischen, emanzipatorischen Gedanken ein Forum bieten sollen. Wie im letzten Jahr schon – im ehemlaigen Jugendzentrum in Bockenheim – ist die Initiative »Faites votre jeu!« natürlich auch dieses Jahr im »Klapperfeld« mit dabei.

Noch ein Hinweis: Ursprünglich sollten bei uns drei Veranstaltungen von Mittwoch bis Freitag stattfinden. Allerdings hat sich die Projektgruppe Nationalismuskritik anlässlich des Konflikts um eine Veranstaltung der »Arbeiterfotografie« in Club Voltaire am 9. Oktober entschieden, die für Samstag angesetze Vorrstellung ihres vor kurzem erschienen Buches »Irrsinn der Normalität« zu uns ins »Klapperfeld« zu verlegen. Wir begrüßen die Entscheidung und freuen uns natürlich auf die Veranstaltung der Gruppe.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im »Klapperfeld« (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 20 Uhr

Globalisierung Macht Krise

Die jüngere Entwicklung des Kapitals und Möglichkeiten der Gegenwehr

von Sylvia Bayram; Pahl-Rugenstein Verlag

Finanz- und Wirtschaftskrise! Wie eine Schockwelle dringt sie in unseren Alltag ein. Dieses Buch hat nicht die aktuelle, vom Finanzkapital ausgehende Krise zum Thema und doch scheint es für diese Situation geschrieben worden zu sein.

Liest man diese kurze Geschichte der Globalisierung des Kapitals im Lichte der aktuellen Krise, so erscheint diese als logischer Endpunkt der Entwicklung der letzten 30 Jahre. Ob nun die Tequila-Krise 1994, die bis 2000 anhaltende Aktienhysterie oder der schwindelerregende Boom ab 2003 – das Buch stellt in kompakter Form die jüngere Entwicklung des Kapitals dar. Diese Entwicklung mutet beinahe wie ein Krimi an. Man wundert sich, dass die durch die Globalisierung verschärften Ungleichgewichte zwischen Lohnarbeit und Kapital und den großen Wirtschaftblöcken sich erst jetzt mit dieser Wucht entladen haben.

Die Darstellung zeigt, dass Globalisierung des Kapitals und Krise eine Einheit bilden und: Das Gespenst der Weltwirtschaftskrise bleibt, auch wenn die heutige Krise »nur« in eine Rezession münden sollte.

Die Autorin gibt außerdem einen Überblick über die Schlussfolgerungen, die globalisierungskritische Wissenschaftler aus diesem Prozess ziehen und setzt sich mit Vertretern der gängigsten Thesen kritisch auseinander. Auf der Grundlage dieser Diskussion entwikkelt sie eigene Schlussfolgerungen – ausgehend von der Interessenslage der Lohnabhängigen und einer konsequent kämpferischen Perspektive.

Sylvia Bayram (Jahrgang 1966) ist diplomierte Biochemikerin. Sie war in verschiedenen sozialen Bewegungen aktiv und setzt heute ihren politischen Schwerpunkt in der betrieblich/gewerkschaftlichen Bewegung. Sie ist u.a. aktiv in der LIDL-Kampagne und in ver.di.

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 20 Uhr

ausgesteuert – ausgegrenzt… angeblich asozial

Hrsg. Anne Allex und Dietrich Kalkan; Alibri Verlag 2009

Der Berliner Arbeitskreis »Marginalisierte – gestern und heute!« befasst sich mit der Geschichte von Unangepassten und Missliebigen, insbesondere der Aufklärung über die Verfolgung und Vernichtung so genannter Asozialer im Nationalsozialismus.

Im Buch werden Kontinuitäten und Brüche dieser Entwicklung bis hin zu aktuellen Erscheinungen unter den Fragestellungen »Wer ist nützlich?« und »Wer ist minderwertig?« diskutiert. Kulminationspunkt der Beiträge ist die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Stigmas »Asozial«, das im Prinzip auf diskriminierenden Zuschreibungen fußt.

Das Buch gibt einen historischen Überblick über die Ausgrenzung beginnend mit der NS-Zeit bis heute. Hierbei prüfen die Autoren auch, ob in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR Kontinuität oder Diskontinuität in der Politik der Ausgrenzung geherrscht hat.

Im jeweils spezifisch historischen Spannungsfeld der Sozialpolitiken und des (sozialadministrativen) Arbeitszwangs, den dazu benutzten Argumentationen und dem spezifischen Verwaltungshandeln werden unter anderem die geschlechtspezifische Diskriminierung von Frauen und Mädchen, die Unterdrückung von Heimkindern, die Repression gegen Strafgefangene und die Verfolgung von Bettlern, »Widerständigen« und »Gemeinschaftsfremden« thematisiert.

Freitag, 16. Oktober 2009, 20 Uhr

Interventionen gegen Überwachung

Hrsg: Leipziger Kamera; Unrast Verlag 2009

Veranstaltung mit dem Mitautor des Buches Ulf Treger sowie dem Rechtsanwalt Carsten Gericke. Das Buch »Kontrollverluste« versammelt Beiträge zu Fragen einer emanzipatorischen und praktischen Kritik an der aktuellen Kontrollgesellschaft. Es führt sehr unterschiedliche Strategien und Perspektiven der linken Überwachungskritik zusammen.

Kritische WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und Initiativen stellen theoretische, aber vor allem strategische und aktionsorientierte Überlegungen an, reflektieren ihre Handlungserfahrungen und beleuchten Probleme und Potenziale von Bewegung(en) gegen Überwachung und Kontrolle.

Ulf Treger, Autor des Beitrags »Das Monster beschwören – Die Problemstellen derzeitiger Überwachungskritik«, widmet sich der Frage, ob derzeitige Kampagnen das Themenfeld einer sich ausbreitenden allgegenwärtigen Kontrolle zu eindimensional behandeln und warum sie sich in appelativen Gesten, beispielsweise durch Petitionen oder defensive Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht erschöpfen.

Carsten Gericke, Geschäftführer des RAV – Republikanischer Anwältinnen- und Anwältevereins, wird diese Kritik durch die Perspektive ergänzen, in der sich Gerichtsverfahren, die in politische Kampagnen verankert sind, durchaus als »Foren des Protests« und somit als ein offensives Instrument für gesellschaftliche Veränderungen etablieren können.

Samstag, 17. Oktober 2009, 20 Uhr

Irrsinn der Normalität

Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus

Katharina Rhein, Daniel Keil, Robin Mohan u.a. Verlag Westfälisches Dampfboot 2009

Vom »Club Voltaire« in das »Klapperfeld« verlegt. Begründung der Projektgruppe Nationalismuskritik hier als pdf: download

Das ungehemmte Feiern schwarz-rot-goldener Einigkeit und Normalität, z.B. während der Fußball-WM in Deutschland, erschien vielen als harmlos. Doch die Reartikulation und Rekonstruktion von Nationalem eröffnet eine riskante Dimension.

Die AutorInnen schärfen deshalb den Blick für Fußball- und Popkultur, aber auch für eine revisionistische Vergangenheitspolitik. Die Renaissance deutschen Nationalismus vollzieht sich auf neuen Schauplätzen. Das Prädikat »deutsch« avancierte zum Leitbegriff in Werbestrategien. So wird im frenetischen »wir« der Alltag national durchdrungen.

Die Projektgruppe Nationalismuskritik lenkt deshalb den Fokus auf kulturindustrielles Amusement und sportliches Arbeitsethos, aber auch auf revisionistische Vergangenheitspolitik, die deutsche Außenpolitik und die »Berliner Republik«.