Besetzer gehen ins Gefängnis

Streit um Juz beendet

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2009 (download pdf)

Nach monatelangem Streit um das besetzte frühere Jugendzentrum (Juz) an der Varrentrappstraße in Bockenheim haben sich Stadt und Hausbesetzer geeinigt. Die Kulturinitiative „Faites votre jeu“ hat das Angebot von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) angenommen, in das ehemalige Gefängnis „Klapperfeld“ zu ziehen. Dort könne die Gruppe fortan das gesamte Erdgeschoss und den Keller sowie die Höfe für Ateliers und Ausstellungen nutzen, teilte Ebelings Referent, Michael Damian, gestern mit. Der Mietvertrag werde wie geplant zunächst für zwei Jahre abgeschlossen wobei die Miete „nur symbolisch“ erhoben werde. Sollte das Gebäude dann nicht an das Land verkauft worden sein, verlängere sich der Vertrag automatisch. Das Deutsche Architekturmuseum, das einige Räume des Gefängnisses ebenfalls für Ausstellungen nutzt, will dem Vernehmen nach nicht in dem Gebäude bleiben.

Ebeling zeigte sich gestern zufrieden mit dem Kompromiss. Nun könne noch vor dem Sommer mit dem Umbau des Juz begonnen werden, damit die Schule für Mode und Bekleidung dort einziehen könne, sagte sie. Schulleiter Malte Lütjens äußerte: „Der Schule fällt ein Stein vom Herzen, dass die Angelegenheit ohne Eskalation über die Bühne gebracht werden konnte.“ Die Ausbildungseinrichtung hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass die Räume des Juz dringend benötigt würden, weil das Haupthaus an der Hamburger Allee nicht mehr genug Platz für die 1200 Schüler biete.

Die Initiative „Faites votre jeu“ hat nach Angaben ihres Sprechers Matthias Schneider „lange diskutiert“, bevor sie sich entschlossen habe, das Angebot zu den Bedingungen der Stadt anzunehmen. Noch immer habe man „größte Bedenken, in einen Bau umzuziehen, in dem die Gestapo gefoltert und gemordet hat“, teilte die Initiative mit. Zudem bemängelte die Gruppe, dass sich ihre bisherige Arbeit durch den Umzug zwangläufig ändern werde. Man wolle sich nun darauf konzentrieren, die Geschichte des ehemaligen Polizeigewahrsams aufzuarbeiten. Mit den Recherchen habe man schon begonnen, so Schneider. „Unsere eigentliche Arbeit schränkt das aber ein.“

Die Stadt will den Umzug möglichst schnell in die Wege leiten. Von nächster Woche an soll die Heizungsanlage in dem Haus an der Klapperfeldstraße instand gesetzt werden. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen seien, müsse die Gruppe aus dem Juz ausziehen – spätestens zum 1. März. Wie teuer dIe Sanierung des Gebäudes wird, blieb zunächst unklar. Befürchtungen, dass nun „Nachahmer“ ebenfalls ein Haus besetzen könnten, in der Hoffnung, ein attraktives Ersatzobjekt angeboten zu bekommen, habe man nicht, so Damian. „In diesem Fall war es angemessen, nicht gleich den Polizeiknüppel zu schwingen. Das soll aber nicht heißen, dass wir fortan für jeden Besetzer Tür und Tor öffnen.“ isk.