Archiv für Februar 2009

Hausbesetzer ziehen in ehemaliges Stadtgefängnis

„Kulturinitiative“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (www.faz.net), 06.02.2009


Blick in einen Gang im ehemaligen Stadtgefängnis Klapperfeld in Frankfurt, das 2001 aufgegeben wurde Foto: Frank Röth


Das ehemalige Stadtgefängnis Klapperfeld in der Nähe der Einkaufsmeile Zeil Foto: Frank Röth

06. Februar 2009 Der seit Monaten andauernde Konflikt um die Besetzung eines früheren Jugendzentrums im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist beendet. Die Besetzer erklärten sich am Freitag bereit, in das ehemalige Stadtgefängnis im Zentrum von Frankfurt umzuziehen. Die „Kulturinitiative“ nehme trotz starker Bedenken das Angebot der Stadt an.

Die Initiative will im Gefängnis auch dokumentieren, wie dort die Gestapo während der Nazi-Zeit gefoltert hat. Der nahe der Einkaufsstraße Zeil stehende Bau, als „Polizeigewahrsam“ in der Kaiserzeit errichtet, steht seit 2001 leer.

Das ehemalige Stadtgefängnis Klapperfeld in der Nähe der Einkaufsmeile Zeil
Die Besetzer erhalten nach Angaben der Stadt einen zweijährigen Mietvertrag für das Gefängnis mit Aussicht auf Verlängerung. Das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim soll nun zur Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung umgebaut werden. Mit den Arbeiten soll noch vor dem Sommer begonnen werden.

Frankfurter Hausbesetzer ziehen in Ex-Stadtgefängnis

Frankfurter Neue Presse (www.fnp.de), 06.02.2009

Frankfurt. Der seit Monaten andauernde Konflikt um die Besetzung eines früheren Jugendzentrums im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist beendet. Die Besetzer erklärten sich am Freitag bereit, in das ehemalige Stadtgefängnis im Zentrum von Frankfurt umzuziehen. Die «Kulturinitiative» nehme trotz starker Bedenken das Angebot der Stadt an. Die Initiative will im Gefängnis auch dokumentieren, wie dort die Gestapo während der Nazi-Zeit gefoltert hat. Der nahe der Einkaufsstraße Zeil stehende Bau, als «Polizeigewahrsam» in der Kaiserzeit errichtet, steht seit 2001 leer.

Hausbesetzer im ehemaligen Stadtgefängnis

Jugendzentrum Bockenheim

Frankfurter Rundschau (www.fr-online.de), 06.20.2009

Frankfurt/Main. Der seit Monaten andauernde Konflikt um die Besetzung eines früheren Jugendzentrums im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist beendet.

Die Besetzer erklärten sich am Freitag bereit, in das ehemalige Stadtgefängnis im Zentrum von Frankfurt umzuziehen. Die „Kulturinitiative“ nehme trotz starker Bedenken das Angebot der Stadt an.

Die Initiative will im Gefängnis auch dokumentieren, wie dort die Gestapo während der Nazi-Zeit gefoltert hat. Der nahe der Einkaufsstraße Zeil stehende Bau, als „Polizeigewahrsam“ in der Kaiserzeit errichtet, steht seit 2001 leer.

Die Besetzer erhalten nach Angaben der Stadt einen zweijährigen Mietvertrag für das Gefängnis mit Aussicht auf Verlängerung. Das ehemalige Jugendzentrum in Bockenheim soll nun zur Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung umgebaut werden. Mit den Arbeiten soll noch vor dem Sommer begonnen werden. (dpa)

Pressemitteilung 06.02.2009 – Initiative nach erneuten Verhandlungen zu Umzug bereit

Am Donnerstag, den 5. Februar fanden erneute Verhandlungen über das der Initiative »Faites votre jeu!« angebotene Ersatzobjekt statt. An den Verhandlungen nahmen Vertreter_innen der Initiative sowie die Grüne Bürgermeisterin und Dezernetin für Bildung und Frauen Jutta Ebeling, ihr persönlicher Referent Michael Damian und Rüdiger Niemann, ein Mitarbeiter des Bildungsdezernats, teil. Das Gespräch wurde von Prof. Dr. Micha Brumlik begleitet. Gegenstand der Verhandlungen war, zu welchen Bedingungen die Initiative das seit August 2008 besetzte Haus in der Varrentrappstrasse 38 verlässt und in das ehemalige Gefängnis in der Klapperfeldstrasse umzieht.

Dabei wurde der Initiative das gesamte Erdgeschoss, alle Kellerräume sowie sämtliche Höfe des Gebäudes zugesichert. Da die derzeitige Größe der angebotenen Räumlichkeiten für gut besuchte Veranstaltungen nach wie vor nicht ausreicht, sicherten die Vertreter_innen des Bildungsdezernats zu, eine Vergrößerung der Räume zu gewährleisten. Wie bereits vereinbart wird außerdem vor dem Umzug des selbstverwalteten Kunst- und Kulturzentrums die Heizung in Stand gesetzt werden.

Der Forderung der Initiative, die Dauer des Nutzungsvertrags über die zuvor angebotenen zwei Jahre hinaus zu verlängern, wurde nicht stattgegeben. Der Nutzungsvertrag verlängert sich jedoch automatisch nach zwei Jahren, wenn das Gebäude bis dahin nicht verkauft oder vermietet wurde; eine weitere Nutzung durch private Investoren wird vertraglich ausgeschlossen. Wie das Bildungsdezernat gegenüber der Presse bereits geäußert hat, werden die Räumlichkeiten der Initiative mietfrei überlassen; an den Heizkosten beteiligt sie sich nur dann, wenn aus ihren Veranstaltungen ein Gewinn hervorgeht.

Darüber hinaus wurde die längst überfällige Rücknahme der Strafanzeige gegen die Nutzer_innen des selbstverwalteten Kunst- und Kulturzentrums endlich zugesagt. Das Haus in der Varrentrappstraße 38 kann weiter genutzt werden, bis die vom Dezernat zugesicherten Baumaßnahmen im ehemaligen Gefängnis »Klapperfeld« abgeschlossen sind und der Umzug erfolgt ist.

Der Bedingung der Initiative »Faites votre jeu!«, dass die Gedenktafel für Günter Sare in der Varrentrappstraße 38 nicht entfernt wird, wurde zugestimmt. Günter Sare – der selbst im damaligen JUZ Bockenheim aktiv war – ist am 28. September 1985 bei Protesten gegen die NPD von einem Wasserwerfer der Polizei überrollt worden.

Zu dem angebotenen Ersatzobjekt sagte Nora Wildner, Sprecherin der Initiative: »Wir haben größte Bedenken in einen Bau umzuziehen, in dem die Gestapo gefoltert und gemordet hat und das trotz der NS-Vergangenheit noch bis vor wenigen Jahren zur Inhaftierung von Flüchtlingen genutzt wurde.«

Matthias Schneider, Sprecher der Initiative, ergänzt: »Nachdem uns das ehemalige Gefängnis »Klapperfeld« angeboten worden ist, wurde nach ersten Recherchen schnell klar, dass eine Auseinandersetzung mit der gesamten Geschichte des Gebäudes in der Klapperfeldstrasse notwendig ist. Ein Umzug bedeutet daher eine klare Veränderung unseres Konzepts und unserer Arbeit.«

Die Initiative hat sich dennoch nach langen Diskussionen dazu entschieden, sich dieser schwierigen Aufgabe zu stellen und bezieht daher das Gebäude in der Klapperfeldstraße als Ersatzobjekt.

Pressemitteilung als pdf: download

Solierklärung von Prof. Dr. Klaus Herding (Uni Ffm, Kunstgeschichtliches Institut)

An Frau Jutta Ebeling, Schuldezernat Frankfurt

Sehr geehrte Frau Ebeling,

Hiermit möchte ich die Initiative „Faites votre jeu“ ausdrücklich unterstützen.

Ich kenne die Arbeiten der beteiligten Künstler aus eigener Anschauung und kann aus kunstwissenschaftlicher Perspektive sagen, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum Kulturleben unserer Stadt (und weit darüber hinaus!) darstellen.

Die Stadt Frankfurt ist es sich schuldig, junge Künstler zu unterstützen und einen lebendigen Kunstdiskurs zu fördern. Erfreulicherweise teilen Sie diese Auffassung mit dem Angebot, einen Ersatz für das Haus Varrentrapstraße 38 bereit zu stellen.

Allerdings habe ich die angebotenen Räume mit Befremden gesehen. Die Aufnahme in einer Zeitung zeigt einen schlauchartig engen Zellenraum mit einem winzigen Fenster. In solchen Räumen kann man nicht arbeiten und schon gar nicht künstlerisch kreativ werden. Gutes Licht und genügend Platz, um ein Objekt auch aus einiger Entfernung betrachten zu können, sind unabdingbare Grundbedingungen für künstlerische Arbeit.

Deshalb gehe ich davon aus, dass Sie der Intitiative „Faites votre jeu“ nicht nur die Zellen im Erdgeschoss, sondern die größeren Verwaltungsräume und größeren Zellen in den drei Etagen des Gebäudes zur Verfügung stellen.

Auch möchte ich dringend empfehlen, nicht eine Vertragslaufzeit von nur 2 Jahren anzubieten. Künstlerische Arbeit muss sich über einen längeren Zeitraum entwickeln können, und es ist auch notwendig, die Geschichte des Ortes, der zeitweise als Gestapo-Gefängnis diente, angemessen zu dokumentieren, wie das im ehemaligen IG-Farben-Haus geschehen ist. Das hat dort über zwei Jahre Vorbereitungszeit erfordert.

Wir brauchen eine großzügige Lösung für diese unbedingt förderungswürdige Initiative. Die Losung „faites votre jeu“ ist nun als Aufforderung an die Stadt Frankfurt gerichtet!

Mit freundlichen Grüße

Prof. Dr. Klaus Herding

==============================================

Die Mappe mit den Solierklärungen wird in den nächsten Tagen ergänzt und aktualisiert.

Info- und Mobilisierungsveranstaltung zu den antifaschistischen Gegenaktivitäten am 13./14. Februar in Dresden

Auch dieses Jahr werden sich tausende Nazis von NPD bis zu den sogenannten „Freien Kräften“, aber auch Rechtspopulisten, „Vertriebene“ und ganz „normale“ Bürger in Dresden ein geschichtsrevisionistisches Stelldichein geben, dass sich mittlerweile zum bundesweit größten Naziaufmarsch etabliert hat.

Ihr Anliegen ist es, die deutsche NS-Volksgemeinschaft als Opfer zu verklären. Anlass ist der Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 durch die Alliierten.

In diesem Jahr mobilisieren erstmalig zwei verschiedene antifaschistische Bündnisse gegen den Grossaufmarsch der Nazis. Die Info-Veranstaltung will daher einen allgemeinen Überblick über die geplanten Gegenaktivitäten geben. Es ist ausdrücklich nicht geplant die verschiedenen Bündnis-Konzepte zu diskutieren.

Freitag, 6. Februar 2009, 20.00 Uhr

Eine Veranstaltung der Autonomen Antifa [f]

Stadt verteidigt Dialog mit Juz-Besetzern

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2009 (download pdf)

Der Magistrat hat seine Entscheidung verteidigt, das besetzte Jugendzentrum Bockenheim (Juz) an der Varrentrappstraße nicht sofort räumen zu lassen und sich stattdessen auf einen Dialog mit den Mitgliedern der Initiative „Faites votre jeu“ einzulassen: Das sei auch aus derzeitiger Sicht der beste Weg, sagte Michael Damian, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen). Dass die Besetzer nun allerdings Forderungen an die Stadt stellten, sei „nicht hinnehmbar“. Ähnlich äußerte sich auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Frank. Es sei richtig gewesen, die Situation nlcht eskalieren zu lassen. „Jutta Ebeling hat alles getan, um sich einvernehmlich zu einigen“, sagte Frank. Nun müsse jedoch eine Lösung gefunden werden. Die Kulturinitiative wäre gut beraten, das Angebot der Stadt anzunehmen.

Unterschiedlich sind die Iteaktionen dagegen bei Kulturschaffenden in Stadt und Umland, die als Unterstützer von „Faites votre jeu“ auftreten. Wolfgang Luy, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, bezeichnete die Offerte der Stadt, die Initiative in ein ehemaliges Gefängnis ziehen zu lassen, als „schwierig“; es sei nicht verwunderlich, dass die Besetzer zögerten. „Ich würde mir wünschen, dass der Dialog weitergeht“, sagte Luy. Norbert Abels, Chefdramaturg an der Frankfurter Oper, sprach hingegen von einem „fairen Angebot“ der Stadt an die Besetzer. Diese sollten das Gefängnis als Ersatzquartier akzeptieren und dann zeigen, „was sie als Künstler können“.

Die Mitglieder von „Faites votre jeu“ hatten, wie berichtet, am Montag bekanntgegeben, das besetzte Juz nur unter bestimmten Bedingungen verlassen zu wollen. Unter anderem soll die Stadt in dem Ersatzobjekt mehr Räume zur Verfügung stellen. isk.

Gefängnis ist JUZ-Initiative zu klein

journalportal.de, 03.02.2009


Foto: Günther Michels

Am Dienstag, den 27. Januar hat das Dezernat für Bildung und Frauen der Initiative „Faites votre jeu!“ einen Teil des ehemaligen Gefängnisses „Klapperfeld“ (Foto) als Ersatzobjekt für das seit dem 2. August 2008 besetzte Haus in der Varrentrappstraße 38 angeboten. Die Initiative betreibt dort seitdem ein „selbstverwaltetes Kunst- und Kulturzentrum“. Das derzeitige Angebot des Bildungsdezernats umfasst das Erdgeschoss und den Keller des Gebäudes in der Klapperfeldstraße 5, die Vertragslaufzeit soll zunächst zwei Jahre betragen.

Der Initiative sind jedoch die Räumlichkeiten zu klein und die angebotene Mietdauer zu kurz. Wegen seiner Vergangenheit als Gefängnis, unter anderem der Gestapo in der NS-Zeit, wolle die Gruppe die Geschichte des Baus aufarbeiten, was sehr viel Zeit in Anspruch nähme. Nora Wildner, Sprecherin der Initiative: »Die unreflektierte Nutzung eines Gebäudes, das in allen Epochen deutscher Geschichte zur Unterdrückung von Menschen genutzt wurde, kommt für uns selbstverständlich nicht in Frage. Sollten wir das Angebot der Stadt annehmen, sehen wir es auf Grund der Historie des Gebäudes als unsere Aufgabe, der Aufarbeitung der gesamten Geschichte des Gefängnisses angemessenen Raum zu geben.«

Wildners Kollege Matthias Schneider betont die erfolgreichen Veranstaltungen, die die Initiative bisher präsentiert hat: »In unserem Zentrum hat sich ein vielfältiges Programm weit über Ausstellungen oder Konzerte hinaus etabliert. Derartige Veranstaltungen wären, wenn überhaupt, nur in den größeren Räumen in den oberen Stockwerken des Gefängnisses durchführbar.«

Unterstützung bekommt die Initiative auch von Jos Diegel, Präsident des Studierendenparlaments und Mitglied des Senats der Hochschule für Gestaltung Offenbach: »Es ist unter den gegebenen Umständen ohne bauliche Veränderungsmaßnahmen kaum vorstellbar, wie siebeneinhalb Quadratmeter kleine Zellen mit niedrigen Türen und ohne ausreichende Beleuchtung beziehungsweise Tageslicht als Ateliers für Künstlerinnen und Künstler zu nutzen sein sollen, geschweige denn angemessene Voraussetzungen und Atmosphäre für kreative Tätigkeiten bieten könnten.«

Nach Ansicht von Schneider reiche für die nötigen nutzungsgerechten Umbaumaßnahmen eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren nicht aus. „Bereits das Haus in der Varrentrappstraße haben wir mit viel Engagement, Zeit und Geld wieder nutzbar gemacht. Deshalb muss Jutta Ebeling und den Vertreterinnen und Vertretern der Stadt bewusst sein, dass ein solcher erneuter Aufwand nur dann sinnvoll ist, wenn wir eine langfristige Nutzung garantiert bekommen.«

Die Stadt hat indessen signalisiert, dass ihre Geduld am Ende ist. Die Gruppe befinde sich nicht in der Situation, Bedingungen zu stellen, so Michael Damian, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Bis Freitag erwarte die Stadt ein positives Signal der Initiative.