Archiv für Januar 2009

Ein paar Termine für die nächsten Tage

Donnerstag, 5. Februar`09:
Ab 21h musikalischer Barabend zum Abschluss der Veranstaltungsreihe Faites votre éducation.
Kontrolliertes kreiseln mit Katja und Katha, euch erwartet Blueschansoncountryfolkloreexperimentalgypsyjazzpsychedelicswingpunk.

»Faites votre tricotage!«
Der lustige Handarbeitskreis mit Tante Martin und Onkel Manni ab dem 1.Februar`09 jeden Sonntag um 18h
Wenn du immer schon Stricken oder Häkeln lernen wolltest oder Lust hast, deine Skills zu vertiefen, dann komm vorbei – am besten mit Wolle im Gepäck. Für gute Stimmung ist gesorgt.

Am Sonntag, 1.Februar um 21h Filmabend mit:
ITTY BITTY TITTY COMMITTEE Jede Generation braucht ihre eigene Revolution

Außerdem heute ab 17 Uhr:
Finissage der Ausstellung The Real Estate Show

Und ab 20 Uhr:
Ausstellungseröffnung: »headshotflachkunst« von Ismusismus

RheinMainTV aktuell – 29.01.2009

Der dritte Beitrag in RheinMainTV vom 29. Januar 2009. Diesmal ein Bericht über das mögliche Ersatzobjekt „Klapperfeld“:

Die neue Freiheit im Knast

Journal Frankfurt – www.pflasterstrand.de, 30.01.2009

Von Günther Michels

Nachdem ausgewählte Leute von der Presse das Alternativgebäude schon am Mittwochnachmittag besichtigen durften, nachdem die Frankfurter die Bilder und Berichte über das neue Objekt schon am Donnerstag in der Zeitung gesehen haben und nachdem auch halb Deutschland darüber in der Bild-Zeitung lesen konnte, jetzt durften letztlich auch die eigentlich Betroffenen – die Hausbesetzer des ehemaligen JUZ – ihre mögliche neue Heimatstätte besichtigen. Ein geschickter Schachzug aus dem Römer, um das gewünschte Öffentlichkeitsbild aufzubauen. Damit dem Trara zwischen Stadt, Modeschule und Kultur- und Jugendzentrum endlich ein schnelles, aber auch friedliches Ende gesetzt wird.

Rund dreißig Leute begutachteten gestern die alten Gemäuer des stillgelegten Klapperfeld Gefängnisses. Jetzt geht’s also doch in Knast. Für morgen steht noch ein zweiter Termin aus. Und dann heißt es beratschlagen. Das neue Gebäude hat sicherlich Vorteile, aber auch jede Menge Nachteile. Verwunderlich ist, weshalb der Initiative „faites votre jeu!“ nur das Erdgeschoss und der erste Stock angeboten wird. Dies sind die Stockwerke, die weniger ideal für Veranstaltungen oder Ausstellungen nutzbar sind. Über den Keller müsse noch verhandelt werden. Aber dies ist wahrscheinlich auch taktisch klug. Erst mal in kleinen Häppchen entgegen kommen. Ob all diese Räumlichkeiten wirklich annehmbar sind, darüber müsse die Gruppe noch ausgiebig diskutieren.

Gerade bei einer Lesungen, wie der von Micha Brumlik, die über hundert Leute ins alte JUZ lockte, würde in der ersten und zweiten Etage wohl kaum ausreichend Platz vorhanden sein. Warm ist es in der alten Häftlingsanstalt auch nicht gerade. Verständlich. Bei den kleinen Fenstern kommt nur wenig Licht herein und eine Heizung ist auch nicht vorhanden. Ein Heizsystem würde aber noch installiert werden, teilte Rüdiger Niemann vom Bildungsdezernat mit und man habe die Räumlichkeiten auch schon mit einer Heizfirma inspiziert. Es würde noch eine genauere Begutachtung mit dem Brandschutz- und Hochbauamt durchgeführt werden. Hierbei würde auch untersucht inwiefern man die Wände zwischen den einzelnen Zellen einreißen könne. Einen gewissen Flair hat der Laden auf jeden Fall. Partys, Ausstellungen, Konzerte oder Kulturveranstaltungen in einem alten Knast gibt’s nicht überall und ist auch mal was Besonderes. Gerade Kunstobjekte in einer hergerichteten Zelle zu betrachten könnte ein gewisses Etwas mit sich bringen. Jedoch sind von den Zellen zu viele vorhanden und die sind wirklich klein. Sollte man hier die Wände zwischen den Räumen nicht demontieren können, wäre dies einfach verlorener Platz. Die großen Räume, wie Gebetsraum, Verwaltung oder Wohnräume der Angestellten sind eben in den oberen Stockwerken. Die Stadt möchte diese Etagen aber versiegeln.

Auch der Hof ist einerseits recht interessant. Ein Gefängnishof eben. Ideal für Freiluftveranstaltungen und Konzerte. Dies geht natürlich nicht so einfach im Winter und bei einem kurzen Blick in die Runde kann man auf unzählige Fenster und Balkone der umliegenden Häuser blicken. Die würden sich wahrscheinlich auf angeregte Gespräche nachts um halb zwei wahnsinnig freuen, vor allem auch auf ein Konzert. Im Keller könnte man gut Werkstätten einrichten oder auch ein Fotolabor. Erst einmal muss aber der ganze Siff weg. Die Leute der Kulturinitiative sind sich der anstehenden Arbeit, die sich hier bieten würde bewusst und deshalb müssen die Bedingungen genau geklärt sein. Die Stadt bietet zwar erst einmal einen Zweijahresvertrag, aber wer will schon gerne die nötige Energie in eine derartige Sanierung stecken, wenn das aufbereitete Ergebnis danach wieder abgegeben werden muss. Generell steht aber flächenmäßig mehr Platz zur Verfügung als im alten JUZ, die Frage ist nur, ob und wie dieser für die Vorhaben von „faites votre jeu!“ angemessen genutzt werden könnte.

Offener Brief an Malte Lütjens und das Kollegium der Schule für Bekleidung und Mode

Sehr geehrter Herr Lütjens,
Liebes Kollegium der Schule für Bekleidung und Mode,

mit großem Interesse haben wir Ihr Engagement der letzten Monate in Bezug auf Ihr berechtigtes Anliegen nach besseren Lehr- und Lernbedingungen für die Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode zur Kenntnis genommen. Wir begrüßen es sehr, dass Sie zumindest in der Öffentlichkeit darlegen, dass Sie Ihre Interessen in Bezug auf die Schule für Bekleidung und Mode nicht gegen die unseren ausspielen wollen und unser »grundsätzliches Anliegen« in Ihrem Kollegium auf »Verständnis stößt«. Ihr sonstiges Verhalten jedoch lässt an der Ernsthaftigkeit Ihrer Äußerungen stark zweifeln. Dies ist auch der Grund weshalb wir im folgenden auf die Stellungnahme Ihres Kollegiums und die Art der Verbreitung dieses Papiers eingehen möchten. Nicht unkommentiert lassen können wir auch die Schilderungen einiger Schüler_innen der oben genannten Schule.

Zunächst zu dem Schreiben Ihres Kollegiums: Die Gegenüberstellung der Aktiven unserer Initiative, die Sie Ihrer Wahrnehmung nach als »eher privilegierte junge Studierende« beschreiben, mit Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode welcher ihrer Aussage nach aus »benachteiligten Milieus mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen« kommen, lässt ihre Behauptung, keine Interessen gegeneinander ausspielen zu wollen, zur bloßen Floskel verkommen. Außerdem lässt Ihr Aufrechnen von Bedürftigkeiten die nötige soziale Kompetenz vermissen, die besonders bei einer solch »heterogenen Schülerschaft« sicher von Nöten ist.

Des Weiteren wundert es uns sehr, wie sie auf die Idee kommen können, dass es sich bei den Menschen unserer Gruppe um Personen handle, die »ihre schulische Ausbildung ohne größere Umwege genießen durften« – ohne jemals wirklich in Kontakt mit uns getreten zu sein, lässt sich wohl eine wahrheitsgemäße Aussage in Bezug darauf nicht formulieren. Die Realität sieht nun mal ganz anders aus.

Wenn Sie die Presseberichte in den letzten Wochen verfolgt haben, so müsste auch Ihnen klar sein, dass Sie uns weder »unreflektiertes Verhalten«, noch »fehlende Kompromissbereitschaft« vorwerfen können. So suchten wir, in den vergangenen Monaten immer wieder das Gespräch mit Jutta Ebeling und dem Bildungsdezernat und stellten wiederholt klar, dass unser Ziel nicht die Beeinträchtigung der Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode und deren Lernabläufen ist.

Ferner haben wir Ihnen, Herr Lütjens – zum Beispiel auf der Ortsbeiratssitzung am 3.12. und auf unserer Pressekonferenz am 18.12. – mehrfach angeboten, auch Veranstaltungen mit Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode durchzuführen. Dies wurde von Ihrer Seite jedoch mit strikter Ablehnung beantwortet. Auch sonst bieten wir jenseits schulischen Alltags vielseitige Bildungsangebote für Menschen aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen – vollkommen unabhängig von Alter, Bildungsgrad oder Herkunft – an. Als ein Beispiel nennen wir hier die Veranstaltungsreihe »Faites votre éducation« die sich besonders an Schüler_innen und Nichtstudierende richtet.

Bei dieser werden, in Zusammenarbeit mit Lehrbeauftragten der Frankfurter Goethe-Universität, unterschiedlichste Themenbereiche behandelt, die in Ausbildung, Schule oder Uni zunehmend weniger Raum haben. So wurden zuletzt am Dienstag, den 27. Januar – anlässlich des Befreiungstages von Auschwitz – zwei Veranstaltungen durchgeführt, die sicher auch für die Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode spannend gewesen wären: So konnte mensch mit Dr. habil. Benjamin Ortmeyer zum Thema »Schulzeit unterm Hitlerbild« die NS-Zeit an der eigenen Schule erforschen. Prof. Dr. Micha Brumlik hielt einen Vortrag zur »Entstehung von Antisemitismus« mit anschließender Diskussion.

Wir sind sehr irritiert darüber, dass wir aus Gesprächen mit einigen Schüler_innen der Schule für Bekleidung und Mode erfahren mussten, dass diesen untersagt wurde, mit uns in Kontakt zu treten und sogar dazu angehalten worden sind, sich zu melden, wenn mitbekommen wird, dass dies Mitschüler_innen versuchen sollten. Ihr Versuch, über Kontaktverbot und die Aufforderung zur Denunziation zu verhindern, dass die Schüler_innen Ihrer Schule sich ein eigenes Bild von unserer Initiative und dem selbstverwalteten Kunst- und Kulturzentrum machen, lassen sicher nicht nur uns daran Zweifeln, dass Ihr Ziel die Erziehung zur Mündigkeit ist. Das Verhalten Ihres Kollegiums macht klar, wie notwendig außerschulische und selbstbestimmte Bildungsangebote sind.

Unerträglich ist nicht nur, dass Sie den Schüler_innen das Recht aberkennen, selbst zu Denken, damit sie einen eigenen Eindruck von uns bekommen, sondern auch, dass Sie unseren »Sympathisanten« das Recht absprechen selbst zu entscheiden, mit »wem oder was sie sich solidarisch erklären«. Das Sie Ihre Stellungnahme – wohl mit dem Ziel, einer Distanzierung von uns – an unsere Unterstützer_innen versendet haben, ist eine Unverschämtheit, die keiner weiteren Kommentierung bedarf.

Ihr Auftreten und Verhalten diesbezüglich veranlasst uns dazu, darauf hinzuweisen, das »moderne Pädagogik« nicht nur »geeignete Räume«, sondern auch umsichtige und weltoffene Pädagog_innen und Lehrkräfte benötigt und an Ihrer Schule wohl nicht nur ein Mangel an Platz besteht. Wir sind der Meinung, dass Jugendliche durch die gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse schon genug unter Druck gesetzt werden und es nicht notwendig ist, diesen Druck durch Meinungsverbote zu erhöhen.

Somit Verbleiben wir in der Hoffnung, dass sich nicht nur Ihre Raumsituation in naher Zukunft verbessert, damit Sie nicht als bald vor Ihrem pädagogischen »rien ne va plus!« stehen.

Mit freundlichen Grüßen aus Ihrer Nachbarschaft,
die Initiative »Faites votre jeu!«

P.S.: Zuletzt möchten wir noch darauf Hinweisen, dass dieses Schreiben nichts mit den derzeitigen Verhandlungen um ein etwaiges Ersatzobjekt zu tun hat. Der einzige Grund für unseren Brief ist das unreflektierte Verhalten Ihrer Schulleitung und Ihres Kollegiums. Des Weiteren möchten wir klarstellen, dass Sie im Moment die einzigen in diesem Konflikt sind, die kein Interesse an einer gütlichen Einigung zu haben scheinen.

.
Anhang:
Stellungnahme des Kollegiums der Schule für Bekleidung und Mode
Flyer »Faites votre éducation!«

Kopie via E-Mail an:
• Schüler_innen-Vertretung der Schule für Bekleidung und Mode
• Dezernat II – Bildung und Frauen
• Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung
• Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend)

.
Download als pdf

Finissage der Ausstellung The Real Estate Show

Finissage der Ausstellung The Real Estate Show am Samstag den 31.01.2009 von 17:00 bis 21:00 Uhr im Kunstzentrum der Initiative Faites votre jeu!, Varrentrappstr 38, Frankfurt/Bockenheim.

Ein Projekt der Free Class FFM

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Finissage of The Real Estate Show on Saturday, 31st of Jannuary 2009, 17:00 to 21:00 in the art center of the Initiative Faites votre jeu!, Varrentrappstr 38, Frankfurt/Bockenheim.

A project of the Free Class FFM

.
Ab 20 Uhr Ausstellungseröffnung: »headshotflachkunst« von Ismusismus

Lust auf Gefängnis

„Faites votre jeu“ prüft Klapperfeld als Domizil

Frankfurter Rundschau (Print-Ausgabe), 29.01.2009 (download pdf)

Von Georg Leppert

Im Streit um das besetzte Haus in der Varrentrappstraße 38 rückt eine Lösung näher. Die Kulturinitiative „Faites votre jeu“ steht dem Angebot, das Gebäude zu verlassen und ins ehemalige Polizeigewahrsam an der Klapperfeldstraße zu ziehen, grundsätzlich offen gegenüber, sagte der Sprecher der Gruppe, Matthias Schneider. Es gebe aber noch einige Fragen zu klären. Bis Ende nächster Woche muss sich die Initiative entscheiden, ob sie das Angebot annimmt. Die Stadt hatte den Künstlern, die das ehemalige Jugendzentrum Bockenheim seit August besetzt halten, amDienstag das Klapperfeld vorgeschlagen. Die Miete soll nur symbolischer Natur sein, die Stadt könnte sich etwa einen Zuschuss zu den Heizkosten vorstellen. Der Mietvertrag hätte eine Laufzeit von zwei Jahren.

Die Initiative nehme „positiv zur Kenntnis“, dass Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) nun zu Verhandlungen bereit sei, teilte „Faites votre jeu“ mit. Zu verdanken sei das auch dem Engagement des Pädagogik-Professors Micha Brumlik, der in dem Streit zwischen Stadt und Besetzern als Mediator fungiert. Eine Entscheidung sei aber erst möglich, wenn sich mehr Mitglieder der Gruppe das Klapperfeld angesehen hätten, sagte Schneider. Am Dienstagabend hatte sich nur eine Delegation der Initiative das Klapperfeld angeschaut.Amheutigen Donnerstag (16 Uhr) und am Samstag (15 Uhr) soll es öffentliche Besichtigungstermine geben.

Sorgen bereitet „Faites votre jeu“ die kurze Laufzeit des Mietvertrages. Die Initiative befürchtet, dass die Stadt das Gebäude danach ans Land Hessen verkauft, das vor zwei Jahren einmal geplant hatte, an der Konstablerwache ein Justizzentrum zu errichten. „Dann hätten wir viel in die Sanierung des Hauses gesteckt und stünden wieder auf der Straße“, sagte Schneider. Einer Einigung mit der Stadt stehe zudem noch die Strafanzeige gegen die Hausbesetzer im Weg. Das Bildungsdezernat hatte imAugust Anzeige erstattet, nachdem die jungen Leute im Anschluss an eine Partyin das ehemalige Jugendzentrum eingezogen waren. Hintergrund ist, dass das Gebäude der benachbarten Schule für Mode und Bekleidung als Erweiterungsbau versprochen ist. Die Stadt werde die Anzeige jedoch zurückziehen, wenn die Initiative das Angebot annimmt und in den nächsten Wochen ins Klapperfeld zieht, sagte Ebelings Referent Michael Damian.

Das Bildungsdezernat bewertet die Gespräche mit den Hausbesetzern als „konstruktiv“. Eine andere Lösung als den Umzug der Gruppe ins Klapperfeld sieht Jutta Ebeling allerdings nicht mehr. Ein weiteres Angebot an die Besetzer werde es jedenfalls nicht geben, ließ sie mitteilen. Kommentar F4

Ab in den Knast

LEITARTIKEL

Frankfurter Rundschau (Print-Ausgabe), 29.01.2009 (download pdf)

Von Georg Leppert

Wenn alles gut geht, ist der Streit um das besetzte Haus Varrentrappstraße 38 in wenigen Wochen vorbei. Dann zieht die Initiative „Faites votre jeu“ aus dem einstigen Jugendzentrum Bockenheim aus und richtet sich im früheren Polizeigewahrsam an der Klapperfeldstraße ein. Gut ein Jahr später hätte die Frankfurter Schule für Mode und Bekleidungan derVarrentrappstraße endlich ihren Erweiterungsbau, auf den sie schon so lange hofft.

Kommt es so, wäre das eine Lösung für einen Konflikt, den viele lange Zeit für nicht lösbar hielten. Denneine echte Alternative zum Gebäude in Bockenheim schien es nicht zu geben. Das Klapperfeld ist ohne Frage ein gutes Domizil für die Initiative „Faites votrejeu“. Diejungen Leute hätten dort mehr Platz als in Bockenheim, sie wären an einem zentralen Ort, und dass ein altes Gefängnis in der Szene der Kunst- und Kulturschaffenden als cool gilt, darf manvoraussetzen. Die Stadt hat sich, das muss man anerkennend feststellen, bei der Suche nach einer Bleibe für die Gruppe viel Mühe gegeben.

Dafür muss man Bildungsdezernentin Jutta Ebeling nicht auf Knien danken. Das Angebot, ins Klapperfeld zu ziehen, ist kein Gnadenakt, sondern nur Ausdruck einer Haltung, die in einer Stadt wie Frankfurt selbstverständlich sein sollte: Zur Kultur gehören nicht nur Oper, Schauspielhaus und Städel, sondern eben auch freie Gruppen, die Kunst machen und zugleich politisch aktiv sind.

Fakt ist aber: „Faites votre jeu“ wird es schwerhaben, Argumente zu finden, um das Klapperfeld abzulehnen. Natürlich konnte niemand erwarten, dass die Gruppe schon am Tag nach der ersten Besichtigung das Angebot der Stadt akzeptiert. Denn tatsächlich sind ja noch einige Fragen offen. Mit Recht interessieren sich die jungen Leute vor allem dafür, was eigentlich nach Ablauf des Mietvertrags in zwei Jahren passieren soll. Zwar hat das Land Hessen die Pläne für einJustizzentrum an der Konstablerwache in den vergangenen zwei Jahren nicht besonders intensiv verfolgt, vomTisch sind sie gleichwohl noch nicht. Dass die Gruppe keine Lust hat, viel Zeit und womöglich auch Geld in Sanierung und Umbau des Klapperfeldes zu stecken, um in zwei Jahren wieder ausziehen zu müssen, ist durchaus verständlich.

Wichtig aber ist zunächst einmal, dass die Initiative demVorschlag grundsätzlich offen gegenüber steht. Denn eine andere Reaktion hätte Kritikern der Künstler in die Karten gespielt, die hinter vorgehaltener Hand behaupten, „Faites votre jeu“ sei gar nicht an einer Lösung des Konflikts interessiert, sondern wolle in Wahrheit nur Unfrieden stiften. Und diese Haltung würde nicht zumdurchaus offen wirkenden Auftreten passen, dass die Gruppe in den vergangenen Monaten gezeigt hat. F6 (zum Artikel)

Fotostrecke: Altes Gefängnis Klapperfeldgasse

Frankfurter Rundschau (www.fr-online.de), 28.01.2009


1888 wurde an der Klapperfeldstraße ein Kurzzeitgefängnis errichtet. Dienen sollte es als Übergangsstation für Häftlinge, bevor sie dem Haftrichter vorgeführt wurden.


In dem länglichen Backstein-Gebäude neben den vornehmen Sandsteinpalästen der Gerichte im Klapperfeld wurden über 114 Jahre hinweg alle möglichen Häftlinge kurzzeitig weggeschlossen.


Hinter grüngrauen Türen und gelben Wänden saßen Manager der Fraport-Bauabteilung und Abschiebe-Häftlinge. Davor RAF-Angehörige der ersten Generation der Terrorgruppe, Fußball-Fans und Besoffene – unzählige „mutmaßliche Täter“, Schuldige wie Unschuldige.


24 Stunden sollte die Unterbringung im Kurzzeitgefängnis nicht überschreiten. Das war die Regel. Erst bei Abschiebefällen wurde dies nicht mehr eingehalten.


Heute sieht der Bau wie kurz vorm Abriss aus: altes Mauerwerk, Moder und Rost. Aber den Stacheldraht gibt es auch noch.


Sieht man von der wenig anheimelnden Vergangenheit des Baus ab, so besitzt die Stadt mit dem alten Polizeigewahrsam eine so sehenswerte wie spannende Immobilie, die förmlich nach einer öffentlichen oder quasi-öffentlichen Nutzung schreit.


Und als Filmkulisse dürfte das Klapperfeld sich auch hervorragend eignen.


Eines jedenfalls steht wohl fest: Weggeschlossen wird im Klapperfeld-Knast niemand mehr.

Bilder: FR/Mueller