Archiv für August 2009

Die Opfer bekommen eine Stimme

Initiative dokumentiert mit ihrer Schau Geschichte des ehemaligen Gefängnisses

Frankfurter Neue Presse, 11.08.2009 (download pdf)

Folter, Leid und Ungerechtigkeit waren im ehemaligen Polizeigewahrsam in der Klapperfeldstraße an der Tagesordnung. Eine jetzt eröffnete Dauerausstellung erinnert daran.


Das ehemalige Polizeigewahrsam hat eine dunkle Vergangenheit.


Schautafeln, und ein Interview mit Zeitzeugen erinnert an Gewalt, Folter und Ungerechtigkeit.

Innenstadt. Das Oberlandesgericht überragt das ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld um Längen. Doch nicht nur wegen des Schattens hat der 1886 errichtete Bau eine dunkle Seite. So düster wie die Vergangenheit des ehemaligen Gestapo-Gefängnisses ist, so fordernd – und nach Auffassung vieler Gruppierungen längst überfällig – ist die historische Aufarbeitung seiner Geschichte. Deren vorläufige Ergebnisse präsentiert die Aktionsgruppe «Faites votre jeu» jetzt in Form einer Dauerausstellung dem interessierten Publikum.

Den Besucher beschleicht beim Betreten des Gebäudes unweigerlich ein unbehagliches Gefühl. Es ist ein beklemmender Ort. Dicke Stahltüren vor den Zellen sprechen ihre eigene Sprache. Angesichts dieser beklemmenden Verhältnisse ist gar kein großes Brimborium nötig. Und so hängen an den kargen und von den Spuren der Zeit gezeichneten Zellenwänden nur Texttafeln. Darauf stehen exemplarisch Schicksale ehemaliger Insassen.

Endlose Verhöre

Einer davon war Hans Schwert. Ihn lernen Besucher im Untergeschoss kennen. Dort steht in einer Ecke ein Fernseher. Über den Bildschirm flimmert ein in einer Endlosschleife abgespieltes Zeitzeugen-Interview mit dem 102-Jährigen. Schwert war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), galt somit als Staatsfeind und wurde vor über 70 Jahren in dem Gefängnis gefoltert. Über die Qualen, die endlosen Verhöre und die Anschuldigungen erzählt Schwert im Interview, das Mitglieder der Geschichtsgruppe von «Faites votre jeu» schon im Februar mit Schwert geführt hatten.

Ausstellung erweitern

Politik-Studentin Mirja Keller hat am Konzept der Dauerausstellung mitgewirkt und ist sich der Herausforderung bewusst, eine politische und künstlerische Anlaufstelle für Freidenker aufzubauen, ohne den historischen Kontext aus den Augen zu verlieren. «Wir sind froh, dass wir auf diese Weise die dringend notwendige Geschichtsaufarbeitung im Interesse der Insassen übernehmen konnten», meint sie und sagt, dass es noch viel zu tun gebe. Denn mit dem Thema nationalsozialistische Verfolgung sei jetzt nur ein Aspekt der 125-jährigen Geschichte des Gefängnisses aufgearbeitet worden. Andere seien schon in Planung – etwa die «Judenabteilung» der Gestapo, die von 1943 an im Klapperfeld untergebracht war.

Bis 2011 darf «Faites votre jeu» das Gebäude in der Klapperfeldstraße nutzen. Das hat die Stadt zugesagt. Erdgeschoss, der Hof und der Keller des einstigen Polizeigewahrsams, in dem nach Ende des Zweiten Weltkrieges auch Häftlinge einsaßen, denen die Abschiebung drohte, stehen zur Verfügung.

Seit April richten sich Mitglieder der Initiative schon häuslich im ehemaligen Gefängnis ein. Zuvor hatten die Zeichen auf Konfrontation gestanden. Die Stadt hatte angekündigt, das ehemalige JUZ Bockenheim räumen zu lassen. Dieses hatte «Faites votre jeu» im August 2008 mit dem Ziel, darin ein unabhängiges Kulturzentrum zu etablieren, besetzt. Die Nutzung des Hauses war allerdings schon der Schule für Mode und Bekleidung versprochen worden. Nach langwierigen Verhandlungen stellte die Stadt der Initiative ein Ultimatum und bot ihr das ehemalige Polizeigewahrsam als Ausweichquartier an.

Die Initiative sah sich einerseits am Ziel und andererseits mit der verantwortungsvollen Aufgabe konfrontiert, an einem Ort ein autonomes Zentrum zu etablieren, wo über Jahre und Jahrzehnte systematisch Menschenrechte mit Füßen getreten wurden. Doch bei aller gebotener kritischen Reflektion der Vergangenheit will sich die Initiative weiter um die Förderung der lokalen Subkultur kümmern. Auf gut 700 Quadratmetern befinden sich ein Fotolabor, Ateliers, die von Künstlern genutzt werden können, ein wohnzimmerähnlicher Salon und eine Bar. «Bedingung für unseren Umzug war, dass die Stadt hier eine Heizung einbaut. Da sind wir auf gutem Wege», bestätigt Mirja Keller, die sich offenbar langsam mit den Gegebenheiten der neuen Bleibe anfreunden kann.

Jeden Dienstag treffen sich die Mitglieder von «Faites votre jeu» beim Bar-Abend. Die Dauerausstellung kann jederzeit kostenlos in der Klapperfeldstraße 5 besichtigt werden. mov

Radiobeitrag: Wie kann das »Klapperfeld« zum Kulturzentrum werden?

Hessischer Rundfunk (HR2 & HRinfo), 10.08.2009

Von Silja Tietz


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Länge: 5:30 min

Das Schicksal der Sinti und Roma

„Frankfurt-Auschwitz“

Hessischer Rundfunk, 10.08.2009


Der künstlerische Teil der Ausstellung zeigt Werke von Bernd Rausch.

Das Frankfurter Gestapo-Gefängnis „Klapperfeld“ als Ausstellungsort: Der Förderverein Roma e.V. zeigt hier ab Dienstag die Ausstellung „Frankfurt-Auschwitz“.

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Anlässlich des 65. Jahrestages der Liquidation zeigt die Initiative ab Dienstag eine dokumentarisch-künstlerische Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Haftanstalt Klapperfeld. „Durch die unterschiedlichen Darstellungsweisen bietet die Ausstellung den Besuchern die Möglichkeit, sich mit der Verfolgung und Vernichtung der Roma und Sinti im Nationalsozialismus auf vielseitige Weise auseinanderzusetzen“, heißt es in der Pressemitteilung des Fördervereins.

Der dokumentarische Ausstellungsbereich thematisiert die Haltung der Täter, die Vernichtung der Sinti und Roma in Auschwitz sowie die Erinnerung der Opfer und Überlebenden. Zudem erläutern Fotos, Beschreibungen, Vorträge und Filme die Position der Stadt Frankfurt im Netz der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Zu sehen sind im Rahmen der Ausstellung auch 16 Bilder des Saarbrücker Künstlers Bernd Rausch.

Die Rolle des Gefängnisses in der NS-Zeit

Bereits am Sonntag wurde der erste Ausstellungsteil eröffnet. Im Mittelpunkt der Kulturinitiative „Faitesvotrejeu“ steht die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses im Frankfurter Justizviertel. Zahlreiche Exponate zeigen die Rolle des Gefängnisses in der Zeit des Nationalsozialismus. Über Videoaufzeichnungen treten die Besucher in Kontakt mit Überlebenden des NS-Regimes.

Das Polizeigefängnis wurde 1886 gemeinsam mit dem ältesten Gerichtsgebäude errichtet. Nach dem Krieg waren hier die Präsenzzellen für Straftäter während ihres Prozesses untergebracht. Bis 2001 wurde das Gebäude als Abschiebehaftanstalt genutzt. Seit April dieses Jahres ist die Kulturinitiative Mieterin des Hauses.

Geschichte der Gefolterten

Initiative „Faites votre jeu“

Frankfurter Rundschau, 10.08.2009 (download pdf)

Von Danijel Majic


Angst und Schrecken ist in die Mauern eingedrungen und noch heute zu spüren. (Bild: Arnold)

Wenn Hans Schwert von seiner Gefangenschaft erzählt, ist seine Stimme nach wie vor klar und fest. Der 102-Jährige berichtet chronologisch geordnet, durchgängig, ohne größere Pausen. Manchmal schweift er kurz vom Thema ab, um dem Zuhörer Zusammenhänge zu erläutern, kehrt jedoch immer wieder genau an den Punkt zurück, an dem er abgewichen ist. Dann spricht er weiter, über seine Festnahme, die Verhöre durch die Gestapo, die Schläge. Manchmal schließt Hans Schwert die Augen. Dann ahnt man, dass sich einige qualvolle Bilder für immer in sein Gedächtnis eingebrannt haben. Genau wie der Ort, an dem sich all dies zugetragen hat: Das Polizeigefängnis Klapperfeld.

Der Bericht des ehemaligen KPD-Mitglieds Schwert läuft im Keller der ehemaligen Haftanstalt Klapperfeld in einer Dauerschleife. Besucher können sich das Videointerview, das von Mitgliedern der Initiative „Faites votre jeu“ bereits im Februar geführt wurde, auf einem kleinen Bildschirm ansehen, der Ton kommt aus Kopfhörern. Zusammen mit einem weiteren Interview und Informationstafeln bildet es den ersten Teil einer Dauerausstellung über die Geschichte des Gebäudes, dessen dunkles Untergeschoss, über 70 Jahre nachdem Schwert hier gefoltert wurde, immer noch einschüchternd wirkt.

„Das ist ein Anfang“, betont Mirja Keller, Sprecherin des Arbeitskreises „Geschichte“, dessen Mitglieder sich die Aufarbeitung der Historie des ehemaligen „Polizeigewahrsams Klapperfeld“ vorgenommen hat. Im Mittelpunkt des am Sonntag eröffneten Teils steht das „Klapperfeld“ als Ort nationalsozialistischer Verfolgung. In den kommenden Monaten und Jahren – so die Hoffnung der Initiatoren – soll die Dauerausstellung weiter wachsen, irgendwann die gesamte 125-jährige Nutzungsgeschichte der Haftanstalt abbilden. „Es gibt noch viel aufzuarbeiten“, erklärt Mirja Keller.

Anfang der Dauerausstellung

Mit der Einweihung am Sonntag sind die autonomen Kulturschaffenden von „Faites votre jeu“ wohl endgültig im „Klapperfeld“ angekommen. Bereits seit Ende April sind sie mit der Renovierung der ihnen überlassenen Stockwerke beschäftigt. Dabei hatte es noch im Januar nicht danach ausgesehen, als ob sich die Initiative, die im August 2008 das leer stehende Jugendzentrum in der Bockenheimer Varrentrappstraße besetzt und zu einem unabhängigen Kulturzentrum ausgebaut hatte, mit dem ehemaligen Knast als neuem Domizil anfreunden könnte. Hauptargument gegen die Umzug war ausgerechnet die Vergangenheit des Gebäudes. „Wir haben Bedenken, in einen Bau umzuziehen, in dem die Gestapo gefoltert und gemordet hat“, sagte damals eine Sprecherin. Erst nach langen internen Diskussionen und einem Ultimatum der Stadt, die das besetzte Jugendzentrum bereits der Schule für Mode und Bekleidung versprochen hatte, entschied sich die Gruppe zum Umzug.

Inzwischen sei man „froh“, die geschichtspolitische Aufarbeitung übernommen zu haben, erklärt Mirja Keller. Die gestalte sich zwar teilweise schwierig, auch weil sich die Gruppenmitglieder Kenntnisse und Methoden selbst aneignen müssten, dennoch solle die Arbeit fortgesetzt werden – und zwar selbstständig, ohne die Einflussnahme städtischer Institutionen. „Wir sind nicht das gute Gewissen der Stadt. Wir wollen keinen Schlussstrich unter die Geschichte des Klapperfeld ziehen“, so Keller.

Künftige Teile der Dauerausstellung werden sich unter anderem mit der ab 1943 im Klapperfeld beheimateten „Judenabteilung“ der Gestapo und der Nutzung als Abschiebegefängnis befassen.

Das Klapperfeld

Das ehemalige Polizeigewahrsam wurde im Jahre 1886 zusammen mit dem daran angrenzenden Polizeipräsidium erbaut. Ab 1933 diente es auch der Gestapo zur Inhaftierung von politischen Gefangenen und jüdischen Mitbürgern. Noch bis 2001 wurde das Klapperfeld unter anderem als Abschiebegefängnis genutzt.

Faites votre jeu nennt sich eine autonome Initiative von jungen Künstlern, die sich im vergangenen Jahr gegründet hat. Für Schlagzeilen sorgten sie im August 2008 durch die Besetzung des ehemaligen Jugendzentrums in der Varren-trappstraße. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt wurde der Initiative im April das „Klapperfeld“ als Ersatzobjekt zur Verfügung gestellt.

Ausstellung: Geschichte von ehemaliger Haftanstalt

Frankfurter Neue Presse, 09.08.2009 (Online-Ausgabe)

Frankfurt. Die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses im Justizviertel am Frankfurter Klapperfeld steht im Mittelpunkt einer Ausstellung der Kulturinitiative «Faitesvotrejeu». Der erste Teil der Ausstellung wurde am Sonntag eröffnet. Zahlreiche Exponate zeigen die Rolle des Gefängnisses in der Zeit des Nationalsozialismus. Über Videoaufzeichnungen treten die Besucher in Kontakt mit Überlebenden des NS-Regimes. So erzählt ein heute 102 Jahre altes ehemaliges KPD-Mitglied über diese Zeit. Nach dem Willen der Veranstalter soll sich die Dauerausstellung «permanent weiterentwickeln». Der Eintritt ist frei.

Gestapo im Klapperfeld

Ausstellung

Frankfurter Rundschau, 06.08.2009 (download pdf)

Von Anne Lemhöfer


Bald wieder Leben im Klapperfeld. (Monika Müller)

Das griechische Restaurant Exedra in der Heiligkreuzgasse gehört zum Frankfurter Gericht wie Schwurgerichtssaal und Zeugenstand. Hier treffen sich Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Reporter. Dass sich Gruppen in den Raucherraum verziehen, kommt häufig vor. Der Raucherraum im Exedra ist allerdings mehr als das: Er ist auch eine Kunsthalle.

Seit kurzem hängen dort neue Bilder. Sie zeigen das Innere eines Gebäudes, das nur ein paar Schritte weiter steht und zum Gerichtsviertel mindestens genauso dazu gehört wie die Ersatzkantine: Das ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld – ein vergessenes Monstrum, eine Trutzburg der Gewalt. Die Fotos, die ein bisschen wie Gemälde aussehen, hat ein griechischer Fotograf hergestellt. Zeitpunkt und Motiv passen gut: Als Kunst- und Kulturraum präsentiert sich das porträtierte Klapperfeld, wie es im Volksmund hieß und heißt, von diesem Wochenende an einer größeren Öffentlichkeit.

Die autonomen Künstler der Gruppe „Faites votre jeu“ sind im März eingezogen und rücken dem gelb gestrichenen Kasten gestalterisch zu Leibe. Am Sonntag, 9. August, wird der erste Teil einer Dauerausstellung eröffnet, die auf Infotafeln die Verwandlung des düsteren Orts in verschiedene Schauplätze von Tragödien thematisiert: preußisches Polizeipräsidium, Gestapo-Gefängnis, Polizeigewahrsam für Festgenommene, etwa auf den Studentendemos der 60er Jahre. Dazu gibt es Zeitzeugeninterviews, etwa mit dem ehemaligen KPD-Mitglied Hans Schwert, der dort in den Jahren 1936 und 1937 inhaftiert war. „Faites votre jeu“ hatten im Januar wochenlang das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim besetzt, dessen leerstehendes Gebäude die Stadt der Schule für Mode- und Bekleidung zugesagt hatte. Die Besetzer hatten ein eigenständiges Kulturzentrum eingerichtet, und sich erst nur widerwillig auf das Klapperfeld als Ersatz eingelassen. „Wir haben Bedenken, in einen Bau umzuziehen, in dem die Gestapo gefoltert und gemordet hat“, sagte damals eine Sprecherin der Gruppe. Nun will sie die Ereignisse mit eigenen Recherchen geschichtspolitisch aufarbeiten. Kommentar F4

Mit der NS-Geschichte des Klapperfelds, Klapperfeldstraße 5, beschäftigt sich der erste Teil der Ausstellung, der am Sonntag, 9. August, eröffnet wird.

Blinder Fleck belichtet

LEITARTIKEL

Die Stadt kann von Glück sagen, dass sie so engagierte Mieter für den fahlgelben, seit sieben Jahren leerstehenden Bau in der Klapperfeldstraße gefunden hat.

Frankfurter Rundschau, 06.08.2009 (download pdf)

Von Anne Lemhöfer

Kann man am vielleicht beklemmendsten Ort Frankfurts Kultur machen? Man kann nicht nur. Man muss. Hinter den dicken Wänden des ehemaligen Polizeigewahrsams mit der Adresse Klapperfeldstraße 5 folterte und mordete die Gestapo, wurden 1968 bei Demonstrationen festgenommene Studenten stundenlang verhört, bangten später Abschiebehäftlinge. Das seit Jahren ungenutzte Klapperfeld steht mitten in Frankfurt, doch es blieb ein blinder Fleck der Stadtgeschichte. Ein Un-Ort, mit dem man sich ungern beschäftigte. Bis jetzt. Am Sonntag öffnet die autonome Kulturinitiative „Faites votre jeu“ erstmals die Tür ihres neuen Domizils – sie zeigt eine Ausstellung über die nationalsozialistische Geschichte des fahlgelben Klotzes.

Die jungen Künstler wollten erst nicht in den Knast. Das kann man verstehen. Nicht nur, weil es tiefster Winter war, als Jutta Ebeling ihnen im Januar das unbeheizte, wenn nicht gar unbeheizbare Klapperfeld anbot – als Ersatz für das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim. Der Gründerzeitbau in der Varrentrappstraße hatte sieben Jahre lang leer gestanden, bevor „Faites votre jeu“ ihn besetzte und zum autonomen Kulturzentrum machte. Weil die Schule für Mode- und Bekleidung einziehen soll, stellte die Stadt den Besetzern ein Ultimatum: Umzug ins Klapperfeld oder Räumung.

Im allerletzten Moment hatten die Sprecher von „Faites votre jeu“ damals zugesagt, sichtbar wenig begeistert. Nächtelang hätten sie diskutiert, ließ die Gruppe wissen. Undankbar fanden das viele im Römer, von links-kapriziösem Plenumsgetue war die Rede, von Autonomen, die unter dem Deckmantel der Kultur eigentlich nur Stress machen wollen.

Heute steht fest: Sie haben „Faites votre jeu“ Unrecht getan. So ernsthaft sich die Initiative im Vorfeld offenbar mit dem Bau auseinandergesetzt hatte, so ernsthaft tut sie das weiterhin. Das Klapperfeld ist eben keine verkehrsgünstig gelegene Party-Location mit Gruselfaktor. Das Klapperfeld ist eine Herausforderung.

„Faites votre jeu“ hat sie angenommen. Wenn junge Menschen sich eigenständig und ohne Budget auf die mühselige Suche nach historischen Quellen machen, wenn sie in ihrer Freizeit Zeitzeugen suchen und Archive durchforsten, dann ist es ihnen wohl ernst. Die Stadt kann von Glück sagen, dass sie so engagierte Mieter gefunden hat.

Schade, dass es freie Kunstschaffende immer so schwer haben in Frankfurt, dass sie kaum an bezahlbare Räume kommen. Peinlich, wenn es erst einen erbitterten Streit um eine Hausbesetzung braucht, um zu zeigen: Kultur abseits des Mainstreams braucht einen Platz in dieser Stadt. Und zwar mittendrin. F8 (zum Artikel)

Pressemitteilung 05.08.2009 ­– Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«

Nach einem gelungenen Auftakt im »Klapperfeld« Anfang Juli eröffnet die Initiative »Faites votre jeu!« nun am 9. August den ersten Teil ihrer Dauerausstellung zur Geschichte des Gefängnisses »Klapperfeld« in Frankfurt.

»Von vornherein hatten wir klargestellt, dass es für uns unvorstellbar ist ein Gebäude wie das ehemalige Gefängnis ›Klapperfeld‹ ohne geschichtspolitische Auseinandersetzung unreflektiert zu nutzen. Dies ist auch der Grund, warum wir nun die ersten Ergebnisse unserer Arbeit in Form einer Dauerausstellung vorstellen wollen.« Abgeschlossen ist dies für Imke Kurz, eine Vertreterin der Initiative, jedoch nicht. »Wir verstehen unsere Arbeit zur Geschichte des ›Klapperfeldes‹ als kontinuierlichen Prozess. Unsere Recherchen sind erst in den Anfängen und wir werden diese fortsetzen um mehr über die Vergangenheit des Klapperfeldes heraus zu finden.«

Der erste Teil der Dauerausstellung beschäftigt sich mit der NS-Vergangenheit des Gefängnisses. Während des Nationalsozialismus diente es unter anderem der Gestapo zur Inhaftierung zahlreicher Verfolgter. Für viele war das »Klapperfeld« die erste Station, bevor sie in Konzentrationslager deportiert, in andere Gefängnisse gebracht oder hingerichtet wurden. Die Ausstellung zeigt anhand von Tafeln, videografischen Interviews mit Zeitzeug_innen und dazugehörigen Materialsammlungen die ersten Ergebnisse der Recherche des Arbeitskreises Geschichte von »Faites votre jeu!«.

Imke Kurz zeigte sich erfreut über das bisherige Interesse an den Ergebnissen der geschichtspolitischen Auseinandersetzung, macht aber auch deutlich, wie viel Arbeit diese bedeutet: »Wir sind positiv überrascht, dass das Interesse an der Geschichte dieses Ortes so groß ist. Die Arbeit ist jedoch nicht einfach und die Recherche aufwändig, zumal wir uns die Kenntnisse und Methoden in Bezug auf die Arbeit mit historischen Quellen selbst angeeignet haben und nicht über die Mittel großer Institutionen verfügen. Umso erfreulicher ist, dass die Ausstellung nun eröffnet wird.«

Im Anschluss an die Eröffnung besteht die Möglichkeit mit dem Arbeitskreis Geschichte über die Ausstellung zu sprechen.

Sonntag, 9. August 2009 // 16.00 Uhr // Klapperfeldstraße 5:
Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«.

Anhang:
Programm August 2009

Pressemitteilung als pdf: download