„Fehlende Gesprächsbereitschaft“

Ebeling will Vernissage im besetzten Jugendhaus fernbleiben

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2009 (pdf-Download)

Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) hat eine Einladung der Besetzer des ehemaligen Jugendzentrums in Bockenheim ausgeschlagen. Wie das Büro der Stadträtin gestern mitteilte, will sie der für morgen angekündigten Eröffnung einer Kunstausstellung fernbleiben. Wie berichtet hatte die Initiative „Faites votre jeu“ Ebeling in einem offenen Brief dazu aufgefordert, an der Vernissage teilzunehmen und sich dabei ein Bild von der nunmehr „selbstverwalteten“ Einrichtung zu machen (F.A.Z. vom Donnerstag). Die überwiegend aus Studenten bestehende Gruppe junger Erwachsener hält die städtische Liegenschaft seit August besetzt um dort ein „Kunst- und Kulturzentrum“ zu betreiben. Die Stadt, die die Besetzung bislang duldete, drängt nunmehr auf die Räumung zum 15. Januar.
Mit der Ausstellung von Studenten der Städelschule sowie der Hochschule für Gestaltung Offenbach, die demonstrativ über den von der Stadt gesetzten Räumungstermin hinaus bis Ende Januar gezeigt werden soll, wollen sich die Hausbesetzer der Räumungsforderung offenbar widersetzen. Dieses Vorgehen der Besetzer sei nicht zu akzeptieren, befand das Bildungsdezernat: „So fühlt man sich nicht eingeladen“, sagte Ebelings persönlicher Referent Rüdiger Niemann. Dabei verwies er auch auf den jüngst von den Hausbesetzern öffentlich geäußerten Vorwurf, dass die Stadt – die besetzte Liegenschaft dieses Jahr zur lange geplanten Erweiterung der benachbarten Schule für Bekleidung und Mode benötigt – nicht ernsthaft mögliche Ersatzräume für die Initiative ”Faites votre jeu“ suche.
Niemann bestreitet dies. „Die Stadt respektiert durchaus den Wunsch der Initiative nach eigenen Räumen.“ Es sei aber nicht einfach, freie Standorte zu finden. Zudem zeigten sich die Hausbesetzer nicht gesprächsbereit; sie hätten sich zuletzt nur noch über ihre Anwältin und die Medien an das Dezernat gewandt, so Niemann. Dessen ungeachtet suche die Stadt aber weiter eine für alle Beteiligten tragbare Lösung: Nachdem zwei Standorte in Rödelheim und Sachsenhausen verworfen worden seien, bemühe sich das Dezernat derzeit um zwei weitere Ersatzliegenschaften; womöglich könnten diese in der nächsten Woche – also vor dem 15. Januar – den Hausbesetzern offeriert werden, sagte Niemann. Um welche Räumlichkeiten es sich dabei handele, wollte er noch nicht sagen. Im Dezernat werde erwartet, das die Hausbesetzer das Jugendhaus fristgerecht verlassen und der Extremfall, die Räumung durch die Polizei vermieden werden könne, sagte Niemann. beg.