Gestapo im Klapperfeld

Ausstellung

Frankfurter Rundschau, 06.08.2009 (download pdf)

Von Anne Lemhöfer


Bald wieder Leben im Klapperfeld. (Monika Müller)

Das griechische Restaurant Exedra in der Heiligkreuzgasse gehört zum Frankfurter Gericht wie Schwurgerichtssaal und Zeugenstand. Hier treffen sich Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Reporter. Dass sich Gruppen in den Raucherraum verziehen, kommt häufig vor. Der Raucherraum im Exedra ist allerdings mehr als das: Er ist auch eine Kunsthalle.

Seit kurzem hängen dort neue Bilder. Sie zeigen das Innere eines Gebäudes, das nur ein paar Schritte weiter steht und zum Gerichtsviertel mindestens genauso dazu gehört wie die Ersatzkantine: Das ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld – ein vergessenes Monstrum, eine Trutzburg der Gewalt. Die Fotos, die ein bisschen wie Gemälde aussehen, hat ein griechischer Fotograf hergestellt. Zeitpunkt und Motiv passen gut: Als Kunst- und Kulturraum präsentiert sich das porträtierte Klapperfeld, wie es im Volksmund hieß und heißt, von diesem Wochenende an einer größeren Öffentlichkeit.

Die autonomen Künstler der Gruppe „Faites votre jeu“ sind im März eingezogen und rücken dem gelb gestrichenen Kasten gestalterisch zu Leibe. Am Sonntag, 9. August, wird der erste Teil einer Dauerausstellung eröffnet, die auf Infotafeln die Verwandlung des düsteren Orts in verschiedene Schauplätze von Tragödien thematisiert: preußisches Polizeipräsidium, Gestapo-Gefängnis, Polizeigewahrsam für Festgenommene, etwa auf den Studentendemos der 60er Jahre. Dazu gibt es Zeitzeugeninterviews, etwa mit dem ehemaligen KPD-Mitglied Hans Schwert, der dort in den Jahren 1936 und 1937 inhaftiert war. „Faites votre jeu“ hatten im Januar wochenlang das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim besetzt, dessen leerstehendes Gebäude die Stadt der Schule für Mode- und Bekleidung zugesagt hatte. Die Besetzer hatten ein eigenständiges Kulturzentrum eingerichtet, und sich erst nur widerwillig auf das Klapperfeld als Ersatz eingelassen. „Wir haben Bedenken, in einen Bau umzuziehen, in dem die Gestapo gefoltert und gemordet hat“, sagte damals eine Sprecherin der Gruppe. Nun will sie die Ereignisse mit eigenen Recherchen geschichtspolitisch aufarbeiten. Kommentar F4

Mit der NS-Geschichte des Klapperfelds, Klapperfeldstraße 5, beschäftigt sich der erste Teil der Ausstellung, der am Sonntag, 9. August, eröffnet wird.