Archiv für Januar 2009

Lösung in Sicht

Frankfurter Rundschau (www.fr-online.de), 28.01.2009

Von Georg Leppert

Im Streit um das besetzte Haus in der Varrentrappstraße 38 rückt eine Lösung näher. Die Kulturinitiative „Faites votre jeu“ steht dem Angebot, das Gebäude zu verlassen und ins ehemalige Polizeigewahrsam an der Klapperfeldstraße zu ziehen, grundsätzlich offen gegenüber, sagte der Sprecher der Gruppe, Matthias Schneider. Es gebe aber noch einige Fragen zu klären. Bis Ende nächster Woche muss sich die Initiative entscheiden, ob sie das Angebot annimmt.

Die Stadt hatte den Künstlern, die das ehemalige Jugendzentrum Bockenheim seit August besetzt halten, am Dienstag das Klapperfeld vorgeschlagen. Die Miete soll nur symbolischer Natur sein, die Stadt könnte sich etwa einen Zuschuss zu den Heizkosten vorstellen. Der Mietvertrag hätte eine Laufzeit von zwei Jahren.

Die Initiative nehme „positiv zur Kenntnis“, dass Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) nun zu Verhandlungen bereit sei, teilte „Faites votre jeu“ mit. Zu verdanken sei das auch dem Engagement des Pädagogik-Professors Micha Brumlik, der in dem Streit zwischen Stadt und Besetzern als Mediator fungiert.

Mehr zum Thema
Fotostrecke Fotostrecke: Altes Gefängnis Klapperfeldgasse
Eine Entscheidung sei aber erst möglich, wenn sich mehr Mitglieder der Gruppe das Klapperfeld angesehen hätten, sagte Schneider. Am Dienstagabend hatte sich nur eine Delegation der Initiative das Klapperfeld angeschaut. Am Donnerstag und am Samstag, 30. Januar, soll es öffentliche Besichtigungstermine geben.

Sorgen über die kurze Laufzeit des Mietvertrages

Sorgen bereitet „Faites votre jeu“ die kurze Laufzeit des Mietvertrages. Die Initiative befürchtet, dass die Stadt das Gebäude danach ans Land Hessen verkauft, das vor zwei Jahren einmal geplant hatte, an der Konstablerwache ein Justizzentrum zu errichten „Dann hätten wir viel in die Sanierung des Hauses gesteckt und stünden wieder auf der Straße“, sagte Schneider.

Einer Einigung mit der Stadt stehe zudem noch die Strafanzeige gegen die Hausbesetzer im Weg. Das Bildungsdezernat hatte im August Anzeige erstattet, nachdem die jungen Leute im Anschluss an eine Party in das ehemalige Jugendzentrum eingezogen waren.

Hintergrund ist, dass das Gebäude der benachbarten Schule für Mode und Bekleidung als Erweiterungsbau versprochen wurde. Die Stadt werde die Anzeige jedoch zurückziehen, wenn die Initiative das Angebot annimmt und in den nächsten Wochen ins Klapperfeld zieht, sagte Ebelings Referent Michael Damian.

Das Bildungsdezernat bewertet die Gespräche mit den Hausbesetzern als „konstruktiv“. Eine andere Lösung als den Umzug der Gruppe ins Klapperfeld sieht Jutta Ebeling allerdings nicht mehr. Ein weiteres Angebot an die Besetzer werde es jedenfalls nicht geben, ließ sie mitteilen.

Ausstellung „headshotflachkunst“ von Ismusismus

Eröffnung am Samstag, den 31. Januar um 20 Uhr

Wir sind für Ernsthaftigkeit nirgends unterwegs. Wir kitzeln den Zwergen die Füße, die auf den Schultern der Giganten sitzen. Wir sind schon immer der Brotkrumen auf dem Restauranttisch sein Lebensinhalt. Wir sind der panafrikanische Heckenhund der nach der Rattel der Klapperschlange schnappt. Wir versagen überschwänglich. Wir schwelgen.

Wir spielen unser Spiel und das, der Kaiserpinguine – ihre Würde ist unantastbar. Unsere nicht. Wir verraten uns liebend gern jederzeit für ein bisschen Aufmerksamkeit. Wir haben keine Andere Wahl. Wir sagen ja und meinen immer ich. Und das finden wir schön. Früh gestorbene Helden finden wir schön. Pornos finden wir schön. Fettiges Essen finden wir schön. Dich finden wir schön.

Dein Ismusismus erwartet sich mit Installationen, Bildern, Musik, Prosa, Konzeptkunst, Video, Fotos und Performances

Am gleichen Tag findet auch die Finissage von „The Real Estate Show“ statt. Beide Veranstaltungen laufen parallel.

Ausstellungsdauer:
Voraussichtlich bis Ende Februar

Öffnungszeiten:
Dienstags 19:00 bis 22:00
Mittwochs 19:00 bis 22:00
Samstags 17:00 bis 21:00

Beschichtigunstermine ehemaliges Gefängnis »Klapperfeld«

Wie angekündigt wird es in den nächsten Tagen zwei Besichtigungstermine für das vom Bildungsdezernat angebotene Ersatzobjekt in der Klapperfeldstraße 5 geben. Jeder möchte kann sich an den folgenden beiden Terminen selbst ein Bild von dem ehemaligen Gefängnis »Klapperfeld« machen:

Donnerstag, 29.01.2009, 16 Uhr

Samstag, 31.01.2009, 15 Uhr

Treffpunkt ist die Klapperfeldstraße 5 am Haupteingang

Gefängnis für Hausbesetzer

Stadt bietet Kulturinitiative Mietvertrag an

Frankfurter Rundschau, 28.01.2009 (download pdf)

Gesamte »Thema des Tages«-Doppelseite aus der Frankfurter Rundschau vom 28.01.2009 als pdf herunterladen.

Von Georg Leppert

Es ist ein ungemütlicher Ort. Eisige Temperaturen herrschen in dem langen Gang im Erdgeschoss des ehemaligen Gefängnisses an der Klapperfeldstraße nahe der Konstablerwache. Es ist diese Art von Kälte, die in die Klamotten kriecht, die man auch noch spürt, wenn man längst wieder im Warmen sitzt. Jahrelang ist kaum einer den Gefängnisflur entlang gegangen, jahrelang lief in dem Gebäudetrakt keine Heizung. Die Füße werden kalt, die Finger klamm. Michael Damian zieht sich seine Handschuhe an.

Die Kälte soll das Problem der Kunst- und Kulturschaffenden von der Initiative „Faites votre jeu“ nicht sein, verspricht Damian, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Die Stadt will demnächst die Heizung im Klapperfeld sanieren lassen. Vier bis sechs Wochen sollen die Arbeitendauern. Dann können die jungen Leute, die derzeit das ehemalige Jugendzentrum Bockenheim an der Varrentrappstraße besetzt halten, ihr neues Domizil in der Innenstadt beziehen.

Man merkt Damian an, dass er stolz ist auf die Lösung, die sein Dezernat nun gefunden hat. Die Räume seien doch ideal für die Kulturinitiative, sagt er. Knapp 400 Quadratmeter misst das Erdgeschoss, das die Stadt den Künstlern überlassen will. Damit hat „Faites votre jeu“ fast 100 Quadratmeter mehr Platz als im ehemaligen Jugendzentrum. Es gibt rund 20 Gefängniszellen, jede von ihnen etwa fünf mal 1,50 Meter groß. Die Hausbesetzer könnten sie als Ateliers nutzen. Hinzu kommen mehrere größere Räume – etwa Wachräume und Aufenthaltszimmer für die früheren Gefängniswärter – in denen etwa Ausstellungen möglich wären.

Dass auf die jungen Leute im Klapperfeld einiges an Arbeit wartet, ist allerdings unübersehbar. Der Putz bröckelt von den Decken, die schweren Stahltüren sind mit Sprüchen der Gefangenen beschmiert, in vielen Zellen stehen verrostete Pritschen aus Stahl herum, und die Wände müssen dringend gestrichen werden. Neben den vergitterten Fenstern lassen sich im schummerigen Gefängnislicht große dunkle Flecken erkennen. Wie die einst entstanden sind, möchte man lieber gar nicht wissen.

Die Initiative „Faites votre jeu“ habe bei der Gestaltung der Räume weitgehend freie Hand, sagt Damian. Wände einzureißen, könnte zwar etwas problematisch werden. „Ansonsten ist das deren Etage, mit der sie nach Belieben verfahren können“. Zu dem Objekt, das die Stadt der Kulturinitiative anbietet, gehört auch der Gefängnishof, der mit sechs Meter hohen Mauern aus Backstein umgeben ist. Auch ihn dürfen die Künstler uneingeschränkt nutzen, sagt Michael Damian.

Stimmt die Initiative zu, wird das Bildungsdezernat in den nächsten Tagen einen Mietvertrag aufsetzen. Er sieht vor, dass „Faites votre jeu“ für zwei Jahre ins Erdgeschoss des Klapperfeldes in einziehen darf. Zudem besteht eine Option auf eine Verlängerung dieser Regelung – allerdings nur, wenn die Stadt Frankfurt Eigentümerin des Gebäudes bleibt. Nach wie vor gibt es beim Land Überlegungen, das Haus zu kaufen und als Teil eines großes Justizzentrums rund um die Konstablerwache zu nutzen. „Wir wissen nicht, wie ernst es dem Land damit ist“, sagt Damian.

Die Miete, die die Kulturinitiative bezahlen muss, sei „eher symbolischer Natur“, erklärt der Referent. Die Stadt sähe es gerne, wenn sich „Faites votre jeu“ an den Heizkosten beteiligen würde – vorausgesetzt die Gruppe nimmt mit Kneipenabenden, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen etwas Geld ein.

Michael Damian macht keinen Hehl daraus, was er von den Hausbesetzern nun erwartet: Sie sollen das Angebot der Stadt annehmen. Ein besserer Standort sei kaum vorstellbar. Das Bildungsdezernat habe sich auch Räume im Gallus und im Gutleut angeschaut. Dort aber seien Probleme mit den Nachbarn schon abzusehen gewesen, denn die Besetzer seien „nachtaktive Menschen“, wie es Damian formuliert. Rund um das Klapperfeld hingegen wohnt kaum jemand. „Wenn die Initiative diese Lösung nicht akzeptiert, wissen wir auch nicht weiter“, sagt Damian.

Die Initiative „Faites votre jeu“ unternahm arnDienstagabend einen Rundgang durch das Klapperfeld. Ob sie das Angebot der Stadt annehmenwird, wollen die Besetzer aber erst am heutigen Mittwoch bekannt geben.

So bald die Gruppe das einstige Jugendzentrum Bockenheim, das sie seit Anfang August vorigen Jahres nutzt, verlassen hat, könne dort mit der Sanierung begonnen werden, heißt es von der Stadt. Das ist auch nötig, denn die direkt neben dem Gebäude gelegene Schule für Mode und Bekleidung, der das Haus als Erweiterungsbau zugesagt worden war, braucht die Räume dringend. Im Sommer 2010 soll die Verwaltung der Schule ins ehemalige Jugendzentrum einziehen. In den beiden Hauptgebäuden gäbe es dann Platz für weitere Klassenräume.

Gekommen, um zu bleiben

Seit einem halben Jahr macht „Faites votre jeu“ von sich reden

Frankfurter Rundschau, 28.01.2009 (download pdf)

Gesamte »Thema des Tages«-Doppelseite aus der Frankfurter Rundschau vom 28.01.2009 als pdf herunterladen.

Von Georg Leppert

Michael Damian spricht Klartext. „Das sind keine Chaoten, sondern Menschen, mit denen man reden kann“, sagt der Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) über die Mitglieder der Initiative „Faites votre jeu“. Und Damian muss es wissen, denn geredet hat er mit den jungen Kunst- und Kulturschaffenden in den vergangenen Monaten ziemlich häufig.

Es war der Abend des 2. August vorigen Jahres, als die Gruppe erstmals von sich reden machte. Sie lud zu einer Party ins Haus Varrentrappstraße 38 ein. In jenes Gebäude, das seit sieben Jahren leer stand und zuletzt als selbst verwaltetes Jugendzentrum (Juz) genutzt wurde. Die Hausfassade war mit Graffiti bemalt. Nur die Gedenktafel für Günther Sare, der 1985 bei einer Demonstration gegen die NPD im Gallus von einem Wasserwerfer überrollt und getötet wurde, hatte die ganzen Jahre über nichts abbekommen.

Gekommen, um zu bleiben – dieses Motto wählte der harte Kern von „Faites votre jeu“. Als die Party vorbei war, gingen einige der jungen Leute einfach nicht, sondern erklärten das Haus für besetzt. Fortan nutzten sie es für Kunst- und Kulturprojekte aller Art. Bilder, Lichtinstallationen, Grafiken wurden im ehemaligen Juz hergestellt und gezeigt.

Ein offenes Haus sollte die Liegenschaft sein, betonten die Besetzer. So baten sie zu einer Pressekonferenz mit Sektempfang nicht nur Journalisten, sondern luden die gesamte Nachbarschaft per Transparent dazu ein.

Viele Anwohner allerdings sahen das ganze Unterfangen kritisch. Vor allem an den Partys, die „Faites votre jeu“ regelmäßig veranstaltete, störten sich die Nachbarn. Immer wieder gingen bei der Polizei Anzeigen wegen Ruhestörung ein.

Zudem wissen einige Bockenheimer nicht viel anzufangen mit den Menschen, die das einstige Juz nutzen. Die meisten von ihnen sind Studenten, fast alle engagieren sich politisch in der linken Szene. Die Eingangstür zieren Aufkleber gegen den Flughafenausbau, an einer Pinnwand hängt das Foto eines Mannes, den die Besetzer bei Demonstrationen als Zivilpolizisten ausgemacht haben wollen.

Doch die Polizei interessierte sich zunächst kaum für das Juz. Aus dem Präsidium hieß es: Ohne Räumungstitel werden wir nicht tätig. Nur einmal, am Wahlsonntag, tauchten zahlreiche Mannschaftswagen vor dem Gebäude auf. Bei dem Einsatz sei es darum gegangen, ein nahe gelegenes Wahllokal vor Autonomen zu schützen, teilte die Polizei mit. Matthias Schneider, Sprecher der Besetzer, nannte den Einsatz hingegen eine Provokation.

Immer wieder wehrte sich die Initiative dagegen, dass ihre Interessen gegen die der benachbarten Schule für Mode und Bekleidung ausgespielt werden sollten. Die Stadt hatte das besetzte Haus der Berufsschule als Erweiterungsbau zugesagt. „Hätten wir das gewusst, hätten wir das Gebäude nicht besetzt“, sagte Matthias Schneider stets.

Trutzburg der Preußen

Frankfurtern war der Bunker am Klapperfeld immer ein Dorn im Auge

Frankfurter Rundschau, 28.01.2009 (download pdf)

Gesamte »Thema des Tages«-Doppelseite aus der Frankfurter Rundschau vom 28.01.2009 als pdf herunterladen.

Von Anita Strecker

Wie ein vergessenes Monstrum aus der Vergangenheit steht es in der Stadt, keinen Steinwurf von der Konstablerwache entfernt. Yorck Forster, freier Ausstellungs-Kurator, nennt es „eine Zeitblase in der Gegenwart“, das alte Gefängnis im Klapperfeld am Gerichtsviertel. Seit November 2001 hat es als „Zentralgewahrsam“ ausgedient. Damals bezog die Frankfurter Polizei das neue Präsidium an der Adickesallee und damit auch ein neues Zentralgewahrsam. Festgenommene werden dort moderner untergebracht.

Karl Kraus, pensionierter Polizeisprecher und Polizeihistoriker, hat das „Relikt aus wilhelminischer Zeit“ noch in Betrieb erlebt. Die Hochzeit während der Studentenunruhen, als täglich Studenten nach Demos in die Sammelzellen gesteckt wurden, und die dort aus Wut Toilettenschüsseln demolierten, Wände mit Protest-Slogans verzierten. Später folgten die Startbahn-West-Besetzer, dann die Abschiebeflüchtlinge. Kraus hat auch noch die Bilder vor Augen, als ein stadtbekannter „Verwirrter“ eine der drei-fünfzig- mal-eins-fünzig-kleinen-Untersuchungszellen abfackelte. Aus Wut, weil er Mitterrand beim Staatsbesuch kein Schreiben in die Hand drücken durfte.

Anekdoten aus einer Geschichte, die aber eher so düster ist, wie die Trutzburg mit den schweren Stahltüren und engen Gängen im Inneren aussieht. Seit 1886 steht sie da. Erbaut als Teil des ersten preußischen Polizeipräsidiums, mit Dienstvilla des Polizeipräsidenten, der zugleich Landrat und oberster Repräsentant der preußischen Regierung in Frankfurt war.

Die freie Reichstadt Frankfurt war Vergangenheit und mit dem neuen Polizeipräsidium samt Zentralgewahrsam an der Ostzeil, waren auch die Voraussetzungen für ein modernes Polizeiwesen geschaffen, schreibt Kurt Kraus in einem Aufsatz, verfasst für eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums 2007 just im Gefängnis an der Klapperfeldstraße.

Den Frankfurtern war der laut Kraus rund 700.000 Mark teure, triste Backsteinbau von Anfang an ein Dorn im Auge. Preußen-Werk – und der Polizeipräsident als Symbolfigur und Statthalter der verhassten Besatzer. Trotzdem war das Zentralgewahrsam für die damaligen Verhältnisse ein funktionales, fortschrittliches Gebäude, mit getrennter Frauen- und Männerabteilung für 120 Personen, drei Krankenzimmern, vier Spezialzellen „für Tobsüchtige“, einer 25-Personen-Sammelzelle, Toiletten und Baderäumen im Keller.

Und, schreibt Kraus: mit einer frei schwingenden Stahlkonstruktion vorm Mauerwerk, die die Trutzburg viele Jahrzehnte später, während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, vor der Zerstörung bewahrte. So kam es auch zum „wundersamen zweiten Leben“ des tristen Backsteinbunkers nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl das Gefängnis inzwischen tatsächlich in keiner Weise mehr den Belangen zeitgemäßen Strafvollzugs entsprach, wie Yorck Förster sagt. Und das vor allem während der Nazi-Zeit ein unrühmliches Stück Geschichte schrieb. Als Zentralgewahrsam für Schutzhäftlinge hatte die Gestapo ungehinderten Zutritt, Förster recherchierte unter anderem das Schicksal eines jungen Mannes aus der katholischen Jugendbewegung, der sich mit Nägeln aus dem Zellenboden grausam das Leben nahm, um seine Genossen zu schützen. Bis 1943, hat Kraus recherchiert, soll die Gestapo das Gefängnis in der Klapperfeldstraße genutzt haben.

Im zerstörten Nachkriegs-Frankfurt kam die Renaissance als einziges unversehrtes Gefängnis. Der Nachfolger am 1914 erbauten Polizeipräsidium am Hohenzollernplatz war zerstört. In den 50ern wurde der alte Preußen-Knast immerhin saniert und Toiletten in den Zellen eingerichtet. „Bis dahin gab es nur Kübel in den Zellen, das muss jämmerlich gestunken haben“, sagt Förster.

Auch nach der Sanierung – samt moderner, gelber Außenfassade – galt der Gewahrsam doch immer nur als Notlösung. Neubaupläne am damaligen neuen Polizeipräsidium in der Friedrich-Ebert-Anlage scheiterten aber am Geld und am Platz. Erst mit dem Umzug ins neue Polizeipräsidium an der Adickesallee ließ sich der alte Traum vom neuen Gefängnis am Präsidium verwirklichen. Der Knast im Klapperfeld hat 2001, nach 115 Jahren, ausgedient.

Hausbesetzer sollen ins Gefängnis

Stadt will jungen Leuten das Gebäude in der Klapperfeldstraße überlassen

Frankfurter Neue Presse, 28.01.2009 (download pdf)

Von Matthias Bittner


Für Ausstellungen oder Lesungen könnte der lange Gang im ehemaligen Polizeigewahrsam bald genutzt werden. Das Gebäude wurde 1890 erbaut und steht derzeit leer. Fotos: Rüffer

Frankfurt. Die Stadt Frankfurt will die Hausbesetzer aus der Varrentrappstraße 38 jetzt ins Gefängnis stecken – ganz ohne richterlichen Beschluss. Geht nicht, sagen Sie. Aber sicher doch. Denn die Mitglieder der Initiative «Faites votre jeux» sollen nicht im wörtlich gemeinten Sinn einsitzen, sondern das ehemalige Polizeigewahrsam in der Klapperfeldstraße für Veranstaltungen nutzen. Und im Tausch dafür das ehemaligen JUZ Bockenheim räumen, das sie seit August 2008 besetzen. Diesen Vorschlag machte die Stadt gestern Vertretern der Initiative bei einem Gespräch im Römer mit Mediator Micha Brumlik (wir berichteten).

Michael Damian, persönlicher Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne), ist mit dem Ergebnis der «freundlichen und konstruktiven Zusammenkunft» zufrieden. Die Stadt habe der Initiative zudem einen weiteren Deal unterbreitet: Wenn sie aus der Varrentrappstraße auszieht, will die Stadt die Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen «Faites votre jeux» zurückziehen. Die Abordnung der Initiative wollte gestern nach Besichtigung der Gefängnisräume weder zu- noch absagen. Laut Damian sei jedoch vereinbart worden, dass die Initiative in einer Woche ihre Entscheidung mimitteilen mkundtun werde.

Damian jedenfalls ist zuversichtlich, dass «Faites votre jeux» das Angebot der Stadt annimmt. Alles andere sei nicht nachvollziehbar. «Wenn sie dieses Angebot nicht akzeptiert, ist ihr beim besten Willen nicht mehr zu helfen», erklärte Damian. Und er betonte, dass Jutta Ebeling unmissverständlich klar gemacht habe, dass das gestrige Angebot das letzte Entgegenkommen der Stadt gewesen sei. Mit anderen Worten bedeutet das wohl: Lehnt die Initiative ab, wird das besetzte Gebäude in der Varrentrappstraße 38 geräumt. Nach dem Umbau soll darin nämlich die Verwaltung der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung einziehen, weil diese mit massiven Platzproblemen zu kämpfen hat. «Faites votre jeux» hatte das Haus im August vergangenen Jahres besetzt und nutzt es seitdem für Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen. Ursprünglich sollten die Kulturschaffenden am 15. Januar ausziehen, weigerten sich bislang aber und lehnten sogar ein von der Stadt angebotenes Ausweichquartier ab.

Eine erneute Ablehnung schließt Damian allerdings aus. Schließlich würde die Stadt der Initiative für die kommenden zwei Jahren eine Bleibe anbieten. Eine Option auf Verlängerung sei sogar nicht ausgeschlossen. Denn Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, ist laut Damian überzeugt, dass sich innerhalb dieser Frist kein Käufer für das Gebäude finden lässt. Für die Zwecke der Kulturschaffenden jedoch ist das Haus optimal geeignet. «Die sind doch kreativ. Als ich die Liste mit freien städtischen Liegenschaften durchging, und das ehemalige Polizeigewahrsam gestoßen bin, habe ich sofort gedacht: Das ist es», erinnert sich Damian.

Das komplette Erdgeschoss in dem 1890 errichten Bau soll «Faites vortre jeux» kostenlos nutzen können. Die Betriebskosten müsste die Initiative allerdings selbst bezahlen. «Im Parterre gibt es insgesamt 20 anderthalb mal fünf Meter messende Zellen sowie sieben größere Räume, in denen sich die Mitglieder der Initiative versammelt könnten. Sogar der Gefängnishof soll zugänglich bleiben. Verriegelt werden soll laut Damian der Zugang zu den oberen beiden Etagen. Vor dem möglichen Einzug sei aber eine Begehung durch Mitarbeiter des Hochbauamtes erforderlich.Eine erneute Ablehnung schließt Damian allerdings aus. Schließlich würde die Stadt der Initiative für die kommenden zwei Jahren eine Bleibe anbieten. Eine Option auf Verlängerung sei sogar nicht ausgeschlossen. Denn Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, ist laut Damian überzeugt, dass sich innerhalb dieser Frist kein Käufer für das Gebäude finden lässt. Für die Zwecke der Kulturschaffenden jedoch ist das Haus optimal geeignet. «Die sind doch kreativ. Als ich die Liste mit freien städtischen Liegenschaften durchging, und das ehemalige Polizeigewahrsam gestoßen bin, habe ich sofort gedacht: Das ist es», erinnert sich Damian.

Das komplette Erdgeschoss in dem 1890 errichten Bau soll «Faites vortre jeux» kostenlos nutzen können. Die Betriebskosten müsste die Initiative allerdings selbst bezahlen. «Im Parterre gibt es insgesamt 20 anderthalb mal fünf Meter messende Zellen sowie sieben größere Räume, in denen sich die Mitglieder der Initiative versammelt könnten. Sogar der Gefängnishof soll zugänglich bleiben. Verriegelt werden soll laut Damian der Zugang zu den oberen beiden Etagen. Vor dem möglichen Einzug sei aber eine Begehung durch Mitarbeiter des Hochbauamtes erforderlich.

Stadt will Besetzer im Gefängnis „Klapperfeld“ unterbringen

Bewährter Ausstellungsraum / Kulturinitiative berät sich

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2009 (download pdf)


Kreative Herausforderung: Das frühere Gefängnis in der Innenstadt Foto Röth

Die Stadt ist den Besetzern des ehemaligen Jugendzentrums Bockenheim (Juz) einen entscheidenden Schritt entgegengekommen. In einem persönlichen Gespräch hat Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen) den Mitgliedern der Kulturinitiative „Faites votre jeu“ gestern abermals ein Ersatzobjekt angeboten: das frühere Gefängnis „Klapperfeld“ in der Nähe der Konstablerwache. Rund 350 Quadratmeter hätte die Gruppe dann für Ausstellungen zur Verfügung – etwas so viel wie in dem besetzten Domizil an der Varrentrappstraße. Derzeit wird das ehemalige Polizeigewahrsam, das noch bis zum Jahr 2001 in Betrieb war, vom Deutschen Architekturmuseum genutzt.

Michael Darnian, Referent von Ebeling, zeigte sich zuversichtlich, dass mit diesem „durchaus attraktiven Angebot“ der Streit um das besetzte Juz schon bald beendet sein könnte. Zwar müsse die Heizung in dem Gefängnis noch instand gesetzt werden. Darüber hinaus biete das Haus an der Klapperfeldstraße aber viele Vorteile. Die kleineren Zellen könnten als Ateliers genutzt werden, die größeren als Ausstellungsraum. „Die jungen Menschen dürfen sich hier austoben“, sagt Damian. „Das Gefängnis wird dann zum Ort der Kreativität.“

Kreativ müssen die Mitglieder von „Faites votre jeu“ auch sein. Denn vor allem die kleineren Zellen sind derzeit noch düster, die Wände zum Teil mit deftigen Sprüchen und undefinierbaren schwarzen Flecken „verziert“. Umso reizvoller dürfte jedoch der Innenhof sein, der sich zwischen Gefängnis und einem benachbarten Gerichtsgebäude erstreckt. Die Stadt würde den Besetzern sogar genehmigen, zwischen den sechs Meter hohen Mauern Feste zu feiern, sagt Damian. Anders als am Juz an der Varrentrappstraße gebe es rund um das Gefängnis keine Anwohner, die sich an möglichem Lärm stören könnten. Das Hauptargument für einen Einzug der Kulturschaffenden sieht die Stadt eigenen Angaben zufolge darin, dass das Gebäude vielen Bürgern schon bekannt sei und sich als Ausstellungsfläche bewährt habe, etwa in der „Nacht der Museen“.

Die Stadt hat der Kulturinitiative vorerst einen Zwi-Jahres-Vertrag angeboten – mit der Option auf Verlängerung. Geregelt würde der Einzug durch einen Mietvertrag, wobei sich die Kulturschaffenden wohl nur an den Nebenkosten beteiligen müssten, wie Damian sagt. Geklärt werden müsse allerdings noch, welche Pläne das Land mit dem Gebäude habe. Ursprünglich wollte es das Haus der Stadt abkaufen und als Teil des Justizzentrums an der Konstablerwache nutzen.

Nach Angaben der Stadt ist das Gebäude an der Klapperfeldstraße das letzte Angebot, das sie den Besetzern machen wird. Zwei Objekte hat die Gruppe bereits abgelehnt. „Einen dritten Anlauf unternehmen wir nicht“, so Damian. Ohnehin habe sich die Stadt für die Besetzer weit aus dem Fenster gelehnt, denn immerhin sei die Besetzung des Juz illegal. Auch in diesem Punkt ist die Stadt den Kunstschaffenden aber entgegengekommen: Sollten sie tatsäcWich das Juz verlassen, will die Stadt die Anzeige gegen die Besetzer zurückziehen.

Ob die Initiative das Angebot der Stadt annehmen wird, blieb gestern offen. Zunächst wolle man sich beraten, hieß es. In den nächsten Tagen werde man sich dann entscheiden. isk.