Donnerstag, 23. Juli 2009 // 19.00 Uhr // Wozu zum Henker?

Eine Veranstaltung zur Kritik am Strafrecht

»Die Gesellschaft, die den Straftäter auf das Rad spannt, verfällt in den Fehler des Kindes, das den Stuhl schlägt, an dem es sich gestoßen hat.«
(G.C. Lichtenberg (1742-1799)

Wenn in den Medien oder von vielen PolitikerInnen über Strafrecht geredet wird, dann vor allem in Zusammenhang mit spektakulären Fällen von Mord und Totschlag, Vergewaltigung und Missbrauch. Schnell wird dann nach härteren und längeren Strafen gerufen. Wenn ein Problem auf der gesellschaftlichen Bildfläche auftaucht, bringen wirkmächtige Diskurse in Anschlag, mit neuen Paragraphen und ein paar neuen Gefängnisbauten könnte man das schon in den Griff bekommen. Keine gute Zeit, um Kritik am Instrument des Strafrechts zu üben. Oder vielleicht gerade doch?

Warum gibt es überhaupt ein Strafrecht? Warum wird gestraft? Welchem Sinn und Zweck soll die Strafe derzeit dienen und wird sie diesem Anspruch auch gerecht? Wer definiert „Strafe“ und wer ist vom „Strafen“ betroffen? Einzig allein die Gängster, Halunken und Tagediebe – oder hat es nicht doch auch verdammt viel mit gesellschaftlichen Faktoren zu tun, wer „straffällig“ wird und wer nicht, wer bestraft wird und wer nicht? Wie legitimiert sich der staatliche Freiheitsentzug und warum fällt so vielen angesichts gesellschaftlicher Probleme immer wieder als erstes Abstrafen und Wegsperren ein? Und nicht zuletzt die zentrale Frage: Was spricht eigentlich dafür und dagegen, Strafrecht, durch das Menschen kontrolliert, überwacht, verhört, genötigt, erpresst und weggeschlossen werden, einfach abzuschaffen?

Diese erste Abendveranstaltung einer strafrechtskritischen Reihe, bietet die Gelegenheit, sich dem „Strafen“ in der derzeitigen Gesellschaft aus kritischer Perspektive zu nähern. Gemeinsames Diskutieren, Herausarbeiten weiterer Fragestellungen und Ansatzpunkte stehen weit mehr im Mittelpunkt als ein ExpertInnen-besetztes Podium oder einfache Antworten.

Auftakt zu einer strafrechtskritischen Reihe der aktion kritischer juristInnen (akj) an der Uni Frankfurt und »Faites votre jeu!«