Archiv für Oktober 2009

Freitag, 30. Oktober 2009, 20.00 Uhr // »Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September«

Vortrag und Diskussion mit dem Autor und Journalisten Tobias Jaecker (Berlin)

Aus aktuellem Anlass haben wir Tobias Jaecker, Journalist und Autor des Buches »Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September – Neue Varianten eines alten Deutungsmusters« zu uns ins »Klapperfeld« eingeladen.

Infos zum Buch »Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September« von Tobis Jaecker

Kurzbeschreibung:
Seit dem 11. September 2001 haben antisemitische Verschwörungstheorien Konjunktur: Der israelische Geheimdienst Mossad stecke hinter den Terroranschlägen. Die ›jüdischen Berater‹ von US-Präsident George W. Bush hätten Amerika in den Irak-Krieg getrieben. Israel wolle die Palästinenser ›endgültig vernichten‹. Der Autor zeigt anhand einer Analyse des deutschen Mediendiskurses, dass es sich dabei um ressentimentgeladene, stereotype Weltdeutungen handelt, die bis in die Mitte der Gesellschaft hinein verbreitet sind. ›Die Juden‹ stellen in diesen Verschwörungstheorien das Gegenbild zur ›Wir-Gruppe‹ dar und dienen so als Projektionsfläche für sämtliche negativen Entwicklungen und Ereignisse.

Zum Inhalt:
Das Buch ist die erste und bislang einzige umfassende Studie zum Thema. Im ersten Teil werden zunächst die Wesensmerkmale von Verschwörungstheorien sowie des Antisemitismus erläutert und insbesondere die zahlreichen Parallelen zwischen diesen beiden ideologischen Denksystemen aufgezeigt. Es folgt eine überblicksartige historische Darstellung antisemitischer Verschwörungstheorien – von den alten antijudaistischen Verschwörungsmythen über die antisemitischen ›Protokolle der Weisen von Zion‹ bis hin zu jüngeren Verschwörungstheorien wie den im Internet kursierenden Pamphleten von Jan van Helsing oder der These von der Macht der ›jüdischen Ostküste‹. Im Hauptteil des Buches wird der deutsche Mediendiskurs zu den Terroranschlägen vom 11. September, zum Nahost-Konflikt und zum Irak-Krieg einer umfangreichen Analyse unterzogen. Dabei werden vor allem die verschwörungstheoretischen Themen und die antisemitischen Zuschreibungen des Diskurses beleuchtet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die verschiedenen verschwörungstheoretischen Berichte, Behauptungen etc. zusammenwirken, den Diskurs konstituieren und so eine bestimmte antisemitische Weltsicht festigen. Anhand von drei exemplarischen Detailanalysen wird zudem gezeigt, wie verschwörungstheoretische Texte konkret aufgebaut sind und Wirkung entfalten. Im Schlussteil des Buches wird das Ergebnis der Diskursanalysen vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunktur des Antisemitismus diskutiert. Schlussfolgerungen zum globalisierten Antisemitismus und zum nationalen Antisemitismus in Deutschland runden die Studie ab.

Weitere Infos zu Buch und Autor findet ihr auf: www.jaecker.com

Dienstag, 20. Okrober 2009, 22 Uhr // Konzert mit dem Orxata Sound System

Ja ihr seht richtig: Heute – am 20. Oktober – findet bei uns ein Konzert mit dem Orxata Sound System statt. Die acht Musiker_innen aus Valencia (Spanien) sind zur Zeit auf Europatour und standen gestern Abend vor unserer Tür. Da sie erst morgen wieder in Belgien spielen und den Abend heute noch in Frankfurt verbringen wollten, haben sie sich spontan entschlossen bei uns aufzutreten.

Musikalisch erwartet euch live Dub-, Elektro- und Drum‘n'Bass-Klänge, unterstützt von vier Sänger_innen, einer Trompete und einer E-Gitarre. Weitere Infos zur Band findet ihr auf orxatasoundsystem.net

Wir freuen uns jedenfalls auf den kurzfristigen Besuch und das Konzert! Beginn ist voraussichtlich 22 Uhr!

Samstag, 17.10.2009 // 21.30 Uhr: Calais-Soli-Barabend


Flyer als pdf: download

Soli-Barabend

für die Betroffenen der Räumung des Flüchtlingscamps in Calais (Frankreich)
mit Film zum Alltag im Camp (22 Uhr)

Calais – Was denn das?

Calais ist eine französische Kleinstadt an der Küste zum Ärmelkanal. In und um Calais warten mindesten 2.000 Migrant_innen aus verschiedensten Ländern darauf, den Kanal nach England überqueren zu können. Die Kontrollen wurden in den letzten Monaten massiv verschärft. Am 22. September 2009 wurde der größte dortige „Jungel“ (Gebiet, in dem Migrant_innen ihre Unterkünfte errichtet hatten) gewaltsam mittels Polizei geräumt, die Unterkünfte zerstört und zahlreiche Menschen in Haft genommen.
Außerdem haben Großbritannien und Frankreich vereinbart, ein Abschiebelager in Calais zu errichten und zusätzliche finanzielle Mittel zur Grenzsicherung bereitzustellen. Momentan ist die Lage vor Ort weiter prekär und Solidarität und Informationsweitergabe wichtig!

Warum diese Veranstaltung?

Auf der Veranstaltung wird es die Möglichkeit geben, sich genauer mit der Situation in Calais auseinander zu setzen. Mittelpunkt dieser Auseinandersetzung wird ein Film sein, der in einem der Räume angesehen werden kann.
Vor allem geht es bei dem Soli-Barabend darum, etwas Geld zusammen zu bekommen, um die Migrant_innen, die durch die Räumungsaktion am 22. September ihre Unterkünfte und Zelte verloren haben, zu unterstützen.

Weitere Infos auf:
http://calaismigrantsolidarity.wordpress.com
http://no-racism.net/article/3099

»GEGEN BUCH MASSE«-Veranstaltungen

Anlässlich der Buchmesse findet in Frankfurt jedes Jahr die sogenannte »GEGEN BUCH MASSE« statt. Das Ziel dieser alternativen Veranstaltung, ist wie folgt formuliert: »Jedes Jahr werden zur Frankfurter Buchmesse tonnenweise Papier bedruckt. Wir wollen linken Autor_innen und Verlagen ein Forum für kritische Gedanken bieten«

An verschdienen Orten in Frankfurt finden deshalb während der Buchmesse Lesungen statt, die kritischen, emanzipatorischen Gedanken ein Forum bieten sollen. Wie im letzten Jahr schon – im ehemlaigen Jugendzentrum in Bockenheim – ist die Initiative »Faites votre jeu!« natürlich auch dieses Jahr im »Klapperfeld« mit dabei.

Noch ein Hinweis: Ursprünglich sollten bei uns drei Veranstaltungen von Mittwoch bis Freitag stattfinden. Allerdings hat sich die Projektgruppe Nationalismuskritik anlässlich des Konflikts um eine Veranstaltung der »Arbeiterfotografie« in Club Voltaire am 9. Oktober entschieden, die für Samstag angesetze Vorrstellung ihres vor kurzem erschienen Buches »Irrsinn der Normalität« zu uns ins »Klapperfeld« zu verlegen. Wir begrüßen die Entscheidung und freuen uns natürlich auf die Veranstaltung der Gruppe.

Hier jetzt die Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen bei uns im »Klapperfeld« (alle anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.gegenbuchmasse.de):

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 20 Uhr

Globalisierung Macht Krise

Die jüngere Entwicklung des Kapitals und Möglichkeiten der Gegenwehr

von Sylvia Bayram; Pahl-Rugenstein Verlag

Finanz- und Wirtschaftskrise! Wie eine Schockwelle dringt sie in unseren Alltag ein. Dieses Buch hat nicht die aktuelle, vom Finanzkapital ausgehende Krise zum Thema und doch scheint es für diese Situation geschrieben worden zu sein.

Liest man diese kurze Geschichte der Globalisierung des Kapitals im Lichte der aktuellen Krise, so erscheint diese als logischer Endpunkt der Entwicklung der letzten 30 Jahre. Ob nun die Tequila-Krise 1994, die bis 2000 anhaltende Aktienhysterie oder der schwindelerregende Boom ab 2003 – das Buch stellt in kompakter Form die jüngere Entwicklung des Kapitals dar. Diese Entwicklung mutet beinahe wie ein Krimi an. Man wundert sich, dass die durch die Globalisierung verschärften Ungleichgewichte zwischen Lohnarbeit und Kapital und den großen Wirtschaftblöcken sich erst jetzt mit dieser Wucht entladen haben.

Die Darstellung zeigt, dass Globalisierung des Kapitals und Krise eine Einheit bilden und: Das Gespenst der Weltwirtschaftskrise bleibt, auch wenn die heutige Krise »nur« in eine Rezession münden sollte.

Die Autorin gibt außerdem einen Überblick über die Schlussfolgerungen, die globalisierungskritische Wissenschaftler aus diesem Prozess ziehen und setzt sich mit Vertretern der gängigsten Thesen kritisch auseinander. Auf der Grundlage dieser Diskussion entwikkelt sie eigene Schlussfolgerungen – ausgehend von der Interessenslage der Lohnabhängigen und einer konsequent kämpferischen Perspektive.

Sylvia Bayram (Jahrgang 1966) ist diplomierte Biochemikerin. Sie war in verschiedenen sozialen Bewegungen aktiv und setzt heute ihren politischen Schwerpunkt in der betrieblich/gewerkschaftlichen Bewegung. Sie ist u.a. aktiv in der LIDL-Kampagne und in ver.di.

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 20 Uhr

ausgesteuert – ausgegrenzt… angeblich asozial

Hrsg. Anne Allex und Dietrich Kalkan; Alibri Verlag 2009

Der Berliner Arbeitskreis »Marginalisierte – gestern und heute!« befasst sich mit der Geschichte von Unangepassten und Missliebigen, insbesondere der Aufklärung über die Verfolgung und Vernichtung so genannter Asozialer im Nationalsozialismus.

Im Buch werden Kontinuitäten und Brüche dieser Entwicklung bis hin zu aktuellen Erscheinungen unter den Fragestellungen »Wer ist nützlich?« und »Wer ist minderwertig?« diskutiert. Kulminationspunkt der Beiträge ist die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Stigmas »Asozial«, das im Prinzip auf diskriminierenden Zuschreibungen fußt.

Das Buch gibt einen historischen Überblick über die Ausgrenzung beginnend mit der NS-Zeit bis heute. Hierbei prüfen die Autoren auch, ob in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR Kontinuität oder Diskontinuität in der Politik der Ausgrenzung geherrscht hat.

Im jeweils spezifisch historischen Spannungsfeld der Sozialpolitiken und des (sozialadministrativen) Arbeitszwangs, den dazu benutzten Argumentationen und dem spezifischen Verwaltungshandeln werden unter anderem die geschlechtspezifische Diskriminierung von Frauen und Mädchen, die Unterdrückung von Heimkindern, die Repression gegen Strafgefangene und die Verfolgung von Bettlern, »Widerständigen« und »Gemeinschaftsfremden« thematisiert.

Freitag, 16. Oktober 2009, 20 Uhr

Interventionen gegen Überwachung

Hrsg: Leipziger Kamera; Unrast Verlag 2009

Veranstaltung mit dem Mitautor des Buches Ulf Treger sowie dem Rechtsanwalt Carsten Gericke. Das Buch »Kontrollverluste« versammelt Beiträge zu Fragen einer emanzipatorischen und praktischen Kritik an der aktuellen Kontrollgesellschaft. Es führt sehr unterschiedliche Strategien und Perspektiven der linken Überwachungskritik zusammen.

Kritische WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und Initiativen stellen theoretische, aber vor allem strategische und aktionsorientierte Überlegungen an, reflektieren ihre Handlungserfahrungen und beleuchten Probleme und Potenziale von Bewegung(en) gegen Überwachung und Kontrolle.

Ulf Treger, Autor des Beitrags »Das Monster beschwören – Die Problemstellen derzeitiger Überwachungskritik«, widmet sich der Frage, ob derzeitige Kampagnen das Themenfeld einer sich ausbreitenden allgegenwärtigen Kontrolle zu eindimensional behandeln und warum sie sich in appelativen Gesten, beispielsweise durch Petitionen oder defensive Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht erschöpfen.

Carsten Gericke, Geschäftführer des RAV – Republikanischer Anwältinnen- und Anwältevereins, wird diese Kritik durch die Perspektive ergänzen, in der sich Gerichtsverfahren, die in politische Kampagnen verankert sind, durchaus als »Foren des Protests« und somit als ein offensives Instrument für gesellschaftliche Veränderungen etablieren können.

Samstag, 17. Oktober 2009, 20 Uhr

Irrsinn der Normalität

Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus

Katharina Rhein, Daniel Keil, Robin Mohan u.a. Verlag Westfälisches Dampfboot 2009

Vom »Club Voltaire« in das »Klapperfeld« verlegt. Begründung der Projektgruppe Nationalismuskritik hier als pdf: download

Das ungehemmte Feiern schwarz-rot-goldener Einigkeit und Normalität, z.B. während der Fußball-WM in Deutschland, erschien vielen als harmlos. Doch die Reartikulation und Rekonstruktion von Nationalem eröffnet eine riskante Dimension.

Die AutorInnen schärfen deshalb den Blick für Fußball- und Popkultur, aber auch für eine revisionistische Vergangenheitspolitik. Die Renaissance deutschen Nationalismus vollzieht sich auf neuen Schauplätzen. Das Prädikat »deutsch« avancierte zum Leitbegriff in Werbestrategien. So wird im frenetischen »wir« der Alltag national durchdrungen.

Die Projektgruppe Nationalismuskritik lenkt deshalb den Fokus auf kulturindustrielles Amusement und sportliches Arbeitsethos, aber auch auf revisionistische Vergangenheitspolitik, die deutsche Außenpolitik und die »Berliner Republik«.

Montag, 12. Oktober 2009, 20.00 Uhr // Zur Kritik der Kunst

Während dieser Veranstaltung soll das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik diskutiert werden. Aus Anlass aktueller Vereinnahmungs versuche des Jahres 2009 im Sinne einer neuen deutschen Nationalkunst, stellt sich die Frage, inwiefern Kunst der politischen Kritik bedarf.

Ebenso ist zu fragen, unter welchen Bedingungen Kunst selber einen Beitrag zur Kritik bzw. zur revolutionären Veränderung der Gesellschaft leisten kann und was die einzelnen ProduzentInnen dazu beitragen können – und wo sich Verbindungen zu einer Politik auftun lassen, der es ums Ganze geht. Kerstin Stakemeier und Johannes Paul Raether organisieren zusammen mit anderen das antinationale ProduzentInnennetzwerk „Rosa Perutz“, die „Free Class FFM“ veranstaltet als Zusammenschluss von KunststudentInnen der HfG Offenbach und der HfBK Staedelschule Seminare und Veranstaltungen zur kritischen Kunstdiskussion und die antifa [f] macht in Frankfurt Politik ums Ganze und interessiert sich neuerdings auch für Kunst.
Mit Kerstin Stakemeier & Johannes Paul Raether von Rosa Perutz (Berlin), Free Class FFM (Frankfurt) und der antifa [f] (Moderation)

Dienstag, 6. Oktober 2009, 19.00 Uhr // »Grenzerfahrungen – No Boder Camp Lesvos 09«

Politischer Reisebericht zu Theorie und Praxis des EU-Grenzregimes und des »No-Border-Camps« auf Lesvos im August 2009 mit Bildern, Videos und Ouzo-Bar.

Begleitende Fotoausstellung von 1. bis zum 17. Oktober 2009
Fotoausstellung: Grenzerfahrungen – No Boder Camp Lesvos 09

Im August diesen Jahres fand auf der griechischen Insel Lesvos ein »No-Border-Camp« statt. 500 Aktivist_innen aus ganz Europa waren nach Lesvos gekommen, um auf die Situation der Migrant_innen und Flüchtlinge dort aufmerksam zu machen und gegen die repressive Abschottungspolitik der EU zu demonstrieren. Die Austellung vermittelt einen Eindruck von der Situation auf der Insel, den Praxen der griechischen Asylpolitik und den Aktionen der »noborders«.
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 18 bis 21 Uhr

Donnerstag, 1. Oktober, 17 Uhr // Ausstellungseröffnung: Holger Wüst – »Messianismus – historischer Materialismus«

Das gesamte Oktober-Programm kommt heute im Laufe das Tages!