LONELY RITA READY-MADE

Objekte, Assemblagen und Collagen von SKA

Ausstellungseröffnung, Sonntag, 7. September 2008
(voraussichtlich bis 30. September 2008)

Ein Objekt finden – oder eins fertig machen

Objet trouvé und ready-made sind zwei unvermeidbare Stichwörter im Bereich des Surrealismus und des ihm nachfolgenden Kunstschaffens. Beide führen, wie renitentes Gestochere in einem Bienenkorb, ebenso unweigerlich zu unangenehmen Gegenstichen.Sehr schnell waren beide Begriffe „schon zu Lebzeiten“ ein-, durch- und abgeführt. Da konnte auch der Enthusiasmus eines André Breton nichts retten oder ändern. Auch die intellektuelle Reserviertheit (oder reservierte Intelligenz) eines Marcel Duchamps konnte nicht verhindern, daß beiden Begriffen auch bei neuester Anwendung etwas Altmodisches anhaftet. Um nun auch noch eine dritte Methode ins Spiel zu bringen, den cadavre exquis: Man kann bei der Betrachtung zeitgenössischer Kunst in der Regel getrost zu der munteren Frage greifen: Welchen Namen hat denn diese Leiche? Woran sich eigentlich wie von selbst eine weitere Frage anschließt: Warum leben unsere Leichen noch? Die Antwort scheint mir einfach: Weil wir sie lieben.

Wie kommen meine Objekte/Assemblagen zu Stande?
„Das Material muß stimmen“, wie es in der Werbung eines Baumarkts heißt. Ich würde hinzufügen, es muß eine Stimme haben, um sich mir mitteilen zu können. Nur dann bin ich in der Lage, die unterschiedlichen Gegenstände und Materialien in unerwartete Zusammenhänge zu bringen. Im Idealfall verhält sich das Werk letztendlich wie ein Subjekt, mit dem ich oder irgend ein Betrachter kommunizieren kann.

Anders sehen – anders handeln

Wenige Kunstrichtungen (außer vielleicht Fluxus) haben wie der Surrealismus ihre Aktivität als Probehandeln für eine Anwendung im sogenannten realen Bereich verstanden. Ausgangspunkt ist immer das Finden von Material, das etwas unbestimmt Beeindruckendes hat, das sowohl Anzeichen von Alltäglichem wie auch das Versprechen von MEHR in sich trägt. Ob man sich dabei wie Max Ernst der Frottage bedient, dem „Kopieren“ von Holzmaserungen auf Papier, oder ob man sich auf Traumprotokolle bezieht, ist egal; Hauptsache es führt zu einer Art Ausgrabung seiner selbst. Nur dann ist nämlich gewährleistet, daß neben dem Unbekannten etwas auftaucht, das ein Gefühl des Vertrauten schafft.
Als Künstler sollte man sich verpflichtet fühlen, darauf zu achten, daß das Vertraute sich auf seine Funktion als Moderator des Unbekannten beschränkt, da sonst selbst die Revolte Schwierigkeiten bekommt, sich vom Altmodischen abzunabeln. Bin ich Surrealist? Das nun wohl doch nicht. Aber wenn ich die Spielart nennen sollte, die mir am nächsten käme, würde ich auf die Beatles verweisen. Deren Surrealismus scheint mir von allen der emotionellste. Jedoch bin ich kein Erfinder sondern Finder, und des weiteren würde ich sagen: Arrangeur. Ich arrangiere Spielräume des Fühlens und Denkens. Diese bestehen oft aus mehreren vorgefunden Objekten (objets trouvés) aber auch aus dem Titel, der sich meistens aus dem Wortschatz des ritualisierten Sprechens speist und in der Regel etwas anderes sagt, als er sollte. Vielleicht müsste man eher sagen: Ich bin durch das Werk ready-made.